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237/02 | Berlin, 17.09.2002

"Daten zur Natur" 2002 belegen: Wanderfalke und Fischotter geht es wieder besser

Bundesumweltminister Jürgen Trittin und der Präsident des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) Prof. Dr. Hartmut Vogtmann haben heute in Bonn die neueste Ausgabe der "Daten zur Natur"vorgestellt. Auf über 200 Seiten werden der aktuelle Stand des Schutzes und der Nutzung der Natur in Deutschland analysiert, die vielfältigen Instrumente des Naturschutzes aufgezeigt undHandlungsfelder für die Zukunft erörtert.

Nach Ansicht von Bundesumweltminister Jürgen Trittin machen die "Daten zur Natur" deutlich, dass die Anstrengungen von Bund und Ländern in den letzten Jahren zu sichtbaren Erfolgengeführt haben, aber weiterhin eine Reihe von Gefährdungen für Natur und Landschaft bestehen. "Wanderfalke und Fischotter geht es wieder besser. Das zeigt, dass sich der Zustand ihrerLebensräume, die auch unsere Umwelt sind, verbessert hat. Mit der im April dieses Jahres in Kraft getretenen Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes, mit der wir einen über 20 Jahrewährenden Reformstau aufgelöst haben, werden wir die vorhandenen Gefährdungen für Fauna und Flora weiter zurückdrängen und eine Trendwende beim Schutz von Tieren, Pflanzen und ihren Lebensräumen herbeiführen. Über 80 Millionen Euro Bundesmittel flossen in mehr als 30 Naturschutzgroßprojekte. Rund 100 000 Hektar für den Naturschutzwertvolle Flächen des Bundes in den neuen Ländern wurden von der Privatisierung ausgenommen und können von Ländern und Naturschutzverbänden übernommen werden. Damit wirdklar: Die Bewahrung des nationalen Naturerbes und die ökologische Modernisierung unseres Landes gehören für diese Bundesregierung zusammen", sagte Trittin.

"Die vom Bundesamt für Naturschutz vorgelegten ‚Daten zur Natur` unterstreichen den nach wie vor großen Handlungsbedarf zum Erhalt der biologischen Vielfalt", führteBfN-Präsident Hartmut Vogtmann aus. "Sie zeigen aber auch, dass fachlich ausgereifte und politisch flankierte Konzepte greifen. Negative Entwicklungstrends können gestoppt und sogarumgekehrt werden", so Vogtmann weiter.

Einige Beispiele, die stellvertretend für den Erfolg der Naturschutzmassnahmen von Bund und Ländern stehen:

Der Wanderfalke zählte 1984 in Deutschland zu den vom Aussterben bedrohten Arten. Nach dem Verwendungsverbot für chlorierte Kohlenwasserstoffe, darunter DDT, sowie aufgrund intensiverSchutzbemühungen und Auswilderungsmaßnahmen hat dieser Greifvogel in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Saarland wiederBestandsdichten des Jahres 1950 erreicht.

Vor zehn Jahren war der Fischotter in Niedersachsen noch vom Aussterben bedroht. Dank wirksamer Schutzmassnahmen kommt er dort wieder in allen geeigneten Lebensräumen vor. DasFischotterprogramm wurde nicht zuletzt durch eine Reihe von Naturschutzgroßprojekten sowie Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes fürNaturschutz maßgeblich unterstützt.

Durch die Verbesserung der Gewässerqualität und die Einrichtung neuer Fischaufstiegsanlagen hat sich die Fischfauna der oberen Elbe deutlich verbessert. So stieg die Zahl der Arten von1993 bis 1999 von 19 auf 36 an. Die Auswirkungen des jüngsten Hochwassers sind allerdings noch nicht bekannt. Im Rhein können heute bis auf zwei alle früher verzeichneten Arten wiedernachgewiesen werden. Das jüngste Elbehochwasser hat gezeigt, dass vor allem bei der Verbesserung der Gewässerstruktur dringend Verbesserungen erforderlich sind. Den Flüssen istkünftig mehr Raum zu geben, um die Hochwasserfolgen besser zu bewältigen. Mit den beiden vom Bundesumweltministerium zu jeweils 75 Prozent geförderten Deichrückverlegungen vonjeweils mehreren 100 Hektar an der Mittleren Elbe und am "Bösen Ort" bei Lenzen in Brandenburg werden Beispiele geschaffen, den Flüssen wieder eine ungestörte Überflutungsdynamikzurückzugeben und die Menschen besser vor Hochwasser zu schützen.

Trotz dieser Erfolge kann für die Gefährdungssituation von Arten und Lebensräumen insgesamt noch keine Entwarnung gegeben werden. Etwa ein Drittel (36 Prozent) der Tierarten istbestandsgefährdet, 3 Prozent gelten als ausgestorben oder verschollen. Ähnlich ist die Situation bei den Pflanzen: 29 Prozent sind bestandsgefährdet, 4 Prozent ausgestorben oderverschollen. Deutlich wird der Handlungsbedarf bei den Lebensräumen: Von den in Deutschland existierenden rund 500 Biotoptypen werden über zwei Drittel als gefährdet eingestuft. Deshalb wurden mit der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes wichtige Weichenstellungen vorgenommen und der Naturschutz aus dem Reservat geholt, um eine Trendwende herbeizuführen: Erstmals wurdeu.a. die gute fachliche Praxis in der Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft definiert. Mindestens 10 Prozent der Landesfläche sollen künftig durch einen Biotopverbund geschützt werden. Der Meeresnaturschutz in der Ausschließlichen Wirtschaftszone wurde gestärkt.

Die "Daten zur Natur" (ISBN-3-7843-3829-1) sind zum Preis von 24 Euro im Buchhandel oder über den BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag (48084 Münster, Tel: 02501-801-300) erhältlich.

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