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Rede der Parlamentarischen Staatssekretärin Katherina Reiche auf der NABU-Preisverleihung (Laudatio Lebensmitteleinzelhandel)

Datum: 30.11.2010
Ort: Berlin

Anrede,

Ich freue mich sehr, heute den NABU-Umweltpreis für Lebensmittelmärkte in der Kategorie "Filialen von Lebensmittelhandelsketten" verleihen zu können. Die Umweltwirkungen des privaten Konsums und hier insbesondere auch der Lebensmittel rücken immer mehr in den Fokus der Politik. Auch gibt es immer mehr Verbraucher, die gerade diese Wirkungen kritisch hinterfragen und auch bereit sind, ihr Kaufverhalten zu ändern.

In den letzten fünf Jahrzehnten haben sich international die Ausgaben für den Konsum allgemein vervielfacht: 2006 wurden 30,5 Billionen Dollar für Waren und Dienstleistungen ausgegeben - das entspricht einer Versechsfachung gegenüber 1960.

Mit steigendem Konsum steigt auch die Ressourcennutzung: Zwischen 1950 und 2005 ist z.B. die Metallproduktion um das Sechsfache, der Ölverbrauch um das Achtfache und der Erdgasverbrauch um das Vierzehnfache gestiegen.

Diese Zahlen haben zwar nicht unmittelbar mit dem Lebensmitteleinzelhandel zu tun, sie illustrieren aber die Herausforderung, vor der wir stehen:

Der heutige "ökologische Fußabdruck" der Menschheit liegt bei einem Ressourcenverbrauch von 1,4 Planeten. Das bedeutet, dass die Erde über ein Jahr und vier Monate braucht, um den Bedarf der Menschheit eines Jahres zu decken. Das ist der internationale Durchschnitt. Der europäische Ressourcenverbrauch liegt zurzeit bei einem Wert von 1,8, der deutsche bei 3,2 Planeten.

Hat man dabei vor Augen, dass die Weltbevölkerung weiter stark wächst, so wird deutlich, dass eine Verringerung des Ressourcenverbrauchs unabdingbare Voraussetzung für die zukünftige Überlebenssicherung der Menschheit ist. Unser Konsummodell, wie wir es hier leben, kann nicht als Modell für die Zukunft dienen.

Eine Wirtschaftsweise und eine Konsumkultur, die natürliche Ressourcen verschwenden und sie nach Gebrauch nicht wieder in den Kreislauf zurück bringen, sind nicht zukunftsfähig. Ein Übergang zu einer nachhaltigen Gesellschaft mit einer ressourcenarmen, umweltfreundlichen Wirtschaftsweise ist unausweichlich.

Die Stellschrauben, um einen solchen Übergang zu bewerkstelligen, sind vielfältig. Erforderlich sind der Einsatz unterschiedlicher Instrumente und Aktivitäten verschiedener Akteure: Neben der Politik müssen auch die Unternehmen, die Medien, die Bildungseinrichtungen und natürlich auch die Konsumenten selbst aktiv werden.

Das Bundesumweltministerium versucht, mit einer aufgeklärten, auf Verantwortung gerichteten Verbraucherpolitik hierfür die geeigneten Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehören nicht nur Anreize für die ökologischere Gestaltung von Produkten in der Herstellung und von Produktsortimenten im Handel z.B. durch Umweltzeichen wie den Blauen Engel, sondern auch die Aktivierung von Bürgerinnen und Bürgern. Auch die Nachfrage der öffentlichen Hand spielt eine wichtige Rolle: Sie kann einen enormen Nachfragedruck entfalten.

Für die Realisierung von nachhaltigem Konsum hat der Einzelhandel eine entscheidende Bedeutung. Denn der Einzelhandel ist das Scharnier zum Kunden, er erreicht die Menschen direkt und unmittelbar. Seine Sortimentsausrichtung, die Art und Weise, wie am Point of Sale nachhaltige Produkte dargestellt und platziert werden, entscheidet darüber, ob, welche und wie viele nachhaltige Produkte vom Kunden gekauft werden.

Gerade der Lebensmittelbereich ist hierfür ein praktikables und wichtiges Handlungsfeld. Unsere Ernährung ist für mehr als ein Viertel des konsumbezogenen Energie- und Ressourcenverbrauchs verantwortlich.

Auch entstehen z.B. durch den Einsatz von Pestiziden oder Düngemitteln erhebliche weitere Umweltprobleme bei der Erzeugung der Lebensmittel. Der Verbraucher braucht daher gerade im Lebensmittelhandel, den er täglich aufsucht, verlässliche Informationshilfen. Denn insbesondere im Lebensmittelbereich gibt es eine Vielzahl von Labels, die oft eher zur Verwirrung des Konsumenten beitragen.

Wenn daher eine Lebensmittelfiliale wie der Preisträger dem Verbraucher neben einem großen Angebot an nachhaltigen Produkten zusätzliche Orientierung gibt, so ist dies sehr begrüßenswert.

Die tegut-Filiale in Kassel-Bettenhausen zeichnet sich durch einen besonders hohen Anteil von Biowaren (fast 30 Prozent) und von über 20 Prozent Fairtrade-Produkten aus. Die Endverbraucher bekommen die Produkte attraktiv präsentiert und die Bio-Produkte sind wie selbstverständlich im Sortiment integriert. Auch Papier- und Zellstoffprodukte mit dem Blauen Engel werden angeboten.

Dahinter steht ein persönlich engagierter Filialleiter, der sich verantwortlich fühlt und sich Gedanken über den Zusammenhang zwischen unserem Konsum und dem Umweltzustand der Welt macht. Solche Menschen braucht es, denn Nachhaltigkeit kann nicht von oben verordnet werden, sondern muss vor Ort gelebt werden.

Daher freue ich mich nun sehr, den Preis in der Kategorie Lebensmittelhandelsketten an die tegut-Filiale in Kassel-Bettenhausen überreichen zu können.

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