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Stand: 23.11.2012

UN-Klimakonferenz (COP18 /CMP18) in Doha, Katar vom 26. November bis 7. Dezember 2012

Hintergrundinformationen

1) Was erwartet Deutschland in Doha?

Deutschland und die EU wollen in Doha die Ergebnisse von Durban praktisch umsetzen. Fortschritt in den Verhandlungen wird es nur geben, wenn die in Durban gefundene Balance zwischen den zentralen Verhandlungspunkten erhalten bleibt. In diesem Verständnis strebt Deutschland folgendes Paket an:

  • ein Arbeitsprogramm für die kommenden Jahre zur Verhandlung eines umfassenden Klimaschutzabkommens. Dieses Abkommen muss bis 2015 verhandelt sein und soll ab 2020 in Kraft treten (Beschluss von Durban). Es braucht ein politisches Signal, dass die Arbeit an diesem Abkommen von nun an hohe Priorität hat. Freiwillige Vereinbarungen alleine reichen nicht, die 2 Grad Obergrenze einzuhalten. Alle Staaten müssen verbindlich zur Minderung der Emissionen beitragen.
  • eine ratifizierbare zweite Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll: Deutschland und die EU sind bereit, sich an internationale Regeln zu halten und das Kyoto-Protokoll mit einer zweiten Verpflichtungsperiode weiter zu führen – auch wenn der Kreis der Staaten, der sich beteiligt begrenzt sein wird. Mit einer 2. Verpflichtungsperiode wird eine Brücke hin zu einem regelbasierten Klimaschutzregime von 2020 gebaut, an dem sich alle Staaten beteiligen.
  • eine Aufstockung der Klimaschutzaktivitäten vor 2020: Es ist unerlässlich, dass wir vor 2020 mehr tun, um die 2°C-Obergrenze einzuhalten. Deutschland wird in Doha dafür eintreten, dass die Zahl der Staaten steigt, die bis 2020 verbindliche Zusagen machen und das diskutiert wird, welche Staaten ihre Ziele bis 2020 anheben können. Außerdem wird sich Deutschland für Allianzen von Vorreiterstaaten einsetzen um so mehr Klimaschutz anzustoßen.
  • Aussagen zur Klimafinanzierung, die den Weg zu einem umfassenden Abkommen ebnen: DE und die EU stehen zu ihren Finanzzusagen für die kurz- sowie mittelfristige Klimafinanzierung. Das gilt für die konkreten Zusagen im Rahmen der Sofort-Finanzierung von 2010 – 2012 als auch zukünftig für einen angemessenen Anteil am Erreichen des 100 Mrd. $ Zieles für 2020.
  • eine Modernisierung des Verhandlungsprozesses: derzeit sind die UN-Verhandlungen wenig effizient mit alleine drei temporären Arbeitsgruppen, die sich alle um die Zukunft des Klimaregimes kümmern. Von 2013 an soll es nur noch eine Gruppe zur Verhandlung des neuen Abkommens geben. Themen, die wir bereits fertig verhandelt und umsetzungsreif sind, sollen in den dafür geschaffenen Gremien behandelt werden. Ein Beispiel ist der Grüne Klimafonds.

Mit einem solchen Ergebnis wird Doha eine erfolgreiche Arbeitskonferenz auf dem Weg zu einem neuen Abkommen, die zugleich wichtige Impulse für mehr Minderungsambition vor 2020 setzt. Seitens einiger Verhandlungspartner wird einzig auf eine 2. Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll als Ergebnis gesetzt. Dies greift eindeutig zu kurz. Die zweite Verpflichtungsperiode unter dem KP wird ca. 15 Prozent der globalen Emissionen regulieren, zu wenig, um die 2 Grad Obergrenze einzuhalten. Deshalb braucht es zugleich Fortschritt bei Minderungsambition vor 2020 und bei der Verhandlung des neuen, umfassenden Abkommens.

Angesichts der Dringlichkeit, den weiter voran schreitenden Klimawandels zu stoppen, sind die in Doha zu erwartenden Ergebnisse moderat. Finanzkrise in Europa und Regierungswechsel in China und den USA sind Rahmenbedingungen, die keine Durchbrüche beim Ambitionsniveau für Emissionsminderungen und bei den Verhandlungen eines neuen Abkommens erwarten lassen.

Mit Katar ist erstmals ein Ölstaat Gastgeber einer Klimakonferenz.

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2) Was passiert in Doha konkret?

Wer verhandelt wann?

Vom 26. November bis 7. Dezember 2012 findet in Doha/Katar die nächste UN-Klimaverhandlungssitzung statt. Das Ministersegment, in dem die Entscheidungen getroffen werden, dauert vom 4. - 7. Dezember.

Was wird verhandelt?

In Doha tagen sieben Gremien parallel:

  • die Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP 18), die alle Entscheidungen unter der Klimarahmenkonvention trifft
  • die Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls (CMP 8), die über die zweite Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll und über Fragen der Umsetzung der ersten Verpflichtungsperiode entscheidet
  • die beiden technischen Gremien (Nebenorgane) der Klimarahmenkonvention und des Kyoto-Protokolls, um die Umsetzung der Beschlüsse voranzutreiben (SBI) und technische und wissenschaftliche Fragen zu klären (SBSTA)
  • sowie drei temporäre Arbeitsgruppen, in denen die politischen Entscheidungen der Konferenz vorbereitet werden:
    • die in Durban beschlossene Arbeitsgruppe zur Verhandlung eines umfassenden Abkommens (Ad hoc Arbeitsgruppe zur Durban Plattform, ADP), die in ihren zwei Arbeitssträngen
      ein Arbeitsprogramm bis 2015 für die Verhandlung eines umfassenden Klimaschutzabkommens mit verbindlichen Minderungszielen für alle Staaten vereinbaren und
      Maßnahmen zur Anhebung des Ambitionsniveaus bei der Treibhausgasminderung vor 2020 beschließen soll.
    • die Arbeitsgruppe unter dem Kyoto-Protokoll (AWG KP) muss in Doha noch offene technische Fragen klären, um die in Durban vereinbarte 2. Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll am 1. Januar 2013 beginnen zu lassen. Im Wesentlichen sind dies die Höhe der Emissionsbudgets (QELRO), die Länge der 2. Verpflichtungsperiode (in Durban wurde offen gelassen, ob diese 5 oder 8 Jahre dauert) sowie der Umgang mit den überschüssigen Emissionsrechten aus der 1. Verpflichtungsperiode (eine Übertragung dieser Rechte würde die Minderungsanstrengungen deutlich reduzieren).
    • die Arbeitsgruppe unter der Klimarahmenkonvention (AWG LCA) debattiert verbleibende offene Fragen. In Durban wurde beschlossen, diese Gruppe in Doha zu schließen. Einige der offenen Themen wie z.B. die Quantifizierung des globalen Langfristziels werden voraussichtlich nicht in diesem Jahr lösbar sein, und in die Verhandlungen über das neue Abkommen eingehen.
    Alle Verhandlungsdokumente sind auf der Internetseite des Klimasekretariats (www.unfccc.int) abrufbar.
    Welche Verhandlungsgruppen gibt es?
    Die fast 200 teilnehmenden Staaten haben sich in verschiedenen Verhandlungsgruppen zusammen geschlossen, um ihren Interessen mehr Gehör zu verschaffen. Die wichtigsten Verhandlungsgruppen sind:
    • Afrikanische Gruppe: über 50 afrikanische Staaten, in Doha durch Swasiland repräsentiert
    • AOSIS: Allianz der kleinen Inselstaaten, etwa 40 Staaten, die besonders vom Klimawandel betroffen sind, in Doha spricht Nauru für diese Gruppe
    • BASIC: Gruppe der vier großen Schwellenländer Brasilien, China, Indien, Südafrika
    • Environmental Integrity Group, EIT: Korea, Liechtenstein, Mexiko, Monako, Schweiz
    • Europäische Union, 27 EU-Mitgliedsstaaten, EU Präsidentschaft in Doha ist Zypern
    • G77/China: Entwicklungsländer (auch Brasilien, China, Indien, Südafrika), nicht jedoch EIT Entwicklungsländer, Sprecher in Doha ist Algerien
    • Least Developed Countries, LDC: die am wenigsten entwickelten Staaten werden in Doha durch Gambia repräsentiert
    • Like Minded Developing Countries, LMDC: Gruppe von ca. 25 Entwicklungsländern um Ägypten, China, Indien, Philippinen und Saudi Arabien, die eher zu den Verhandlungsverzögerern zählen
    • Umbrella Group, UG: Nicht-EU Industrieländer, Australien spricht für diese Gruppe
    In vielen Gruppen ist die Teilnahme nicht exklusiv. So ist z. B. Gambia sowohl LDC als auch Afrikanische Gruppe als auch G77/China.
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    3) Ergebnisse von Durban

    • Nach zwei schwierigen Verhandlungswochen hat sich die Staatengemeinschaft am Ende des längsten bisherigen UN-Klimagipfels darauf geeinigt, im nächsten Jahr mit Verhandlungen zu einem alle Staaten einschließenden rechtsverbindlichen Klimaschutzabkommen zu beginnen. Auf dieser Basis konnte sich die Konferenz auch auf eine zweite Verpflichtungsperiode für das Ende 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verständigen.
    • Ab Anfang nächsten Jahres wird eine neue UN-Arbeitsgruppe damit beginnen, das neue umfassende Klimaabkommen zu verhandeln. Es soll so schnell wie möglich, spätestens jedoch 2015 verabschiedet werden.
    • Das Kyoto-Protokoll wird mit einer zweiten Periode ab Anfang 2013 weitergeführt. Bis zur nächsten UN-Klimakonferenz Ende 2012 in Katar sollen dazu die den Staaten zustehenden Emissionsbudgets sowie der Umgang mit überschüssigen Emissionsrechten aus der ersten Periode geregelt werden.
    • Die Konferenz hat festgestellt, dass die auf dem Tisch liegenden Minderungsangebote von Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern nicht ausreichen, um die 2-Grad- oder sogar die 1,5-Grad-Obergrenze einzuhalten. Die Ambition bei der Treibhausgasminderung soll gesteigert werden. Zur Umsetzung soll ein Aktionsprogramm erarbeitet werden. Wichtige Informationen dazu werden vom Weltklimarat IPCC und durch den in beim letzten Klimagipfel in Cancún beschlossenen Überprüfungsprozess beigesteuert.
    • Die Konferenz beschloss weiterhin Vorgaben für erhöhte Transparenz der Minderungsaktivitäten von Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern. Berichte und deren Überprüfung helfen, die Klimaschutzaktivitäten besser zu verstehen und am Ende zu beurteilen, ob diese Aktivitäten ausreichen, um einen gefährlichen Klimawandel zu vermeiden.
    • Darüber hinaus hat die Staatengemeinschaft die volle Umsetzung des Pakets beschlossen, mit dem Schwellen- und Entwicklungsländer beim Minderungs- und Anpassungsmaßnahmen unterstützt werden sollen. Zuerst zu nennen ist dabei der Grüne Klimafonds, der 2012 arbeitsfähig sein wird. Er soll Schwellen- und Entwicklungsländer bei Klimaschutzmaßnahmen finanziell unterstützen. Woher das Geld für den Fonds mobilisiert werden soll, wird im nächsten Jahr diskutiert. Deutschland wird erste Aktivitäten in Entwicklungsländern mit 40 Millionen Euro € unterstützen und bewirbt sich für den Sitz des Fonds-Sekretariats.
    • Der Fonds wird Teil der internationalen Gesamtklimaschutzfinanzierung sein. Die Industrieländer stehen dabei zu ihrer Zusage, Finanzmittel aus öffentlichen und privaten Quellen zu mobilisieren, die bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar erreichen sollen.
    • Zum Unterstützungspaket für Schwellen- und Entwicklungsländer gehört zudem ein Ausschuss, der Entwicklungsländer bei Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel unterstützen wird sowie ein Netzwerk und ein Fachausschuss für die bessere Verbreitung von klimafreundlichen Technologien. Beide werden so schnell als möglich ihre Arbeit aufnehmen.
    Das Durban-Paket ist ein qualitativer Sprung nach vorne. Damit ist das Fundament gelegt für ein internationales Klimaschutzabkommen, das erstmalig für alle gilt. Das Ergebnis ist ein großer Fortschritt, der vor dem Gipfel nicht in Reichweite zu sein schien. Das inoffizielle Konferenzmotto, ein Zitat von Nelson Mandela, hat sich bewahrheitet:"Es scheint immer unmöglich, bis es wirklich getan ist." Die EU und DEU gehörten durch ihr Bekenntnis zum Kyoto-Protokoll sowie zu einem ambitionierten internationalen Klimaschutz, der helfen muss, gefährlichen Klimawandel zu begrenzen, zu den Hauptakteuren des Gipfels. Durch ein starkes Bündnis zwischen der EU, den am schwächsten entwickelten Staaten und den kleinen Inselstaaten, die am meisten vom Klimawandel bedroht sind, ist es gelungen, ein Entscheidungspaket zu schnüren, das langfristig alle und vor allem auch die großen Emittenten verpflichten wird. Mit Beginn von Verhandlungen für einen neuen Klimavertrag und mit der Weiterführung des Kyoto-Protokolls haben die Staaten den Ansatz eines internationalen regel-basierten Systems zur Bekämpfung des Klimawandels gestärkt. Dieser Ansatz – umgesetzt bisher mit dem Kyoto-Protokoll - bedeutet, einen gemeinsamen Rahmen für möglichst alle Staaten zu schaffen und weiterzuentwickeln. Innerhalb dieses Systems werden gemeinsame Verpflichtungen (z.B. Minderungsziele für Industrieländer) und gemeinsame Regeln (z.B. zur Anrechnung von Emissionen) definiert. Dieser Ansatz wird insbesondere von den USA immer wieder in Frage gestellt. Nicht in allen Teilen ist das Entscheidungspaket ausreichend: insbesondere beim Thema Ambitionsniveau bei der Höhe der Minderungsangebote der Staaten – insbesondere der Industrieländer - als auch bei der Ausgestaltung der Regeln für das neue Abkommen zur Transparenz und für ein gemeinsames Anrechnungssystem für Treibhausgasemissionen muss noch nachgebessert werden.
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    4) Was geschah vor Durban?

    a) Was ist der "Bali Action Plan"?
    Die 13. Vertragsstaatenkonferenz (COP 13) der Klimarahmenkonvention und 3. Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls (MOP 3) im Jahr 2007 endete mit der Vereinbarung des "Bali Action Plan". Mit ihm beschlossen die Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention über die Themen konkrete Verpflichtungen sowie Beiträge aller Staaten zur Minderung von Emissionen (einschließlich Verminderung der Entwaldung), Anpassung, Technologie und Finanzierung bis und nach 2012 zu verhandeln. Ursprünglich sollten diese Verhandlungen 2009 auf der 15. Vertragsstaatenkonferenz (COP 15) in Kopenhagen enden. In Durban wurde entschieden, dass die Gruppe in Doha ihre Arbeit beenden soll.
    b) Was geschah in Kopenhagen?
    Die Staatengemeinschaft versammelte sich vom 07. bis zum 19. Dezember 2009 auf dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen. Ziel war es, die Kernelemente für ein neues Klimaabkommen verbindlich zu entscheiden. Dieses wurde noch nicht erreicht. In Kopenhagen ist es nur gelungen, während der letzten beiden Verhandlungstage durch eine Gruppe von repräsentativ ausgewählten Staats- und Regierungschefs die Kopenhagen Vereinbarung (Copenhagen Accord, CA) zu erarbeiten. Diese Vereinbarung ist eine politische Erklärung, zu der sich mittlerweile 140 Staaten bekennen. Er definiert einige Kernbausteine der zukünftigen internationalen Klimapolitik. Das Plenum der Klimakonferenz, also die Versammlung aller 194 Mitgliedstaaten der Klimakonvention, hat diesen Text zur Kenntnis genommen und als eine Grundlage in den Verhandlungsprozess eingeführt. Gemessen an den Zielen, die Deutschland und die EU mit der Kopenhagener Konferenz verfolgt haben, ist das Ergebnis ernüchternd. Es stellt aber einen ersten Schritt dar, auf dem jetzt aufgebaut werden soll. Positiv an dem CA ist, dass sich erstmals eine große Gruppe von Industrie- und Entwicklungsländern auf das 2°C-Limit geeinigt hat. Aus diesem Ziel können im Prinzip alle weiteren konkreten Ziele abgeleitet werden. Positiv sind weiter die Transparenzanforderungen an Maßnahmen der Entwicklungsländer sowie die Aussagen zur finanziellen Unterstützung. Allerdings sind wesentliche Punkte nicht in der Kopenhagen-Vereinbarung enthalten. In Kopenhagen wurde entschieden, dass die Arbeiten der beiden parallel laufenden Arbeitsgruppen zur zukünftigen Klimapolitik unter der Klimarahmenkonvention und unter dem Kyoto-Protokoll auf Basis der in Kopenhagen auf Arbeitsebene verhandelten Texte zumindest bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz in Mexiko weiterlaufen sollen, um dort über die Ergebnisse zu entscheiden.
    c) Inhalte der Kopenhagen-Vereinbarung
    • Minderung: In der Kopenhagen-Vereinbarung bekennen sich alle unterstützenden Staaten zum Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf unter 2 °C zu begrenzen. Dieses Ziel und der Fortschritt bei der Umsetzung der Minderungsmaßnahmen sollen 2015 überprüft werden. Die Industrieländer verpflichten sich zu wirtschaftsweiten Reduktionszielen bis zum Jahr 2020. Entwicklungsländer sagen freiwillige selbstfinanzierte Klimaschutzmaßnahmen zu und verpflichten sich, über von Industrieländern unterstütze Maßnahmen international Rechenschaft abzulegen und diese in einem Register aufzulisten. Selbst finanzierte Minderungsmaßnahmen sollen einer nationalen Verifikation auf Grundlage internationaler Kriterien zugeführt werden ("MRV"). Über sie ist alle zwei Jahre im Rahmen von Nationalberichten zu informieren. Ziele und Maßnahmen von Industrie- und Entwicklungsländern wurden im Januar in die Anhänge der Vereinbarung eingetragen. Alle Industriestaaten, alle großen Schwellenländer und eine Vielzahl von Entwicklungsländern haben zwischenzeitlich ihre Beiträge konkretisiert.
    • Finanzierung: Die Industrieländer bekennen sich dazu, für die Zeit von 2010-12 bis zu 30 Mrd. USD für Klimaschutz in Entwicklungsländern zur Verfügung zu stellen. Die EU erklärte sich mit umgerechnet 10,6 Mrd. USD bereit, die höchste Summe für die Sofortfinanzierung aufzubringen. Die Industrieländer erklären sich bereit, bis zum Jahr 2020 bei ausreichenden und transparenten Minderungsangeboten der Entwicklungsländer jährlich 100 Mrd. USD für dortige Klimaschutzmaßnahmen zu mobilisieren. Ein neues "High Level Panel" soll den Fortschritt zur Erreichung dieses Ziels überprüfen. Außerdem soll ein „Copenhagen Green Fund“ gegründet werden, über den ein beträchtlicher Anteil der Gelder fließen soll.
    • Neue Einrichtungen: Darüber hinaus sollen ein "Technologie Mechanismus", und ein "REDD+ Mechanismus" eingerichtet werden. Diese sollen Entwicklungsländer bei Technologieprogrammen und bei der Minderung ihrer Emissionen aus Entwaldung und Walddegradierung unterstützen. Die genauen Funktionen dieser Einrichtungen lässt die Kopenhagen-Vereinbarung jedoch offen.
    d) Was wurde in Cancún erreicht?
    Das Paket von Cancun (Cancun Agreement, CA) erkennt erstmals offiziell die 2 Grad Obergrenze in einer VN-Entscheidung an und enthält einen Verweis auf die derzeit vorliegenden Minderungsangebote von Industrie- und Entwicklungsländern, die Errichtung eines globalen Klimafonds, Verabredungen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels, zum Waldschutz (REDD+), zur Technologiekooperation und zum Kapazitätsaufbau in Entwicklungsländern. Es wurde ein Verfahren zur Überprüfung vereinbart, ob die ergriffenen Maßnahmen zur Einhaltung des 2-Grad-Ziels ausreichen. Außerdem wurden grundsätzliche Vereinbarungen zur Transparenz der Klimaschutzmaßnahmen (MRV) von Staaten getroffen. Industrieländer haben unter bestimmten Bedingungen zugesagt, für Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern Finanzmittel aus öffentlichen und privaten Quellen zu mobilisieren, die bis 2020 jährlich 100 Milliarden Dollar erreichen sollen. Damit werden die Vereinbarungen von Kopenhagen in förmliche Beschlüsse überführt, fortentwickelt und operationalisiert. Ein Jahr nach dem schwierigen Klimagipfel in Kopenhagen hat die Weltgemeinschaft unter Beweis gestellt, dass sie handlungsfähig ist. Das Cancun Agreement hat die politische Einigung von Kopenhagen formalisiert und eine gute Grundlage für die schrittweise Weiterentwicklung des internationalen Klimaschutzregimes sowie zur Unterstützung von Entwicklungsländern beim Klimaschutz geschaffen.
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    5) Was machen die temporären Verhandlungsgruppen genau?

    Bei der ersten Sitzung in Bonn im Juni 2012 wurden die Vorsitzenden der Ad hoc Arbeitsgruppe zur Durban Plattform (ADP) bestimmt: Harald Dovland aus Norwegen und Jayant Moreshver Mauskar aus Indien. Die Gruppe hat zwei Themenschwerpunkte, einerseits die Verhandlung eines Abkommens, andererseits die Anhebung des Anspruchsniveaus bei den Minderungszusagen der Staaten bis 2020. Im ersten Schwerpunkt soll bis Ende 2015 ein umfassendes Klimaschutzabkommen verhandelt werden, das ab 2020 wirksam wird. Das Abkommen soll Emissionsminderungspflichten für alle Staaten umfassen, die sich jedoch in ihrer Substanz unterscheiden werden, z.B. nach dem Entwicklungsstand der Staaten und nach ihren jeweiligen Emissionsminderungsmöglichkeiten. Außerdem werden Transparenz (Berichtspflichten), Finanzierung, Anpassung, Technologie und Kapazitätsaufbau Teile eines solchen Abkommens werden. In Doha soll festgelegt werden, wie dieser umfassende Themenkatalog in den kommenden dreieinhalb Jahren abgearbeitet werden soll (Erstellung eines Arbeitsprogramms). Die bisherigen Minderungszusagen der Staaten reichen nicht aus, um die 2 Grad Obergrenze einzuhalten. Im zweiten Schwerpunkt sollen praktische Maßnahmen vereinbart werden, die die Minderungsanstrengungen der Staaten vor 2020, dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des neuen Abkommens, erhöhen. In Doha sollen hierzu erste Schritte erfolgen. Staaten, die bisher noch keine Minderungszusagen bis 2020 gemacht haben (rund 100 Staaten, die ca. 25 Prozent der globalen Emissionen repräsentieren, darunter Iran, Türkei, Saudi Arabien, Thailand, Nigeria, Venezuela, Pakistan, Malaysia, Ägypten und Usbekistan) sollen dazu motiviert werden, dies zu tun. Staaten mit Minderungszusagen sollen Wege aufzeigen, wie sie zum oberen Rand ihrer Zusagen gelangen. Außerdem sollen Initiativen von Akteuren angeregt werden, die jenseits der Zusagen der Staaten zu zusätzlichen Emissionsminderungen führen. Denkbar sind Initiativen zur Reduzierung der sog. F-Gase, zur Einbeziehung der Emissionen des Flug- und Schiffsverkehrs oder verstärkte Maßnahmen zur Senkung der Emissionen aus Entwaldung. In der Ad hoc Arbeitsgruppe unter der Konvention (Ad Hoc Working Group on Long-term Cooperative Action under the Convention, AWG-LCA) verhandeln die Staaten unter Leitung von dem Vorsitzenden Aysar Ahmed Al Tayeb (Saudi Arabien) über die Emissionsminderungsbeiträge der Nicht-Kyoto-Industriestaaten, insb. der USA, sowie über die Beiträge der Entwicklungsländer in einem künftigen Klimaschutzregime. Weitere Verhandlungsthemen sind die Anpassung an den Klimawandel, Technologien zur Minderung und zur Anpassung sowie die Verminderung von Emissionen aus Entwaldung und die Finanzierung des internationalen Klimaschutzes. Die Gruppe wurde 2007 auf Bali eingerichtet. In Durban wurde das Mandat der Gruppe um ein Jahr verlängert, um verbleibende offene Themen abzuschließen oder wo dies nicht möglich ist, Gremien für deren weitere Behandlung zu finden. Einige der Verhandlungsthemen sind zu Umsetzungsthemen geworden, die in den in Cancun und Durban geschaffenen Institutionen (z.B. der Green Climate Fund, das Adaptation Committee, das Technology Executive Committee) weiter behandelt werden. Die noch offenen Themen, insbesondere im Bereich Minderung und Finanzierung sollen in den neuen Strukturen behandelt werden. In der Arbeitsgruppe unter dem Kyoto-Protokoll (Ad Hoc Working Group on Further Commitments for Annex I Parties under the Kyoto Protocol, AWG KP) werden die künftigen Emissionsminderungsverpflichtungen von Kyoto-Industrieländern (mit Ausnahme der USA) verhandelt. Diese zurzeit von Madeleine Diouf (Senegal) geleitete Gruppe existiert bereits seit 2006. Auf Bali wurde der vom IPCC vorgeschlagenen Minderungskorridor für Industriestaaten von 25-40 Prozent bis 2020 gegenüber 1990 als Basis für weitere Überlegungen festgehalten. In Durban wurde eine 2. Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll beschlossen. Neben den Emissionsminderungsverpflichtungen stehen technische Fragen im Vordergrund. Für die 2. Verpflichtungsperiode müssen die Emissionsbudgets der einzelnen Länder (QELROs) bestimmt werden. Hierzu haben die Staaten auf den letzten Sitzungen Vorschläge für deren Berechnung gemacht. Es wird nun über die technischen Annahmen sowie über die Angemessenheit deren Höhe gesprochen werden. Die Länge der 2. Verpflichtungsperiode konnte in Durban noch nicht entschieden werden. Zur Debatte stehen 5 Jahre wie bisher oder 8 Jahre, um kohärent mit der EU Gesetzgebung zu sein und zeitgleich mit dem neuen Abkommen zu enden. Die EU spricht sich für 8 Jahre aus. Schließlich muss ein Verfahren gefunden werden, wie mit den Emissionszertifikaten umgegangen werden soll, die am Ende der ersten Verpflichtungsperiode nicht genutzt worden sind. Ohne Regelung werden alle Emissionszertifikate übertragen, was zur Folge hätte, das das Anspruchsniveau der 2. Verpflichtungsperiode signifikant sinkt. Im Extremfall würde dies sogar eine Steigerung der Emissionen nach 2012 erlauben.
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