Besuch beim Agora Collective e. V. 26. August 2016

Die Mischung macht den Kiez

Barbara Hendricks besichtigt die Küche des beim Agora Collective e. V.
©BMUB/Michael Gottschalk

Hier geht Gemeinwohl vor Profit: Auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei in Berlin entstehen günstige Wohnungen, Gewerberäume und Platz für Ideen. Barbara Hendricks besuchte am 26. August 2016 ein Kollektiv, das auf dem Gelände für Vielfalt und Esprit sorgt.

Treppen dienen dazu, Gefälle zu überwinden. So weit, so praktisch. Im Berliner Bezirk Neukölln steht seit kurzem eine Treppe, die zudem wie ein Manifest der Offenheit wirkt. Die Stufen nebst Fahrstuhl verbinden den Rollbergkiez mit der früheren Kindl-Brauerei. Dort entstehen überwiegend günstige Wohnungen, Gewerberäume und Kulturangebote für alle, so dass das vormalige Industriegelände zu einem integralen Bestandteil seiner Umgebung werden kann.

Vielfalt und Ideen

Bereits angesiedelt haben sich unter anderem der bei Queers beliebte Club SchwuZ, zahlreiche Künstlerateliers, eine Kartbahn sowie das "Zentrum für zeitgenössische Kunst". Darüber hinaus wirbt der Agora Collective e. V. erfolgreich um Mitstreiter. Agora – das sind Kreative und Freiberufler unterschiedlicher Branchen, die einen Backsteinbau für Projekte und ihre tägliche Arbeit nutzen. Es gibt keine festen Arbeitszeiten und keine Chefs. Jede und jeder arbeitet auf eigene Rechnung, profitiert zugleich aber vom Miteinander der unterschiedlichen Gewerke. Auf diese Weise entstehen neue Ideen. Dieses gelebte Beispiel für die Arbeitswelt von morgen ist ganz im Sinne der Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt, die die nutzungsgemischte europäische Stadt als Vorbild der Stadtentwicklungspolitik sieht.

Investor mit sozialem Anspruch

Die interessante Mischung auf dem Kindl-Gelände wächst auf gemeinsamer Grundlage mit dem Haupteigentümer. Dabei handelt es sich um die Stiftung Edith Maryon, die in Basel und Berlin Grundstücke und Immobilien erwirbt. Ihr erklärtes Anliegen ist es, die erworbenen Immobilien langfristig zu halten und für das Gemeinwohl zur Verfügung zu stellen.

Sozialer Wohnungsbau auf historischem Boden

Der Berliner Senat fördert zwei Neubauten auf dem Kindl-Gelände als "experimentellen Geschosswohnbau". Die Fördersumme von 1,87 Millionen Euro stammt aus dem Sondervermögen Infrastruktur der wachsenden Stadt (SIWA). Die gut 50 Wohnungen werden nach dem Erstbezug 6,50 Euro/Quadratmeter netto-kalt kosten. Die Interessenten müssen über einen Wohnberechtigungsschein verfügen.