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08.05.2017

Dr. Barbara Hendricks spricht im Rahmen des Bundeskongresses "Grün in der Stadt"

Porträtbild von Barbara Hendricks
Im Interview spricht die Bundesumweltministerin über die Bedeutung grüner Infrastrukturen und ihre Vision der grünen Stadt der Zukunft.

Als der Titel Grüne Hauptstadt Europas 2017 nach Essen ging, waren viele erstaunt. Warum hat die Stadt den Titel aus Ihrer Sicht mehr als verdient?

Dr. Barbara Hendricks: Die Stadt Essen und die ganze Region haben in den letzten Jahrzehnten einen enormen Wandel erfahren. Früher verband man mit Essen Kohle und Stahl und damit schwarzen Staub, dicke Luft und schmutzige Flüsse. Heute denke ich sofort daran, dass Essen zu den grünsten Städten Deutschlands zählt und ihren Bewohnerinnen und Bewohnern ein attraktives Wohnumfeld mit hohem Freizeitwert bietet.

Was sind für Sie die herausragenden Projekte der Grünen Hauptstadt 2017?

Zum Gelingen dieses Hauptstadtjahres tragen die großen wie die kleinen Projekte und Aktivitäten gleichermaßen bei. Natürlich war die Eröffnungsfeier, an der ich teilnehmen durfte, ein fulminanter Auftakt. Aber es sind auch die lokalen Bürgerprojekte, die vielfältigen Veranstaltungen und Ausstellungen, die sowohl die Bürgerinnen und Bürger von Essen als auch Auswärtige zum Teilnehmen und Mitmachen einladen, die die Grüne Hauptstadt 2017 mit Leben füllen. Ebenso wichtig sind Fachkonferenzen und Kongresse, bei denen sich die Fachwelt austauscht. Gerne unterstützt der Bund diese Aktivitäten, übrigens mit insgesamt vier Millionen Euro.

Am 8. Mai werden Sie im Rahmen des Bundeskongresses "Grün in der Stadt" das Weißbuch zum Stadtgrün im Essener Colosseum vorstellen. Welche Art von Handlungsempfehlungen enthält das Weißbuch und was erhoffen Sie sich vom zukünftigen Dialog?

Das Weißbuch enthält in zehn Handlungsfeldern konkrete Maßnahmen des Bundes für die Sicherung und Qualifizierung von Grün- und Freiflächen. Der Bund hat sich damit für die nächsten Jahre ein Arbeitsprogramm geschrieben. Mit Hilfe dieser konkreten Maßnahmen will der Bund zu grünen, lebenswerten, umweltgerechten und resilienten Städten beitragen. Das kann der Bund aber nicht alleine, dafür brauchen wir die Unterstützung der Länder, der Kommunen, von Verbänden, Vereinen und Stiftungen, der Wissenschaft, von Unternehmen und von den Bürgerinnen und Bürgern. Wir müssen urbanes Grün als Gemeinschaftsaufgabe begreifen. Dafür sind ein regelmäßiger Wissenstransfer und Dialog wichtig. Deshalb werden wir ein Dialogforum initiieren, das sich einmal jährlich zum Austausch trifft.

Worin liegt die wesentliche Bedeutung einer "Grünen Infrastruktur" im Stadtraum?

Die Bezeichnung "Grüne Infrastruktur" fußt auf der Erkenntnis, dass Natur vergleichbar mit der technischen und sozialen Infrastruktur gesamtgesellschaftliche Leistungen erbringt. Als ein Netzwerk naturnaher Flächen soll grüne Infrastruktur die Umwelt für den Menschen effizient sichern und verbessern. Im urbanen Bereich bedeutet dies die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden, sozialem Zusammenhalt und Teilhabe, biologischer Vielfalt und Naturerleben, von Klimawandelanpassung und Resilienz, nachhaltiger wirtschaftlicher Entwicklung und einer ressourcenschonenden Stadtentwicklung. Urbane grüne Infrastruktur stärkt das Erscheinungsbild, die Standortqualität und Identität von Städten. Grüne Städte sind lebenswerte und attraktive Städte.

Wie sieht Ihre Vision der grünen Stadt der Zukunft aus?

Urbanes Grün ist ein wichtiger Baustein einer breiten Palette an Themen für die Stadt von morgen. Ein Patentrezept für die zukunftsfeste Stadt gibt es aber meiner Meinung nach nicht. Denn jede Stadt, jede Gemeinde muss individuell prüfen, welche Maßnahmen erforderlich sind, um eine lebenswerte grüne Stadt oder Gemeinde zu bleiben oder zu werden. Wichtig ist in jedem Fall, dass die Städte über Grün- und Freiflächen im Wohnumfeld verfügen und diese fußläufig erreichbar sind. Das ist insbesondere für weniger mobile Menschen ganz wichtig. In der grünen Stadt der Zukunft spielen aber auch grüne Architektur, Dach- und Fassadenbegrünung und der Rückbau von nicht mehr benötigten Verkehrsflächen eine wichtige Rolle. Mit unserem Weißbuch wollen wir hierfür Impulse setzen und Hilfestellung geben.

08.05.2017 | Medienbeitrag Dr. Barbara Hendricks | Magazin Heimatgrün