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14.07.1997

Symposium "Ursachen des Rückgangs von Wildpflanzen und Möglichkeiten zur Erhaltung der Artenvielfalt"

Merkel: Es muß eine Trendwende beim Artenrückgang erreicht werden

Merkel: Es muß eine Trendwende beim Artenrückgang erreicht werden

"Der Schutz von Natur und Umwelt hat in Teilbereichen, vor allem bei der Luft- und Gewässerreinhaltung, wesentliche Fortschritte gemacht. Nachholbedarf besteht aber ganz besonders bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt. Deshalb ist die Einleitung einer Trendwende beim Artenrückgang ein vorrangiges Ziel der Umweltpolitik. Wir müssen das Wirtschaftswachstum vom Flächenverbrauch entkoppeln." Dies erklärte Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel zur Eröffnung des Symposiums zu Ursachen des Artenrückgangs von Wildpflanzen und Möglichkeiten zur Erhaltung der Artenvielfalt heute in Bonn. Eine Aufgabe dieses Symposiums wird sein, mehr Klarheit über die Ursachen und über eine Gewichtung der einzelnen Ursachenfaktoren zu erhalten.

Eine Hauptursache für die Zerstörung, Zerschneidung oder Verinselung von Lebensräumen und damit für den Artenschwund ist unbestritten der auch weiterhin ungebremst voranschreitende Flächenverbrauch z. B. durch Verkehrswegebau und hier vor allem durch Straßen, aber auch Kanäle und Schienenwege. Hinzu kommt die fortschreitende Zersiedelung: Allein die Siedlungsfläche hat sich in den letzten vier Jahrzehnten im früheren Bundesgebiet nahezu verdoppelt. Jeden Tag werden durchschnittlich schätzungsweise 100 bis 120 Hektar Fläche neu bebaut. Noch ist die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Flächenverbrauch in Deutschland nicht erreicht.

Als eine weitere Ursache für den Artenschwund hat sich unsere ausgeräumte und intensiv genutzte Landschaft im Hinblick auf den Schutz der biologischen Vielfalt herausgestellt. Die Ausräumung der Kulturlandschaft erfolgte in der Vergangenheit z. B. durch die Zusammenlegung kleinflächiger Ackerparzellen, wobei nicht nur vegetative Elemente wie Hecken- und Feldgehölze und Kleinformen der Kulturlandschaft wie Böschungen und Wälle entfernt wurden, sondern auch Feuchtgebiete trockengelegt worden sind. Dies führte durch die Vernichtung der Lebensräume und ökologischen Nischen in der Landschaft auch zu einer Verarmung der Flora und Fauna.

Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel: "Wir dürfen den Artenschwund in der Diskussion um die Ursachen nicht mit einem natürlichen Aussterbeprozeß gleichsetzen. Mich beunruhigt nicht das Aussterben einzelner Arten in erdgeschichtlichen Zeiträumen, es ist vielmehr der aktuell feststellbare, geradezu flächendeckende Rückgang vieler Arten, der sich eben nicht mit natürlichen Ursachen oder historischem Wandel erklären läßt. Der dramatische Bestandsrückgang ehemaliger Allerweltsarten in der uns umgebenden Tier- und Pflanzenwelt dokumentiert dies deutlich."

Für die dringend notwendige Trendwende beim Artenschutz reicht jedoch nicht allein die Vorlage einer Bestands- und Gefährdungsübersicht der Tier- und Pflanzenwelt und ihrer Lebensräume aus. Es wird eine Ursachenanalyse benötigt, aus der konkret der Schutzbedarf abgeleitet und entsprechende Lösungsstrategien erarbeitet werden können.

Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel: "Naturschutz ist und bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir müssen den Schutz der Natur endlich so ernst nehmen wie den der menschlichen Gesundheit."

 

Rote Listen - wissenschaftliches Instrument des Artenschutzes

Die Roten Listen haben sich zum zuverlässigen Gradmesser für die Beurteilung der biologischen Vielfalt in unserem Land entwickelt. Sie stellen eine Situationsbewertung von Fauna und Flora auf der Grundlage von Bestandsanalysen dar. Damit soll sowohl den Verantwortlichen aus Bund und Ländern als auch der Wissenschaft und Praxis generell das Entwickeln adäquater Problemlösungen ermöglicht werden.

Die Roten Listen geben nicht nur negative Trends der Artenvielfalt wieder, sie dokumentieren auch positive Veränderungen: So zeigen die Listen z. B. bei der Heilpflanze Arnika, daß sie zwar in den Tieflagen und in den nordöstlichen Bundesländern vom Aussterben bedroht ist, dennoch gelang auf lokaler Ebene durch Biotopgestaltungs- und pflegemaßnahmen insbesondere bei Magerrasen und Feuchtheiden, eine Stabilisierung und Regenerierung bestimmter Populationen der Arnika und darüber hinaus auch von Orchideen-, Narzissen- und Enzianarten.

Infolge des deutlichen Rückgangs der Schwefeldioxidbelastung haben sich bestimmte empfindliche Flechtenarten erholt und sind wieder zurückgekehrt. Dies zeigt deutlich, daß die Erfolge der Luftreinhaltepolitik wie auch des technischen Umweltschutzes insgesamt dem Naturschutz zugute kommen. Eine ähnliche Entwicklung läßt sich auch bei der Gewässerreinhaltung beobachten, die z. B. die Rückkehr bestimmter Fischarten ermöglicht hat. Positive wie negative Bestandsentwicklungen sind auch in der Roten Liste "Brutvögel" zu verzeichnen: als Beispiel mit positiver Tendenz sind See- und Fischadler zu nennen, während leider Auer- und Birkhuhn noch negative Bestandsentwicklungen aufweisen.

"Die Roten Listen haben sich zu einem unverzichtbaren Instrument der ressortübergreifenden Politikberatung entwickelt. Sie sind das komprimierte Resultat umfangreicher Erhebungen und vielfältiger Recherchen von ausgewiesenen Spezialisten, für das man sie durchaus als wissenschaftliche Expertisen bezeichnen kann", würdigte die Ministerin die Qualität der Roten Listen.

Die Roten Listen sind eine nicht mehr wegzudenkende Entscheidungshilfe für Naturschutzbehörden z. B. bei der Ausweisung und Pflege von Schutzgebieten und gleichzeitig Grundlage für die Entwicklung von gezielten Hilfsprogrammen zum Schutz gefährdeter Arten, Populationen und Biotope sowie von Forschungsprogrammen.

14.07.1997 | Pressemitteilung 037/97