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02.11.2015

Rede von Dr. Barbara Hendricks auf der Preisverleihung "Menschen und Erfolge" 2015

Rede von Dr. Barbara Hendricks auf der Preisverleihung "Menschen und Erfolge" 2015

- Es gilt das gesprochene Wort -

Bei meiner Sommerreise im August habe ich die Initiative "Willkommen im Dorf" in Jugenheim in Rheinhessen kennen gelernt. Dort werden rund 40 Flüchtlinge betreut, die mitten im Dorf im ehemaligen Pfarrhaus und in weiteren Wohnungen untergebracht sind. Es gibt viele Aktivitäten, zum Beispiel Patenschaften, Gemeinschaftsgarten und Deutschkurse – speziell auch für Frauen. Damit wird auf die Bedürfnisse der Flüchtlinge eingegangen und es hilft beim gegenseitigen Verständnis. Das hat mich sehr beeindruckt.

Beeindruckend ist inzwischen auch die Zahl der Menschen, die in Deutschland und in Europa Schutz vor Krieg und Vertreibung suchen. Vor einem Jahr haben wir angesichts von 200.000 Flüchtlingen bereits Erleichterungen im Baurecht beschlossen. Jetzt reden wir von mindestens 800.000 Flüchtlingen in diesem Jahr und haben deshalb gerade weitere Erleichterungen im Bauplanungsrecht beschlossen, um die Einrichtung von Erstaufnahmelagern und Flüchtlingsunterkünften zu beschleunigen.

Diese Entwicklung war so nicht absehbar und niemand kann heute mit Gewissheit sagen, was in den kommenden Monaten passieren wird.
Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass wir immer bedenken, dass es nicht nur um rechtliche Fragen oder um Wohnungsneubau geht. Das auch. Aber es geht zuallererst immer um Menschen!

Wir haben in Deutschland das Glück, dass das Ende des letzten Krieges über 70 Jahre zurück liegt. Wenn wir genau hinschauen, dann sind wir ein Volk, dessen Geschichte voll ist von Krieg und Vertreibung. In fast jeder Familie können die Älteren noch davon berichten. Wir haben außerdem das große Glück, dass der Kalte Krieg, die Mauer und die deutsche Teilung friedlich überwunden werden konnten.
Dieses Glück ist nicht selbstverständlich. Aber es sollte selbstverständlich sein, dass wir es mit anderen teilen!

Bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen sind kleinere Städte und Gemeinden in ländlichen Gebieten genauso gefordert wie die großen Städte. Deshalb haben wir in diesem Jahr unseren Wettbewerb "Menschen und Erfolge" unter das Motto "In ländlichen Räumen willkommen!" gestellt. Wie gesagt war die aktuelle Entwicklung so noch nicht absehbar, als wir im Frühjahr zu diesem Wettbewerb aufgerufen haben. Wir wollten wissen, wie die Aufnahme von Flüchtlingen und deren Integration in ländlichen Regionen erfolgt.
Heute sage ich: Das ist ein großer Glücksfall! Denn damit haben wir Sie alle kennengelernt. Sie waren damals schon aktiv und auf der Höhe der Zeit.

Gerade in ländlichen Räumen gibt es weniger institutionelle und kommerzielle Angebote für die Neuankömmlinge. Diese Lücke wird häufig durch zivilgesellschaftliches Engagement geschlossen. Ich komme selbst aus Kleve, einer Kreisstadt am Niederrhein, und kenne die Situation aus eigener Anschauung. Ich sehe die vielen Bürgerinnen und Bürger, die kommunale Vertreter und Mitarbeiter, die sich engagieren und Willkommenskultur leben. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass das freiwillige Engagement im ländlichen Raum stärker verbreitet ist als in Großstädten. Auch Nachbarschaft und sozialer Zusammenhalt sind hier noch von großer Bedeutung.
Sie alle haben als Wettbewerbsteilnehmerinnen und -teilnehmer mit Ihren Projekten überzeugend unter Beweis gestellt, dass dem so ist.

Insgesamt haben uns 265 Beiträge erreicht, bei denen Willkommenskultur zum Ausdruck gebracht wird: Sei es, um schnelle und spontane Hilfe zu leisten oder um langfristig Unterstützung für diejenigen anzubieten, die dauerhaft bleiben können.

Dieses bürgerschaftliche und freiwillige Engagement, gepaart mit Kreativität und Ideenreichtum, ist eine wesentliche Grundlage, damit es den Zuflucht Suchenden gut geht, damit sie ein neues Zuhause finden und dass die Integration gelingen kann.

Heute sind wir hier zusammengekommen, um die Gewinnerinnen und Gewinner des Wettbewerbs auszuzeichnen. Sie sind die besten Beispiele für eine funktionierende Willkommenskultur und damit Vorbild für viele weitere Initiativen, die heute und in der nächsten Zeit gebraucht werden. Wir brauchen Sie und die vielen anderen Engagierten, um Populisten und Angstmachern entschieden entgegen zu treten. Hass und Intoleranz dürfen in unserer Gesellschaft keinen Platz haben!

Ganz nebenbei sind Sie auch der Beweis dafür, dass das Leben auf dem Land auch in Zukunft lebenswert und attraktiv ist. Sie haben mit Ihren Projekten eine unabhängige Jury überzeugt. Dazu gratuliere ich sehr herzlich!
Insgesamt hat die Jury neun Preise vergeben, die mit jeweils 2000 Euro dotiert sind, und acht Anerkennungen mit jeweils 500 Euro.
Ich danke unseren Partnern, die den Wettbewerb unterstützen. Sie sind auch sonst an vielen Stellen aktiv, wenn es um Integration und ein gutes Zusammenleben in Deutschland geht. Mein Dank gilt auch der Jury, die sich der anspruchsvollen Aufgabe gestellt hat, die heutigen Preisträger zu ermitteln.
Ich freue mich, nun die Urkunden zu überreichen.

Schlussworte

Damen und Herren,

Nochmals herzlichen Glückwunsch!

In diesem Jahr haben wir den Wettbewerb zum ersten Mal unter dem Dach der Nationalen Stadtentwicklungspolitik ausgelobt. Sie ist eine Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Kommunen. Mit der Nationalen Stadtentwicklungspolitik unterstützen wir das Ziel, dass unsere Städte und Gemeinden auch künftig lebenswert und erfolgreich sein werden.

Ihre Projekte leisten hierzu einen wichtigen Beitrag.

Auch im kommenden Jahr werden wir wieder nach "Menschen und Erfolgen" suchen. Im Frühjahr 2016 werden Sie weitere Einzelheiten auf unserer Internetseite finden.

Nach dem Gruppenfoto sind Sie alle eingeladen, nebenan im Nordhof auf Ihre Erfolge anzustoßen.

02.11.2015 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Berlin