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Natur • Arten

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Wo liegen die Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind im gesamten Bundesgebiet verteilt. Sie reichen von der wilden Küstenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und der Dünenlandschaft der Insel Sylt über ausgedehnte Wälder und Moore, weite Heidelandschaften und vielgestaltige Auenwälder bis hin zu strukturreichen Kulturlandschaften aus Streuobstwiesen und Magerrasen in den deutschen Mittelgebirgen. Besonders viele Flächen des Nationalen Naturerbes liegen in den neuen Ländern. Aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft von Großstädten wie Berlin, Köln, Hamburg, Nürnberg und München gibt es Flächen des Nationalen Naturerbes.

Was ist das Besondere an den Naturerbe-Flächen?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes wurden bis zur Wiedervereinigung – in Teilen sogar noch bis vor einigen Jahren – unterschiedlich genutzt. Als Manövergelände des Militärs, zur Gewinnung von Braunkohle oder als Wald, Acker und Grünlandflächen. Trotz der in Teilen sehr intensiven Nutzung entstanden hier wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Denn dort, wo das Militär übte, wurde beispielsweise weder gedüngt, noch wurden Pestizide verwendet. Ähnlich wie die ehemaligen Braunkohletagebaue haben viele Militärflächen enorme Ausdehnungen, es gibt hier weder Siedlungen noch werden die Gebiete von Straßen durchschnitten.

Damit bieten die Flächen des Nationalen Naturerbes optimale Bedingungen, dass sich die Natur auf großen Flächen ohne das Zutun des Menschen nach eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln kann. Vor allem auf ehemaligen Militärflächen haben sich außerdem "historische" Offenlandschaften erhalten – wie beispielsweise artenreiche Sandmagerrasen und Heiden. Wie ein Zeitfenster erlauben sie einen Blick in die Landschaft vergangener Jahrhunderte. Diese gilt es, als Orte hoher Arten- und Lebensraumvielfalt, aber auch besonderer landschaftlicher Schönheit und Eigenart zu erhalten.

Wie ist die Initiative des Nationalen Naturerbes entstanden?

Viele wertvolle Naturschutzflächen in Deutschland befanden und befinden sich im Bundeseigentum. Dies ist unter anderem eine Folge der deutschen Wiedervereinigung. Der Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin der DDR fiel gleichsam über Nacht ein umfangreiches Flächeneigentum zu – nicht mehr genutzte Militärliegenschaften, Flächen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und aus dem DDR-Volksvermögen sowie ehemalige Braunkohletagbaue. Aber auch im Westteil Deutschlands wurden viele Manövergelände des Militärs nicht mehr benötigt.

Die Bundesregierung hat aufgrund gesetzlicher Vorschriften alle Flächen zu privatisieren, die nicht mehr für Bundesaufgaben benötigt werden. Infolgedessen wurden in den 1990er Jahren viele wertvolle Naturschutzflächen verkauft. Naturschutzorganisationen wandten sich gegen die Privatisierung und belegten mit wissenschaftlichen Studien den Wert der Flächen. 2005 wurde die Sicherung naturschutzfachlich wertvoller Bundesflächen unter dem Begriff "Nationales Naturerbe" erstmals in die Koalitionsvereinbarung der regierenden Parteien aufgenommen und in den nachfolgenden zwei Legislaturperioden fortgesetzt. Mit dem Nationalen Naturerbe bekennt sich der Bund zu seiner Mitverantwortung und Vorbildfunktion in Fragen des Naturschutzes.

Wie wurden die Flächen ausgewählt?

Dem Bund gehören weit mehr Flächen als die insgesamt 156.000 Hektar, die inzwischen als Nationales Naturerbe dem Naturschutz gewidmet sind. Daher war es wichtig, eine sinnvolle Auswahl zu treffen, um die aus Naturschutzsicht wertvollsten Bundesflächen langfristig zu schützen. Zu diesem Zweck hat das Bundesamt für Naturschutz gemeinsam mit den Ländern und den Naturschutzorganisationen einen Kriterienkatalog entwickelt. Es wurden Bundesflächen ausgewählt

  • im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze (Grünes Band),
  • in Nationalparken,
  • in Kerngebieten der Naturschutzgroßprojekte des Bundes,
  • in Kernzonen beziehungsweise Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten von Biosphärenreservaten,
  • ehemalige militärische Flächen mit einer Größe von mehr als 1.000 Hektar Größe beziehungsweise kleineren Militärflächen mit mehr als 20 Prozent ausgewiesener Schutzgebiete (Naturschutzgebiete, Natura 2000-Gebiete),
  • in Bergbaufolgelandschaften mit einer Größe von mehr als 100 Hektar,
  • in Naturschutzgebieten größer 50 Hektar,
  • in Natura-2000-Gebieten (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete, Europäische Vogelschutzgebiete),
  • in Gebieten, die bedeutsam für den bundes- und landesweiten Biotopverbund und/oder bedeutsam für den Artenschutz sind.

Bei der endgültigen Auswahl der Flächen wurden neben den Flächengebern – die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Treuhand-Nachfolgegesellschaft BVVG und die Bergbausanierungsgesellschaft LMBV – auch die Länder und die Naturschutzorganisationen mit einbezogen. Die ausgewählten Flächen im Gesamtumfang von rund 156.000 Hektar wurden und werden in drei Tranchen (erste Tranche: 100.000 Hektar, zweite Tranche: 25.000 Hektar, dritte Tranche: 31.000 Hektar) an die neuen Flächeneigentümer übertragen. Die entsprechenden Beschlüsse zur endgültigen Auswahl der Flächen fällte jeweils der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages.

Wer ist Eigentümer der Flächen des Nationalen Naturerbes?

Für die Flächen des Nationalen Naturerbes (rund 156.000 Hektar) verzichtet der Bund als bisheriger Eigentümer auf eine Privatisierung. Die Flächen werden stattdessen unentgeltlich, aber unter strengen Naturschutzauflagen an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (circa 70.000 Hektar), die Länder (circa 30.000 Hektar) oder von diesen benannte Naturschutzorganisationen (circa 26.000 Hektar) übertragen.

Etliche Naturerbe-Flächen verbleiben aber auch dauerhaft im Bundeseigentum (circa 30.000 Hektar) und werden von den Bundesforsten im Auftrag des Bundesumweltministeriums betreut. Die neuen Eigentümer der Flächen des Nationalen Naturerbes müssen – vertraglich verpflichtet – für alle Folgekosten aufkommen und zugleich den naturschutzfachlichen Wert der Flächen langfristig erhalten.

Wer bestimmt, was auf den Flächen passiert?

Ein Großteil der Naturerbe-Flächen wurde und wird an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Länder oder von diesen benannte Naturschutzorganisationen übertragen. Als neue Flächeneigentümer bestimmen sie die zukünftige Entwicklung der Flächen. Sie müssen dabei allerdings strenge Vorgaben des Bundes einhalten. Denn der Bund hat die (unentgeltliche) Übertragung der Flächen an konkrete Bedingungen geknüpft. So sollen beispielsweise nahezu alle Wälder des Nationalen Naturerbes nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Bestehende Pachtverträge dürfen nicht mehr verlängert werden oder sind unter den Maßgaben des Naturschutzes neu abzuschließen. Auch die Jagd muss sich an strengen Naturschutzstandards orientieren. Für jede Fläche muss der neue Eigentümer seine Naturschutzziele in Form eines Leitbildes mit dem Bundesamt für Naturschutz einvernehmlich abstimmen. Die geplanten Aktivitäten auf der Fläche müssen in einem Pflege- und Entwicklungsplan aufgelistet werden. So wird sichergestellt, dass die Flächen tatsächlich langfristig dem Naturschutz dienen.

Was sind die Naturschutzziele für die Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sollen für nachfolgende Generationen als Orte der biologischen Vielfalt erhalten werden. Hierzu müssen auf den Flächen strenge Naturschutzstandards eingehalten und umgesetzt werden. So ist festgeschrieben, dass in allen Wäldern des Nationalen Naturerbes keine forstliche Nutzung mehr stattfindet. Dort, wo die Wälder bereits naturnah sind, ruht sofort die Säge. In naturfernen Wäldern können in einem befristeten Übergangszeitraum noch naturschonende waldbauliche Maßnahmen zur Erhöhung der Naturnähe umgesetzt werden. Heidelandschaften, Magerrasen und andere Offenland-Ökosysteme sind langfristig durch eine gezielte Pflege zu erhalten. Moore, Gewässer und Auen werden sich selbst überlassen oder naturnäher gestaltet. Mittelfristig sollen alle größeren Flächen des Nationalen Naturerbes als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden – sofern sie nicht schon jetzt unter Schutz stehen.

Wie trägt das Nationale Naturerbe zur biologischen Vielfalt bei?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes weisen eine außergewöhnlich hohe Arten- und Lebensraumvielfalt auf. Aufgrund der früheren besonderen Nutzung als militärisches Übungsgebiet oder der Lage in Naturschutzgebieten sind viele Naturerbe-Flächen wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Mit ihrer teilweise enormen Ausdehnung sowie dem Fehlen von Siedlungen und Verkehrswegen bieten die Gebiete die Chance, Natur- und Artenschutz großräumig und ohne Konflikte mit konkurrierenden (wirtschaftlichen) Nutzungen umzusetzen. Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind einzig der Natur gewidmet.

Alle Wälder im Nationalen Naturerbe sollen sich zukünftig so wenig vom Menschen beeinflusst wie möglich entwickeln. Wenn Bäume alt werden dürfen und nicht eingeschlagen werden, sind sie reichhaltiger Lebensraum für speziell angepasste Käfer, Flechten und Pilze. Die Bundesregierung strebt an, bis zum Jahr 2020 insgesamt 5 Prozent der deutschen Waldfläche beziehungsweise 10 Prozent des Waldes im Eigentum der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Kommunen) dauerhaft aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Die Wälder des Nationalen Naturerbes sind hierfür ein wesentlicher Baustein. Große Naturschutzflächen bieten außerdem Lebensraum für Wildkatze, Luchs und Wolf. Mit der Sicherung eines beträchtlichen Teils bundeseigener (Wald-)Flächen für das Nationale Naturerbe hat der Bund dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Viele Magerrasen und Heideflächen weisen eine besonders hohe Artenvielfalt an Vögeln, Schmetterlingen und Insekten auf. Diese früher häufigen Lebensräume sind durch die Intensivierung der Landwirtschaft deutschlandweit stark gefährdet. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes sind sie dagegen noch oft zu finden. Da hier die Ziele des Naturschutzes Vorrang haben, können diese artenreichen Lebensräume durch eine naturnahe Nutzung langfristig erhalten werden.

Wird auf den Flächen noch Forstwirtschaft und Landwirtschaft betrieben?

In den Wäldern des Nationalen Naturerbes findet keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt. In heute bereits naturnahen Naturerbe-Wäldern wird schon jetzt kein Baum mehr gefällt. In naturfernen Wäldern ist eine übergangsweise Holznutzung erlaubt – allerdings nur im Rahmen eines schrittweisen Waldumbaus, um die Wälder naturnäher zu gestalten. Dabei können beispielsweise für das Gebiet untypische Baumarten entfernt werden, um so dort natürlicherweise vorkommenden Bäumen mehr Raum zum Wachsen zu schaffen. Ist der Waldumbau abgeschlossen, wird auch in diesen Wäldern dauerhaft die Säge ruhen und die Natur sich selbst überlassen bleiben. Wenn also in den Wäldern des Nationalen Naturerbes noch Holz eingeschlagen wird, dient dies nicht der Erwirtschaftung eines Gewinns, sondern vor allem der Erhöhung der Naturnähe der Wälder.

Warum wird auf den Flächen des Nationalen Naturerbes noch Forstwirtschaft und Landwirtschaft betrieben?

In den Offenlandbereichen - also den nicht bewaldeten Flächen - des Nationalen Naturerbes ist eine naturnahe landwirtschaftliche Nutzung oft die Voraussetzung dafür, den Lebensraum überhaupt zu erhalten. Die meisten Offenlandflächen im Nationalen Naturerbe wie zum Beispiel Wiesen, Magerrasen und Heiden sollen langfristig erhalten bleiben. Sie müssen gemäht oder beweidet werden, sonst wachsen sie mit Gebüschen zu und entwickeln sich langsam zu Wald. Landwirtschaft auf den Naturerbeflächen unterscheidet sich jedoch deutlich von der üblichen landwirtschaftlichen Nutzung. Das vorrangige Ziel ist es, für möglichst vielfältige, artenreiche Lebensräume auf den Flächen zu sorgen. Darauf zielen alle Bewirtschaftungsmaßnahmen ab. Viele Naturerbe-Flächen werden auch extensiv beweidet, zum Beispiel mit Wasserbüffeln, Wildpferden, robusten Rinderrassen, Schafen und Ziegen.

Welche Kosten fallen für die Pflege und Betreuung der Flächen des Nationalen Naturerbes an?

Die Betreuung und Entwicklung der Flächen des Nationalen Naturerbes ist mit zum Teil hohen Kosten verbunden. Selbst die nicht mehr genutzten Wälder des Nationalen Naturerbes erfordern finanzielle Aufwendungen – beispielsweise für die Verkehrssicherung und die Besucherlenkung. Auch Steuern und Abgaben müssen bezahlt werden. Besonders hohe Kosten fallen für die Erhaltung der wertvollen Wiesen, Magerrasen und Heiden an. Die für die Erhaltung dieser Offenlandschaften erforderlichen extensiven Nutzungen (Mahd, Beweidung) müssen in der Regel bezuschusst werden.

Hinzu kommen Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit und die Flächenverwaltung. Bei den im Nationalen Naturerbe übertragenen Militärflächen und den Gebieten an der ehemaligen innerdeutschen Grenze muss der Flächenempfänger außerdem noch das auf der Fläche zum Zeitpunkt der Flächenübertragung arbeitende Personal des Bundesforstes bis zum Renteneintritt finanzieren. Hierfür wird jeweils zwischen Flächenempfänger und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ein Dienstleistungsvertrag abgeschlossen. Auf ehemaligen Militärflächen sind häufig Kampfmittelreste und Altlasten zu finden. Die Flächenempfänger tragen hierfür einen großen Teil der Risiken und müssen gegebenenfalls Aufwendungen zur Beseitigung solcher Reste einrechnen.

Wer bezahlt die Naturschutzmaßnahmen auf den Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Empfänger der Flächen des Nationalen Naturerbes haben sich gegenüber dem Bund vertraglich verpflichtet, alle Folgekosten für Betreuung und Naturschutz selbst zu zahlen. Die Kosten für die Betreuung der Flächen und die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen liegen in der Regel deutlich über den eventuellen Einnahmen aus dem Verkauf von Holz aus dem Waldumbau bzw. den Pachterträgen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellt für die Betreuung ihrer Naturerbe-Flächen jährlich fünf Millionen Euro in den Haushalt ein. Für die vom Bundesumweltministerium betreuten Flächen des Nationalen Naturerbes sind im Bundeshaushalt pro Jahr vier Millionen Euro eingeplant.

Wird auf den Flächen des Nationalen Naturerbes noch gejagt?

Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes kann auch weiterhin gejagt werden. In vielen Fällen ist dies erforderlich, um (Wild-)Schäden von den benachbarten Flächen abzuwenden oder das Aufkommen der für das Gebiet typischen Baumarten zu ermöglichen. Allerdings muss sich die Jagd den Naturschutzzielen klar unterordnen. Für jede größere Fläche des Nationalen Naturerbes wird vom Flächeneigentümer auch ein Konzept zum Wildtiermanagement entwickelt. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes wird ausschließlich mit bleifreier Munition gejagt.

Wie werden die Flächen des Nationalen Naturerbes für den Naturschutz gesichert?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes sind in großen Teilen bereits als Schutzgebiet ausgewiesen – als Nationalpark, Biosphärenreservat oder als Naturschutzgebiet. Darüber hinaus haben sich die Flächeneigentümer des Nationalen Naturerbes gegenüber dem Bund vertraglich zur Einhaltung strenger Naturschutzvorgaben verpflichtet. Bestandteil der Übertragungsvereinbarungen zu den Flächen des Nationalen Naturerbes ist ein umfassender Katalog von Auflagen und Vorgaben zur zukünftigen Betreuung der Flächen. Pachtverträge müssen so umgestaltet werden, dass zukünftig allein der Naturschutz im Vordergrund steht.

Die Bundesregierung hat – vertreten durch das Bundesamt für Naturschutz – jederzeit die Möglichkeit, die Einhaltung der Auflagen zu überprüfen. Viele Entscheidungen zur zukünftigen Entwicklung der jeweiligen Fläche müssen von den Flächeneigentümern auch mit dem Bundesumweltministerium beziehungweise dem Bundesamt für Naturschutz einvernehmlich abgestimmt werden. Naturschutzorganisationen sichern die Ziele für ihre Naturerbe-Flächen zudem über einen Grundbucheintrag ab.

Was unterscheidet das Nationale Naturerbe von anderen Schutzgebieten?

Das Nationale Naturerbe ist kein neuer Typ eines Naturschutzgebietes. Es ist vielmehr die Bezeichnung für eine Initiative des Bundes, auf die Privatisierung von für den Naturschutz bedeutsamen Flächen im Bundeseigentum zu verzichten und diese Gebiete in die Hände des Naturschutzes zu geben.

Viele der im Nationalen Naturerbe gesicherten Gebiete liegen allerdings zu großen Teilen in Schutzgebieten – beispielsweise in Nationalparken, Biosphärenreservaten, Natura-2000-Gebieten (europäisches Schutzgebiet) oder in Naturschutzgebieten. Flächen des Nationalen Naturerbes haben also in der Regel einen sehr hohen Naturschutzwert und sind unbedingt schützenswert. Dort, wo die Flächen des Nationalen Naturerbes bisher noch keinen Schutzstatus haben, soll dies nachgeholt werden. Ziel ist es, dass mittelfristig alle größeren Naturerbe-Flächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden.

Ist das Nationale Naturerbe für die Öffentlichkeit zugänglich?

Alle Flächeneigentümer im Nationalen Naturerbe bemühen sich, die Flächen für Interessierte zu öffnen und zugleich sensible Bereiche vor Störungen zu bewahren. Hierzu werden Rundwege und Aussichtsplattformen auf vielen Naturerbe-Flächen errichtet. Größere Besucher-Einrichtungen sind derzeit auf den von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt betreuten Naturerbe-Flächen in Prora/Rügen (Besucherinformationszentrum mit Baumwipfelpfad) und in der Wahner Heide bei Köln (vier Besucher-Informationsstellen) zu finden.

Auf vielen Flächen des Nationalen Naturerbes bieten die Flächeneigentümer auch geführte Wanderungen und Exkursionen an. Andererseits dürfen viele Teilbereiche des Nationalen Naturerbes aufgrund der Gefahren aus der militärischen oder bergbaulichen Vornutzung aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Auch zum Schutz seltener Arten kann es notwendig sein, ausgewählte Flächen für Besucher zu sperren – beispielsweise die Sandstrände der Naturerbe-Flächen an der Ostsee. Entsprechende Sperrschilder sind deshalb unbedingt zu beachten.

Wie werden die Flächen vor Ort betreut?

Die Betreuung der Flächen des Nationalen Naturerbes ist unterschiedlich organisiert. Auf den meisten ehemaligen Militärflächen und auf den Flächen an der früheren innerdeutschen Grenze ist weiterhin der Bundesforst tätig – im Auftrag der (neuen) Flächeneigentümer des Nationalen Naturerbes. Die Bundesförster sind in der Regel die örtlichen Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger. In Einzelfällen ist auch der Flächeneigentümer selbst der direkte Ansprechpartner. Dies gilt vor allem für Flächen, die an die Länder-Naturschutzstiftungen und an Naturschutzorganisationen übertragen wurden. Für ausgewählte Flächen des Nationalen Naturerbes haben örtliche Naturschutzgruppen auch Patenschaften übernommen – und setzten sich gemeinsam mit dem Flächeneigentümer für die Pflege der Fläche ein beziehungsweise bieten entsprechende Wanderungen und Exkursionen an.

Weiterführende Informationen zum Nationalen Naturerbe

Auf der Themenseite bietet das Ministerium weitere Informationen zur Verfügung.

Warum hat die Bundesregierung eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt 2007 beschlossen?

1992 wurde auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung das UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt (Convention on Biodiversity, CBD) beschlossen. 1993 hat Deutschland das Übereinkommen ratifiziert. Inzwischen sind 193 Staaten weltweit der CBD beigetreten, 167 Staaten und die EU haben das Übereinkommen ratifiziert. Die CBD verpflichtet die Mitgliedsstaaten in Artikel 6, "…nationale Strategien, Pläne oder Programme zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt (zu) entwickeln oder zu diesem Zweck ihre bestehenden Strategien, Pläne und Programme an(zu)passen". Inzwischen haben über 90 Prozent der Vertragsstaaten eine Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt – oder etwas Vergleichbares gemäß Artikel 6 der CBD - an das Sekretariat des Übereinkommens über-mittelt.

Deutschland hat von Anfang an intensiv an der nationalen Ausfüllung der CBD gearbeitet und mehrere National- und Umsetzungsberichte erstellt, jedoch lange keine nationale Biodiversitätsstrategie beschlossen. Deshalb hat sich die Bundesregierung in der Koalitionsvereinbarung der 16. Legislaturperiode darauf verständigt, "mit einer nationalen Strategie den Schutz der Natur zu verbessern und mit einer naturverträglichen Nutzung zu kombinieren". Im November 2007 hat die Bundesregierung die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen.

Was bedeutet "Biologische Vielfalt" und warum brauchen wir sie?

Biologische Vielfalt oder Biodiversität ist letztlich alles das, was zur Vielfalt der belebten Natur beiträgt: Arten von Tieren, höheren Pflanzen, Moosen, Flechten, Pilzen und Mikroorganismen sowie die innerartliche Vielfalt und die Vielfalt der Ökosysteme. Im Sinne des Übereinkommens über die biologische Vielfalt werden wildlebende Arten ebenso dazu gerechnet wie die Vielfalt von Nutztierrassen und Kulturpflanzensorten.

Die Schätzungen des globalen Artenreichtums schwanken zwischen drei und 30 Millionen Arten, je nach gewählter Schätzmethode. Allgemein wird eine Gesamtzahl von 14 Millionen Arten angenommen. Beschrieben sind weltweit etwa 1,8 Millionen Arten, davon fällt der größte Anteil mit etwa eine Million Arten auf die Insekten. Die derzeitige Aussterberate übertrifft die vermutete natürliche Rate um das 100 – 1000fache und ist durch menschliches Handeln bedingt.

Biologische Vielfalt ist die Grundlage einer langfristig gesicherten Existenz des menschlichen Lebens auf der Erde. Für ihre Erhaltung gibt es vielfältige ökologische, ökonomische, soziale, kulturelle und ethische Gründe: Eine intakte biologische Vielfalt kann sich besser an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen – eine wichtige Voraussetzung angesichts des weltweiten Klimawandels. Wirtschaftlich bedeutsame Naturleistungen sind beispielsweise die Selbstreinigungskraft von Gewässern, die Luftreinigung über die Filterleistungen von Bäumen und Sträuchern oder die natürliche Bodenfruchtbarkeit. Der aus der Nutzung genetischer Ressourcen ableitbare wirtschaftliche Vorteil zeichnet sich schon heute ab, steht aber erst am Anfang einer un-geheuren ökonomischen Entwicklung. Nicht zuletzt hängen schon heute viele bedeutsame Wirtschaftszweige und zahllose Arbeitsplätze in Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, Tourismus, Gesundheitswesen direkt und indirekt von einer intakten und vielfältigen Naturausstattung ab. Aspekte des Naturerlebens, von Ästhetik, Bildung, Freizeitgestaltung, aber auch Heimatgefühl und Lebensqualität des Wohnumfelds sowie ethische Gründe sprechen ebenfalls für die dauerhafte Sicherung der biologischen Vielfalt.

Welche internationalen, europäischen und nationalen Verpflichtungen waren ausschlaggebend für die Erarbeitung einer Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt?

International ist Deutschland zur Vorlage einer Nationalen Biodiversitätsstrategie durch Artikel 6 der CBD verpflichtet (siehe oben) sowie durch zahlreiche Beschlüsse der bisher insgesamt 8 Vertragsstaatenkonferenzen, auf europäischer Ebene durch die EU-Biodiversitätsstrategie von 1998, national durch die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (Wegweiser Nachhaltigkeit, Kapitel C IV, 2005) und durch die Koalitionsvereinbarung der 16. Legislaturperiode der Bundesregierung von 2005 (siehe oben). Die Bundesregierung hat sich bei der Erarbeitung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt an den Empfehlungen des CBD-Sekretariats zur Erarbeitung solcher Strategien orientiert.

Welche Bezüge zu internationalen, europäischen und nationalen Strategien, Programmen und Aktionsplänen hat die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt?

Auf internationaler Ebene berücksichtigt die Nationale Biodiversitätsstrategie die Beschlüsse der bisher 8 Vertragsstaatenkonferenzen der CBD und die biodiversitätsrelevanten Beschlüsse des Weltgipfels für nachhaltige Entwicklung von 2002. Auf europäischer Ebene berücksichtigt die Nationale Biodiversitätsstrategie die relevanten Beschlüsse der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie von 2001, die EU-Biodiversitätsstrategie von 1998 sowie die einschlägigen EU-Aktionspläne von 2001 und 2006, die Mitteilung der Kommission "Eindämmung des Verlustes der biologischen Vielfalt bis zum Jahr 2010 und darüber hinaus" von 2006. Auf nationaler Ebene berücksichtigt die Nationale Biodiversitätsstrategie die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie (2002, 2004, 2005) sowie alle einschlägigen deutschen Sektorstrategien und Fachprogramme des Bundes. Beschlüsse der Bundesländer spielen insbesondere bei den Indikatoren der Nationalen Biodiversitätsstrategie eine Rolle.

An wen richtet sich die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt?

Die Nationale Biodiversitätsstrategie wird von der Bundesregierung erstellt und herausgegeben und verpflichtet diese bei der Umsetzung in ganz besonderer Weise. Dies trifft im Hinblick auf erforderliche Aktivitäten insbesondere für die Themen einer nachhaltigen Naturnutzung zu, während die Länder gemäß der Kompetenzverteilung zwischen Bund und Ländern im Wesentlichen über den Naturschutz bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt betroffen sind. Ziel der Strategie ist es aber darüber hinaus, alle gesellschaftlichen Akteure anzusprechen und die gesellschaftlichen Kräfte zu mobilisieren und zu bündeln. Wegen der großen Komplexität der Aufgabe der Erhaltung der biologischen Vielfalt, der hohen Zahl betroffener Politikbereiche und der vielen involvierten staatlichen und nicht-staatlichen Akteure kann die anspruchsvolle Aufgabe nur gemeinsam bewältigt werden.

Welchen Beitrag leistet die Nationale Biodiversitätsstrategie Deutschlands zur Erhaltung der globalen Biodiversität?

Die deutsche Biodiversitätsstrategie zielt als nationale Strategie auf die Erhaltung und Nachhaltigkeit der Nutzung der biologischen Vielfalt in Deutschland. Deutschland stellt auf Grund seiner geographischen Lage nur einen vergleichsweise kleinen Teil der globalen Biodiversität; trotzdem gibt es auch in Deutschland eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten, die hier endemisch sind oder ihren weltweiten Verbreitungsschwerpunkt haben, und für deren Erhaltung Deutschland eine besondere Verantwortung hat. Insbesondere durch die internationalen wirtschaftlichen Verflechtungen beeinflusst Deutschland aber auch die biologische Vielfalt außerhalb seiner Grenzen. Deshalb berücksichtigt die Strategie bewusst auch die Auswirkungen deutscher Aktivitäten auf die biologische Vielfalt weltweit.

Wie ist die Nationale Biodiversitätsstrategie aufgebaut?

Im Kapitel "Ausgangslage" werden die Gründe für die Erhaltung der biologischen Vielfalt aus ökologischer, ökonomischer, sozialer und kultureller sowie ethischer Sicht dargestellt, die globale und nationale Dimension der Gefährdung der biologischen Vielfalt beleuchtet und die bisherigen Anstrengungen und der Handlungsbedarf aufgezeigt. Im Kapitel "Konkrete Vision" werden zu den national bedeutsamen biodiversitätsrele-vanten Themen Visionen, Qualitätsziele und Handlungsziele für die Zukunft entwickelt und erläutert. Im Kapitel "Aktionsfelder" werden die Handlungsziele durch Maßnahmen konkretisiert, die den verschiedenen staatlichen und gesellschaftlichen Akteuren zugeordnet sind. Im Kapitel "Innovation und Beschäftigung" werden die Potenziale der biologischen Vielfalt für wirtschaftliche Entwicklung, Innovation und Arbeitsplätze dar-gestellt. Im Kapitel "Armutsbekämpfung und Gerechtigkeit" werden die Zusammenhänge zwischen der biologischen Vielfalt und der Umsetzung der Millenium Development Goals aufgeführt. Im Kapitel "Umsetzung des Millenium Ecosystem Assessments in Deutschland" wird die Umsetzung des von den Vereinten Nationen in Auftrag gegebenen Millennium Ecosystems Assessments für Deutschland erläutert. Im Kapitel "Leuchtturmprojekte" werden konkrete Projekte dargestellt, die der Erhaltung der biologischen Vielfalt dienen und dabei in vorbildlicher Weise die ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekte gleichermaßen berücksichtigen. Das Kapitel "Monitoring und Indikatoren" greift die künftige regelmäßige Berichterstattung über die Erreichung der Ziele und das Indikatorenset auf. Im Kapitel "Anhang" werden unter anderem die Beschlüsse der verschiedenen Vertragsstaatenkonferenzen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt sowie die Inhalte der EU-Biodiversitätsstrategie und der EU-Aktionspläne den Abschnitten der vorliegenden Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt zugeordnet.

Welche besonderen Leistungen haben Bund und Länder zum Zeitpunkt des Beschlusses der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bereits erbracht, und warum waren weitere Anstrengungen notwendig?

Die Vorlage einer Nationalen Biodiversitätsstrategie in 2007 bedeutete nicht, dass Deutschland erst dann mit einer wirksamen Erhaltung der Biodiversität begonnen hätte. Im Gegenteil: Die oben genannten vielfältigen National- und Umsetzungsberichte zur CBD haben immer wieder darauf hingewiesen, dass in Deutschland bereits seit langem ein reichhaltiges rechtliches, institutionelles und organisatorisches Instrumentarium vorhanden ist, das sich sehr bewährt hat. Die Anstrengungen der Länder insbesondere zur Umsetzung der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie und zum Aufbau des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 sollen hier besonders hervorgehoben werden. Es ist zu erwarten, dass das Schutzgebietsnetz Natura 2000 den maßgeblichen Beitrag der Länder zur Erhaltung der biologischen Vielfalt Deutschlands leisten wird. Dies und viele konkrete Erfolge bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt zeigen, dass Deutschland auf dem richtigen Weg ist. Der weiterhin hohe Gefährdungsgrad vieler Arten und Biotope macht aber auch deutlich, dass es nicht ausreicht, beim Erreichten stehen zu bleiben und dass weitere Anstrengungen auf allen Ebenen und in Kooperation mit den Betroffenen erforderlich sind. Um diese möglichst konkret werden zu lassen, hat sich die Bundesregierung entschieden, in der Nationalen Biodiversitätsstrategie zukunftsorientierte Ziele zu formulieren.

Was bedeutet "Konkrete Vision"?

Die Idee, konkrete Visionen zu entwickeln, ist der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie entnommen. Die Vision beschreibt einen fernen, zeitlich nicht näher definierten wünschbaren Zustand, als ob er bereits eingetreten wäre; dabei wird ein attraktives, leicht verständliches Bild entworfen, das möglichst ökologische, ökonomische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Um diese Vision zu verwirklichen, werden Qualitätsziele formuliert, die den langfristig angestrebten Zustand beschreiben und an denen sich das politische und gesellschaftliche Handeln ausrichtet. Handlungsziele geben an, mit welchen Schritten diese Qualitätsziele angestrebt werden. Alle Ziele sind zukunftsorientiert und möglichst konkret, quantifiziert und mit einem Zeithorizont versehen, damit sie praktische Konsequenz entfalten können. Insgesamt werden in der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu 28 biodiversitätsrelevanten Themen Visionen und Ziele entwickelt.

Was bedeutet "Aktionsfeld"?

Mit den konkreten Visionen wird eine Orientierung gegeben, in welche Richtung sich Schutz und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt mittel- und langfristig entwickeln sollen. Damit diese Vision Wirklichkeit wird, muss sie mit konkreten Maßnahmen ausgefüllt werden. Diese Maßnahmen werden in den Aktionsfeldern dargestellt. Die Nationale Biodiversitätsstrategie hat die derzeit prioritären Aktionsfelder in Anlehnung an die EU-Biodiversitätsstrategie ausgewählt und mit ausgewählten, zeitnah realisierbaren Maßnahmen staatlicher und nicht-staatlicher Akteure ausgefüllt. Die Vielfalt der Maßnahmen bildet die Notwendigkeit des gemeinsamen Handelns aller Akteure ab. Eine Vollständigkeit der Maßnahmen und der Akteure war nicht angestrebt. Im Laufe der Zeit und bei Fortschreibung der Nationalen Biodiversitätsstrategie werden weitere Maßnahmen und Akteure hinzukommen.

Wie wird die Erreichung der Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie überprüft?

Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt wird nur dann Wirkung entfalten, wenn eine Erfolgskontrolle in regelmäßigen Abständen stattfindet. Deshalb wird die Bundesregierung einmal in jeder Legislaturperiode einen Bericht vorlegen, aus dem hervorgeht, wie weit man auf dem Weg zur Zielerreichung bereits fortgeschritten ist. Es ist selbstverständlich, dass die Berichterstattung so gestaltet wird, dass die Aussagekraft des Berichts in einem günstigen Verhältnis zum Aufwand der Berichtserstellung steht. Mit Indikatoren wird dabei eine zusammenfassende Erfolgskontrolle vorgenommen.

2010 wurde der erste Indikatorenbericht zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt vom Bundeskabinett beschlossen und veröffentlicht.

2013 wurde der erste Rechenschaftsbericht zur Nationalen Biodiversitätsstrategie, in dem auch die Indikatoren fortgeschrieben werden, vom Bundeskabinett verabschiedet.

Wie ist das Indikatorenset der Nationalen Biodiversitätsstrategie zusammengesetzt?

Indikatoren fassen vielschichtige Sachverhalte verständlich zusammen und machen Trends erkennbar. Sie haben sich international, im europäischen Raum und auch national bereits als geeignetes Instrumentarium bewährt. Für die Nationale Biodiversitätsstrategie wurden Indikatoren ausgewählt, die geeignet sind, möglichst breit die in der Strategie behandelten Themen abzubilden, und in einem Set zusammengefasst. Selbstverständlich wurde dabei auf die bestehende Indikatorenentwicklung im internationalen, europäischen, nationalen Raum sowie auf Bundesländerebene sowie größtmögliche Nutzung von Synergieeffekten geachtet. Das Indikatorenset enthält Zustands-, Belastungs- und Maßnahmenindikatoren und ist mit den bestehenden Indikatorensystemen kompatibel. Die Indikatoren liegen bereits vor oder sind weitgehend entwickelt. Zusammenstellung und Auswertung erfolgen durch das Bundesamt für Naturschutz. Der erste Indikatorenbericht zur NBS wurde im November 2010 von der Bundesregierung beschlossen. Er enthält 19 Indikatoren, die ein breites Themenspektrum abdecken. Sie informieren in zusammenfassender Form über den Zustand und die Ent-wicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland, über Belastungen und Maßnahmen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt und sind Basis für eine verlässliche und transparente Erfolgskontrolle der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

Wie ist die Einbeziehung von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren bei der Erarbeitung der Nationalen Biodiversitätsstrategie erfolgt?

Bei der Erarbeitung des Entwurfs der Nationalen Biodiversitätsstrategie ist das Wissen von Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Naturschutzfachbehörden, Umwelt- und Naturschutzverbänden sowie des Gender Mainstreamings genutzt worden (7 meist zweitägige Veranstaltungen zwischen Dezember 2004 und September 2005). Der Schwerpunkt lag zu diesem Zeitpunkt bewusst auf der naturschutzfachlichen Expertise und im noch neuen Bereich der geschlechtsspezifischen Aspekte. Nach Zustimmung der Bundesressorts, d. h. nach Abschluss der ersten Runde der Ressortabstimmung, wurden Länder und Verbände breit beteiligt. Die Länder wurden über die Länder-Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz, Landschaftspflege und Erholung (LANA) eingebunden. Die Verbändebeteiligung richtete sich an Naturschutzverbände, Verbände der Naturnutzung, Vertreterinnen und Vertreter aus einschlägigen Wissenschaften sowie Verbände und Expertinnen des Gender Mainstreamings.

Für welche Politikbereiche ist die Nationale Biodiversitätsstrategie relevant?

Das Übereinkommen über die biologische Vielfalt ist kein Naturschutzübereinkommen im engeren Sinn. Die Nutzung – und damit das wirtschaftliche Potenzial der natürlichen Ressourcen - ist ebenfalls ein wesentlicher Aspekt der Erhaltung der Biodiversität. Die Nationale Biodiversitätsstrategie ist deshalb auch eine Strategie zur Integration von Naturschutzbelangen in andere Politikbereiche. Sie kann als gesamtgesellschaft-liches Programm verstanden werden.

Welche Kosten kommen auf Bund und Länder durch die nationale Biodiversitätsstrategie zu?

Bei einer Strategie, die mit möglichst quantifizierten Zielen arbeitet wie die nationale Biodiversitätsstrategie, stellt sich rasch die Frage nach zusätzlichen Kosten und Anstrengungen. Der Bericht des Ökonomen Nicholas Stern zum ökonomischen Nutzen des Klimaschutzes hat gezeigt, dass die Kosten des Nichthandelns um ein Vielfaches höher sind als die Kosten des Handelns. Ähnliches gilt sicher auch für die Erhaltung der Biodiversität. Um dieses zu belegen, haben BMUB und EU-Kommission eine entsprechende Untersuchung initiiert.

Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Umsetzung der Ziele der Nationalen Biodiversitätsstrategie zu einer erheblichen Verbesserung nicht nur der ökologischen, sondern auch der ökonomischen und sozialen Zukunftsfähigkeit Deutschlands führt. Von der Strategie sollen Impulse für Effizienzsteigerungen und neue innovative Lösungen ausgehen, die auch ökonomische Vorteile bringen. Es wäre außerdem völlig kontraproduktiv, erst die Beeinträchtigung der Biodiversität mit staatlichen Geldern zu finanzieren, um dann mit zusätzlichen Finanzmitteln für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu sorgen. Um die Schwierigkeiten zur Vermeidung und zum Abbau solcher Fehlallokationen wohl wissend, ist es ein Anliegen der Nationalen Biodiversitätsstrategie, dass die vorhandenen Finanzmittel intelligent eingesetzt werden. Hierbei sind nicht nur Naturschutzmittel gemeint, sondern es geht darum, alle die Biodiversität betreffen-den öffentlichen Finanzmittel so einzusetzen, dass sie die biologische Vielfalt nicht gefährden und trotzdem möglichst zielgerichtet eingesetzt werden. Die Umsetzung der Ziele muss so nicht zwingend zusätzliche Kosten verursachen, sie kann sogar zu Kosteneinsparungen oder zu zusätzlichen wirtschaftlichen Erträgen führen. Gefordert ist hier allerdings ein Mitwirken aller Politikbereiche. Eine genaue Angabe der für die Umsetzung der Strategie zu erwartenden Kosten für Bund und Länder sowie Kommunen ist leider nicht möglich.

Wie wird die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt umgesetzt?

Die Umsetzung hat unmittelbar nach Verabschiedung der Strategie durch das Bundeskabinett begonnen. Bereits im Dezember 2007 wurde ein Follow up-Prozess sowohl mit nicht-staatlichen wie mit staatlichen Akteuren gestartet.

Auftakt war das 1. Nationale Forum zur biologischen Vielfalt im Dezember 2007. Die Nationalen Foren werden etwa in jährlichem Abstand durchgeführt, haben jedes Mal einen anderen Schwerpunkt und dienen der Vernetzung aller am Umsetzungsprozess beteiligten Akteure.

In 2008 haben insgesamt 8 Regionalforen in verschiedenen Regionen Deutschlands zu verschiedenen Schwerpunktthemen stattgefunden. Sie dienten in erster Linie dazu, die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt bekannt zu machen.

Im Herbst 2008 wurde mit den akteursspezifischen Dialogforen begonnen, diese Reihe wurde bisher ohne Unterbrechung durchgeführt. Wichtige Akteurskreise sind "Naturschutz, "Naturnutzung / Ländlicher Raum", "Wissenschaft und Forschung", "Unternehmen" und "Gesellschaftliches Bewusstsein, Kommunikation".

Im Bereich der staatlichen Akteure gibt es ausgehend von einem Dialogforum mit den Kommunen seit Februar 2010 die Deklaration "Biologische Vielfalt in Kommunen", die inzwischen 250 Kommunen unterzeichnet haben, und seit Februar 2012 das Bündnis "Kommunen für biologische Vielfalt" mit aktuell 100 Kommunen (Stand: August 2014).

Seit Dezember 2010 finden regelmäßig Länderforen zur biologischen Vielfalt statt. Ziel ist es, den Austausch über den Stand der Entwicklung und Umsetzung der Strategien und Aktionspläne zur biologischen Vielfalt auf Bundes- und Landesebene zu ermöglichen und das Netzwerk der verantwortlichen Akteure zu stärken. Zudem sollen Ansatzpunkte zur Gewinnung von Synergieeffekten ausgelotet und Möglichkeiten für gemeinsame Maßnahmen entwickelt werden.

Die Internetseite www.biologischevielfalt.de ermöglicht einen umfassenden Überblick über den gesamten Dialogprozess zur Umsetzung der Strategie.

Was ist die Aufgabe des Bundesprogramms Biologische Vielfalt?

Im Koalitionsvertrag für die 17. Legislaturperiode vorgesehen war die Erarbeitung eines Bundesprogramms Biologische Vielfalt. Es handelt sich dabei um ein neues Förderprogramm, das die bestehenden Fördermöglichkeiten des Bundes im Naturschutz ergänzen und der Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) dienen soll. Es wurde 2010 entwickelt und 2011 gestartet. Ab 2011 werden dafür Mittel in den Bundeshaushalt im Umfang von 15 Millionen Euro jährlich eingestellt. Die 4 Förderschwerpunkte umfassen Arten in besonderer Verantwortung Deutschlands, Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland, Sichern von Ökosystemdienstleistungen und weitere Maßnahmen von besonderer repräsentativer Bedeutung für die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt.

Das BMBF hat gemeinsam mit dem BMUB eine Bekanntmachung zur Förderung von Forschungsvorhaben zur Umsetzung der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt veröffentlicht. Der BMBF stellt im Rahmen dieser Bekanntmachung über sechs Jahre 30 Millionen Euro zusätzliche Fördermittel für die Forschungsanteile von Verbundvorhaben im Bundesprogramm Biologische Vielfalt zur Verfügung.

In welchem Zusammenhang steht die UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011 – 2020 zur Nationalen Biodiversitätsstrategie?

Die Vereinten Nationen haben im Dezember 2010 das Jahrzehnt von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade Biologische Vielfalt ausgerufen. Die Dekade soll die Umsetzung des Strategischen Plans des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) unterstützen. In Deutschland geschieht dies inhaltlich vor allem durch die Umsetzung der Nationalen Biodiversitätsstrategie. Sie wird durch besonders öffentlichkeitswirksame Maßnahmen ergänzt. Mit Mitteln des BMUB wurde hierzu eine Dekade-Geschäftsstelle beim Zentrum für Umweltkommunikation der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eingerichtet. Auftakt der UN-Dekade in Deutschland war das 4. Nationale Forum im November 2011 in Berlin. Informationen zur Ausgestaltung der UN-Dekade sind auf der Internetseite www.un-dekade-biologische-vielfalt.de nachzulesen.

Warum wird der Paragraf zum Artenschutzrecht neu formuliert?

Wir haben die etablierte und allgemein anerkannte Rechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts in das Gesetz aufgenommen. Das bedeutet: Mit dem Gesetzentwurf ändert sich an der Rechtslage nichts. Dabei wird insbesondere die langjährige und eingeführte sogenannte Signifikanzrechtsprechung des Bundesverwaltungsgerichts aufgegriffen. Danach liegt ein Verstoß gegen das Tötungs- und Verletzungsverbot nur vor, wenn die Durchführung eines Vorhabens zu einer signifikanten Erhöhung des allgemeinen Lebensrisikos für Exemplare der betroffenen Art führt.

Es kann nie verhindert werden, dass ein einzelner Vogel in ein Windrad, gegen eine Fensterscheibe, in eine Stromleitung oder ein Fahrzeug fliegt. Das Gericht sagt daher nicht: Der einzelne Käfer steht über dem Projekt. Sondern es darf kein deutlich steigendes Risiko geben, dass Tiere zu Schaden kommen. Diese Einschränkung des Tötungs- und Verletzungsverbotes dient nach der höchstrichterlichen Rechtsprechung dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz. Sie soll sicherstellen, dass ein unvermeidbarer Verlust einzelner Tiere durch ein Vorhaben nicht automatisch und immer zu einem Verstoß gegen das artenschutzrechtliche Verbot führt.

Wird mit dem Gesetzentwurf die Windkraft zulasten des Artenschutzes privilegiert?

Nein, die Windkraft wird nicht privilegiert. Die Novelle sieht keinerlei Sonderregelung für die Windkraft vor. Die Gesetzesbegründung stellt lediglich klar, dass die artenschutzrechtliche Ausnahmeregelung auch für Vorhaben privater Träger in Betracht kommt, wenn und soweit die gesetzlichen Voraussetzungen vorliegen. Die Nennung des Ausbaus der "Erneuerbaren Energien" ist dabei rein exemplarischer Natur. Sie begründet keinen neuen Ausnahmegrund und führt auch nicht zu einer Privilegierung der Windkraft. Für diese gelten die gleichen gesetzlichen Voraussetzungen wie für alle anderen Vorhaben. Eine Energiewende zulasten des Artenschutzes findet daher nicht statt.

Was ändert sich beim Meeresschutz?

Die bisherigen Regelungen im Meeresnaturschutz, beispielsweise die Anwendung der FFH-Richtlinie oder der Eingriffsregelung, bleiben erhalten. Neu ist die Möglichkeit, weitere gefährdete Arten unter Schutz zu stellen.

Die europäische Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-RL) stellt eine begrenzte Anzahl der in Nord- und Ostsee lebenden marinen Arten unter Schutz, darunter zum Beispiel den Schweinswal, die Kegelrobbe und die Finte. § 57 des Bundesnaturschutzgesetzes in seiner neuen Fassung dient dazu, einen ausreichenden Schutz auch für weitere marine Arten der Nord- und Ostsee zu ermöglichen und somit einen Beitrag zu dem laut europäischer Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) vorgesehenen guten Umweltzustand der Meere zu leisten. Dies folgt aus den zwischen Bund und Ländern abgestimmten Maßnahmen im Zuge der MSRL, die eine solche Unterschutzstellung durch Rechtsverordnungen nach eingehender Prüfung vorsehen.

Außerdem besteht nun durch den neuen § 56a BNatSchG die Möglichkeit, Kompensationsmaßnahmen zu bevorraten. Ein Vorhabenträger muss bereits jetzt nach geltendem Recht Maßnahmen, die zu erheblichen Beeinträchtigungen der Natur und Landschaft führen, ausgleichen bzw. kompensieren. Dies kann beispielsweise beim Verlegen von Seekabeln relevant sein.

Durch den neuen §56a wird es nun möglich, eine zeitliche und personelle Entkoppelung von Eingriff und Kompensation zu schaffen. Die dadurch entstehende Bevorratung führt zu einer Flexibilisierung der Eingriffsregelung. So ermöglicht die Bevorratung die Möglichkeit zur freiwilligen Bevorratung bzw. zum An- und Verkauf von Kompensationsmaßnahmen. Über die Handelbarkeit von Maßnahmen und die Übertragbarkeit der Verantwortung erhalten die Unternehmen eine wirtschaftlich effiziente Möglichkeit der Auslagerung (Outsourcing) an eine vom Bundesamt für Naturschutz anerkannte juristische Person, die berechtigt ist, die Kompensationspflichten zu übernehmen.

Bei Maßnahmen an Land besteht diese Möglichkeit einer Bevorratung bereits jetzt. Um diese Lücke in Anlehnung an bewährtes Landesrecht zu schließen und einen hinreichend konkreten gesetzlichen Rahmen für vorgezogene Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen auch in der AWZ zu schaffen wurde der neue § 56a geschaffen. Dieser ersetzt also keine für Handlungen in der AWZ allgemein erforderlichen Zulassungen und schafft auch kein neues Zulassungserfordernis.

Warum ist der Schutz von Höhlen und Stollen wichtig?

Höhlen und stillgelegte Stollen sind ein wichtiger und einzigartiger Lebensraum für eine ganze Reihe von Tieren. Zum Beispiel haben sich viele Fledermäuse, Schmetterlinge, Spinnen und Insekten an die speziellen Lebensbedingungen in Höhlen angepasst. Einige von ihnen kommen nur dort vor, andere nutzen Höhlen, weil sie dort optimale Lebensbedingungen zu bestimmten Jahres- oder Tageszeiten finden.

Wie verbessert die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes den Schutz von Höhlen und Stollen?

Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes erklärt Höhlen und Stollen zu sogenannten "geschützten Biotopen". Das bedeutet, dass es von nun an grundsätzlich verboten ist, sie zu zerstören oder erheblich zu beeinträchtigen. Auf diese Weise wird die Lebensgrundlage der Tierarten geschützt, die für ihren Fortbestand auf Höhlen und Stollen als Lebensraum angewiesen sind.

Warum ist der Schutz von Hecken wichtig und wie unterstützt die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes ihren Schutz?

Hecken und andere Gehölze sind ein wichtiger Lebensraum für Tiere, beispielsweise für Vögel. Deswegen ist es schon bisher verboten, sie zwischen dem 1. März und dem 30. September abzuschneiden oder auf den Stock zu setzen. Die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes stellt klar, dass zu den verbotenen Handlungen auch das Ausreißen oder komplette Entfernen der Hecke fällt.

Was bedeutet biologische Vielfalt?

Die biologische Vielfalt umfasst drei Bereiche: die Vielfalt der Arten und Lebensräume sowie die genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Pflanzen- und Tierarten. Diese drei Aspekte hängen eng zusammen und beeinflussen sich gegenseitig.

Wie viele Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gibt es? Sind alle schon erforscht und bekannt?

Nach derzeitiger Schätzung könnte es zwischen 10 und 100 Millionen Arten auf der Erde geben, Experten gehen von circa 15 Millionen Arten aus, von denen aber bislang nur etwa 1,8 Millionen bekannt und wissenschaftlich beschrieben sind. Mehr als die Hälfte davon sind Insekten, die wiederum fast dreimal so viele Arten umfassen wie die Pflanzen.

In welchen Ländern ist die Artenvielfalt am höchsten?

Die größte Artendichte findet sich in so genannten "Hot Spots". Diese 25 artenreichsten Gebiete der Erde - meist in den Tropen oder Subtropen gelegen - machen gerade einmal 1,4 Prozent der Erdoberfläche aus. Aber in ihnen existieren 44 Prozent aller Pflanzen und ein Drittel aller Wirbeltierarten. Im Vergleich dazu ist Deutschland ein relativ artenarmes Land: So gibt es hier zum Beispiel lediglich 3.062 Gefäßpflanzenarten. Das pflanzenreichste, aber gegenüber Deutschland auch sehr viel größere Land ist Brasilien mit 56.000 Arten, gefolgt von Kolumbien mit 51.000 und China mit 32.000 Arten.

Wodurch ist die biologische Vielfalt gefährdet?

Für den Rückgang der Artenvielfalt ist vor allem der Mensch verantwortlich. Gründe gibt es viele: Der Raubbau an der Natur lässt aus Wäldern Agrarsteppen entstehen, und Flussauen machen für Siedlungen Platz. Vom Menschen eingeschleppte Arten verdrängen die einheimische Flora und Fauna. Und auch der Klimawandel beeinträchtigt Lebensgemeinschaften, etwa weil weniger Niederschläge fallen.

Hat der Klimawandel etwas mit dem Thema Biodiversität zu tun?

Ja, klimatische Veränderungen wirken sich auf Tiere, Pflanzen und deren Lebensräume aus. So kann durch die dünnere Ozonschicht mehr ultraviolette Strahlung auf die Erde gelangen. Und das kann Organismen schädigen. Auch ein Temperaturanstieg schon um wenige Grad könnte für zahlreiche Pflanzen und Tiere den Tod bedeuten. Und wenn beispielsweise einzelne Arten aus einem Lebensraum verschwinden, gerät dieser möglicherweise aus dem Gleichgewicht - und noch mehr Arten wären gefährdet.

Woran zeigt sich, dass biologische Vielfalt verlorengeht?

Derzeit sind etwa 15.500 Arten vom Aussterben bedroht. Tiere wie der chinesische Flussdelfin, der Pyrenäen-Steinbock oder der Java-Tiger sind für immer verschwunden. Ein Viertel aller Meeresfischbestände sind gefährdet. Karibische Korallenriffe sind bereits jetzt zu 80 Prozent zerstört (TEEB - The Economics of Biodiversity and Ecosystems 2008). Und durch die Überfischung der Weltmeere könnte schon ab 2050 keine kommerzielle Fischerei mehr möglich sein. Aber auch an Land sind die Verluste deutlich: 13 Millionen Hektar Wald werden jährlich vernichtet. Und die intensive Landwirtschaft führt dazu, dass wertvolle Sorten von Nutzpflanzen verlorengehen.

Geht das Artensterben immer so weiter?

Momentan ist die Rate des weltweiten Artensterbens hundert- bis tausendfach so hoch wie die natürliche Aussterberate. Die Weltnaturschutzunion IUCN hat eine Rote Liste der bedrohten Arten erstellt. Demnach sind rund 15.500 Arten weltweit vom Aussterben bedroht. Darunter 23 Prozent aller Säugetiere, zwölf Prozent der Vögel und 31 Prozent der Amphibien.

Warum muss biologische Vielfalt erhalten bleiben? Reicht es nicht aus, wenn die Stärksten überleben?

Vielfalt ist das wichtigste Überlebensprinzip in der Natur. Nur bei einer großen genetischen Bandbreite innerhalb einer Art besteht die Chance, dass Organismen vorhanden sind, die sich an neue Bedingungen anpassen können. Andernfalls ist das Risiko hoch, dass sie ausstirbt.

Wie wirkt sich der Verlust von Arten auf unser Leben aus?

Der Verlust biologischer Vielfalt kann unser Leben gefährden. Denn die Vielfalt der Natur ist die Grundlage unser aller Leben und der globalen wirtschaftlichen Entwicklung. So können Pflanzen, die wie Reis ein Grundnahrungsmittel sind, durch Ungeziefer oder eine Krankheit bedroht sein. Dafür gibt es zahlreiche historische Beispiele, etwa die Kartoffelfäule in Irland im 19. Jahrhundert. Wie groß die Bedrohung ist, erfahren derzeit die USA. Dort sterben nach und nach die Bienenvölker. Bienen bestäuben mehr als 90 Obst- und Gemüsesorten. Sollten sie aussterben oder ihr Bestand sich extrem verringern, wäre die Lebensmittelversorgung der Menschen in Gefahr.

Die Vielfalt der Natur ist aber auch Vorbild für technische Innovationen und trägt zum Klimaschutz bei. 40 Prozent des weltweiten Handelsvolumens bauen darauf auf, die natürlichen Lebensgrundlagen zu nutzen, 10.000 bis 20.000 Pflanzenarten werden weltweit für Arzneien verwendet. Und Leistungen der Wälder wie sauberes Wasser und der Schutz des Klimas sichern den Lebensunterhalt von etwa 600 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern.

Warum legt das Bundesumweltministerium die Naturschutz-Offensive 2020 vor?

Obwohl seit 2007 eine von der Bundesregierung beschlossene Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) mit anspruchsvollen Zielen vorliegt, zeigen die NBS-Indikatorenberichte, dass die bisher ergriffenen Maßnahmen nicht ausreichen, um die Ziele zu erreichen.

Besonders deutlich ist das in der Normallandschaft zu beobachten, also außerhalb von Schutzgebieten des Naturschutzes. Der Druck, dem die biologische Vielfalt in der Normallandschaft ausgesetzt ist, ist zu hoch. Artenschutzmaßnahmen und zusätzliche Ausweisungen von Schutzgebieten können das nicht ausgleichen. Es muss an den Ursachen der bedenklichen Situation der biologischen Vielfalt in der Normallandschaft angesetzt werden, um Verbesserungen zu erreichen. Das ist das Ziel der Naturschutz-Offensive 2020.

Die Naturschutz-Offensive 2020 macht deutlich, in welchen Handlungsfeldern die größten Defizite bestehen und bis zum Jahr 2020 verstärkte Anstrengungen zur Erhaltung und Wiederherstellung der biologischen Vielfalt von welchen Akteuren gefordert sind.

In welchem Verhältnis steht die Naturschutz-Offensive 2020 des BMUB zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung?

Die Naturschutz-Offensive 2020 ist ein Handlungsprogramm des BMUB zur Umsetzung von prioritären Zielen der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt.

Welche Handlungsfelder umfasst die Naturschutz-Offensive 2020?

Die Naturschutz-Offensive 2020 umfasst 10 prioritäre Handlungsfelder: Agrarlandschaften, Küsten und Meere, Auen, Wälder, Wildnis, Schutzgebiete und Biotopverbund, Stadtnatur und gesellschaftliches Bewusstsein, internationale Verantwortung, Naturwissen sowie Finanzierung. 

Nach welchen Kriterien wurden die Handlungsfelder bestimmt?

Alle 330 Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt wurden einem nachvollziehbaren und transparenten Verfahren einer Priorisierung unterworfen: Einschätzung von Status und Trend der Ziele in den zurück liegenden Jahren, Recherche der Ursachen für die Nichterreichung eines prioritären Ziels, Bedeutsamkeit eines prioritären Ziels für die Erfüllung internationaler und europäischer Ziele, Zusammenfassung zusammengehöriger prioritärer Ziele zu Handlungsfeldern. Die Fachinformation, die vom Bundesamt für Naturschutz flankierend zur Naturschutz-Offensive 2020 herausgegeben worden ist, enthält wissenschaftlich belegte Informationen zu Status, Trend und Gründen zu den prioritär eingestuften Zielen der NBS

Wie viele Maßnahmen enthält die Naturschutz-Offensive 2020?

Die Naturschutz-Offensive 2020 enthält 40 Maßnahmen.

An wen richtet sich die Naturschutz-Offensive 2020 und wer soll sie umsetzen?

Die Naturschutz-Offensive 2020 richtet sich an staatliche Akteure von Bund, Ländern und Kommunen ebenso wie an nicht-staatliche gesellschaftliche Akteure wie Natur- und Umweltschutzverbände, Naturnutzungsverbände, Wirtschafts- und Unternehmensverbände, Religionsgemeinschaften und Kirchen, Akteure aus Wissenschaft, Forschung, Bildung sowie Träger nicht-schulischer Bildung, u. a. m.

Welche Rolle hat das BMUB bei der Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020?

Das BMUB wird bei eigener Zuständigkeit für Maßnahmen die notwendigen Schritte zur Realisierung umgehend einleiten.

Bei Zuständigkeit anderer Ministerien in der Bundesregierung wird das BMUB diesen Ressorts Vorschläge für konkrete Maßnahmen vorlegen und sich für entsprechende Entscheidungen einsetzen.

Bei Zuständigkeit anderer staatlichen Ebenen wie Länder und Kommunen wird das BMUB neue Initiativen in Gremien wie die Umwelt- oder Kultusministerkonferenz einbringen oder seine Förderprogramme für Modellprojekte nutzen.

Das BMUB wird alle Möglichkeiten nutzen, um die verantwortlichen Akteure und Entscheidungsträger zu einer Änderung ihrer Politiken zu drängen und zu bewegen, wenn deren Politiken die biologische Vielfalt beeinträchtigen. Dies schließt auch neue rechtliche Regelungen ein.

Das BMUB wird zusätzliche Finanzmittel zur Verfügung stellen.

Das BMUB wird einen Follow up-Prozess zur Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 starten und in den Umsetzungs- und Dialog-Prozess der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt integrieren.

Wie kann die Öffentlichkeit etwas über die Umsetzung der Naturschutz-Offensive erfahren?

Die Internetplattform www.biologischevielfalt.de ist die zentrale Informationsdrehscheibe zum Umsetzungs- und Dialog-Prozess der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt. Dort werden auch die Informationen über Aktivitäten zur Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 nachzulesen sein.

Im nächsten Rechenschaftsbericht zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt, der in der 18. Legislaturperiode zum zweiten Mal vorgelegt und voraussichtlich Anfang 2017 veröffentlicht wird, wird auch auf die Umsetzung der Naturschutz-Offensive 2020 eingegangen werden. Dies gilt auch für den dritten NBS-Rechenschaftsbericht, der in der 19. Legislaturperiode und voraussichtlich 2020 vorgelegt wird. 

Wie unterstützt das BMUB die Erhaltung der biologischen Vielfalt?

Am 7. November 2007 hat die Bundesregierung die unter Federführung des BMUB erarbeitete Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Darin formuliert die Bundesregierung zukunftsorientierte Visionen, setzt konkrete Ziele und benennt Maßnahmen, wie die biologische Vielfalt erhalten werden soll. Umgesetzt werden die Ziele und Maßnahmen durch die Mitwirkung aller gesellschaftlichen Akteure.  Deshalb führt das BMUB seit 2007 einen langfristig angelegten Dialog- und Umsetzungsprozess durch.

Die Vereinten Nationen haben den Zeitraum von 2011 bis 2020 zur UN-Dekade der biologischen Vielfalt erklärt. In Deutschland ist die Ausgestaltung  der UN-Dekade eng mit der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt verknüpft.

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Bundesprogramm Biologische Vielfalt

UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011-2020

Wer ist zuständig für Naturschutz in Deutschland?

Für den Vollzug des Naturschutzrechtes sind die Bundesländer zuständig. Deshalb müssen Fragen, Beschwerden und Stellungnahmen zu Angelegenheiten des Naturschutzes vor Ort in der Regel direkt an die zuständigen Naturschutzbehörden der Länder gerichtet werden. Ausnahme bildet hier die Ausschließliche Wirtschaftszone der Nord- und Ostsee (AWZ: 12-200 Seemeilenzone), für die der Bund zuständig ist.
Der Bund hat konkurrierende Gesetzgebungskompetenz auf dem Gebiet des Naturschutzes und der Landschaftspflege (Art. 74 Abs. 1 Nr. 29 GG). Die Ländern können dabei  - mit Ausnahme der allgemeinen Grundsätze des Naturschutzes und des Arten- und Meeresnaturschutzrechts – vom Bundesrecht abweichende Regelungen treffen (Art. 72 Abs. 3 GG).

Was ist das Schutzgebietsnetz Natura 2000 in Deutschland?

Natura 2000 ist ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. Es setzt sich zusammen aus den Schutzgebieten der Vogelschutz-Richtlinie (Richtlinie 2009/147/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. November 2009 über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten) und den Schutzgebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992 zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen). Mit derzeit über 20 Prozent der Fläche der EU ist Natura 2000 das größte Schutzgebietsnetz weltweit.

In Deutschland sind rund 15 Prozent der Landesfläche und 45 Prozent der Meeresfläche als Natura 2000-Gebiete gemeldet. Auf diese Weise übernimmt Deutschland Verantwortung für den Erhalt typischer Naturlandschaften, wie z. B. Buchenwälder oder das weltweit einmalige Ökosystem Wattenmeer, und leistet so einen wesentlichen Beitrag zum weltweiten Erhalt der Biologischen Vielfalt.
Der aktuelle Meldestand der Natura-2000-Gebiete in Deutschland sowie Steckbriefe der Gebiete können auf den Internetseiten des Bundesamts für Naturschutz eingesehen werden. Natura 2000

Was ist die CBD?

CBD ist die Abkürzung für das Übereinkommen über die biologische Vielfalt, engl. Convention on Biological Diversity. Die CBD gehört - wie das Klimarahmenabkommen (UNFCCC) und die Wüstenkonvention (UNCCD) - zu den drei völkerrechtlichen Verträgen, die auf der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 zur Unterzeichnung auslagen. Deutschland ist seit ihrem Inkrafttreten am 29. Dezember 1993 Vertragspartei der CBD. Die CBD ist mit ihren derzeit 193 Vertragsparteien (inklusive der EU) das zahlenmäßig wie auch von Umfang und Anspruch her umfassendste, verbindliche, internationale Abkommen im Bereich Biodiversitätsschutz und nachhaltige Entwicklung.

Das Abkommen hat drei übergeordnete Ziele:

  • die Erhaltung biologischer Vielfalt (Gene, Arten, Lebensräume),
  • die nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile und
  • die gerechte Aufteilung der aus der Nutzung genetischer Ressourcen gewonnenen Vorteile.

Für den Zeitraum 2011 bis 2020 wurde ein Strategischer Plan für Biodiversität verabschiedet, der ambitionierte globale Biodiversitätsziele beinhaltet. Bis 2020 soll der Biodiversitätsverlust durch effektives und unverzügliches Handeln gestoppt werden. Es soll sichergestellt werden, dass die Ökosysteme bis 2020 widerstandsfähig sind und weiterhin wesentliche Ökosystemleistungen bereitstellen und somit die Vielfalt des Lebens des Planeten sichern sowie zum menschlichen Wohlergehen und zur Beseitigung der Armut beitragen. Hierfür enthält der Strategische Plan die sogenannten Aichi Biodiversitätsziele: Fünf strategische Ziele mit insgesamt 20 konkreten Unterzielen.

Alle zwei Jahre findet eine Vertragsstaatenkonferenz der CBD statt. Sie ist das oberste politische Entscheidungsgremium des Übereinkommens.

Übereinkommen über die biologische Vielfalt

Warum unterstützen wir Entwicklungsländer bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt?

Die Erhaltung der biologischen Vielfalt ist für die Menschheit von hoher Bedeutung, um die Bedürfnisse nach Gesundheit, Nahrung und Wohlbefinden zu befriedigen und die Gesundheit und das Gleichgewicht in der Natur und Landwirtschaft zu schützen.

Darüber hinaus stellt die Erhaltung der biologischen Vielfalt einen wesentlichen Eckpfeiler der Bekämpfung der Armut dar. Die biologische Vielfalt und die Basisleistungen der Ökosysteme bilden besonders die Lebensgrundlagen der Armen, die zur Befriedigung ihrer existenziellen Bedürfnisse zu etwa 90 Prozent auf biologische Ressourcen angewiesen sind, denn sie sind für diese Menschen direkte Grundlage der Ernährung, medizinischen Versorgung, des Hausbaus und gleichzeitig wichtigste Einkommensquellen. Rund 80 Prozent der globalen terrestrischen biologischen und genetischen Ressourcen befinden sich in Entwicklungsländern.

Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt stellen auch konkrete wirtschaftliche Vorteile für die Industrieländer dar, beispielsweise durch die für Forschung und Entwicklung bedeutsame genetische Vielfalt.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) fördert mit dem seit 2011 existierenden eigenständigen Förderbereich "Biologische Vielfalt" durch die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) gezielt Biodiversitätsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern. 

Übereinkommen über die biologische Vielfalt

Internationale Klimaschutzinitiative

Was muss ich beachten, wenn ich genetische Ressourcen aus anderen Ländern in Deutschland für Forschung und Entwicklung nutzen möchte?

Nutzer von genetischen Ressourcen, die aus anderen Ländern stammen, müssen die europäische und deutsche Gesetzgebung zur Umsetzung des Nagoya Protokolls befolgen. Seit 2010 setzt das Nagoya-Protokoll international verbindliche Standards für den Umgang mit genetischen Ressourcen und fördert so Transparenz und Rechtssicherheit. Es regelt den Zugang zu genetischen Ressourcen und die faire und gerechte Aufteilung der Vorteile, die sich aus ihrer Nutzung ergeben (Access and Benefit Sharing, ABS). Das betrifft z.B. Pflanzen, die in tropischen Wäldern gefunden werden und dann in anderen Ländern zu Medikamenten, Kosmetika und anderen Produkten verarbeitet werden. Gleichzeitig verpflichtet es alle Länder, in denen genetische Ressourcen genutzt werden, zu gewährleisten, dass die genutzten Ressourcen im Herkunftsland ordnungsgemäß erlangt wurden. Herkunftsländer sollen auf diese Weise fair und gerecht an den Erträgen von Produkten beteiligt werden, die aus "ihren" genetischen Ressourcen hergestellt werden. So soll so ein dauerhafter wirtschaftlicher Anreiz für den Erhalt von biologischer Vielfalt und seltenen Ökosystemen geschaffen werden. Nagoya Protokoll

Was ist und macht "IPBES"?

IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für das Thema biologische Vielfalt - vergleichbar mit dem Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change). Dieses Biodiversitätsgremium soll politischen Entscheidungsträgern zuverlässig unabhängige, glaubwürdige Informationen über den Zustand und die Entwicklung der Biodiversität zur Verfügung stellen, damit diese gut informierte Entscheidungen zu ihrem Schutz treffen können. IPBES wurde im April 2012 von der Staatengemeinschaft gegründet und der Sitz seines Sekretariats ist in Bonn. IPBES

Welche Naturstätten in Deutschland sind als UNESCO Welterbe ausgezeichnet?

In Deutschland befinden sich drei UNESCO Weltnaturerbestätten auf der Welterbeliste: die Fossilienlagerstätte Grube Messel (Hessen), das deutsch-niederländisch-dänische Wattenmeer, und die Alten Buchenwälder Deutschlands.

Das Wattenmeer wurde 2009 in die Welterbeliste aufgenommen. Zum Weltnaturerbe Wattenmeer gehören die Nationalparke Niedersächsisches Wattenmeer, Hamburgisches Wattenmeer, Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer sowie ein Schutzgebiet in den Niederlanden. 2014 wurde das Gebiet um das dänische Wattenmeer erweitert, sodass nun das gesamte Wattenmeer entlang der Nordseeküste auf der UNESCO-Welterbeliste steht.

Die Alten Buchenwälder Deutschlands wurden 2011 als Erweiterung der Buchenurwälder der Karpaten (Slowakische Republik/Ukraine) als Naturerbe in die Welterbeliste aufgenommen. Dabei handelt es sich um Gebiete in den Nationalparken Jasmund und Müritz in Mecklenburg-Vorpommern, Hainich in Thüringen und Kellerwald-Edersee in Hessen sowie dem Grumsin im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in Brandenburg.

Das Ziel des UNESCO Übereinkommens zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt (Welterbekonvention) ist es, Natur- und Kulturgüter von außergewöhnlichem und universellem Wert als Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit dauerhaft zu erhalten. UNESCO Welterbekonvention

Wie stärkt das BMUB den Artenschutz?

In der Natur lebende Tiere und Pflanzen werden durch das gesamte Naturschutzrecht und auch wesentliche umweltrechtliche Vorschriften geschützt. Der Artenschutz hat den besonderen Auftrag, die Arten als solche (bzw. deren Populationen) zu erhalten. Gefährdungen sollen abgewehrt, möglichst eine gute Erhaltungssituation hergestellt und bewahrt werden, zumindest aber das Artensterben verhindert oder verlangsamt werden.

Proaktive Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für Arten und deren Biotope werden von den Bundesländern auf Basis der §§ 37 f. BNatSchG entwickelt und durchgeführt. Das BNatSchG ergänzt diese Maßnahmen im Allgemeinen und besonderen Artenschutz durch Beschränkungen der Entnahme (Fangen, Pflücken), der Beeinträchtigung der Exemplare (Stören, Verletzen, Töten) sowie deren Fortpflanzungs- oder Ruhestätten, durch Besitz- und Vermarktungsverbote. Für Arten, die der EG-Verordnung Nr. 338/97 zur Umsetzung des Washingtoner Artenschutzübereinkommens unterliegen, gelten vorrangige Einfuhr- und Vermarktungsbeschränkungen in der gesamten Union. Der Vollzug der Einfuhr-, Handels- und Besitzbeschränkungen wird durch weitere Instrumente erleichtert. Das Artenschutzrecht enthält ferner Regelungen zum Umgang mit invasiven und gebietsfremden Arten und Regelungen zur Genehmigung von Zoos und Tiergehegen. Artenschutz

Was ist das "Grüne Band"?

Das "Grüne Band" ist der ehemalige Grenzstreifen zwischen Ost und West in ganz Europa. In diesem 12.500 Kilometer langen Bereich konnte sich aufgrund der Nutzungsruhe und Abgeschiedenheit über Jahrzehnte ein zusammenhängendes Band von zum Teil sehr wertvollen Biotopen entwickeln, das heutige "Grüne Band". In Deutschland gehört der 1400 Kilometer lange Abschnitt zum Nationalen Naturerbe und bildet einen Biotopverbund von Süd nach Nord.

20 Jahre Grünes Band - Nationales Naturerbe für 160 gefährdete Tier- und Pflanzenarten

Bundesamt für Naturschutz

Wie viele Naturparke gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es derzeit 104 Naturparke. Darüber hinaus befindet sich der Naturpark Muldenland (Sachsen) in Gründung. Mit einer Gesamtfläche von über 9,5 Mio. ha decken die Naturparke etwa 27 Prozent der Landesfläche Deutschlands ab. Naturparke sind großräumige Landschaften, die überwiegend aus Landschafts- und Naturschutzgebieten bestehen. Naturparke dienen dem Schutz und Erhalt der Kulturlandschaften, dem Naturerleben und der Erholung, dem natur- und umweltverträglichen Tourismus und einer dauerhaft natur- und umweltverträglichen Landnutzung.

Naturparke in Deutschland

Gebietsschutz / Großschutzgebiete

Naturparke - Wir leben Natur.

Welche Tiere und Pflanzen darf ich nach Deutschland einführen?

Der weltweite Handel mit Tieren, Pflanzen und daraus hergestellten Produkten birgt nicht nur die Gefahr der Ausbreitung und Einschleppung von Tier- und Pflanzenseuchen, sondern bedroht auch den Erhalt der Artenvielfalt. Durch die Beschränkung des Handels soll weltweit ein Aussterben von seltenen Tieren und Pflanzen verhindert werden. Grundsätzlich sollten Sie davon absehen, Pflanzen und Tiere aus anderen Staaten nach Deutschland mitzubringen. Konkrete Informationen darüber, welche Tiere und Pflanzen Sie nach Deutschland einführen dürfen, finden Sie auf den Seiten des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

Pressemitteilung vom 25.06.2015: Hendricks warnt vor verbotenen Urlaubs-Souvenirs

Was wird gegen den Fang von Singvögeln im Mittelmeerraum getan?

Das Problem des illegalen Vogelfangs betrifft verschiedene Mittelmeer-Anrainer-Staaten. Deutschland ist Vertragspartei des Übereinkommens zum Schutz wandernder, wildlebender Tierarten (CMS), das insbesondere zur Zusammenarbeit verpflichtet. Damit soll der Schutz und die Erhaltung von Zugvögeln gestärkt und Hindernisse für die Tierwanderungen entfernt werden. Die Bundesregierung ist seit Bekanntwerden des massenhaften illegalen Vogelfangs mit dem CMS-Sekretariat sowie den betreffenden Staaten im intensiven Austausch, um den Vogelfang in den betreffenden Ländern zu beenden. Vogeljagd im Mittelmeerraum

Wie schützt das BMUB Schweinswale vor Baulärm?

Schweinswale sind für Kommunikation, Orientierung und Nahrungssuche auf ihr Gehör angewiesen. Zu großer Lärm ist für Schweinswale eine existenzielle Bedrohung. Das BMUB hat in einem Schallschutzkonzept für die ausschließliche Wirtschaftszone in der Nordsee neue Anforderungen entwickelt, nach denen die Bauarbeiten für Offshore-Windenergieanlagen in kritischen Bereichen zeitlich so organisiert werden müssen, dass den Schweinswalen immer ein ausreichend großer Rückzugsraum bleibt. Das ermöglicht einen naturverträglichen Ausbau der Offshore-Windkraft.

Pressemitteilung vom 02.12.2013: Schallschutzkonzept für Schweinswale in der Nordsee tritt in Kraft

Was unternimmt das BMUB, um die Wälder in Deutschland zu schützen?

Der deutsche Wald leistet einen großen Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Um weitere Schutzmaßnahmen zu fördern, hat die Bundesregierung zum Beispiel den Waldklimafonds auf den Weg gebracht. Mit Geldern aus dem Waldklimafonds werden die Leistungen nachhaltiger Forstwirtschaft gestärkt und die notwendige Anpassung der Wälder an den Klimawandel unterstützt. Finanziert wird der Waldklimafonds aus dem Energie- und Klimafonds (EKF).

Der Schutz des Waldes spielt auch in der Nationalen Biodiversitätsstrategie eine große Rolle. Hierfür zentral ist das Ziel, bis 2020 auf 5 % der Waldfläche Deutschlands eine natürliche Waldentwicklung zu erreichen sowie das sog. 2%-Wildnis-Ziel: Bis 2020 soll sich die Natur auf 2% der Fläche Deutschlands wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten ungestört entwickeln können. Das Erreichen beider Ziele unterstützt das BMUB z.B. durch die Finanzierung verschiedener Projekte, in denen gemeinsam mit den Waldeigentümern nach Wegen für die Umsetzung gesucht wird. Seiner Verantwortung bei der Umsetzung dieser Ziele kommt der Bund auch auf seinen Flächen nach. Bis 2020 wird der Bund 20% seiner Waldflächen im Rahmen des Nationalen Naturerbes aus der Nutzung nehmen.

 

Ein weiteres Beispiel für den hohen Schutz der Wälder in Deutschland sind die Buchenwälder. Im Jahr 2011 wurden fünf deutsche Buchenwald-Gebiete in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommen. Die ausgewählten Schutzgebiete repräsentieren die wertvollsten Relikte großflächiger naturnaher Buchenwälder in Deutschland.

Nationales Naturerbe

Die "Alten Buchenwälder Deutschlands"

Waldklimafonds