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Häufig gestellte Fragen

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Was bedeutet Ressourceneffizienz?

Ressourceneffizienz ist ein bedeutendes Politikthema geworden, da viele Rohstoffe nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen und natürliche Ressourcen z. B. Wasser, Boden und Luft für die Menschheit zentrale und lebenswichtige Schutzgüter sind. Natürliche Ressourcen, vor allem Rohstoffe, sind die Grundlage für unsere Industrie und unseren Wohlstand. Die Menschheit verbraucht heute doppelt so viele Rohstoffe wie vor 30 Jahren. Dabei sind viele Ressourcen endlich, und der Rohstoffabbau und die Verarbeitung von Rohstoffen sind unweigerlich mit Umweltbelastungen verbunden. Der Verbrauch in Industrieländern liegt etwa viermal so hoch wie in Entwicklungs- und Schwellenländern. Ressourceneffizienz ist daher eines der wichtigsten Themen für die globalen Nachhaltigkeitsziele, die die Vereinten Nationen derzeit entwickeln. Ressourcenpolitik berührt den Natur- und Umweltschutz gleichermaßen wie industrie- und wirtschaftspolitische Belange. Ressourceneffizienz ist auf allen Ebenen - global, europäisch und national – gleichzeitig eine große Herausforderung und eine große Chance. Die Bundesregierung hat 2012 das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) verabschiedet, das alle vier Jahre aktualisiert werden soll. Dadurch will sie dazu beitragen, die Rohstoffproduktivität bis 2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln. Unter anderem setzt sie dabei auf kompetente Beratung und hat dafür mit dem Verein Deutscher Ingenieure e. V. das Kompetenz-Zentrum für Ressourceneffizienz aufgebaut. Kurzinfo Ressourceneffizienz

Warum ist Ressourceneffizienz so wichtig?

Weltweit wurden im Jahr 2009 über 68 Milliarden Tonnen an Rohstoffen eingesetzt, rund doppelt so viel wie Ende der 1970er Jahre. Benötigt werden nicht nur immer mehr Rohstoffe, sondern auch eine immer größere Vielfalt. Zugleich bringt der steigende Materialkonsum einen steigenden Konsum anderer natürlicher Ressourcen mit sich. Ein Beispiel: Allein für die Herstellung eines Mobiltelefons werden laut Umweltbundesamt 60 verschiedene Materialien, darunter rund 30 Metalle wie Kupfer, Gold, Silber oder Lithium sowie Keramik und verschiedene Kunststoffe und 1300 Liter Wasser benötigt. Allein der Wasserbedarf entspricht dem Trinkwasserverbrauch einer Person in 10 Tagen.

Schon jetzt übersteigt die Nutzung von natürlichen Ressourcen die Regenerationsfähigkeit der Erde deutlich. Bei einer prognostizierten Weltbevölkerung von über neun Milliarden Menschen im Jahr 2050 und einer rasanten wirtschaftlichen Entwicklung der Schwellenländer nimmt die Nachfrage nach Metallen und Mineralien weiterhin stark zu. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Rohstoffen ist derzeit in den Industrienationen rund viermal höher als in weniger entwickelten Ländern. Unter wirtschaftlichen, aber auch ökologischen und sozialen Gesichtspunkten stellt dies eine große Herausforderung dar.

Dabei besteht ein enger Zusammenhang zwischen Ressourceneffizienz und Klimaschutz. Etwa 50 Prozent der industriellen CO2-Emisionen gehen auf die Produktion und Verarbeitung von nur fünf Grundstoffen zurück: Stahl, Zement, Papier, Plastik und Aluminium. Jede Tonne Stahl bedeutet ein bis zwei Tonnen Kohlendioxid, die in die Atmosphäre entlassen werden. 7 bis 8 Prozent des globalen Energieverbrauchs entfallen alleine auf die Metallgewinnung und -verarbeitung. Dieser Energieverbrauch wird weiter steigen, wenn auch Erze mit geringerem Metallgehalt zur Rohstoffgewinnung verwendet werden müssen. Ressourceneffizienz

Was hat die Wirtschaft von Ressourceneffizienz?

Die effiziente Nutzung von natürlichen Ressourcen ist ein wichtiger wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. So liegt der Materialkostenanteil im produzierenden Gewerbe bei 45 Prozent. Die Deutsche Materialeffizienzagentur (demea) hat rund 1000 Unternehmen analysiert und herausgefunden, dass Firmen durchschnittlich über 200.000 Euro pro Jahr einsparen können, wenn sie effizienter mit ihren Materialien umgehen. Dafür sind oft keine großen Investitionen notwendig. Die Maßnahmen amortisieren sich in der Regel innerhalb von wenigen Jahren.

Tatsächlich werden Potentiale für Ressourceneffizienz aber oft nicht genutzt, insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). 84 Prozent der deutschen Unternehmer in KMU sagen, dass die Potentiale in ihrer Branche für Ressourceneffizienz nicht ausgeschöpft sind. Kleine und mittlere Unternehmen sind jedoch wesentliche Wirtschafts- und Wertschöpfungsfaktoren: 99 Prozent aller Betriebe sind KMU. Dementsprechend besteht hier ein großes Potential für mehr Ressourceneffizienz. Gleichzeitig haben KMU aber häufig besondere Schwierigkeiten, zunächst risikoreich erscheinende Innovationen umzusetzen. Deshalb gilt die Unterstützung der Bundesregierung vor allem diesen Unternehmen, zum Beispiel mit Hilfe der Deutschen Materialeffizienzagentur und dem VDI Zentrum Ressourceneffizienz, die Information und Beratung bieten.

Nach Schätzungen der EU-Kommission könnten mit Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz bis 2030 zwei Millionen Arbeitsplätze in Europa neu geschaffen und gleichzeitig das Bruttoinlandsprodukt um ein Prozent gesteigert werden. Kurzinfo Ressourceneffizienz

Ressourceneffizienz - Was kann der Verbraucher tun?

Auch Verbraucher können einen wichtigen Beitrag dazu leisten, Produkte möglichst lange zu nutzen. Schon beim Kauf von Produkten können sich Verbraucher für hochwertige und langlebige Produkte entscheiden. Hilfestellung können dabei glaubwürdige, verlässliche Umweltzeichen geben, wie zum Beispiel der vom BMUB unterstützte Blaue Engel (www.blauer-engel.de). Der Blaue Engel bezieht bei seinen Vergabegrundlagen auch Anforderungen ein, die auf eine lange Haltbarkeit abzielen. Das heißt, Hersteller müssen – um ihre Produkte mit dem Blauen Engel auszeichnen zu können – zum Beispiel für einen längeren Zeitraum Ersatzteile zur Reparatur bereithalten und die Produkte reparierfreundlich konstruieren.

Welche Rolle spielt Ressourceneffizienz für die Bundesregierung?

2002 hat die Bundesregierung in ihrer Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel verankert, Deutschlands Rohstoffproduktivität bis 2020 gegenüber 1994 zu verdoppeln. Schon heute stellt Deutschland unter Beweis, wie die Ressourceneffizienz in einem hochentwickelten Industrieland ohne Wohlstandseinbußen gesteigert und dabei die Inanspruchnahme von Rohstoffen gesenkt werden kann: Während das Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren stark anstieg, sank die Inanspruchnahme von Rohstoffen seit 1994 um rund 14 Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die Rohstoffproduktivität um rund 50 Prozent.

Ein wichtiges Instrument zur Erreichung dieses Zieles ist das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm – kurz: ProgRess, das die Bundesregierung 2012 beschlossen hat. Das Programm setzt insbesondere auf Marktanreize, auf Information, Beratung, Bildung, Forschung und Innovation sowie auf die Stärkung freiwilliger Maßnahmen und Initiativen in Wirtschaft und Gesellschaft.

Bestandteil des Programms sind der Ausbau der Effizienzberatung für kleine und mittlere Unternehmen, die Unterstützung von Umweltmanagementsystemen, die verstärkte Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung an der Nutzung ressourceneffizienter Produkte und Dienstleistungen, die Stärkung freiwilliger Produktkennzeichen und Zertifizierungssysteme, der Ausbau der Kreislaufwirtschaft sowie die Verstärkung von Technologie- und Wissenstransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer.

Die Bundesregierung hat mit der Verabschiedung von ProgRess beschlossen, alle vier Jahre über die Entwicklung der Ressourceneffizienz in Deutschland zu berichten, die Fortschritte zu bewerten und das Ressourceneffizienzprogramm fortzuentwickeln. Diesen Bericht wird die Bundesregierung also im Februar 2016 das erste Mal vorlegen. Die Arbeiten an ProgRess II beginnen gerade. Ressourceneffizienz: Politik der Bundesregierung

Ressourceneffizienz - Welchen Beitrag kann die G 7 leisten?

Die G7 als Gruppe der führenden Wirtschaftsnationen der Welt kann eine Vorreiterrolle für Ressourceneffizienz übernehmen und damit gleichzeitig die Umwelt entlasten, ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken und nachhaltig Beschäftigung sichern.

Dazu soll nach dem Willen der Bundesregierung ein gemeinsames Forum zur Ressourceneffizienz ins Leben gerufen werden, in dem sich die G7-Staaten künftig zu ressourceneffizienten Lösungen und "best practices" im Bereich von Wirtschaft, Forschung und Innovation sowie nationalen und internationalen Politiken austauschen können. Zur Unterstützung soll auch eine engere Kooperation mit für Ressourceneffizienz aktiven Internationalen Organisationen, beispielsweise der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP), entwickelt werden. Von besonderem Interesse ist dabei eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Ressourcenpanel (IRP) des UN-Umweltprogramms, das in den letzten Jahren wichtige Forschungsergebnisse zur Ressourceneffizienz erarbeitet und veröffentlich hat.

Inhaltlich aufbauen will die Bundesregierung zudem auf einen Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft und zum Abfallmanagement, der 2008 unter japanischer G8-Präsidentschaft beschlossen wurde. Neu ist, dass die Bundesregierung nun den Beginn der industriellen Wertschöpfungskette – Produktion und Produkte – stärker in den Mittelpunkt der G7-Arbeiten stellen will. Insbesondere im industriellen Prozess und bei der Produktgestaltung sollen Einsparpotentiale ausgeschöpft werden. Ressourceneffizienz in der G7

Ressourceneffizienz - Welchen Beitrag leisten Forschung und Entwicklung?

Forschung und Entwicklung leisten entscheidende Beiträge zu den Zielen der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie, insbesondere der Verdopplung der Rohstoff- und Energieproduktivität, der Senkung der Treibhausgasemissionen und Halbierung des Primärenergieverbrauchs. Vor allem in rohstoffintensiven Wirtschaftsbereichen kann durch effizientere Technologien und Prozesse eine große Hebelwirkung erreicht werden.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat im Rahmen des Programms r2 zwischen 2009 und 2013 22 Forschungsverbünde der Metall-, Stahl-, Chemie-, Keramik- und Baustoffindustrie mit rund 38 Millionen Euro gefördert. Weitere 17 Millionen Euro stellte die Wirtschaft zur Verfügung. Die dabei aufgezeigten Potenziale sind beeindruckend: Bei deutschlandweiter Umsetzung der r2-Ergebnisse könnten pro Jahr rund 80 Millionen Tonnen Rohstoffe eingespart und die deutschlandweite Rohstoffproduktivität um 5 bis 6 Prozent gesteigert werden. Gleichzeitig könnte der Energieverbrauch um rund 75 TWh reduziert und beim derzeitigen Energiemix die damit verbundenen Treibhausgasemissionen um rund 60 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente reduziert werden. Ziel des neuen "r+Impuls"-Programms ist nun die Überwindung bestehender Hemmnisse bei der industriellen Umsetzung.

Effizienterer Materialeinsatz in der Produktion ist ein wichtiger Beitrag zur Schonung der natürlichen Ressourcen, zur Umweltentlastung, aber auch zur Wirtschaftlichkeit von Produktionsabläufen. Das Bundesumweltministerium fördert daher im Förderschwerpunkt "Materialeffizienz in der Produktion" des Umweltinnovationsprogramms innovative Projekte mit Demonstrationscharakter, die materialeffiziente Produktionsprozesse umsetzen, materialintensive Herstellungsverfahren substituieren sowie Rest- und Abfallstoffe als Sekundärrohstoffe einsetzen.So will z.B. die Seidel GmbH & Co. KG aus Marburg durch materialeffiziente Massenfertigung von LED-Leuchtmitteln bis zu 60 Prozent leichtere Lampen und damit jährliche Einsparungen von 260 Tonnen Aluminium, 20 Tonnen Zinn, 40 Tonnen Kupfer und 10 Tonnen Kunst- und Klebstoffen erreichen. Auch sollen sich die Produkte durch die geringe Anzahl verwendeter Materialien besser recyceln lassen. Kurzinfo Ressourceneffizienz