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Häufig gestellte Fragen

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Warum brauchen wir ein Hochwasserschutzgesetz II?

Der Öffentlichkeit sind die Gefahren extremer Wetterereignisse durch die Hochwasserkatastrophen der letzten Jahre, insbesondere die extremen Überschwemmungen in den Jahren 2002 und 2013, aber auch die Starkregenereignisse vom Mai und Juni diesen Jahres, drastisch vor Augen geführt worden. Die Hochwasserereignisse von 2013 waren Anlass, die für den Hochwasserschutz maßgeblichen Regelungen erneut zu überprüfen. Die Prüfung hat ergeben, dass die bundesrechtlichen Möglichkeiten für beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren noch nicht ausgeschöpft sind. Die Bundesregierung hat daher am 2. November 2016 den Entwurf eines Gesetzes zur weiteren Verbesserung des Hochwasserschutzes und zur Vereinfachung von Verfahren des Hochwasserschutzes (Hochwasserschutzgesetz II) beschlossen. Dieses Gesetz soll das von Ländern und Bund getragene nationale Hochwasserschutzprogramm mit einem Umfang von 5,5 Milliarden Euro rechtlich flankieren.

Was soll mit den neuen Regelungen verändert werden?

Der Gesetzentwurf sieht Änderungen folgender Gesetze vor: Wasserhaushaltsgesetz (WHG), Baugesetzbuch (BauGB), Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und Verwaltungsgerichtsordnung (VwGO).

Ziel dieses Gesetzentwurfs ist es insbesondere,

  • Verfahren für die Planung, die Genehmigung und den Bau von Hochwasserschutzanlagen zu erleichtern und zu beschleunigen, ohne die Beteiligung der Öffentlichkeit zu beschneiden, zum Beispiel soll für Grundstücke, die für bestimmte Maßnahmen des Hochwasserschutzes benötigt werden, ein Vorkaufsrecht einführt werden,
  • Gerichtsverfahren gegen genehmigte Hochwasserschutzmaßnahmen zu beschleunigen, indem die erste Instanz der Verwaltungsgerichte wegfallen soll,
  • Regelungslücken zu schließen, um Schäden durch Hochwasser zu verhindern oder zu vermindern. Hierzu gehören zum Beispiel das Verbot von neuen Heizölverbraucheranlagen und die Nachrüstpflicht für bestehende Anlagen in Risikogebieten.
  • Zudem sollen die Regelungen den Kommunen und Behörden ausreichend Möglichkeiten verschaffen, das hochwasserangepasste Bauen in Risikogebieten weiter zu forcieren und
  • die Entstehung von Hochwasser einzudämmen zum Beispiel durch Maßnahmen um Versiegelungen zu verhindern und Entsiegelungen in bestimmten Gebieten vorzusehen.
Bund und Länder haben doch ein Nationales Hochwasserschutzprogramm beschlossen, reicht das nicht?

Bund und Länder wollen mit dem Nationalen Hochwasserschutzprogramm in erster Linie zur beschleunigten Umsetzung prioritärer, überregional wirkender Maßnahmen des vorbeugenden Hochwasserschutzes beitragen. Wichtigstes Ziel muss es sein, ein Flussgebiet zusammenhängend zu betrachten, um so geeignete Projekte auswählen und kombinieren zu können, damit möglichst viele Menschen von ihnen profitieren.

Insgesamt soll den Flüssen also mehr Raum gegeben und Synergien für den Naturschutz aufgetan und genutzt werden. Die Schaffung von mehr Raum durch Deichrückverlegungen, große Flutpolder und andere Retentionsmaßnahmen wird seit Herbst 2015 mit erheblichen zusätzlichen Bundesmitteln aus dem neu geschaffenen Sonderrahmenplan "Präventiver Hochwasserschutz" gefördert. Dies soll den überregionalen bzw. Länder übergreifenden Ansatz des Nationalen Hochwasserschutzprogrammes finanziell unterstützen.

Das künftige Hochwasserschutzgesetz II soll das Nationale Hochwasserschutzprogramm nun auch in rechtlicher Hinsicht flankieren und zum Beispiel Verfahren für die Planung, die Genehmigung und den Bau von Hochwasserschutzanlagen erleichtern und beschleunigen. Zudem sollen durch die rechtlichen Änderungen künftige Schäden nicht nur durch Hochwasserschutzmaßnahmen der öffentlichen Hand, sondern auch durch das Verhalten privater Bauherrn insbesondere durch hochwasserangepasstes Bauen weiter minimiert werden.

Wie genau sollen die Verfahren für den Bau von Hochwasserschutzanlagen beschleunigt werden?

Das Hochwasserschutzgesetz II enthält eine Reihe von Regelungen, die Verwaltungsverfahren beschleunigen sollen, ohne jedoch die Beteiligung der Öffentlichkeit zu beschneiden.

Für die Länder soll zum Beispiel ein Vorkaufsrecht für Grundstücke, die für bestimmte Maßnahmen des Hochwasserschutzes benötigt werden, eingeführt werden (§ 99a WHG). Die mangelnde Flächenverfügbarkeit für Hochwasserschutzmaßnahmen stellt die Länder oft vor Herausforderungen. Als letztes Mittel ist oft nur ein langwieriges und kompliziertes Enteignungsverfahren möglich. Mit dem Vorkaufsrecht sollen sich die Kommunen nun in einem einfacheren Wege Flächen sichern können, die sie für den Hochwasserschutz benötigen.

Für den Fall, dass doch eine Enteignung erforderlich ist, sieht der Gesetzentwurf die Möglichkeit einer vorzeitigen Besitzeinweisung (§ 71a WHG) vor. Zudem sollen in Überschwemmungsgebieten Hochwasserschutzmaßnahmen in Eilfällen künftig auch ohne Rechtsverordnung von den zuständigen Behörden durch Verwaltungsakt verfügt werden können (§ 78 Absatz 5 Satz 2WHG).

Eine weitere Beschleunigung soll durch den Wegfall einer Instanz im Gerichtsverfahren erreicht werden. Für Klagen gegen Planfeststellungsverfahren für Maßnahmen des Hochwasserschutzes soll künftig nur ein zweistufiges Rechtsschutzverfahren (OVG, BVerwG) gelten und somit die erste Instanz der Verwaltungsgerichte entfallen.

Was ist unter hochwasserangepasstem Bauen zu verstehen?

Bereits heute bestehen planerische und bauliche Möglichkeiten, um Schäden an Gebäuden entweder zu verhindern oder so gering wie möglich zu halten.

In der Praxis haben sich drei Schutzstrategien zur Vermeidung und Verminderung von Hochwasserschäden durchgesetzt: Ausweichen, Widerstehen, Anpassen. Das Bundesumweltministerium hat mit der Hochwasserschutzfibel hilfreiche Maßnahmen zum Thema "hochwasserangepasstes Bauen" zusammengetragen. Darüber hinaus hat auch die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) das Merkblatt M 553 erarbeitet, das sich ebenfalls mit hochwasserangepasstem Planen und Bauen beschäftigt. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Themen "Raumplanung in Risikogebieten" und "Hochwasserangepasstes Bauen". Auf die spezifischen Bedingungen beim "Bauen im Bestand" wird dabei jeweils vertiefend eingegangen. Es werden nur verhältnismäßige Maßnahmen verlangt, die sich zum Beispiel in Risikogebieten außerhalb von Überschwemmungsgebieten im Einzelfall insbesondere nach dem jeweiligen Hochwasserrisiko und der Höhe des möglichen Schadens richten (s. § 78b Absatz 1 Nummer 2 WHG des Gesetzentwurfs). Solche Maßnahmen können zum Beispiel der Einbau von Türschwellen, die Verbesserung der Standfestigkeit von Bauwerken, die Umnutzung von hochwassergefährdeten Geschossen bis hin zu Umplanungen im Hinblick auf den Standort eines Gebäudes sein.

Warum wird das Bauen in Überschwemmungsgebieten im sogenannten Innenbereich der Kommunen nicht ebenso grundsätzlich verboten wie im Außenbereich?

Unzweifelhaft hat Deutschland derzeit einen großen Nachholbedarf beim Wohnraum in den Städten. Ein komplettes Bauverbot im Innenbereich innerhalb von Überschwemmungsgebieten wäre überzogen. Ein solches Verbot würde den Druck auf den Außenbereich außerhalb der Überschwemmungsgebiete verlagern. Auch das wäre nicht im Interesse des Umwelt- und Naturschutzes. Auch den Verkehr und damit den Bau von Straßen können wir im Innenbereich in Überschwemmungsgebieten natürlich nicht gänzlich ausschließen.

Der Gesetzentwurf enthält einen guten Kompromiss zwischen den berechtigten Interessen eines effektiven Hochwasserschutzes einerseits und den Interessen an einem hochwasserangepassten Bauen im Innenbereich der Städte. Im Innenbereich gilt bei der Abwägung im Rahmen der baurechtlichen Zulassung nach § 78 Absatz 3 WHG insbesondere Folgendes: 

  • Nachteilige Auswirkungen auf Ober- und Unterlieger sind zu vermeiden
  • Beeinträchtigungen des bestehenden Hochwasserschutzes sind zu vermeiden,
  • Bauwerke sind möglichst hochwasserangepasst zu errichten.
Was sind "Risikogebiete außerhalb von Überschwemmungsgebieten"?

Es hat sich gezeigt, dass erhebliche Hochwasserschäden auch in Gebieten entstehen können, die keine Überschwemmungsgebiete sind, weil das Hochwasser seltener auftritt als es die Definition für diese Gebiete vorsieht und die dennoch "Risikogebiete" nach der EU-Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie (Richtlinie 2007/60/EG) sind. Dies sind Gebiete, die erst bei einem Hochwasser überschwemmt werden, mit dem weniger als einmal in 100 Jahren zu rechnen ist. Diese Gebiete brauchen jedoch nicht neu ausgewiesen werden, weil die Länder sie aufgrund der genannten EU-Richtlinie und der bestehenden Rechtslage im WHG bereits ausgewiesen haben. Jedoch bestanden in diesen Gebieten für die Bauplanung der Kommunen und für den einzelnen Bauherrn bisher keine besonderen Pflichten. Hier wie auch in bestimmten Gebieten, die hinter Hochwasserschutzanlagen liegen, soll nun eine Bauleitplanung, die die Hochwasserrisiken besonders im Rahmen der Abwägung berücksichtigt, sowie hochwasserangepasstes Bauen (siehe dazu oben) des einzelnen Bauherrn verlangt, erforderlich sein. Gerade in Zeiten des voranschreitenden Klimawandels, in denen auch großzügig bemessene Hochwasserschutzanlagen versagen können, sind Anpassungsmaßnahmen an die veränderte Hochwassersituation von immer größerer Bedeutung. Die Lösung der Hochwasserproblematik darf auch nicht allein als Aufgabe der öffentlichen Hand gesehen werden. Hochwasserschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, mit der sich auch jeder beziehungsweise jede Einzelne auseinandersetzen muss.

Warum sollen Ölheizungen in bestimmten Gebieten künftig verboten werden?

Da Öl leichter als Wasser ist, schwimmt im Hochwasserfall der Öltank auf, wobei die Ölleitungen abreißen und sich das Öl durch diese Öffnungen - insbesondere auch bei Verkantungen – frei ins Hochwasser ergießen kann. Das aufschwimmende Öl kann sich dann großflächig in der Landschaft verteilen. Es kontaminiert auch das Mauerwerk von Bauwerken, die dann meist nicht mehr saniert werden können. Deshalb mussten nach dem Hochwasser 2013 viele Häuser abgerissen werden. Außerdem können die aufschwimmenden Tanks gegen Mauerwerk und Decke stoßen und üben einen Druck von unten aus, der bei der Planung der Häuser nicht mit eingerechnet wurde. Decken oder Gewölbe geben sehr schnell nach. Eine feste Verankerung der Heizöltanks im Keller ist schwierig. Deshalb sollen Ölheizungen künftig in Überschwemmungsgebieten und Risikogebieten außerhalb von Überschwemmungsgebieten grundsätzlich nicht mehr gebaut werden dürfen, wenn weniger wassergefährdende Alternativen zu vertretbaren Kosten zur Verfügung stehen. Ein erwünschter Nebeneffekt des Verbotes ist es, dass damit auch positive Effekte für den Klimaschutz erzielt werden.

Gibt es auch Regelungen, die die Starkregenproblematik aufgreifen?

Die zunehmende Häufigkeit von Starkniederschlägen insbesondere in bestimmten Gebieten und Regionen ist eine Folge des voranschreitenden Klimawandels. Die Wasserversickerungs- und Wasserrückhaltefähigkeit der Gebiete, in denen die erhöhte Wahrscheinlichkeit von Starkniederschlägen mit einer Geländemorphologie zusammentrifft, die einen schnellen Abfluss begünstigt (zum Beispiel starkes Gefälle), ist von großer Bedeutung für das Entstehen bzw. die Höhe von Hochwasser. Technische Hochwasserschutzmaßnahmen können die Wassermassen dann nicht mehr ausgleichen, die durch eine weitere Reduzierung des Wasserrückhalte- und Wasserversickerungsvermögen in diesen Gebieten entstehen können (zum Beispiel durch Flächenversiegelung, Umwandlung von Wald in Ackerland et cetera). Deshalb ist es Ziel dieser Regelung, die Hochwassergefahr bereits in ihren Entstehungsgebieten, zum Beispiel durch Aufforsten, zu minimieren oder zumindest keine neuen Hochwassergefahren zu schaffen. Der Gesetzentwurf enthält daher in § 78d WHG eine Regelung zu sogenannten Hochwasserentstehungsgebieten, die diesen Gefahren begegnen soll. Diese Regelung enthält Genehmigungspflichten sowie zum Beispiel Verbote von Nutzungsänderungen, Entsiegelungsgebote und Versiegelungsverbote.

Was sind Hochwasserentstehungsgebiete und wie wirken sie?

Hochwasserentstehungsgebiete sind Gebiete, in denen bei Starkniederschlägen oder bei Schneeschmelze in kurzer Zeit starke oberirdische Abflüsse entstehen können, die zu einer Hochwassergefahr führen können. Solche Gebiete sollen künftig durch die Länder als Rechtsverordnung ausgewiesen werden. Hochwasserentstehungsgebiete können große Hochwasser wie die von 2002 oder 2013 nicht verhindern, aber sie können durchaus kleinere Hochwasser, die auch erhebliche Schäden verursachen können, verhindern oder abmildern. Zudem können die Hochwasserentstehungsgebiete bei größeren Hochwassern dazu beitragen, dass wertvolle Zeit für Schutz- und Evakuierungsmaßnahmen gewonnen wird. Auch unter dem Gesichtspunkt "Starkregen" entfalten Hochwasserentstehungsgebiete vorbeugende Wirkung (siehe Frage "Gibt es auch Regelungen, die die Starkregenproblematik aufgreifen?").

Welche Änderungen sind im BauGB nötig und warum?

Im BauGB finden sich bereits jetzt Regelungen zum Hochwasserschutz. Es hat sich jedoch gezeigt, dass auch im BauGB noch Regelungen angepasst werden können, um den Hochwasserschutz zu verbessern. So soll der Begriff der Belange des Hochwasserschutzes konkretisiert werden: Hier sind insbesondere die Vermeidung und Verringerung von Hochwasserschäden bei der Aufstellung von Bauleitplänen zu berücksichtigen. Zudem sollen die Kommunen künftig auch Gebiete festsetzen können, in denen bei der Errichtung baulicher Anlagen bestimmte bauliche oder technische Maßnahmen getroffen werden müssen, um Hochwasserschäden gar nicht erst entstehen zu lassen, sowie die Art dieser Maßnahmen. Daher soll es dann möglich sein, bereits im Bebauungsplan, der in einem Überschwemmungsgebiet liegt, festzulegen, dass Vorhaben hochwassersicher errichtet werden müssen.

Die Kommunen sollen außerdem künftig Flächen auf Baugrundstücken zur Versickerung von Niederschlagswasser freihalten können.

Entstehen für die Maßnahmen Mehrkosten und wer übernimmt diese?

Wie bei jeden Rechtssetzungsvorhaben der Bundesregierung sind auch für das Hochwasserschutzgesetz II die sog. Erfüllungskosten anzugeben. Für Bürgerinnen und Bürger fallen hauptsächlich Mehrkosten durch die hochwassersichere Nachrüstung von Heizölverbraucheranlagen in bestimmten Risikogebieten an. Durchschnittlich muss man von circa 3000 Euro ausgehen, die eine solche hochwassersichere Nachrüstung kostet, wobei die Kosten im Einzelfall höher, aber auch geringer ausfallen können.

Das BMUB hat im Gesetzentwurf jedoch auch versucht, den Nutzen einer hochwassersicheren Nachrüstung zu bemessen. Die Schäden, die allein in der Vergangenheit bei Hochwassern durch ausgelaufene Ölheizungen verursacht wurden, sind immens. Meist konnte das ölkontaminierte Mauerwerk nicht saniert werden, sondern die Gebäude mussten abgerissen werden. Durch die hochwassersichere Nachrüstung sollen diese immensen Schäden für die Zukunft zumindest reduziert werden.

Zu beachten ist auch, dass Heizölverbraucheranlagen nicht sofort nach Inkrafttreten des Hochwasserschutzgesetzes II nachgerüstet werden müssen. In Überschwemmungsgebieten ist nach der vorgesehenen Regelung hierzu fünf Jahre, in Risikogebieten außerhalb von Überschwemmungsgebieten 15 Jahre Zeit.

Die KfW sieht zudem diverse Unterstützungsmöglichkeiten für den Austausch von ineffizienten Heizungsanlagen (auch Ölheizungen) vor.

Wie sieht das weitere Gesetzgebungsverfahren aus?

Folgender Zeitplan ist vorgesehen:

  • 16. Dezember 2016 Bundesrat 1. Durchgang (Plenum)
  • 11. Januar 2017 Gegenäußerung der Bundesregierung
  • 19./20. Januar 2017 Bundestag 1. Lesung
  • 16./17. Februar 2017 Bundestag 2/3. Lesung
  • 10. März 2017 Bundesrat 2. Durchgang
  • Oktober 2017 Inkrafttreten (Art. 72Abs. 3 Satz 1 Nr. 5 i. V. m. Satz 2GG)

Der Gesetzentwurf ist im Bundesrat nicht zustimmungspflichtig.

Welche Vorsorgemaßnahmen kann ich gegen Starkregen und Hochwasser treffen?

Beitrag zum Hochwasserschutz

Jeder Einzelne kann einen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten. Gewässeranlieger sollten zum Beispiel auf die Ablagerung von Gartenabfällen und Boden in Gewässernähe verzichten. In den gesetzlich festgesetzten Überschwemmungsgebieten ist dies verboten. Zu beachten ist, dass die Bäche mitunter erheblich anschwellen (Sturzfluten), so dass auch Materialien, die abseits des normalen Bachbetts gelagert werden, bei Hochwasser mitgerissen werden können.
Häufig gibt es keine Vorwarnzeit, da jedes aufziehende Unwetter Potential für Überflutungen liefert und sich Extremwetterereignisse mitunter sogar lokal erst bilden. Dann kann nicht einmal eine Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes rechtzeitig herausgegeben werden.
Daher ist es umso wichtiger, dass private Vorsorge wie etwa der Schutz der eigenen Häuser und Wohnungen auf jeden Fall funktioniert. Bedenken Sie, dass der Aufenthalt im Freien während eines Gewitters Lebensgefahr bedeutet und Sie daher Schutzmaßnahmen nur vor Beginn des Unwetters einleiten können. Extreme Starkregen treten gehäuft während der warmen Jahreszeit auf. Hilfreich kann deshalb auch sein, in den Sommermonaten aufmerksam die Großwetterlage zu verfolgen und schon bei latenter Unwettergefahr Maßnahmen zu treffen.

Schutz vor Rückstau aus dem Kanal

Jeder Niederschlag führt zu einem Anstieg des Wasserspiegels im Kanal. Dies ist ein normaler Betriebszustand und keine Störung. Mitunter erreicht der Abwasserspiegel im Kanal die Anschlüsse der privaten Entwässerung und es kommt zum Rückstau im Hausanschluss. Die Folge könnte der Austritt von Abwasser ins Gebäude sein, zum Beispiel über Bodenabläufe und Sanitäreinrichtungen, besonders - aber nicht nur - im Kellergeschoss. Mit Hilfe einer Rückstausicherung im Haus kann dies relativ einfach verhindert werden. Wichtig ist, dass alle Entwässerungen korrekt in das System eingebunden sind und die Rückstauklappen regelmäßig gewartet werden. Der Einbau von Rückstausicherungen ist meistens in den kommunalen Abwassersatzungen vorgeschrieben.
Der Rückstau aus dem Abwasserkanal ist die bei Weitem die häufigste Schadensursache bei Starkregenereignissen und liegt allein in der Verantwortung des Hauseigentümers! Auch kann durch länger anhaltende Regenfälle der Grundwasserstand so weit ansteigen, dass durch die nicht immer dichten erdverlegten Abwasserkanäle das drückende Grundwasser bis ins das Gebäude eindringt.

Bauliche Schutzmaßnahmen

Zwar sind besonders Gebäude, die sich in Überschwemmungsgebieten, Senken oder ähnlich exponierten Lagen befinden, gefährdet und durch weitergehende Schutzmaßnahmen zu sichern, bei entsprechender Regenintensität kann es aber jedes Gebäude treffen, selbst auf einer Anhöhe.
Alle Schutzmaßnahmen sind immer nach örtlichen Gegebenheiten in Erwägung zu ziehen. Oft ist es hilfreich, etwa Schwellen an Eingängen vorzusehen, Kellerlichtschächte zu ummauern, Kellerfenster wasserdicht mit Druckverschluss auszubilden, druckdicht verschließbare Eingangstüren vorzusehen oder Einfahrten in Tiefgaragen mit einer Schwelle zu sichern. Dabei entstehen oft Zielkonflikte mit Barrierefreiheit, optischer Wirkung, der Nutzung von Kellerräumen oder anderen Aspekten – diese muss der Hauseigentümer abwägen.

Checkliste zur Vorsorge

Liegen Räume unter der Rückstauebene (meist Straßenoberkante) - kann dort auf hochwertige Nutzung verzichtet werden?
Haben alle Entwässerungsobjekte (Bodenabläufe, Waschbecken, Duschen, WC) unterhalb der Rückstauebene eine funktionsfähige und gewartete Rückstausicherung? Falls Sanitäreinrichtungen (zum Beispiel WC, Waschbecken, Dusche), Waschmaschinen oder Brennwertheizungen unter der Rückstauebene betrieben werden und sind die Sicherungs- und Verteilkästen der Elektroinstallation noch im Kellerbereich installiert, ist eine regelmäßig gewartete Hebeanlage erforderlich.
Sind alle Reinigungsöffnungen und Schächte unterhalb der Rückstauebene nötig? Sind sie gegen drückendes Wasser gesichert?
Gibt es Altanlagen – zum Beispiel meist unzulässige Drainagen –, die volllaufen können und dann über die Grundstücksentwässerung bei Rückstau ins Gebäude fließen?
Ist das Grundstück durch Oberflächenabfluss von der Straße, Nachbargrundstücken oder angrenzenden landwirtschaftlichen Flächen gefährdet?
Liegt das Grundstück in einem ausgewiesenen Überschwemmungsgebiet oder in einem Tiefbereich im Gelände?
Vorherige Schadensereignisse sind bekannt? Mit welchen Höhen ist daraus abgeleitet mindestens zu rechnen?
Sind technische Einrichtungen – zum Beispiel Öltanks – gegen Aufschwimmen gesichert?
Kann oberflächlich abfließendes Wasser einen Weg ins Haus finden?
Sind diese typischen Schwachpunkte am Haus vorhanden?

  • ebenerdiger Eingang
  • ebenerdige Terrasse mit Eingang
  • Kellerlichtschächte ohne Aufmauerung
  • tief liegende Kellerfenster
  • Abgänge und Treppen
  • Flächen (Hof, Stellplätze) mit Gefälle zum Haus hin
  • tiefliegende Garage
  • Einfahrt mit Gefälle zum Haus

Schließen Dachentwässerungen, Entwässerungen von Kellertreppen, Hofflächen bei Mischwasserableitungen auf der "richtigen" Außen-Seite der Rückstausicherung an die Grundstücksentwässerung an? Die "richtige" bzw. Außen-Seite liegt zwischen Rückstausicherung und öffentlichem Kanal.
Können Sie eine Frage nicht sicher beantworten oder haben Sie Zweifel? Dann sind die Abfragen des Hochwasserpasses (www.hochwasser-pass.com) und eventuell die anschließende Hinzuziehung eines Architekten, Bausachverständigen oder einer sachkundigen Firma dringend zu empfehlen!

Weitere Informationen

Handbuch und Tipps vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK)

Hochwasservorsorge im Inland 

Extremwetterereignisse 

Anpassung an den Klimawandel