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> Brandschutz nach London

Häufig gestellte Fragen

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Ist eine Brandkatastrophe wie in London auch in Deutschland möglich?

Die Brandschutzvorschriften in Deutschland sehen grundsätzlich hohe Sicherheitsstandards vor. Für diese Vorschriften sind die Länder zuständig. Wenn sie eingehalten werden, kann es nach menschlichem Ermessen zu einer Katastrophe wie am Londoner Grenfell Tower nicht kommen. Für solche Hochhäuser sind in Deutschland nur nichtbrennbare Baustoffe zugelassen. Für so genannte hinterlüftete Fassaden, die die Brandausbreitung in London vermutlich begünstigt hatten, muss es schon seit 10 Jahren horizontale Brandsperren geben. Dies sieht eine Richtlinie für diese Art von Fassaden vor.

Wie sehen Brandschutzbestimmungen für Hochhäuser in Deutschland aus?

Die Brandschutzbestimmungen werden von den jeweiligen Bundesländern in eigener Verantwortung eingeführt. Sie können geringfügig voneinander abweichen.

Generell gilt: Beim Bau von Hochhäusern ab 22 Metern Höhe dürfen nur Bauprodukte verwendet werden, die nicht brennen können beziehungsweise feuerfest sind; dies gilt auch für Fassaden. Diese Regel gilt ohne Ausnahme. Dies schreibt die Musterhochhausrichtlinie (MHHR) vor. Hier sind die Anforderungen an Bauteile, Rettungswege sicherheitstechnische Anforderungen etcetera definiert. Diese haben die Länder in ihre Regelwerke übernommen. Im Einzelfall sind Abweichungen in Abstimmung mit der Bauaufsicht und der Feuerwehr zulässig. Das Sicherheitsniveau darf dabei keinesfalls eingeschränkt werden. Die MHHR gilt bereits seit 1981.

Bei Neubauten sind im Rahmen des Brandschutzkonzepts weitere Maßnahmen festzulegen, zum Beispiel zu Brandmeldeanlagen, Sprinkleranlagen, Feuerwehraufzügen und zwei voneinander unabhängigen Rettungswegen oder einem speziell gesicherten Sicherheitstreppenraum.

 

Welche aktuellen Regelungen gelten für das Anbringen von schwer entflammbaren Dämmmaterialien (Neubau, Altbausanierung)?

Im Wohnungsbau unterhalb der Hochhausgrenze (22 Meter Höhe) richten sich die Anforderungen an den Brandschutz nach der Größe des Gebäudes und der Anzahl der Wohngeschosse. Die Differenzierung erfolgt nach Gebäudeklassen. Es gilt der Grundsatz: Je größer und höher die Gebäude, desto höher die Brandschutzanforderungen.
Zugelassene Fassadensysteme bei fünfgeschossigen Gebäuden müssen zum Beispiel schwer entflammbar sein und eine unverhältnismäßige Brandausbreitung verhindern. Bestehende Gebäude genießen Bestandsschutz, auch wenn bauaufsichtliche Vorschriften verändert wurden.

Ob der Brandschutz in einem Gebäude verstärkt werden sollte, ist eine Einzelfallentscheidung, bei der das Gefährdungspotenzial und die Machbarkeit möglicher Umbauten oder Modernisierungen abgewogen werden muss. Bei großen Gefahren kann die Bauaufsicht vom Grundsatz des Bestandsschutzes abweichen und den Eigentümer verpflichten, die Gefahren zu beseitigen. Im Einzelfall kann sogar eine Sperrung und Räumung des Gebäudes angeordnet werden.

Wie sieht es mit den Bestandsbauten in Deutschland aus? Gibt es Hochhäuser (über 22 Meter), die mit entflammbaren Dämmmaterialien versehen sind?

Die Anforderungen der Musterhochhausrichtlinie (MHHR) gelten seit dem Jahr 1981. Demnach durften und dürfen beim Bau von Hochhäusern nur nichtbrennbare Materialien verwendet werden. Weiterhin gibt es viele technische Anforderungen wie zum Beispiel Brandmeldeanlagen und Sicherheitstreppenräume, die die Sicherheit in Hochhäusern im Brandfall gewährleisten. Alle Sonderbauten, zu denen auch Hochhäuser gehören, werden turnusmäßig (in der Regel alle fünf Jahre) in sogenannten Brandsicherheitsschauen untersucht. Hierbei wird überprüft, ob das Gebäude den bauaufsichtlichen Anforderungen entspricht und die Gebäudenutzung weiterhin sicher ist. Von der örtlichen Bauaufsichtsbehörde und der Feuerwehr festgestellte Mängel sind vom Gebäudeeigentümer zu beseitigen.
Allerdings gab es auch vor 1981 schon landesrechtliche Regelungen, die die Verwendung von brennbaren Baustoffen in Hochhäusern verbieten. In NRW müssen zum Beispiel seit der ersten Landesbauordnung von 1962 Bekleidungen von Wänden von Hochhäusern aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen.

 

Welche Brandschutzmaßnahmen sind in ganz Deutschland (unabhängig von einzelnen speziellen Landesregelungen) vorgeschrieben (gibt es da einheitliche wie Sprinkler, Zweites Fluchttreppenhaus etcetera)?

Bei der Planung von Hochhäusern ist ein an das jeweilige Gebäude angepasstes Brandschutzkonzept zu erstellen, das geprüft und genehmigt wird.
Technische Anlagen, die in Hochhäusern verwendet werden, sind unter anderem Sicherheitsbeleuchtung, automatische Feuerlöschanlagen und Druckerhöhungsanlagen für die Löschwasserversorgung, Rauchabzugsanlagen, Druckbelüftungsanlagen, Brandmeldeanlagen, Alarmierungsanlagen und Feuerwehraufzüge sowie Gebäudefunkanlagen für die Feuerwehr. Diese Anlagen unterliegen einer regelmäßigen technischen Prüfung, um die Sicherheit im Brandfall zu gewährleisten.

 

Gibt es geeignete Baustoffe und Bauprodukte, mit denen die geforderten energetischen Standards bei Hochhäusern eingehalten werden können?

Selbstverständlich gelten energetische Anforderungen auch für Hochhäuser. Es gibt geeignete, nichtbrennbare Dämmmaterialien von vielen Herstellern, die bei der Errichtung oder einer energetischen Modernisierung von Hochhäusern verwendet werden können. Durch Brandprüfungen, bautechnische Zulassungen und die Verwendung genormter Produkte wird dies sichergestellt.

Können Sie aus dem Brand in London schon etwas schließen?

Wichtig ist, dass die Vorschriften für den Brandschutz beachtet werden. Hier sind die ausführenden Baufirmen, die Architekten, Ingenieure, Fachplaner, die Feuerwehr und nicht zuletzt die Bauaufsicht aufgefordert, den Bauprozess gründlich zu überwachen, um Ausführungsfehler zu vermeiden. Bei Einhaltung der in Deutschland geltenden Anforderungen ist nach einhelliger Expertenmeinung eine Brandkatastrophe wie in London ausgeschlossen.

Welche Konsequenzen ziehen die deutschen Behörden aus dem Brand des Grenfell Tower in London?

Für Brandschutz und Bauordnungsrecht sind Länder und Kommunen zuständig. Der Bund hat hier keine Zuständigkeit und kann daher nur Anregungen geben oder Vorschläge machen. Das hat Bundesbauministerin Barbara Hendricks getan, indem sie gesagt hat, die zuständigen Behörden in Kommunen und Ländern sollten jetzt in ihren jeweiligen Bereichen prüfen, ob es gefährdete Hochhäuser gibt. Viele tun das bereits. Dabei geht es nicht um das Erstellen einer bundesweiten Liste. Entscheidend ist, dass die zuständigen Behörden vor Ort über alle nötigen Informationen verfügen und entsprechend handeln.