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Transportstudie Konrad 2009 - Sicherheitsanalyse zur Beförderung radioaktiver Abfälle zum Endlager Konrad

Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse

Die "Transportstudie Konrad 2009 - Sicherheitsanalyse zur Beförderung radioaktiver Abfälle zum Endlager Konrad" enthält folgende Ergebnisse:

  • Mit dem vorgesehenen Betrieb des Endlagers Konrad werden radioaktive Abfälle in standardisierten Behältern auf Schiene und Straße zum Endlagerstandort befördert. Die Abfallgebinde müssen dabei bezüglich des radioaktiven Inhalts und der Behältereigenschaften sowohl die Annahmebedingungen des Endlagers gemäß der atomrechtlichen Planfeststellung als auch die Anforderungen der Gefahrgutvorschriften für radioaktive Stoffe gemäß Verkehrsrecht erfüllen. Bei den nicht-wärmeentwickelnden schwach- bis mittelradioaktiven Abfälle handelt es sich um Betriebsabfälle aus Kernkraftwerken und radioaktive Abfälle aus Forschung, Industrie und Medizin.
  • BMU und BfS hatten bei der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH eine Transportstudie in Auftrag gegeben, um auf der Grundlage der Planungen für den künftigen Betrieb des Endlagers und aktualisierter Daten zu den maßgeblichen Eigenschaften der anzuliefernden Abfälle die Sicherheit der Transporte umfassend beurteilen zu können.
  • Die Abfallverursacher liefern die radioaktiven Abfälle mit ca. 50 Transporteinheiten (Abfallgebinde) pro Arbeitswoche gemäß einem vom BfS auf die Betriebsabläufe der Abfalleinlagerung abgestimmten koordinierten Abrufsystem zum Endlager an.
  • Für die Abfalltransporte wird eine Aufteilung der Transporteinheiten auf 80% Schienentransport und 20% Straßentransport per LKW als realistisch angesehen. Abfalltransporte per Schiene werden praktisch alle über den Rangierbahnhof Seelze bei Hannover geführt. Von dort verkehren an Werktagen mehrere Regelgüterzüge, die im Zugverband auch Abfallwagen zum Übergabebahnhof Beddingen mitführen, der wenige km vom Endlager Konrad entfernt liegt. Somit erfolgt eine rangierdienstliche Behandlung von Eisenbahnwagen innerhalb des 25 km Umkreises in der Standortregion praktisch ausschließlich auf dem Übergabebahnhof Beddingen.
  • Das mit dem Betrieb des Endlagers verbundene zusätzliche Transportaufkommen in der Standortregion beträgt ca. 10 LKW pro Woche und ca. 20 mit jeweils 2 Transporteinheiten beladene Eisenbahngüterwagen. Die Anlieferung von Abfallgebinden per LKW erfolgt auch in der Standortregion praktisch ausschließlich auf überörtlichen Verkehrswegen wie Bundesfernstraßen und Autobahnen.
  • In der Transportstudie Konrad wurde für die Standortregion, wo alle Abfalltransporte zum Endlager zusammenlaufen, die zusätzliche Strahlenbelastung von Personen der Bevölkerung in der Standortregion und von Transportpersonal eingehend untersucht. Mögliche radiologische Risiken durch Transportunfälle auf der Schiene, der Straße und beim Rangieren sind ebenfalls mit fortgeschrittenen Analysemethoden und experimentell gestützten Daten ermittelt worden. Dafür wurde eine detaillierte Datenbasis über die anzuliefernden Abfallgebinde hinsichtlich der Eigenschaften des radioaktiven Inhalts, der verwendeten Konditionierungsverfahren, der Aktivitätsinventare, der eingesetzten standardisierten Behälter und des verbleibenden Strahlungsfeldes im Nahbereich der Behälter aktualisiert und für die durchgeführten Transportsicherheitsanalysen aufbereitet.
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  • In der Transportstudie sind für die zukünftigen Abfalltransporte zum Endlager Konrad mögliche Strahlenexpositionen von Personen der Bevölkerung und von Transportpersonal bei bestimmungsgemäßer, unfallfreier Beförderung berechnet worden. Dazu ist gerade für Personen, die sich aufgrund ihrer Lebensumstände häufig in unmittelbarer Nähe zu den Abfalltransporten aufhalten könnten, z.B. Wohnbevölkerung an den hauptsächlich genutzten Verkehrswegen oder Umschlagorten, die mögliche jährliche Strahlendosis mit besonders ungünstigen Annahmen bestimmt worden.

Die Ergebnisse der Analysen beim unfallfreien Transport lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die Ergebnisse zeigen, dass durch das zu erwartende Aufkommen von Abfalltransporten auf der Schiene oder der Straße zum Endlager Konrad die Strahlenbelastung der Bewohner der Standortregion nicht verändert wird. Nur für anzahlmäßig sehr wenige Personen der allgemeinen Bevölkerung, die sich häufig in unmittelbarer Nähe zu den Abfalltransporten aufhalten könnten, z.B. Wohnbevölkerung an den hauptsächlich genutzten Verkehrswegen, können berechnete effektive Strahlendosen bis zu 0,02 mSv/a erreichen. Zum Vergleich: Die mittlere natürliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Deutschland beträgt pro Jahr ca. 2,1 Milli-Sievert (mSv). Der Dosisgrenzwert von 1 mSv im Kalenderjahr gemäß § 46 Strahlenschutzverordnung, gilt zum Schutz der Bevölkerung auch für die Beförderung radioaktiver Stoffe.
  • Für unmittelbar mit der Durchführung der Transporte zum Endlager befasstes Personal wie Rangierer und Triebfahrzeugführer oder LKW-Fahrer/Begleiter zeigen Arbeitsablauf- und Expositionsanalysen, dass die jährlichen effektiven Strahlendosen unterhalb von etwa 0,6 mSv/a liegen werden.
  • Zur Ermittlung des mit denkbaren Transportunfällen verbundenen Risikos in der Endlagerregion sind aufwändige Analysen durchgeführt worden, bei denen sowohl mögliche Strahlenexpositionen von Personen in der näheren Umgebung eines Unfallortes als auch die Wahrscheinlichkeit solcher Ereignisse mit Freisetzung radioaktiver Stoffe erfasst werden. Bei diesen sog. probabilistischen Transportunfallanalysen sind Forschungsergebnisse aus vielen Bereichen zusammengeführt worden. Dazu zählen Analysen zu Unfallhäufigkeiten und Unfallbelastungen beim Straßen- und Schienenverkehr, experimentell gestützte Analysen zur Freisetzung aus Transportbehältern bei Belastungen durch Aufprall oder Brand sowie fortgeschrittene Methoden zur Berechnung resultierender Strahlenexpositionen.

Die Ergebnisse der Unfallanalysen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Die erwartete Unfallhäufigkeit von Güterzügen oder LKW mit radioaktiven Abfällen im 25 km Umkreis beträgt etwa 1,0∙10-2 pro Jahr, was im Mittel einem Unfall beim Transport von radioaktiven Abfallgebinden in 100 Jahren entspricht. Die erwartet Häufigkeit, dass es zu einem Transportunfall in der Endlagerregion mit einer Freisetzung kommt, beträgt etwa 3,9∙10-3 pro Jahr (im Mittel alle 260 Jahre).
  • Beispielsweise würden in 150 m Entfernung vom Unfallort in 9 von 10 Transportunfällen mit einer Freisetzung radioaktiver Stoffe, die berechneten Werte der effektiven Dosis unterhalb von 0,02 mSv bleiben und in 99 von 100 solchen Ereignissen unterhalb von 0,3 mSv.
  • Die maximale effektive Dosis bis zu einer erwarteten Häufigkeit von 10-7 pro Jahr (im Mittel alle 10 Millionen Jahre) beträgt etwa 8 mSv im Abstand von 150 m vom Unfallort und nimmt für Entfernungen bis 1 km auf etwa 5 mSv ab.

Rechtzeitig vor Inbetriebnahme des Endlagers Konrad wird eine neue Transportstudie Konrad, auf Grundlage einer aktualisierten Datenbasis, erarbeitet.


Stand: 18.02.2010