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Fragen und Antworten zur Situation in Japan sowie zu möglichen Auswirkungen in Deutschland

Situation in Japan

Was ist im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi geschehen?

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH hat eine Broschüre zur Lage in Fukushima (PDF extern, 11,5 MB) erstellt, die einen Überblick über den Unfallablauf und Maßnahmen zur Bewältigung der Unfallfolgen im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi bietet.

Wie ist die aktuelle radiologische Situation in Japan?

Die infolge des Reaktorunfalls in Fukushima in die Atmosphäre freigesetzten radioaktiven Stoffe (Radionuklide) wurden mit dem Wind lokal, regional und global verfrachtet und in der Folge auf der Erdoberfläche deponiert. Wohin welche radioaktiven Stoffe gelangten, hing wesentlich vom Zeitpunkt der Freisetzung und von den dann herrschenden Wetterbedingungen wie Wind und Niederschlägen ab. Strahlenbelastungen für den Menschen entstanden in den ersten Wochen nach dem Unfall durch das Einatmen und die äußere Bestrahlung durch die in der Luft befindlichen radioaktiven Stoffe, später nur noch durch die auf den Boden deponierten Radionuklide und durch die Aufnahme von Radionukliden über die Nahrung. Reise- und Sicherheitshinweise für Japan sind über die Internetseite des Auswärtigen Amtes abrufbar.

Folgemaßnahmen in Deutschland

Welche gesetzlichen Regelungen wurden in Deutschland getroffen?

Die Bundesregierung hat beschlossen, die Nutzung der Kernenergie zum frühestmöglichen Zeitpunkt - gestaffelt bis 2022 - zu beenden. Diese Entscheidung berücksichtigt u. a. die Ergebnisse der von der Reaktor-Sicherheitskommission durchgeführten Sicherheitsüberprüfung aller deutschen Kernkraftwerke und die Ergebnisse der Ethikkommission "Sichere Energieversorgung". Der Deutsche Bundestag hat hierzu am 30. Juni 2011 das Dreizehnte Gesetz zur Änderung des Atomgesetzes verabschiedet, das am 6. August 2011 in Kraft getreten ist. Mit Inkrafttreten des Gesetzes ist für acht Atomkraftwerke die Berechtigung zum Leistungsbetrieb erloschen. Die verbliebenen Atomkraftwerksblöcke sind nachfolgend abgeschaltet worden (2015 Grafenrheinfeld), beziehungsweise werden schrittweise bis zum Jahr 2022 endgültig abgeschaltet (2017 Gundremmingen B, 2019 Philippsburg 2, 2021 Grohnde, Gundremmingen C und Brokdorf sowie 2022 Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2).

Welche Sicherheitsüberprüfungen der deutschen Atomkraftwerke
haben stattgefunden?

Die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) hat in ihrer Sicherheitsüberprüfung deutscher Atomkraftwerke unter Berücksichtigung der Ereignisse in Fukushima die Robustheit der deutschen Atomkraftwerke gegenüber auslegungsüberschreitenden Einwirkungen bewertet. Die Ergebnisse sind in der Stellungnahme RSK 437 vom 16. Mai 2011 veröffentlicht. Auf europäischer Ebene hat sich Deutschland an dem Europäischen Stresstest (EU-Stresstest) beteiligt und am 31. Dezember 2011 seinen Abschlussbericht der Europäischen Kommission übermittelt. Im Nachgang wurden in jedem Staat nationale Aktionspläne erstellt. In diesen wurde die Vorgehensweise zur Umsetzung der Erkenntnisse aus dem Europäischen Stresstest dargelegt. Im Rahmen von zwei Workshops in den Jahren 2013 und 2015 tauschten die teilnehmenden Staaten gegenseitig Informationen zum Umsetzungstand der ausgewiesenen Maßnahmen aus und führten Diskussionen zu den technischen und organisatorischen Maßnahmen zur Erhöhung der kerntechnischen Sicherheit. Dort wurden die drei Schwerpunktthemen Externe Ereignisse, Strom- und Kühlwasserausfall sowie Notfallmaßnahmen geprüft.

Was sind die Ergebnisse?

Zusammenfassend konnte die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) am 16. Mai 2011 in ihrer ersten Stellungnahme feststellen, dass im Vergleich mit dem Atomkraftwerk in Fukushima hinsichtlich der Stromversorgung und der Berücksichtigung von Hochwasserereignissen für deutsche Anlagen eine höhere Vorsorge zu erkennen ist. Weitere Robustheitsbewertungen zeigten, dass kein einheitliches Ergebnis in Abhängigkeit von Bauart oder Alter festzustellen ist. Der EU-Stresstest in Deutschland ist zusätzlich zu der Sicherheitsüberprüfung durch die RSK in der zweiten Jahreshälfte 2011 durchgeführt worden. Er zeigt auf, dass für die drei zentralen Sachthemen (Externe Ereignisse, Strom- und Kühlwasserausfall und Notfallmaßnahmen) bereits bei der Errichtung der Anlagen konservative und robuste Designanforderungen verwirklicht wurden. Schon die RSK hatte festgestellt, dass die deutschen Anlagen für konkrete ausgewählte Aspekte zum Teil hohe Robustheitsgrade aufweisen. Der Bericht über den in Deutschland durchgeführten EU-Stresstest zeigt aber auch Möglichkeiten für kontinuierliche sicherheitstechnische Verbesserungen der Atomkraftwerke auf, insbesondere im Bereich des Notfallschutzes, denen die zuständigen Aufsichtsbehörden der Bundesländer weiter nachgehen werden. Das BMU hat die RSK gebeten, die Ende April 2012 vorliegenden Ergebnisse des EU-Stresstests bei ihren weiteren Beratungen zu Erkenntnissen zur Verbesserung der Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke zu berücksichtigen.

Wurden bereits konkrete Maßnahmen durchgeführt?

Anfang 2012 hat die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) im Auftrag des BMU die Weiterleitungsnachricht (WLN) "Auswirkungen des Tohoku-Erdbebens an den japanischen Kernkraftwerksstandorten Fukushima Dai-ichi (I) und Dai-ni (II) am 11. März 2011 und des Niigataken Chuetsu-Oki-Erdbebens am japanischen Kernkraftwerksstandort Kashiwazaki-Kariwa am 16. Juli 2007" (PDF, 242 KB) an die Atomaufsichtsbehörden der Länder, Gutachter, Sachverständige, Hersteller und Betreiber von Atomkraftwerken in Deutschland versandt. Aus den Befunden bei den von den Erdbeben betroffenen Anlagen an den japanischen Kernkraftwerksstandorten hat die GRS insgesamt 22 Empfehlungen für deutsche Anlagen abgeleitet. Darunter sind konkrete Forderungen nach Maßnahmen gegen den Ausfall der elektrischen Energieversorgung (Station-Black-Out/Notstromfall), einem zusätzlichen Notstromaggregat, einer zusätzlichen unabhängigen Nebenkühlwasserversorgung, der Möglichkeit einer externen Reaktorkühlwasserversorgung, zusätzliche Maßnahmen zur Kühlung der Brennelementelagerbecken, zur Vermeidung von Wasserstoffansammlungen und zur gefilterten Druckentlastung des Sicherheitsbehälters. Darüber hinaus werden Vorkehrungen zur Brandbekämpfung gefordert. Die Erdbebengefährdung ist nach Stand von Wissenschaft und Technik neu zu überprüfen.
Die Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) hat ihre umfassenden Beratungen zu Erkenntnissen aus dem Fukushima-Unfall für deutsche Atomkraftwerke mit Ihrer Empfehlung vom 26./27. September 2012 abgeschlossen. Auf Basis weiterer vertiefter Beratungen einzelner Themen hat die RSK ergänzende Empfehlungen zur Robustheit beschlossen. Darunter sind Empfehlungen zu erweiterten Anforderungen gegen Hochwasser, interne Überflutung und Absturz von schweren Lasten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Widerstandsfähigkeit der Atomkraftwerke gegen den Ausfall der Stromversorgung. Dafür sollen die Anlage zukünftig nicht mehr nur 72 Stunden sondern eine ganze Woche ohne Strom von Außen auskommen können. Die Zeit, für welche die Anlagen alleine über Batterien in einem sicheren Zustand gehalten werden sollen, wurde von zwei auf zehn Stunden verlängert. Zusätzlich sollen mobile Notstromgeneratoren angeschafft werden, die auch bei Erdbeben und Hochwasser eingesetzt werden können.
Hinsichtlich der Wärmeabfuhr der Anlagen wird gefordert, dass für den Notfall über die reguläre Wärmeabgabe, z.B. an Flusswasser, hinaus eine unabhängige weitere Möglichkeit zur Wärmeabgabe z.B. an Brunnenwasser besteht.

Was ist eine Weiterleitungsnachricht (WLN)?

Die Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH erarbeitet im Auftrag des BMUB zu sicherheitstechnisch bedeutsamen Ereignissen in deutschen und ausländischen Atomkraftwerken sogenannte Weiterleitungsnachrichten. Ziel dieser Weiterleitungsnachrichten ist es, aus Betriebserfahrungen einzelner kerntechnischer Anlagen zu lernen und dadurch einen Sicherheitsgewinn auch für andere Anlagen zu erreichen. Die Weiterleitungsnachrichten enthalten eine Beschreibung des Sachverhalts, die Ergebnisse der Ursachenanalyse, die Bewertung der sicherheitstechnischen Bedeutung, die vom Betreiber ergriffenen oder vorgesehenen Maßnahmen und als wesentliche Elemente eine Betrachtung der Übertragbarkeit auf andere Atomkraftwerke sowie Empfehlungen zu Überprüfungen und gegebenenfalls Ergreifung von Abhilfemaßnahmen in anderen Atomkraftwerken. Sie werden von der GRS im Auftrag des BMUB an die Aufsichtsbehörden der Länder, die Sachverständigenorganisationen, die Betreiber, die Hersteller und andere Institutionen übermittelt.
Die Betreiber erstellen zu jeder Weiterleitungsnachricht eine Stellungnahme für die jeweilige Aufsichtsbehörde, wobei insbesondere auf die Umsetzung der Empfehlungen eingegangen wird. Die zuständigen Aufsichtsbehörden der Länder überwachen die erforderliche Umsetzung der Empfehlungen und berichten dem BMUB hierüber. Die GRS wertet den Erfahrungsrückfluss zu den Weiterleitungsnachrichten aus.
Weitere Informationen über Weiterleitungsnachrichten und deren Erstellungsprozess sind auf der Homepage der GRS unter www.grs.de abrufbar.

Wurde auch die Sicherheit weiterer kerntechnischer Anlagen untersucht?

Zusätzlich zu der Sicherheitsüberprüfung der deutschen Atomkraftwerke werden auch weitere kerntechnische Anlagen einer Risikoanalyse unterzogen. Die zuständigen Aufsichtsbehörden der Bundesländer haben inzwischen die Überprüfungen der Forschungsreaktoren mit einer thermischen Dauerleistung von mehr als 50 Kilowatt durchgeführt und die Ergebnisse der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) vorgelegt. Die RSK hat dazu ihre Stellungnahme vom 3. Mai 2012 "Anlagenspezifische Sicherheitsüberprüfung (RSK-SÜ) deutscher Forschungsreaktoren unter Berücksichtigung der Ereignisse in Fukushima-I (Japan)" erstellt.

Die Entsorgungskommission (ESK) hat im Rahmen des ESK-Stresstests für Anlagen und Einrichtungen der Ver- und Entsorgung in Deutschland die Anlagen der Brennstoffversorgung, Zwischenlager für bestrahlte Brennelemente und Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle, Anlagen zur Behandlung bestrahlter Brennelemente, Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle, stationäre Einrichtungen zur Konditionierung schwach- und mittelradioaktiver Abfälle sowie die Schachtanlage Asse II, das Endlager für Radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) und das Endlager Schacht Konrad untersucht.

Atomkraftwerke in Deutschland

Wie sind die deutschen Anlagen gegen den Ausfall der Strom-
versorgung oder andere unwahrscheinliche Gefahren gesichert?

Nach den Reaktorunfällen in Harrisburg im Jahr 1979 und in Tschernobyl im Jahr 1986 hat die Bundesregierung umfassende Überprüfungen entsprechender Anforderungen an die Sicherheit durchgeführt. Dabei wurden viele unwahrscheinliche Anforderungsfälle, zum Beispiel der vollständige Stromausfall einschließlich Ausfall von
Notstromdieseln - sogenannter "Station Blackout" - berücksichtigt. Hierfür wurden dann zusätzliche Maßnahmen zur Vorsorge getroffen wie ein zweites gesichertes Notstromnetz und/oder Anbindung an weitere, möglichst auch in kritischen Fällen verfügbare Stromversorgungsquellen.

Kann sich in Folge eines Erdbebens in Deutschland eine vergleich-
bare Situation wie in Japan ergeben?

Was ist mit den Atomkraftwerken in Japan passiert: Zuerst sind diese Anlagen einer Erdbebenbelastung in bisher nicht erwarteter Größe ausgesetzt gewesen. Gegen diese Erdbebenstärke waren diese Anlagen nicht ausgelegt. Dennoch haben sie diesem ersten Angriff weitgehend standgehalten: Bei allen Anlagen soll die automatische Schnellabschaltung funktioniert haben. Der zweite Angriff auf die Sicherheit war der Ausfall der Stromversorgungsnetze: Hierfür steht eine Notstromversorgung zur Verfügung. Auch diese soll zunächst funktioniert haben. Nach etwa einer Stunde erfolgte dann der dritte Angriff auf die Sicherheit: Der Tsunami. Durch ihn sind für die Sicherheit lebenswichtige Anlagenteile wie die Notstromversorgung oder die Versorgung mit Kühlwasser ausgefallen. Damit waren Zustände erreicht, für die es keine vorgeplanten Maßnahmen mehr gab. Von diesem Moment an musste das Personal vor Ort improvisieren, um die Unfallfolgen möglichst zu minimieren. Die Ereigniskette aus Japan lässt sich nicht direkt auf Deutschland übertragen. Eine vergleichbare Situation zu der in Japan ist daher eher nicht zu erwarten. Die tektonischen und geologischen Verhältnisse sind andere und das Tsunamirisiko, das an der deutschen Küste besteht, kann als unbedenklich angenommen werden. Erdbeben gehören aber auch in Deutschland zu den naturbedingten Gefahren. Ihre zu erwartende Stärke ist jedoch auf einem im Vergleich zu Japan moderaten Niveau. Daneben stellen in Deutschland Hochwässer eine weitere Gefahr dar. Um insbesondere diesen beiden Gefahren für deutsche Atomkraftwerke zu begegnen, werden sie gegen Erdbeben und Hochwasser als auch eine gleichzeitige Einwirkung beider Gefahren ausgelegt. Das Risiko aus Erdbeben und Hochwasser ist dadurch in Deutschland stark minimiert.

Wie sind deutsche Atomkraftwerke gegen Erdbeben geschützt?

Alle deutschen Atomkraftwerke sind gegen Erdbeben ausgelegt. Sie wurden so konstruiert oder nachträglich verbessert, dass sie bei einem Erdbeben sicher abgeschaltet werden können und die dann weiterhin erforderliche Kühlung gewährleistet ist. Für diese Auslegung wird in Deutschland das Erdbeben angenommen, mit dem man am jeweiligen Kraftwerksstandort rechnen muss.

Gibt es vergleichbare Reaktortypen auch in Deutschland?

Bei den Anlagen in Fukushima handelt es sich um Siedewasser-Reaktoren der Firmen General Electric, Hitachi und Toshiba. Auch in Deutschland gibt es Siedewasser-Reaktoren: Drei ältere Anlagen der Baureihe 69 (Brunsbüttel, Isar 1, Philippsburg), eine neuere Anlage der Baureihe 69 in Krümmel und zwei Anlagen der Baureihe 72 (Gundremmingen B und C). Die Anlagen der Baulinie 69 wurden inzwischen dauerhaft abgeschaltet. Insbesondere die deutschen Reaktoren der Baulinie 72 weisen zu den japanischen Anlagen erhebliche Unterschiede auf.

Wie wird das Bemessungserdbeben ermittelt?

Das Bemessungserdbeben wird nach dem im kerntechnischen Regelwerk festgelegten Verfahren bestimmt. Dieses Regelwerk wurde 2011 überarbeitet. Hiernach ist auf Grundlage aufgetretener Ereignisse ein Erdbeben mit den für den Standort größten anzunehmenden seismischen Einwirkungen zu Grunde zu legen. Dazu gleichrangig soll nun auch eine probabilistische Analyse der Gefährdung eines Kraftwerksstandortes vorgenommen werden. Hierfür ist ein Erdbeben anzusetzen, das einmal in 100.000 Jahren am jeweiligen Standort auftritt (Überschreitenswahrscheinlichkeit von 10-5/a).

Kann für Deutschland ausgeschlossen werden, dass es - wie in Japan - ein stärkeres Erdbeben gibt, als das Bemessungsbeben?

Bei der Ermittlung des Bemessungserdbebens müssen bestimmte Annahmen getroffen werden. Um den dadurch auftretenden Unsicherheiten Rechnung zu tragen, werden für die Erdbebenauslegung im kerntechnischen Regelwerk "Sicherheits-Zuschläge" vorgesehen, die eine Unterschätzung des Bemessungserdbebens verhindern sollen.

Welche Maßnahmen sind in Deutschland für den Fall einer Kernschmelze vorgesehen?

Folgende Maßnahmen sind - je nach Lage - vorgesehen:

  • Evakuierung in der näheren Umgebung (bis etwa 20 Kilometer)
  • Verbleiben im Haus (bis etwa 100 Kilometer)
  • Einnahme von Jodtabletten, um die Schilddrüse vor radioaktivem Jod zu schützen
  • Landwirtschaftliche Maßnahmen zur Vermeidung von Kontaminationen (Weidetiere in den Stall bringen, vorzeitiges Abernten oder Abdecken von landwirtschaftlichen Produkten)

Hinweise für die Bevölkerung in Deutschland

Welche Auswirkungen gab es in Deutschland durch den atmosphärischen Transport radioaktiven Materials aus Japan?

Als Folge des Reaktorunfalls von Fukushima erhöhten sich die Jod-131 und Cs-134/137 Konzentrationen in der Luft für etwa einen Monat in Deutschland. Die gemessenen Konzentrationen waren aber so gering, dass sie keine gesundheitliche Gefährdung für die Menschen und die Umwelt in Deutschland und Europa darstellten. Die daraus resultierende Strahlenbelastung der Menschen betrug einige Millionstel Millisievert (mSv) insgesamt, was als sehr gering im Vergleich zur mittleren Strahlenbelastung durch natürliche Radionuklide in der Umwelt von 2,1 mSv pro Jahr einzustufen ist. Nach der Freisetzung der primär leicht flüchtigen Radionuklide wurden diese mit den Luftmassen global über die gesamte nördliche Erdhalbkugel verteilt. Während des Transports nahm die Konzentration der radioaktiven Stoffe in der Luft mit wachsender Entfernung vom Unfallort durch Verdünnung kontinuierlich ab. Zusätzlich verringert sich die Konzentration der radioaktiven Stoffe dadurch, dass ein Teil der Radionuklide unterwegs ausgewaschen wurde sowie durch radioaktiven Zerfall, was insbesondere die kurzlebigen Radionuklide Jod- 131 und Tellur-132 betrifft, die zu Beginn des Unfalls in Japan Dosis bestimmend waren. Durch diese Verdünnungseffekte kamen in Europa nur noch sehr geringe Aktivitäten in der Luft in Deutschland an, die nur mit den aufwändigen Methoden der Spurenanalyse nachzuweisen waren. Am 23. März 2011 wurde erstmals Jod-131 und Cs-134/137 in den Luftproben an den Spurenmessstellen in Braunschweig, Potsdam und Offenbach nachgewiesen, am darauf folgenden Tag dann auch an der Messstation Schauinsland bei Freiburg. Die maximalen Aktivitätskonzentrationen wurden etwa eine Woche später erreicht und lagen für Jod-131 bei einigen tausendstel Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m³) Luft, für Cäsium-137 bei einigen zehntausendstel Bq/m³Luft an den vier Messstationen. Danach nahmen die Aktivitätskonzentrationen der Radionuklide kontinuierlich ab. Seit Ende Mai 2011 liegen die Messwerte wieder auf dem gleichen Niveau wie vor der Reaktorkatastrophe von Fukushima. Im Vergleich dazu liegt die Konzentration des natürlich vorkommenden Edelgases Radon und dessen an Luftstaub gebundenen Folgeprodukten bei einigen Bq/m³) Luft im Freien und bei etwa 50 Bq/m³ im Mittel in Häusern. Standortabhängig schwanken diese Werte, weil die Radonkonzentration vom geologischen Ausgangsgestein und der Wetterlage beeinflusst wird.

Ist es für Japanreisende notwendig, Jodtabletten aus Deutschland
mit nach Japan zu nehmen?

Nein. Sollte es wider Erwarten zu einer erneuten Freisetzung von Radioaktivität in die Atmosphäre kommen, wäre es Aufgabe des japanischen Staates, die eigenen Bürger sowie die im Land weilenden Ausländer entsprechend der radiologischen Lage zu schützen und erforderlichenfalls auch mit Jodtabletten zu versorgen. Personen, die planen, unmittelbar in die Region um Fukushima zu reisen, können sich auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes informieren. Allgemeine Informationen zur Jodblockade und die Vorkehrungen in Deutschland finden Sie unter www.jodblockade.de.

Wie wird vermieden, dass kontaminierte Lebensmittel auf den Markt gelangen?

Lebensmittel, die aus Japan importiert werden, werden von den für die Lebensmittelkontrollen zuständigen Landesbehörden auf Radioaktivität untersucht. Rechtliche Grundlage dafür stellen die Sondervorschriften dar, die als Sicherheitsmaßnahmen für die Einfuhr von Lebensmitteln aus Japan auf europäischer Ebene erlassen wurden. Danach dürfen Lebensmittel aus den betroffenen japanischen Regionen nur noch nach Deutschland eingeführt werden, wenn sie in Japan kontrolliert und zertifiziert wurden. Somit wird bescheinigt, dass keine erhöhte radioaktive Belastung vorliegt. Sollten wider Erwarten an den EU-Außengrenzen kontaminierte Lebensmittel festgestellt werden, werden diese zurückgewiesen und gelangen nicht auf den europäischen Markt. Der Rat der Europäischen Union hat am 15. Januar 2016 eine neue Euratom-Verordnung zur Festlegung von Höchstwerten für Lebens- und Futtermittel, die nach einem nuklearen Unfall oder einem anderem radiologischen Notfall mit radioaktiven Stoffen kontaminiert sein können, verabschiedet (2016/59/Euratom). Diese Basisverordnung ermächtigt die Kommission, nach einem radiologischen Notfall unter Beteiligung der Mitgliedstaaten kurzfristig in einer Durchführungsverordnung verbindliche, der Lage angemessene Grenzwerte festzulegen. Lebens- und Futtermittel, die diese verbindlichen Höchstwerte überschreiten, dürfen dann in der EU nicht mehr verkauft werden. Die einheitlichen Regelungen ermöglichen im europäischen Binnenmarkt einen effektiven Schutz der Bevölkerung vor radioaktiv kontaminierten Lebensmitteln und begrenzen zu diesem Zweck auch die Verwendung kontaminierter Futtermittel.
In Deutschland ist das Risiko durch radioaktiv kontaminierte Lebensmittel, die aus Japan importiert wurden, äußerst gering. Die vorgeschriebenen Kontrollen bei der Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte aus Japan zeigten, dass nur in sehr wenigen Fällen eine messbare Kontamination nachgewiesen wurde. Lediglich in zwei von insgesamt 298 Proben lagen die Messergebnisse oberhalb der Hintergrundbelastung.

Weitere Informationen, insbesondere zu Ergebnissen der Lebensmittelüberwachung, sind auf www.bmel.de verfügbar.

Mit welcher Strahlenbelastung ist bei Reisen nach Japan zu rechnen, auch durch dortigen Verzehr von in Japan erzeugten Nahrungsmitteln?

Bei einer Reise nach Japan kann davon ausgegangen werden, dass die Strahlenbelastung durch den Langstreckenflug von Europa nach Japan deutlich höher ist als durch einen Aufenthalt in Japan nach dem Unfall im Atomkraftwerk Fukushima. Bei einer längerfristigen Reise in die östlichen Gebiete der Präfektur Fukushima (z. B. in die Stadt Fukushima City) wird empfohlen, sich vorsorglich bei den Behörden vor Ort über mögliche lokale Einschränkungen zu informieren.

Sind die derzeitigen Notfallschutzplanungen in Deutschland auf
Grund der Erfahrungen aus dem Unfall von Fukushima ausreichend?

In Deutschland sowie in den anderen europäischen Staaten basieren die derzeitigen Planungen zum Notfallschutz bei Unfällen in Atomkraftwerken und der Einsatz von Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung auf den Erfahrungen des Unglücks von Tschernobyl. Der Unfallablauf in Fukushima war gekennzeichnet durch lang anhaltende Freisetzungen. Er unterscheidet sich somit von den Grundannahmen für den Einsatz von Maßnahmen, die gekennzeichnet sind durch eine längere Vorlaufzeit bis zum Beginn der Freisetzung bzw. durch eine Freisetzung während eines vergleichsweise kurzen Zeitraums. Die Maßnahmen betreffen den Katastrophenschutz (Verbleiben in Gebäuden, Jodblockade der Schilddrüse, vorübergehende oder langfristige Evakuierung).
Die bei der Bewältigung von Unfällen in Atomkraftwerken beteiligten Fachbehörden und Institutionen (Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) gGmbH, Strahlenschutzkommission (SSK)) haben in einem aufwendigen Verfahren analysiert, ob und ggf. welche Schwachpunkte sich in der bisherigen Notfallschutzplanung ergaben. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in die von der SSK verabschiedeten "Rahmenempfehlungen für den Katastrophenschutz in der Umgebung kerntechnischer Anlagen" eingeflossen. Als gravierende Änderungen sind vor allem die erhebliche Ausweitung der Planungszonen für Katastrophenschutzmaßnahmen zu erwähnen (Evakuierung bis 20 km, Aufenthalt in Gebäuden bis 100 km, Einnahme von Jodtabletten für Erwachsene unter 45 Jahren bis 100 km, für Kinder. Jugendliche und Schwangere bundesweit). Zudem ist auf Grund der Erfahrungen in Fukushima zu beachten, dass die Maßnahme "Aufenthalt in Gebäuden" nur über kurze Zeit aufrechterhalten werden kann.

Hinweise für den Schiffsverkehr

Zurzeit sind keine besonderen Verhaltensmaßnahmen erforderlich.

Hintergrundinformationen

Ist für Nachbarstaaten Japans mit erhöhten Strahlungswerten zu rechnen?

Für die Nachbarstaaten Japans (wie z. B. Korea, China, Russland, Philippinen) ist nicht mit erhöhten Strahlenwerten zu rechnen. Auch in den nördlich von Japan gelegenen Gebieten von Russland, in denen kurz nach dem Unfall Spuren von Radioaktivität in der Luft nachgewiesen werden konnten, war zu dieser Zeit keine Erhöhung der Dosisleistung erkennbar. Bei der Überwachung der Radioaktivität in Nahrungsmitteln in den Nachbarstaaten Japans zeigte sich unter vielen Tausenden von Messungen nur in sehr vereinzelten Importproben eine Überschreitung von Höchstwerten.

Bei welcher Strahlendosis sind Schäden an Personen zu befürchten?

Unmittelbare Strahlenschäden sind bei einer zusätzlichen Strahlendosis, die 100 Millisievert nicht übersteigt, nicht zu befürchten. Allerdings können auch geringe Dosen zu einer statistischen Erhöhung des Krebsrisikos führen. In Deutschland wird bei einem kerntechnischen Unfall ab einer erwarteten Strahlendosis von 10 Millisievert der Aufenthalt in Gebäuden empfohlen und ab einer erwarteten Strahlendosis von 100 Millisievert die Umgebung evakuiert. Zum Vergleich: Die jährliche effektive Dosis der natürlichen Strahlenexposition beträgt bei durchschnittlichen Bedingungen in Deutschland 2,1 Millisievert. Ursache hierfür sind die kosmische Strahlung und die überall in der Umwelt vorkommenden natürlichen Radionuklide (kosmogene und terrestrische Radionuklide). Weiterführende Informationen zu Strahlendosen wie auch eine Übersicht über wichtige Dosis- und Grenzwerte finden Sie auf der Website des Bundesamtes für Strahlenschutz: www.bfs.de.

Wie und von wem wird in Deutschland die Radioaktivität in der
Umwelt überwacht?

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), eine Behörde im Geschäftsbereich des Bundesumweltministeriums (BMUB), betreibt ein integriertes Mess- und Informationssystem (IMIS) zur umfassenden Überwachung der Radioaktivität in der Umwelt in Deutschland. Hierfür sind flächendeckend etwa 1800 Messstationen im ständigen Einsatz. So liegt zu jeder Zeit ein detailliertes Bild über die radiologische Situation in Deutschland vor. Konkrete Daten aus Ihrer Region erhalten Sie auf der Internetseite www.odlinfo.bfs.de/DE/index.html. Darüber hinaus werden an 50 Messstationen die Aktivitätskonzentrationen in der Luft gemessen. Außerdem werden in mehr als 60 Laboratorien von Bund und Ländern Proben von Nahrungs- und Futtermitteln, Pflanzen und Boden sowie Abfälle analysiert. Das BMUB informiert hierüber jährlich im Jahresbericht "Umweltradioaktivität und Strahlenbelastung", der auf der Internetseite des BMUB und des BfS veröffentlicht wird.

Konnte in Lebensmitteln deutschen Ursprungs Radioaktivität
aufgrund des Unfalls in Fukushima nachgewiesen werden?

Durch die große Entfernung zu Japan und die damit verbundene Verdünnung der freigesetzten radioaktiven Stoffe erreichte nur ein sehr kleiner Anteil Deutschland. Es konnten in der Atmosphäre geringste Spuren an Jod und Cäsium nachgewiesen werden, die nur aufgrund der hohen Empfindlichkeit der Geräte bestimmt werden konnten. Nach dem Durchzug der radioaktiven Wolke wurden in Deutschland vom Max-Rubner-Institut in Kiel (Leitstelle für Boden, Bewuchs, Futtermittel und Nahrungsmittel pflanzlicher und tierischer Herkunft) zusätzlich zur routinemäßigen Überwachung der Umwelt repräsentative Umweltmedien mit erhöhtem Messaufwand untersucht. Um die einzelnen Nahrungsketten zu prüfen, wurde Milch und Winterlauch beprobt. In einigen Milchproben konnte Jod-131 in der Zeit vom 31. März 2011 bis 11. April 2011 nachgewiesen werden. Die Konzentrationen lagen zwischen 5 und 12 mBq pro Liter. Nach dem 14. April 2011 lagen die Messwerte in der Milch nur noch unterhalb der Nachweisgrenze von 2 mBq pro Liter. Radioaktives Cäsium konnte in keiner der Milchproben nachgewiesen werden. In Lauch wurden Jod-131-Konzentrationen zwischen 110 und 550 mBq pro kg im Zeitraum vom 31. März 2011 bis 26. April 2011 gemessen. Cäsium wurde nur in zwei Lauchproben nachgewiesen. Sie lagen mit 40 und 60 mBq pro kg nur knapp oberhalb der Nachweisgrenze. Die gemessen Werte waren so niedrig, dass eine gesundheitliche Gefährdung selbst bei erhöhtem Konsum von Milch und Freilandprodukten nicht zu befürchten ist.

Wie werden Lebensmittelimporte aus Japan geregelt?

Mit der EU-Durchführungsverordnung EG 297/2011 (PDF extern, 759 KB) vom 26. März 2011 traten die erste Sondervorschriften für die Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln aus Japan in Kraft. Als Referenzwerte wurden darin die maximal zulässigen Höchstwerte der Verordnung (EURATOM) Nr. 3954/1987 (Höchstwerteverordnung; auch "Schubladenverordnung" oder "Notfallverordnung" genannt) zugrunde gelegt. Mit der Durchführungsverordnung (EU) Nr. 351/2011 wurden im April 2011 die Werte an die in Japan geltenden Grenzwerte angepasst. Durch die Festlegung der Werte kann beurteilt werden, ob das Inverkehrbringen von Lebens- und Futtermitteln aus Japan in Europa akzeptabel ist.

Die Durchführungsverordnung wurde seit dem Jahr 2011 mehrfach überarbeitet und der jeweils aktuellen Situation angepasst (u. a. durch Auswertung von Messergebnissen nach mehreren Vegetationsperioden sowie Kontrollmessungen bei Importen aus Japan). Aktuell regelt die Durchführungsverordnung 2016/6 (PDF extern, 367 KB) der EU-Kommission vom 5. Januar 2016 die besonderen Bedingungen für die Einfuhr von Lebens- und Futtermitteln, deren Ursprung oder Herkunft Japan ist.

Die Höchstwerteverordnung (EURATOM) Nr. 3954/1987 selbst wurde von der EU nicht für den Erlass einer Durchführungsverordnung herangezogen. Bei der Festlegung der Werte war an einen kerntechnischen Unfall gedacht worden, durch den die Lebensmittelversorgung für Europa gefährdet sein könnte. Dieser Fall ist durch die Lage im Atomkraftwerk Fukushima nicht gegeben. Am 15. Januar 2016 hat der Rat der Europäischen Union eine neue Euratom-Verordnung zur Festlegung von Höchstwerten für Lebens- und Futtermittel, die nach einem nuklearen Unfall oder einem anderem radiologischen Notfall mit radioaktiven Stoffen kontaminiert sein können, verabschiedet (2016/52/Euratom). Diese Basisverordnung ermächtigt die Kommission, nach einem radiologischen Notfall unter Beteiligung der Mitgliedstaaten kurzfristig in einer Durchführungsverordnung verbindliche Grenzwerte festzulegen. Lebens- und Futtermittel, die diese verbindlichen Höchstwerte überschreiten, dürfen dann in der EU nicht mehr verkauft werden. Die einheitlichen Regelungen ermöglichen im europäischen Binnenmarkt einen effektiven Schutz der Bevölkerung vor radioaktiv kontaminierten Lebensmitteln und begrenzen zu diesem Zweck auch die Verwendung kontaminierter Futtermittel. Sie ersetzen die bisher gültigen Euratom-Verordnungen Nr. 3954/87, Nr. 944/89 und Nr. 770/90. Die Neufassung ermöglicht es, in Zukunft schnell und flexibel an die Umstände des jeweiligen Notfalls angepasste Grenzwerte für die Radioaktivität in Lebens- und Futtermitteln festsetzen zu können, die jedoch die in den Anhängen der Verordnung festgelegten Höchstwerte nicht überschreiten dürfen. Durch die Möglichkeit, auch niedrigere Grenzwerte festzulegen, soll der Strahlenschutz optimiert und die radioaktive Belastung der Bevölkerung so niedrig gehalten werden, wie dies beim jeweiligen Notfall vernünftigerweise erreichbar ist.

Zuletzt geändert: 14.10.2016

Weitere Informationen

Fukushima Folgemaßnahmen