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Überblick: Beförderung radioaktiver Stoffe

Radioaktive Stoffe in unterschiedlichster Form und Zusammensetzung werden weltweit befördert. Der überwiegende Anteil dieser Stoffe wird in der Medizin, Forschung und Technik verwendet. Die Beförderung radioaktiver Stoffe vollzieht sich - wie in anderen Gefahrgutbereichen - in reglementierter Form nach international vereinheitlichten Sicherheitsgrundsätzen auf dem Land-, Luft- und Wasserweg. In der Bundesrepublik Deutschland wird die Beförderung radioaktiver Stoffe durch umfangreiche atom- und gefahrgutrechtliche Vorschriften geregelt, um den Schutz von Leben, Gesundheit und Eigentum sowohl bei der bestimmungsgemäßen Beförderung als auch bei eventuellen Transportunfällen zu gewährleisten. Dieses Schutzziel wird bei der Beförderung radioaktiver Stoffe insbesondere durch die hohen Sicherheitsanforderungen an die hierbei verwendeten Transportbehälter gewährleistet.

Die Fortentwicklung und Anpassung der Sicherheitsgrundsätze ist eine Aufgabe und Herausforderung, die sich seit den 1960er Jahren die Internationale Atomenergie Organisation (IAEO) mit Sitz in Wien zu Eigen gemacht hat. Die IAEO-Regelungen über die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen (IAEO Safety Standards Series, SSR 6) und die darauf beruhenden nationalen, europäischen und internationalen Vorschriften sind weltweit anerkannt und haben sich bewährt. Dies belegen insbesondere die internationalen Erfahrungen zur Beförderung seit den 1960er Jahren. In Deutschland haben sich seitdem keine Vorkommnisse bei der Beförderung radioaktiver Stoffe ereignet, bei denen Personen durch ionisierende Strahlung oder Freisetzung radioaktiver Stoffe einer gesundheitsgefährdenden Strahlenexposition ausgesetzt worden sind. Auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene werden die Anstrengungen fortgeführt, den erreichten Sicherheitsstandard zu festigen und auszubauen. Die IAEO-Regelungen über die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen werden im Hinblick auf den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik in regelmäßigen Zeitabständen überarbeitet und fortentwickelt. Durch Mitarbeit im Transport Safety Standards Committee (TRANSSC) der IAEO, das für die Überarbeitung der internationalen Regelungen über die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen (SSR 6) verantwortlich ist, sowie durch fachliche Zusammenarbeit mit dem für das Gefahrgutbeförderungsrecht zuständigen Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) wirkt das BMUB aktiv mit an den geltenden Sicherheitsanforderungen für die Beförderung radioaktiver Stoffe.

Zuständige Behörden / Aufgaben des BMUB

Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit ist Genehmigungsbehörde für die Beförderung von Kernbrennstoffen und Großquellen und zudem zuständig für die Bauartzulassungen von Transportbehältern. Auf der Internetseite des BfE finden sich ausführliche Erläuterungen zur Beförderung radioaktiver Stoffe sowie zu Beförderungsgenehmigungen und zum Zulassungsverfahren von Versandstücken für die Beförderung radioaktiver Stoffe.
Weitere Informationen zur Sicherheit von Transportbehältern und deren Bauartzulassungen erhalten Sie auf der Internetseite der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung. Erläuterungen zu den Beförderungsvorschriften im Gefahrgutrecht finden sich auf der Internetseite des BMVI.

Das BMUB übt die Fachaufsicht über das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) bei der Erteilung von Beförderungsgenehmigungen sowie über die atomrechtlichen Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden der Länder für die Beförderung radioaktiver Stoffe aus. 

Rechtliche Bestimmungen

Radioaktive Stoffe sind im verkehrsrechtlichen Sinne ein Gefahrgut, von dem bei Unfällen und unsachgemäßer Handhabung Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ausgehen können. Zum Schutz vor diesen Gefahren und zur Gewährleistung eines einheitlichen Sicherheitsstandards im innerstaatlichen und grenzüberschreitenden Verkehr auf dem Land-, Luft- und Wasserweg haben die national und international zuständigen Stellen daher ein umfassendes System von Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien und Normen erarbeitet. Diese Bestimmungen sind in Deutschland hauptsächlich in zwei verschiedenen Rechtsgebieten angesiedelt: dem Atomrecht und dem Gefahrgutrecht.

Alle den öffentlichen Verkehrsraum berührenden Beförderungen radioaktiver Stoffe unterliegen unabhängig von der Art, Herkunft und Beförderungsart uneingeschränkt den atomrechtlichen und gefahrgutrechtlichen Sicherheitsbestimmungen.

Atomrechtliche Vorschriften

Auf der atomrechtlichen Ebene werden insbesondere die administrativen Regelungstatbestände für die Beförderung radioaktiver Stoffe festgelegt. Dazu gehören beispielsweise die Frage der Genehmigungspflicht, die genehmigungsbefreienden Ausnahmebestimmungen, die Genehmigungsvoraussetzungen und die Zuständigkeitsregelungen zwischen Bund und Ländern.

Nach dem Atomrecht, das zwischen Kernbrennstoffen und sonstigen radioaktiven Stoffen unterscheidet, unterliegt die Beförderung von radioaktiven Stoffen generell der Genehmigungspflicht (§ 4 AtG, § 16 StrlSchV). Nur unter bestimmten, eng umgrenzten Voraussetzungen, z. B. Kleinstmengen oder schwachradioaktive Materialien, können radioaktive Stoffe genehmigungsfrei befördert werden (§ 17 StrlSchV). Die zuständigen Behörden müssen die Beförderungsgenehmigung erteilen, wenn der Antragsteller die Genehmigungsvoraussetzungen (§ 4 Abs. 2 AtG, § 18 StrlSchV) erfüllt. Sie umfassen insbesondere folgende Genehmigungserfordernisse: Zuverlässigkeit des Antragstellers, Fachkunde, Einhaltung der gefahrgutrechtlichen Sicherheitsvorschriften, Vorsorge für die Erfüllung gesetzlicher Schadensersatzverpflichtungen, Schutz gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter (Schutz gegen Entwendung oder erhebliche Freisetzung, nukleare Sicherung), Schadensbekämpfung bei Unfällen und die Berücksichtigung öffentlicher Interessen.

Die gesetzlichen Vorschriften der nuklearen Sicherung von Kernbrennstoffen sind in dem "Gesetz zum Übereinkommen vom 26. Oktober 1979 über den physischen Schutz von Kernmaterial" und dessen Änderung vom 6. Juni 2008 niedergelegt, das einen wichtigen Beitrag zur Vereinheitlichung der Sicherungsmaßnahmen bei internationalen Beförderungen radioaktiver Stoffe darstellt. Der erforderliche Umfang der Sicherungsmaßnahmen hängt von dem Gefährdungspotential der zu befördernden Stoffe ab. Im untergesetzlichen Regelwerk zur nuklearen Sicherung sind die einzelnen Sicherungsanforderungen und Sicherungsmaßnahmen sowohl für die Beförderungsvorgänge auf dem Land-, Luft- und Wasserweg als auch für das jeweilige Begleitpersonal in Richtlinien festgelegt.

Nach dem Atomrecht (§ 19 AtG) unterliegt die Beförderung radioaktiver Stoffe der staatlichen Aufsicht. Sie wird im Wege der Bundesauftragsverwaltung für alle Verkehrsträger durch die Bundesländer ausgeübt. Nach § 24 Absatz 1 Satz 2 AtG ist hingegen das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) für die Beaufsichtigung der Beförderung von radioaktiven Stoffen im Schienen- und Schiffsverkehr der Eisenbahnen zuständig, es sei denn, der Schienentransport erfolgt ausschließlich mit nicht bundeseigenen Eisenbahnen auf nicht bundeseigenem Schienennetz. Die verkehrsrechtliche Aufsicht bei der Beförderung gefährlicher Güter, auch radioaktiver Stoffe im Luftverkehr, obliegt dem Luftfahrt-Bundesamt (LBA). Die zuständigen Behörden haben darüber zu wachen, dass bei der Beförderung nicht gegen die atom- und gefahrgutrechtlichen Vorschriften und die Bestimmungen des Genehmigungsbescheides verstoßen wird. Dazu hat der Gesetzgeber die Aufsichtsbehörden mit entsprechenden Befugnissen ausgestattet.

Gefahrgutsrechtliche Vorschriften

Die für die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen materiell wichtigen Regelungstatbestände und Sicherheitsvorschriften sind auf der verkehrsrechtlichen Ebene im Gefahrgutrecht verankert. Sie finden sich national im "Gesetz über die Beförderung gefährlicher Güter" nebst Verordnungen und international in verschiedenen Abkommen für die einzelnen Verkehrsträger.

In diesen Rechtsvorschriften, in denen radioaktive Stoffe als Gefahrgutklasse 7 geführt werden, ist insbesondere festgelegt, welche radioaktiven Materialien unter welchen Bedingungen, d. h. Sicherheitsvorkehrungen, zur Beförderung auf öffentlichen Verkehrswegen zugelassen sind. Die in einer Vielzahl von Einzelbestimmungen festgelegten Sicherheitsanforderungen beinhalten nicht nur die technisch wichtigen Anforderungen an die Gefahrgutumschließung (Verpackung), sondern beziehen sich als Ausdruck des übergeordneten Vorsorgeprinzips u. a. auch auf Sicherheitsvorkehrungen bei der Transportdurchführung (z. B. Gefahrgutfahrerschulung, Kennzeichnung und Ausstattung des Transportmittels), auf Verhaltens- und Schutzmaßnahmen bei Unfällen und auf qualitätssichernde Maßnahmen bei der Planung, Herstellung und Nutzung einer Verpackung.

Die gefahrgutrechtlichen Vorschriften für die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen basieren in sachlicher Hinsicht auf den weltweit anerkannten "Regelungen für die sichere Beförderung radioaktiver Stoffe" (SSR 6). Diese Regelungen, die lediglich empfehlenden Charakter haben und vom Verordnungsgeber in nationales bzw. den Transportorganisationen in internationales Recht umgesetzt werden müssen, werden in regelmäßigen Zeitabständen entsprechend dem Erkenntnisfortschritt überarbeitet und neu herausgegeben.

Die derzeit geltenden gefahrgutrechtlichen Bestimmungen für die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen gehen auf die IAEO-Regelungen des Jahres 2012 zurück (SSR 6). Sie sind ein wichtiges Instrument zur Harmonisierung und gewährleisten einen einheitlich hohen Sicherheitsstandard sowohl im grenzüberschreitenden Verkehr von radioaktiven Gütern auf dem Land-, Luft- und Wasserweg als auch zwischen einzelnen Verkehrsträgern. Die Verwendung eines bestimmten Verkehrsträgers ist nach den Beförderungsvorschriften daher nicht vorgeschrieben.

In Abhängigkeit vom jeweiligen Beförderungsfall sind weitere Vorschriften und Regelungen zu beachten.

Ausführliche Informationen über die gefahrgutrechtlichen Vorschriften zur Beförderung radioaktiver Stoffe finden Sie beim BMVI.

Schutzkonzept

Nach dem Schutzkonzept für die sichere Beförderung von radioaktiven Stoffen muss die Verpackung oder Umschließung eines radioaktiven Gutes aufgrund ihrer konstruktiven Auslegung alle wesentlichen Schutzfunktionen bei den normalen (unfallfreien) Beförderungen sowie bei eventuellen Transport- und Handhabungsunfällen gewährleisten. Sie ist somit für die Sicherheit bei der Beförderung von fundamentaler Bedeutung. Zur Gewährleistung eines einheitlichen Sicherheitsstandards werden daher unabhängig von der Beförderungsart und dem eingesetzten Transportmittel Sicherheitsanforderungen an die Qualität (Stabilität, Dichtheit, Abschirmung etc.) eines Versandstückes festgelegt. Der Begriff des Versandstückes bezeichnet hierbei die Verpackung einschließlich des radioaktiven Inhaltes.

Weitere Informationen: Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit

Beförderungsaufkommen

Aufgrund der Genehmigungs- und Meldepflicht der Beförderung von Kernbrennstoffen und Großquellen, die in den atomrechtlichen Zuständigkeitsbereich des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) fallen, sind umfassende Informationen über Art und Umfang des Beförderungsaufkommens solcher Materialien vorhanden. Für die sonstigen radioaktiven Stoffe, die z. T. genehmigungsfrei befördert werden dürfen, sind jedoch beförderungsstatistische Angaben mit vergleichbarem Detaillierungsgrad nicht verfügbar. Die Ergebnisse einer Transportdatenerhebung im Auftrag des BMUB zeigten, dass bundesweit summiert über alle Anwendungsbereiche jährlich mehr als 500.000 Beförderungen bzw. Sendungen radioaktiver Stoffe im innerstaatlichen und grenzüberschreitenden (einschließlich Transit) Verkehr auf dem Land-, Luft- und Wasserweg befördert werden. Die vom BfE genehmigten Beförderungen von Kernbrennstoffen und Großquellen machen mit weniger als 500 Beförderungen pro Jahr lediglich einen geringen Anteil an der Gesamtzahl der Beförderungen radioaktiver Stoffe aus. Den zahlenmäßig größten Anteil haben Beförderungen radioaktiver Stoffe für Mess-, Forschungs- und medizinische Zwecke.

Bei den beförderten Kernbrennstoffen handelt es sich überwiegend um Sendungen von unbestrahlten Vorprodukten zur Brennelement-Herstellung, wie UF6 (angereichert) und UO2-Pellets/-Pulver, sowie Brennstäbe und gebrauchsfertige Brennelemente. Das Transportaufkommen sonstiger radioaktiver Stoffe besteht zum Teil aus Sendungen entleerter Transportbehälter mit Restkontamination, natürlichem Uran, radioaktiven Abfällen und Reststoffen sowie einer großen Anzahl von Sendungen mit radioaktiven Stoffen aus Medizin, Forschung und Technik (z. B. Geräte, Proben etc.)

Die Beförderungen radioaktiver Stoffe betragen nur einen Bruchteil des insgesamt in der Bundesrepublik verzeichneten Beförderungsaufkommens gefährlicher Güter.

Beförderungsbedingte Strahlenexposition der Bevölkerung und des Transportpersonals

Die an Transportbehältern mit radioaktiven Materialien des Kernbrennstoffkreislaufs auftretenden Dosisleistungen variieren naturgemäß in weiten Grenzen in Abhängigkeit von den Gegebenheiten des Einzelfalles wie der beförderten Aktivitätsmenge, der Strahlungsart und -energie, der Abschirmdicke und der Strahler-Verpackung-Geometrie.

Die von den Aufsichtsbehörden erfassten Messwerte dokumentieren, dass die Dosisleistungen der Transportbehälter und am Fahrzeug im Regelfalle weit unterhalb der höchstzulässigen Grenzwerte der Beförderungsvorschriften liegen und im Mittel nur etwa ein Fünftel bis ein Drittel des zulässigen Höchstwertes in zwei Meter Abstand vom Behälter bzw. Fahrzeug ausmachen. Ein "Ausschöpfen" der höchstzulässigen Behälterdosisleistung ist dagegen nur in Einzelfällen zu beobachten.

Personen, die sich zufällig oder funktionsbedingt in dem von einem Transportbehälter ausgehenden Strahlungsfeld aufhalten, sind einer Strahlenexposition von außen ausgesetzt. Die Höhe der Strahlenexposition, die eine Person in einem bestimmten Zeitraum erfährt, ist zum einen von der Intensität des Strahlungsfeldes am Expositionsort und zum anderen von der Verweildauer abhängig, während der sich eine Person insgesamt an diesem Ort aufhält. Die in der Vergangenheit in dieser Hinsicht durchgeführten Untersuchungen kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis, dass die mit der Transportabwicklung auf öffentlichen Verkehrswegen verbundene Strahlenexposition der Bevölkerung (Anwohner/Passanten) entlang der Beförderungsstrecke im allgemeinen gering bis sehr gering ist und nur Bruchteile des für die Bevölkerung relevanten Dosisgrenzwertes von einem Millisievert pro Jahr (mSv/a) beträgt.

Von Berufs wegen mit der Transportabwicklung befasste Personen wie Rangierer, Ladepersonal, Kranfahrer, Fahrzeugführer etc. können naturgemäß aufgrund von Tätigkeiten unmittelbar am oder im Nahbereich von radioaktiven Versandstücke/Transportbehältern höher exponiert werden. Die Ergebnisse entsprechender Dosisabschätzungen zeigen jedoch, dass die Körperdosen beruflich exponierter Personen auch bei hohem Beförderungsaufkommen allenfalls Werte bis zu einigen mSv/a erreichen. Diese Feststellung wird auch durch Ergebnisse der Strahlenschutzüberwachung der Aufsichtsbehörden bestätigt.

Zuletzt geändert: 13.04.2017