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Jakob-Kaiser-Haus

Projektdaten

  • Standort: Dorotheenstraße
  • Durchführung: Bundesbaugesellschaft Berlin mbH
  • Planung: 
    Busmann + Haberer, Köln
    de Architekten Cie/Pie de Bruijn, Amsterdam
    gmp Architekten von Gerkan, Marg & Partner, Hamburg
    Architekten Schweger + Partner, Hamburg
    Thomas van den Valentyn, Köln
  • Hauptnutzfläche: 54.000 Quadratmeter
  • Projektkosten: 453,8 Millionen Euro
  • Bauzeit: Februar 1997 bis Januar 2002

Geschichte des Ortes und des Gebäudeensembles

Auf einer Teilfläche der historischen Dorotheenstadt, südöstlich des Reichstages, entstand der Baukomplex des Jakob-Kaiser-Hauses.

Die Dorotheenstadt ist eine der ältesten barocken Stadterweiterungen Berlins, die 1646 durch die Kurfürstin Dorothea gegründet wurde. Seit 1732 markierte eine Mauer an der heutigen Ebertstraße die damalige Stadtgrenze. Nach dem Bau des Reichstages 1894 entwickelte sich die Dorotheenstadt zu einem repräsentativen Stadtteil, in welchem sich zahlreiche Organisationen und Institutionen ansiedelten.

Durch die Teilung der Stadt im August 1961, die fast an der gleichen Stelle verlief, wie die damalige Stadtgrenze, wurde das Gebiet der Dorotheenstadt erneut zu einem Randgebiet innerhalb Berlins. Damit erfolgte auch eine Trennung des Reichstagsgebäudes auf der westlichen von dem auf der östlichen Seite gelegenen Areal mit dem sich dort befindenden Reichstagspräsidentenpalais.

Zu neuem Leben erwachte das Gebiet nach der Wiedervereinigung und dem Umzugsbeschluss des Deutschen Bundestages, der festlegte, einen Neubau unter Einbeziehung dreier denkmalgeschützter Bauten zu errichten. Dabei handelt es sich um die Häuser:

  • Reichstagspräsidentenpalais (errichtet von Paul Wallot, der auch den Reichstag entwarf),
  • das Haus des Vereins Deutscher Ingenieure (erbaut 1914 und heute als Kammer der Technik bekannt) und
  • das 1857 errichtete Haus des Zimmermanns Sommer in der Dorotheenstraße 105.

Das ehemalige Reichstagspräsidentenpalais wurde bereits aufwändig saniert und ist seit 1999 Sitz der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft.

Jakob Kaiser (1888-1961)

war von März bis November 1933 Abgeordneter der Zentrumspartei im Reichstag. Im Widerstand gegen das Regime der Nationalsozialisten verbrachte er 1938 mehrere Monate in Haft. Nach dem Krieg war Kaiser zunächst Mitglied des Parlamentarischen Rates in den Jahren 1948/49, später Abgeordneter für die CDU im Deutschen Bundestag und zugleich Minister für Gesamtdeutsche Fragen in der Regierung Konrad Adenauer von 1949 bis 1957.

Das Gebäudeensemble

Insgesamt waren an der Planung des Baukomplexes fünf Architekturbüros beteiligt, die sich als Generalplaner in der eigens für dieses Vorhaben gegründeten Planungsgesellschaft Dorotheenblöcke Berlin GmbH zusammengeschlossen haben. Der nach einem Workshop-Verfahren erarbeitete Masterplan gab den Rahmen für die Gestaltung des Areals vor.

Es sollten acht einzelne, optisch voneinander getrennte Gebäude entstehen, die gekennzeichnet sind durch großzügig angelegte Innenhöfe mit Wasser- und Grünflächen unter Einbeziehung der drei denkmalgeschützten Albauten - Reichstagspräsidentenpalais, "Haus Sommer" und Haus der "Kammer der Technik". Die einzelnen Häuser sind jeweils durch Querhallen ("Stadtfugen") miteinander verbunden. 

Differenzierte Parzellenstruktur

Das Jakob-Kaiser-Hauses nimmt die differenzierte Parzellenstruktur der Dorotheenstadt wieder auf, die charakterisiert ist durch eine Mischung aus historischer Bausubstanz und einer transparenten, aufgelockerten Neubebauung. Die geschlossene Blockrandbebauung, mit sechs Vollgeschossen und einem abgesetzten Staffelgeschoss orientiert sich an der "Berliner Traufhöhe" von 22 Metern.

Unter der Erde verbindet ein Versorgungstunnel alle Neubauten des Bundestages mit dem Reichstag und oberirdisch stellen zwei Brücken die Verbindung zwischen den beiderseits der Straße befindlichen Gebäudekomplexen her.

Innerhalb des weiträumigen Ensembles orientiert sich die innere Organisation an einer auf das Reichstagsgebäude bezogenen Achse, die in Form einer lichtdurchfluteten Halle sichtbar wird, die in Ost-West-Richtung verläuft. Diese Halle knickt im Bereich des Reichstagspräsidentenpalais im rechten Winkel nach Süden ab und verbindet den nördlichen und südlichen Block - lediglich unterbrochen durch die Dorotheenstraße. Durch diese Achse mit ihren fünf Eingängen werden die Büros und Säle des gesamten Gebäudekomplexes erschlossen.

1.745 Büros decken den größten Teil des Raumbedarfs des Bundestages

Das Jakob-Kaiser-Haus deckt mit seinen 1.745 Büros den größten Teil des Raumbedarfs des deutschen Bundestages ab. Die einzelnen Fraktionen des Deutschen Bundestages sind nicht in einzelne Häuser gezogen, sondern übernehmen quer durch die Gebäude mehrere Stockwerke: so erstrecken sich die beiden großen Fraktionen - SPD und CDU - fast durch alle acht Häuser, die SPD vorrangig im vierten, die CDU vor allem im fünften Obergeschoss. In den Häusern 7 und 8 hat die PDS ihren Sitz, in Haus 4 und 5 sind die FDP und Bündnis 90 / Die Grünen untergebracht.

Den Innenausbau der Büroräume, die jeweils 18 Quadratmeter groß sind, prägen zurückhaltende Farben und an Materialien wurden nur Birken-, Eichen- oder Ahornholz, weißer Putz oder Sichtbeton und nur vereinzelt Metallpaneele verwendet. Die Anzahl und die Werke der Künstler, die an der künstlerischen Gestaltung des Jakob-Kaiser-Hauses mitgewirkt haben, sind so vielfältig, dass stellvertretend auf das Werk "Rennachter" der Künstlerin Christiane Möbus bei der Vorstellung der Häuser 1 und 2 hingewiesen wird.

Die Botschaft, die der Gesamtkomplex ausstrahlt, ist die geglückte Symbiose von Alt und Neu und sowohl die Halle, als auch die Höfe und die Öffnung hin zur Spree unterstreichen den offenen Charakter des Hauses.

Die Architekten und ihre Häuser

Die Häuser 1 und 2 - geplant von den Architekten Schweger + Partner

Die beiden Häuser liegen direkt vis-á-vis dem Reichstagsgebäude. Im Haus 1 an der Dorotheenstraße befindet sich der Haupteingang. Von hier aus gelangt man in die in Nord-Süd-Richtung orientierte Eingangshalle, die einen Blick auf das Reichstagspräsidentenpalais gewährt. Der überdachte Hallenbereich ist der kommunikative Mittelpunkt und Teil des Haupterschließungssystems des Jakob-Kaiser-Hauses.

Die Halle erweitert sich räumlich durch großzügige Öffnungen im Hallenboden zur Passage in der 1. Untergeschossebene, die unterhalb der Clara-Zetkin-Straße liegt. Diese Passage verknüpft fußläufig die südlich und nördlich der Dorotheenstraße gelegenen Teile des Gebäudekomplexes mit dem Reichstagsgebäude.

Im Haus 2 nimmt die Ost-West-Halle ihren Anfang, welche die Nebeneingänge am Ebertplatz und an der Wilhelmstraße miteinander verbindet.

Die großflächig verglasten Sitzungssäle gewähren einen Blick auf den Innenhof. Natursteinplatten bilden die Bodenflächen des Hofes. Ein dünner Wasserfilm überzieht den Steinbelag. Reflektionen des Lichtes projizieren ein virtuelles Muster auf die umliegenden Fassadenflächen. Inmitten dieses Wasserspiegels ist ein quadratischer Lichthof eingeschnitten, in dem hochstämmige Birken - unterstützt durch die Lichtreflektionen im Wasser - einen Birkenhain formulieren.

Im Inneren der Häuser wurden schwarzgrüne Natursteinbeläge, birkenholzfurnierte Holzpaneele für die Wanderverkleidung, Eiche für Türen und Parkett sowie Glas, Sichtbeton und Stahl verwendet. Verstärkt durch die Tageslichtführung vermitteln die Häuser 1 und 2 einen offenen, transparenten und großzügigen Charakter. In den Häusern sind unter anderem die Parlamentsdienste und die Vizepräsidenten untergebracht.

Die Fassade des Gebäudes besteht aus einer großformatigen, graugrünen Werksteinbekleidung mit zweischichtigen Fensterelementen aus feinprofilierter Baubronze. Damit bildet die Fassade einen auffallenden Kontrast zu der üppig dekorierten Sandsteinfassade der flankierenden Altbauten.

Haus 3 und 7 - geplant von den Architekten Busmann + Haberer

Der Planungsbereich der beiden sich gegenüberliegenden Häuser dieses Architektenbüros befindet sich in der Mitte des Gebäudekomplexes. An dieser zentralen Stelle sind daher die Sonderbereiche wie das Casino im Innenhof des Hauses 3, die der Spree zugewandeten Sitzungssäle für die Enquete-Kommission sowie die Bibliothek untergebracht.

Die vorherrschende Auffassung von Repräsentation durch Symmetrie, Achse und Ordnung wird hier bewusst gebrochen und durch eine Konzeption ersetzt, welche die Besonderheit der Nutzung dieses Gebäudes sichtbar macht. Durch leichtes Verdrehen der aus dem Städtebau vorgegebenen Struktur im Inneren und das Aufbrechen der Blockstruktur ergeben sich interessante Ein- und Ausblicke. Während die Straßenräume eine begleitende geschlossene Bebauung erhalten, öffnen sich die nördlichen Gebäude zur Spree.

Der Hof des Hauses 3 ist mit einem horizontalen Glasdach überdacht, um das Casino mit circa 600 Sitzplätzen aufzunehmen. Von der Dorotheenstraße zur Spree verbindet eine offene innere Halle mit galerieartigen Erschließungsgängen die Bürogeschosse. Die am Spreeufer liegenden Kopfbauten knüpfen in ihrer Kubatour an das Reichstagspräsidentenpalais an.

Das Haus 7 geht in besonderer Weise auf den vorhanden klassizistischen Altbau ein, indem Verbindungen und räumliche Bezüge hergestellt wurden.

Die in beiden Häusern durch Blickachsen verbundenen Ebenen vermitteln einen Eindruck von Transparenz. Die Fassaden variieren in ihrem Grundkonzept so, dass die einzelnen Büroeinheiten klar ablesbar sind. Je nach Anforderung ist die Fassade unterschiedlich ausgebildet - der Bereich bis 2,26 Meter Höhe ist mit Lamellen ausgestattet, die im Scheibenzwischenbereich als Blend- und Sonnenschutz dienen und ein darüber angebrachtes Paneel zur Umlenkung des Tageslichtes ermöglicht über einen an der Decke installierten Reflektor eine Aufhellung der Arbeitsbereiche.

Die Häuser 4 und 8 - geplant von gmp Architekten von Gerkan, Marg & Partner

Den östlichen Abschluss des Jakob-Kaiser-Hauses bilden die Häuser 4 und 8 entlang der Wilhelmstraße. Beide Häuser sind in der typischen Berliner Blockrandbebauung mit klaren geometrischen Formen errichtet. Sie dienen fast ausschließlich der Büronutzung durch die Abgeordneten des Deutschen Bundestages, verfügen jedoch an der Wilhelmstraße über vier Ladenlokale, die auch diese Häuser in das Gesamtkonzept von Öffentlichkeit und Transparenz integrieren.

Intern erfolgt die Erschließung der Gebäude über einläufige Treppen. Diese Treppen führen im fünften Obergeschoss der Häuser 4 und 8 direkt zu einer geschlossenen Brücke, welche die Dorotheenstraße überquert. Die Fassade sind mit Muschelkalk und Zedernholz verkleidet, sie haben klappbare Sonnenschutzelemente und alle Büros verfügen über einen kleinen Austritt in Form eines französischen Balkons, der zusammen mit den Verschattungselementen jeweils ein Holz-Glas-Kastenelement bildet.

Die Besprechungsräume sind an den Loggien mit dahinterliegenden großen Verglasungen zu erkennen. Der U-förmige Innenhof von Haus 3 und 4 bildet den städtebaulichen Bezug zur Spree.

Die Ost-West-Halle, die in diesem Bereich Haus 4 mit Haus 3 verbindet, durchquert den Innenhof und kann bei entsprechender Witterung durch gebäudehohe, gläserne Drehflügel komplett geöffnet werden. Ruhe und Ausgeglichenheit vermitteln die Wasserflächen der Innenhöfe mit den aufgeschichteten Steinplatten und dem Kiefernbestand.

Die Häuser 5 und 6 - geplant von de Architekten Cie

Die beiden Gebäude von de Architekten Cie liegen zwischen Reichstag und Brandenburger Tor - direkt am Tiergarten. Die Häuser beherbergen unter anderem das Fernsehstudio, mehrere Besprechungsräume und integrieren den Altbau "Kammer der Technik". Der Altbau des Gebäudes der Kammer der Technik wurde ein integraler Bestandteil des Neubaus und schließt mit seinen Büros lückenlos an den Neubau an. Im Gegensatz zu der inneren einheitlichen Halle ist die Fassade streng in Alt- und Neubau getrennt.

Einer der beiden Höfe ist mit einem Glasdach überdeckt und hat die Funktion einer Eingangshalle. Sinnvoll genutzt wird die Eingangshalle durch ein nierenförmiges "Haus im Hof", in welchem zwei Konferenzräume untergebracht wurden.

Zwischen den beiden Höfen wird die strenge Architektur des Masterplans mittels einer doppelgeschossigen Öffnung des Bürotraktes unterbrochen. Die so entstandene Halle hat eine Holzverkleidung, die ihr einen Innenraumcharakter verleiht, der Hof hat eine Außenraumgestaltung. Ziel war es, die Größe des Hofes visuell zu erweitern.

Die Fassade des Hauses in Richtung Ebertstraße greift das Thema der Hoffassade wieder auf - das Schattenspiel zwischen Rahmenstruktur und den zurückgesetzten Tonelementen sorgt für einen lebhaften Eindruck an dieser Seite. In Richtung Dorotheenstraße wird die Fassade durch eine Glasvorhangfassade erweitert, die die Verbindung zum Staffelgeschoss des Altbaus herstellt.

Das Reichstagspräsidentenpalais - Architekt van den Valentyn

Mit der Herrichtung des denkmalgeschützten Reichstagspräsidentenpalais -erbaut in den Jahren 1897 bis 1904 vom Architekten des Reichstagsgebäudes, Paul Wallot, - wurde der Kölner Architekt Thomas van den Valentyn beauftragt, der seine Arbeiten im Jahre 1999 beendete und das Haus der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft zur Nutzung übergab.

Neben der Wiederherstellung des ursprünglichen Raumgefüges fügte van den Valentyn dem Haus ein modernes Treppenhaus und eine vergrößerte Loggia sowie einen Steg hinzu, um auf diese Art und Weise die Anbindung an das Jakob-Kaiser-Haus zu ermöglichen.

Die historische Bausubstanz und die Fassade wurden bewahrt beziehungsweise wieder hergestellt und die Anordnung der Flure, Gänge und der Salons entsprechen dem historischen Vorbild. Die Räume der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft befinden sich im zweiten Obergeschoss, während im ersten Obergeschoss - der "Beletage" Clubzimmer, kleinere Kaminzimmer und der so genannte "Kaisersaal" (heute: Großer Saal) den Charakter des Hauses prägen und den Rahmen für größere protokollarische Anlässe bilden.

Eine neue Loggia, die den Großen Saal in südlicher Richtung erweitert und von oben bis unten mit gelben Jura-Kalkstein verkleidet ist, stellt das Bindeglied zum Jakob-Kaiser-Haus dar und ermöglicht ein kommunikatives Neben- und Miteinander.

Der anschließende Garten wurde im Zuge der Uferumgestaltung mit umfassenden Sandsteinmauern in den ursprünglichen Proportionen wieder neu angelegt - neben Platanen und Kastanien wurde auch ein kleiner Hain aus Magnolien angepflanzt.

Kontakt

Jakob-Kaiser-Haus
Dorotheenstraße
11011 Berlin

Postanschrift: 11010 Berlin

Telefon: +49 (0)30 227 0; +49 (0)1888 18 0
Fax: +49 (0)30 227 36 878 oder +49 (0)30 227 36 979
Telex: 886808 btag d
E-Mail: mail@bundestag.de

Pressestelle

Tel: +49 (0)30 227 371 71 oder +49 (0)30 227 372 72

Verkehrsanbindung
  • S-Bahnlinien S1, S2, S25 (S-Bahnhof Brandenburger Tor)
  • S-Bahnlinien S3, S5, S7, S75 (S-Bahnhof Friedrichstraße oder Hauptbahnhof)
  • U-Bahnlinie U6 (U-Bahnhof Friedrichstraße)
  • Bus M85, 100 (Haltestelle Reichstag/Bundestag)
  • Bus TXL (Haltestelle Marschallbrücke)
  • U-Bahnlinie U55 (U-Bahnhof Bundestag oder Brandenburger Tor)
Weitere Informationen

bundestag.de

Jakob-Kaiser-Haus