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Umweltgerechtigkeit

Was ist das Problem?

Das Thema Umweltgerechtigkeit ist in Deutschland ein Problemfeld, das an der Schnittstelle von Umwelt-, Gesundheits- und Sozialpolitik angesiedelt ist. Es befasst sich mit der sozial ungleichen Verteilung von Umweltbelastungen und ihren Auswirkungen auf die Gesundheit. Menschen mit einem niedrigen Sozialstatus sind zum Teil stärkeren Belastungen durch die Umwelt ausgesetzt als Menschen mit höherem Sozialstatus.

Allerdings ist es durchaus nicht immer so, dass sozial schlechter gestellte Menschen eine höhere innere Schadstoffbelastung aufweisen. Bei den chlororganischen Verbindungen, wie den PCB-Verbindungen 138, 153 und 180, waren Kinder mit höherem sozialem Status deutlich stärker belastet. PCB (polychlorierte Biphenyle) sind chlororganische Verbindungen, die fettlöslich sind und sich in der Nahrungskette anreichern. Hier macht sich möglicherweise der Einfluss des Stillens bemerkbar, da Mütter mit hohem Sozialstatus ihre Kinder meist in einem höheren Lebensalter bekommen und tendenziell länger stillen und deshalb mit der Zeit eine größere Menge von PCB an ihre Säuglinge weitergeben als andere Mütter. Trotzdem wird das Stillen bis zu einem Jahr empfohlen, da nach bisherigem Stand des Wissens keine gesundheitliche Beeinträchtigung des Kindes erkennbar und das Stillen mit zahlreichen Vorteilen für die Entwicklung des Kindes verbunden ist.

Unterschiedliche Fachdisziplinen und Forschungsbereiche beschäftigen sich damit, die Ursachen, Zusammenhänge und Effekte der sozialen Verteilung von Umweltbelastungen und -ressourcen zu ermitteln. Beispielhaft ist hier das Forschungsprojekt "Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum" des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). Auf dessen Fachtagung "Potenziale für mehr Umweltgerechtigkeit im städtischen Raum – Umwelt, Gesundheit und Soziales vernetzen und gemeinsam handeln" trafen sich Ende 2012 in Berlin rund 100 Fachleute aus Kommunalverwaltungen und -politik sowie Verantwortliche aus Bund, Ländern, Wissenschaft und zivilgesellschaftlichen Gruppen. Sie diskutierten darüber, wie in Stadtvierteln, die mit gesundheitsrelevanten Umweltproblemen und zugleich sozialen Benachteiligungen zu kämpfen haben, die Umwelt- und Lebensverhältnisse der Menschen verbessert werden können.

In verschiedenen Regionen Deutschlands werden mittlerweile unterschiedliche Ansätze aus Politik und Praxis erprobt, um die Umwelt- und Lebensbedingungen in besonders belasteten Wohnquartieren zu verbessern. Es ist uns wichtig, die guten und erfolgreichen Erfahrungen für mehr Umweltgerechtigkeit bekannter zu machen. Deshalb hat sie das BMUB 2016 in einer Broschüre "Umweltgerechtigkeit in der Sozialen Stadt" veröffentlicht. Sie trägt dazu bei, Verantwortlichen in Ländern und Kommunen Anstoß und Anregungen vor Ort zu liefern.

Zusätzliche, aktuelle Daten zu den Zusammenhängen von Umwelt und Gesundheit in Abhängigkeit vom sozialen Status wird die fünfte Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit liefern, die 2014 begonnen wurde und in der Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 17 Jahren untersucht werden.

Zuletzt geändert: 15.12.2016