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Gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung

Die gesundheitsbezogene Umweltbeobachtung stellt den Menschen in den Mittelpunkt der Umweltbeobachtung. Das Umweltbundesamt nutzte dazu bisher vor allem zwei Instrumente: die Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit/GerES (ehemals: Umwelt-Survey) und den Humanteil der Umweltprobenbank des Bundes, der vom UBA betreut wird.

Die Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit/GerES dienen der Ermittlung und Aktualisierung von repräsentativen Daten, über die innere Schadstoffbelastung des Menschen und die Schadstoffbelastung im häuslichen Bereich. Dazu werden Blut und Urin untersucht und in der Wohnung unter anderem Trinkwasser, Innenraumluft- oder Hausstaubproben genommen und auf Schadstoffe untersucht.

Die teilnehmenden Personen werden ergänzend befragt. Die Fragen beziehen sich beispielsweise auf die Wohnverhältnisse und auf umweltrelevante Verhaltensweisen. Alle an den Deutschen Umweltstudien zur Gesundheit/GerES beteiligten Personen nehmen zugleich am Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Instituts teil.

Deutsche Umweltstudien zur Gesundheit

Im Auftrag des Bundes führt das Umweltbundesamt seit den 1980er Jahren in mehrjährigem Abstand auch sogenannte Umwelt-Surveys durch, die seit kurzem als Deutsche Umweltstudien zur Gesundheit (GerES) bezeichnet werden. Derzeit wird die fünfte dieser Studien durchgeführt. Im Unterschied zu Daten aus der Umweltprobenbank sind Erkenntnisse aufgrund dieser Studien repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland in dem jeweiligen Alterssegment, das heißt, die Ergebnisse der Studie ermöglichen Aussagen über die Gesamtbevölkerung.

Die derzeit durchgeführte Studie untersucht Belastungen von Kindern und Jugendlichen im Alter von 3 bis 17 Jahren. Sie wird in enger Kooperation mit einer Gesundheitsstudie des Robert Koch-Instituts durchgeführt, so dass nicht nur spezifische Daten zu Belastungen durch Chemikalien, Lärm, Innenraumluftschadstoffe und ähnliche gewonnen werden, sondern auch in Beziehung zu einer großen Zahl von allgemeinen Gesundheitsdaten der untersuchten Personen gesetzt werden können. Untersucht werden neben altvertrauten Chemikalien wie Cadmium, Blei und Quecksilber auch neuere Stoffe wie Phthalate, Triclosan und Bisphenol A. Hinzu kommen Untersuchungen zur Lärmbelastung und zur Belastung der Innenraumluft durch Schimmelsporen und spezifische Bakterien, die mit Schimmel verbunden sind.

Im Humanteil der Umweltprobenbank des Bundes werden tiefgefroren Humanproben (Blut und Urin) archiviert, die vor ihrer Einlagerung auf umweltrelevante Schadstoffe analysiert werden. Weil seit den 80er Jahren jedes Jahr neue Proben eingelagert werden, sind Aussagen zur zeitlichen Veränderung der Schadstoffbelastung möglich. In den eingelagerten Proben können zudem rückwirkend Stoffe oder deren Stoffwechselprodukte (Metabolite) ermittelt werden, die zum Zeitpunkt der Einlagerung noch nicht als Umweltschadstoffe bekannt oder analysierbar waren.

Jedes Jahr werden junge Erwachsene (meist Studentinnen und Studenten) aus Münster (seit 1984), Halle/Saale (seit 1995), Greifswald (seit 1996) und Ulm (seit 1997) untersucht. Die Probenahme wird durch eine Fragebogenerhebung zu soziodemografischen Angaben, umweltrelevanten Verhaltensweisen und belastungsrelevanten Lebensbedingungen ergänzt. 

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Was ist Human-Biomonitoring?

Als Human-Biomonitoring (HBM) bezeichnet man die Untersuchung von Blut, Urin, Frauenmilch und anderen Körpermedien auf Schadstoffe oder ihre Metaboliten. Human-Biomonitoring gibt Auskunft darüber, welche Schadstoffe in welchen Mengen aus der Umwelt in den menschlichen Körper gelangt sind. Diese Daten erlauben aber noch keinen Rückschluss darauf, wie die Stoffe aufgenommen wurden. 

Es gibt die verschiedensten Belastungsquellen, zum Beispiel Luft, Wasser, Lebensmittel, Textilien, Körperpflegeprodukte und so weiter. Auch Aussagen über den Zeitpunkt der Aufnahme sind schwierig: Manche Schadstoffe können sich bei fortgesetzter Aufnahme, in verschiedenen Organen, im Laufe der Zeit anreichern, andere Stoffe werden schnell verstoffwechselt und wieder ausgeschieden.

Deshalb sind teilweise weitergehende Untersuchungen erforderlich, um Aufnahmepfade und Belastungsquellen zu identifizieren und gegebenenfalls Maßnahmen zur Minimierung einzuleiten. Nicht jeder aufgenommene Stoff bedeutet aber zugleich eine gesundheitliche Belastung. Mit der modernen Analytik lassen sich viele Stoffe im Körper nachweisen, ohne dass diese aus gesundheitlicher Sicht ein Risiko darstellen würden. Andererseits gibt es aber auch Stoffe von denen wir sicher wissen, dass sie dringend einer (weiteren) Reduzierung bedürfen, weil sie im Körper Schaden anrichten.

Die gesundheitliche Bewertung der gefundenen Belastungen ist Aufgabe der Human-Biomonitoring-Kommission beim Umweltbundesamt. Sie hat für eine Reihe von Schadstoffen Referenzwerte und sogenannte Human-Biomonitoring-Werte (kurz: HBM-Werte) festgelegt. Referenzwerte werden statistisch ermittelt und beschreiben die durchschnittliche Belastung der Bevölkerung oder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe zu einem bestimmten Zeitpunkt. Eine gesundheitliche Bedeutung kommt ihm nicht zu.

HBM-Werte sind dagegen toxikologisch begründet und beinhalten eine gesundheitliche Bewertung. Dabei wird zwischen HBM I- und HBM II-Werten unterschieden. Liegt eine gefundene Belastung unterhalb des HBM-I-Werts eines Stoffes, besteht kein Grund zur Besorgnis.

Liegt die Belastung über dem HBM-II-Wert, ist eine gesundheitliche Beeinträchtigung möglich. Es besteht dann Handlungsbedarf zur Verminderung der Belastung und gegebenenfalls einer umweltmedizinischen Betreuung. Liegt die Belastung zwischen den beiden Werten, sollte versucht werden, die Belastungsquelle zu finden, um den Stoffeintrag in den Organismus zu verringern, auch um eine weitere Erhöhung der Belastung und damit ein Überschreiten des HBM II-Wertes zu vermeiden. Weder für eine gesundheitliche Beeinträchtigung noch für eine gesundheitliche Unbedenklichkeit gibt es für den Bereich zwischen den beiden Werten wissenschaftlich sichere Belege.

Human-Biomonitoring ist ein unverzichtbares Kontrollinstrument für den Erfolg umweltpolitischer Maßnahmen. Nur so lässt sich zuverlässig überprüfen, ob das Verbot oder die Beschränkung eines Stoffes dazu geführt haben, dass die Bevölkerung weniger exponiert ist. Deshalb besteht auch eine enge Verbindung zu REACH, dem europäischen Regelwerk der Chemikalienpolitik. Gleichzeitig ermöglicht das Human-Biomonitoring auch die Prüfung, ob Stoffe von unerwartet hohem Ausmaß vom menschlichen Organismus aufgenommen werden und deshalb einer Regulierung bedürfen.

Nicht alle Stoffe lassen sich aber zuverlässig im Rahmen des Human-Biomonitoring untersuchen. Deshalb haben Bundesumweltministerium und der Verband der Chemischen Industrie e.V. (VCI), im Jahr 2010, eine auf zehn Jahre angelegte Kooperation vereinbart, in deren Rahmen neue Untersuchungsmethoden für Chemikalien entwickelt werden, die bisher nicht messbar waren. Zu den Stoffen, für die bisher erfolgreich neue Nachweismethoden entwickelt werden konnten, gehören neue Weichmacher, Flammschutzmittel, technische Lösemittel, UV-Filter und Konservierungsstoffe, die alle verbrauchernah zum Einsatz kommen.

Wichtigste Partner dieses Projekts sind das Umweltbundesamt und ein Expertenkreis aus Wissenschaft, Behörden und Industrie. Bis 2020 sollen für bis zu fünfzig Chemikalien Nachweismethoden entwickelt werden, die bisher nicht im menschlichen Körper untersucht werden, die für die Allgemeinbevölkerung aber relevant sind und denen gegebenenfalls eine gesundheitliche Bedeutung zukommt.

Mit Hilfe des Expertenkreises werden die Chemikalien ausgewählt. Die Entwicklung der Nachweismethoden erfolgt dann in der Verantwortung des VCI, aber begleitet durch den Expertenkreis. Alle Methoden werden validiert und wissenschaftlich publiziert. Die Anwendung der neuen Methoden (zum Beispiel anhand von Proben der Umweltprobenbank oder im Rahmen der 5. Deutschen Umweltstudie zur Gesundheit), erfolgt dann in der Verantwortung der Bundesregierung. Nachdem die Human-Biomonitoring-Kommission beim UBA entsprechende HBM-Werte festgelegt hat, können die gefundenen Belastungen schließlich gesundheitlich bewertet werden.

Deutschland nimmt, mit seinen Human-Biomonitoring-Aktivitäten, eine Vorreiterrolle in Europa ein.

Die COPHES und DEMOCOPHES-Aktivitäten bildeten die Grundlage für ein weitaus größeres EU-Projekt zum Human-Biomonitoring, das von der EU-Kommission mit zunächst bis zu 50 Millionen Euro unterstützt werden wird. Es werden unter anderem deutlich mehr Chemikalien gemessen werden. Das Umweltbundesamt hat sich bereit erklärt, die Koordinierung der EU-weiten Projektaktivitäten zu übernehmen. Die Ergebnisse werden die europäische Chemikalienpolitik mit wichtigen Daten unterstützen.

Um den internationalen Erfahrungs- und Wissensaustausch im Bereich der gesundheitsbezogenen Umweltbeobachtung zu fördern, hat das Bundesumweltministerium zusammen mit dem Umweltbundesamt 2010 und 2016 Internationale Human-Biomonitoring-Konferenzen in Berlin organisiert. 2021 wird eine dritte Konferenz in Berlin stattfinden.

Außerdem sind Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt seit 2010 in einer internationalen Arbeitsgruppe von Ländern aktiv, die neue Geburtskohorten-Studien im Bereich Umwelt und Gesundheit planen und durchführen. Ziel der Zusammenarbeit ist, Methoden und Erfahrungen auszutauschen, die jeweiligen Vorgehensweisen so zu harmonisieren, dass die gewonnenen Daten möglichst weitgehend vergleichbar werden. Dadurch sollen Erkenntnisse möglich werden, die anhand der isolierten Daten einzelner Untersuchungen nicht gewonnen werden könnten. Über die Internationale Agentur für Krebsforschung, kurz IARC (International Agency for Research on Cancer), ist die Weltgesundheitsorganisation Teil dieser Initiative.

Auf der internationalen Ebene arbeitet das Bundesumweltministerium unter anderem auch im Prozess "Umwelt und Gesundheit" der WHO EURO seit vielen Jahren mit. Die WHO EURO ist eine der Regionalorganisationen der an sich weltweit agierenden Weltgesundheitsorganisation/WHO (World Health Organisation). Die sogenannte Europäische WHO-Region umfasst 53 Staaten, einschließlich aller EU-Staaten, den Staaten der früheren Sowjetunion, Israel und der Türkei. Eine zentrale Säule dieses Prozesses ist das WHO-Zentrum für Umwelt und Gesundheit in Bonn, das vom Bundesumweltministerium maßgeblich finanziell unterstützt wird.

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Zuletzt geändert: 31.01.2017