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Biosphärenreservate und Tourismus

Biosphärenreservate sind von der UNESCO anerkannte Schutzgebiete, die das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung verfolgen und gleichzeitig als Modellregionen für neue Wirtschaftsweisen und Forschungsansätze dienen. Nachhaltiger Tourismus muss in diesem Kontext als wichtiger Beitrag zur Erfüllung der Biosphärenreservatsfunktionen gesehen werden und ist, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau, auch ein Wirtschaftsfaktor von zentraler Bedeutung für diese Regionen.

Studie zur ökonomischen Kapazität des Naturtourismus

Bislang fehlten quantifizierbare Daten zur wirtschaftlichen Bedeutung des Naturtourismus in Biosphärenreservaten sowie zur Besucherzahl und -struktur. Diese sind aber entscheidende Grundlagen für eine langfristige Inwertsetzung und zur Akzeptanzsteigerung der Gebiete. Abhilfe schafft die aktuelle Studie des Lehrstuhls für Geographie und Regionalforschung der Universität Würzburg im Rahmen des Umweltforschungsplanes des Bundesumweltministeriums, die jetzt veröffentlicht wurde. Die Studie untersucht zunächst anhand von sechs ausgesuchten Gebieten den Stellenwert des Tourismus in deutschen Biosphärenreservaten für die jeweilige regionale Wirtschaft. Mittels einer Hochrechnung der erhobenen Tourismusdaten wird abgeschätzt, wie sich die Situation für Biosphärenreservate deutschlandweit darstellt: die 15 deutschen UNESCO-Biosphärenreservate zählen jährlich insgesamt rund 65 Millionen Besucher, die einen Bruttoumsatz von knapp drei Milliarden Euro bewirken. Dies entspricht mehr als 86.000 sogenannten Einkommensäquivalenten, die in Biosphärenreservaten durch Tourismus geschaffen bzw. gesichert werden. Die Resultate machen deutlich, dass der Tourismus in Biosphärenreservaten durchaus einen beachtlichen wirtschaftlichen Beitrag für die Regionalwirtschaft leistet. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Tagesgäste. In vier der sechs untersuchten Biosphärenreservate hat der Tagestourismus einen Anteil von mehr als 60 Prozent.

Einige Biosphärenreservate sind bereits heute beliebte Tourismusdestinationen, darunter die Wattenmeere, das Berchtesgadener Land oder Südost-Rügen. Andere haben, so die Studie, die reelle Chance, sich zu beliebten Reisezielen zu entwickeln.

Verborgene Potenziale erschließen

Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung spiegeln das Engagement der Biosphärenreservate in diesem wichtigen Sektor wider. Die erfolgreiche Vermarktung touristischer Angebote ist zugleich ein wertvoller Beitrag, um in der breiten Öffentlichkeit die Marke "UNESCO-Biosphärenreservat" und das dahinter stehende Programm "Der Mensch und die Biosphäre" mit seinem modernen Verständnis von Schutz und nachhaltiger Nutzung von Natur und Landschaft bekannter zu machen.

Mindestens jeder zweite Besucher weiß laut Studie grundsätzlich über den Schutzstatus des Gebiets Bescheid. Allerdings ist der Status als "UNESCO-Biosphärenreservat" im Durchschnitt nur für 6,4 Prozent der Besucher ein wichtiger Grund für den Aufenthalt in der Region. Der Spitzenwert liegt mit 21,5 Prozent im Biosphärenreservat Schaalsee. Hier zeigt sich, dass gerade bisher weniger bekannte Reiseziele von der Anerkennung als Biosphärenreservat profitieren.

Die Studie zeigt aber auch: Das Potenzial ist bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Das betrifft nicht nur Gebiete, die sich am hart umkämpften Reisemarkt erst noch einen Namen machen müssen. Gerade auch Biosphärenreservate mit langer Tourismustradition haben etwa bei der nachhaltigen Ausrichtung des Tourismus bzw. Modernisierung der Infrastruktur durchaus noch Nachholbedarf. Diese Potenziale besser auszuschöpfen, die Zusammenarbeit mit der Tourismusbranche zu verbessern, die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu erhöhen, Arbeitsplätze in strukturschwachen Gebieten zu schaffen bzw. zu sichern sowie der Landflucht der Bevölkerung entgegenzuwirken, sind Herausforderungen, denen sich alle Biosphärenreservate stellen müssen. Die Studie ist unter dem Titel "Ökonomische Effekte des Tourismus in Biosphärenreservaten Deutschlands" im Landwirtschaftsverlag in der Reihe Naturschutz und Biologische Vielfalt (Heft 134) erschienen (ISBN 978-3-7843-4034-0). Sie kann kostenpflichtig bezogen werden über den BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag (www.buchweltshop.de/bfn).

Zuletzt geändert: 01.09.2014