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Stand: 12.08.2014

Nationales Naturerbe

Deutschland verfügt über ein reiches und lebendiges Naturerbe. Hierzu gehören herausragende und einmalige Ökosysteme wie das Wattenmeer und die Bodden- und Kreidesteilküsten, die großen Stromtäler wie etwa von Elbe, Oder, Donau und Weser mit ihren Auen, die eiszeitlich geprägten Landschaften im Norden und Süden Deutschlands mit ihren Wäldern, Flüssen, Seen und Mooren sowie die vielfältigen Lebensräume der Mittel- und Hochgebirge. Deutschland trägt für seine vielfältigen Landschaften mit ihren Tier- und Pflanzenvorkommen auf nationaler, europäischer und globaler Ebene eine besondere Verantwortung. Weltweit ist Deutschland für den Schutz vor allem großer, zusammenhängender Buchenwälder verantwortlich, da es im Zentrum der europäischen Buchenverbreitung liegt und einen Anteil von 25 Prozent des natürlichen Buchenwaldareals in Europa hat. 

Die Bewahrung dieses Naturerbes ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe höchsten Ranges. Die öffentliche Hand wird dabei vorbildlich vorangehen. Der Bundesregierung ist es ein bedeutendes Anliegen, die im Eigentum des Bundes befindlichen, hochwertigen Naturschutzflächen langfristig für den Naturschutz zu sichern.

Das "Nationale Naturerbe" steht für die beispielhafte Initiative des Bundes, gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzflächen im Eigentum des Bundes nicht zu privatisieren, sondern in Naturschutzhände zu geben, die die Flächen nach anspruchsvollen naturschutzfachlichen Vorgaben betreuen und entwickeln.

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes konnten sich aufgrund ihrer Historie zu wertvollen Lebensräumen wild lebender Tiere und Pflanzen entwickeln. Herausragendes Beispiel ist die ehemalige innerdeutsche Grenze, die über Jahrzehnte hinweg die Teilung Deutschlands und Europas symbolisierte. Aus ihr sind wertvolle und vielfältige Biotope hervorgegangen, die sich als sogenanntes "Grünes Band" am alten Grenzverlauf entlangziehen. Auch ehemalige militärische Sperrgebiete und aufgelassene Bergbaugebiete sind Teil der deutschen Geschichte: einstmals unzugänglich, bilden sie heute große, oftmals unzerschnittene, vielfältige und von natürlicher Dynamik geprägte Lebensräume.

125.000 Hektar Nationales Naturerbe bereits gesichert

Die Sicherung des Nationalen Naturerbes nahm ihren Ausgang mit dem Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD vom November 2005, der eine unentgeltliche Übertragung gesamtstaatlich repräsentativer Naturschutzflächen des Bundes in einer Größenordnung von 80.000 bis 125.000 Hektar an die Länder, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) sowie an Naturschutzstiftungen und -verbände vorsah. Die Vereinbarung wurde in den beiden Legislaturperioden zwischen 2005 und 2013 in zwei Tranchen umgesetzt und die Spannbreite des Flächenumfangs dabei voll ausgeschöpft. Damit sind 125.000 Hektar wertvoller Naturgebiete dauerhaft für den Naturschutz gesichert.

Für die Identifizierung und Auswahl von bundeseigenen, gesamtstaatlich repräsentativen Flächen als Nationales Naturerbe wurden folgende naturschutzfachlichen Kategorien prioritär berücksichtigt:

  • Flächen im Grünen Band
  • Nationalparke
  • Kerngebiete der Naturschutzgroßprojekte des Bundes
  • Kernzonen in Biosphärenreservaten
  • Ehemalige militärische Übungsplätze
  • Bergbaufolgelandschaften
  • Naturschutzgebiete > 50 Hektar
  • Natura 2000 - Gebiete
  • Flächen des Nationalen Biotopverbundes von bundes- und landesweiter Bedeutung

Am Prozess zum Aufbau des Nationalen Naturerbes wirkten der Bund (BMUB, Bundesministerium der Finanzen, Bundesministerium der Verteidigung, Bundesamt für Naturschutz), die Länder und die abgebenden Bundeseinrichtungen (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Bodenverwertungs- und-verwaltungs GmbH, Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH,) sowie die DBU und der Deutsche Naturschutzring (stellvertretend für Naturschutzverbände und -stiftungen) mit.

Die Flächen des Nationalen Naturerbes wurden gemäß Koalitionsvertrag an verschiedene Naturschutzträger übergeben. Die DBU hat vor allem die großen ehemaligen militärischen Übungsplätze von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übernommen und ist mit rund 60.000 Hektar der bedeutendste Träger der Nationalen Naturerbe-Flächen. Der verbleibende Teil des Flächenpakets von 125.000 Hektar wurde bzw. wird von den Naturschutzverwaltungen der Länder und von Naturschutzverbänden und -stiftungen übernommen; der Übertragungsprozess dauert noch an.

Im Grünen Band wurden rund 6700 Hektar Flächen an Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Niedersachsen übertragen.

Auch der Bund engagiert sich bei der Pflege und Entwicklung des Nationalen Naturerbes: aus der ersten Tranche sind rund 9200 Hektar der Nationalen Naturerbe-Flächen in der sogenannten "Bundeslösung" verblieben. Diese Flächen werden von Bundesförstern nach naturschutzfachlichen Maßgaben des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) betreut, die Kosten trägt das BMUB.

Für die Übertragung der Nationalen Naturerbe-Flächen schließt der Bund mit den neuen Eigentümern vertragliche Vereinbarungen, um den Naturschutzzweck der Flächen dauerhaft zu sichern. Mit der Übertragung sind die neuen Eigentümer für die weitere Entwicklung der Flächen und deren Finanzierung verantwortlich. In Abstimmung mit dem Bundesamt für Naturschutz formulieren sie naturschutzfachliche Ziele und Leitbilder und erstellen Pflege- und Entwicklungsstrategien bzw. passen bestehende an die Anforderungen des Nationalen Naturerbes an. Auf den Flächen, die von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben abgegeben wurden, sind die neuen Eigentümer verpflichtet, die Personalkosten für das dort bislang tätige Bundesforstpersonal zu übernehmen. Im Gegenzug erbringen die Bundesförster Dienstleistungen zur naturschutzfachlichen Betreuung und Entwicklung der Flächen.

Für alle Waldflächen des Nationalen Naturerbes gilt das vorrangige Ziel der Naturwaldentwicklung ohne weitere Nutzung. Sofern sich Wälder für eine sofortige Naturwaldentwicklung eignen, ist ab dem Zeitpunkt der Übertragung die Nutzung einzustellen. In den übrigen Wäldern ist eine naturgemäße Nutzung so lange möglich, bis eine Überführung in die Naturwaldentwicklung geboten ist. Das Know-how der Bundesförster beim Umbau von Wirtschaftsforsten zu Naturwäldern kann dabei sinnvoll genutzt werden. Mit der Vorgabe der Naturwaldentwicklung leistet der Bund einen ersten wesentlichen Beitrag zur Erfüllung des in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt formulierten Ziels, Wildnis auf zwei Prozent der Landesfläche bzw. fünf Prozent der Waldfläche zuzulassen.

Nationales Naturerbe wird um mindestens 30.000 Hektar erweitert

Die Bundesregierung wird für den Naturschutz zusätzliche Flächen in einer Größenordnung von mindestens 30.000 Hektar als Nationales Naturerbe sichern. Das haben die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag für die 18. Legislaturperiode festgehalten. Die Vereinbarung soll durch eine dritte Tranche zur Sicherung des Nationalen Naturerbes umgesetzt werden. Wie bei den ersten beiden Tranchen ist eine Übertragung an interessierte Länder und Naturschutzorganisationen vorgesehen.

Die Flächen der dritten Tranche werden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben bereitgestellt und betreffen ehemals militärisch genutzte Liegenschaften, für die der Bund keinen Bedarf mehr hat. Damit besteht die Chance, dass weitere besonders großflächige Liegenschaften dauerhaft für den Naturschutz gesichert werden können. Das bestehende Nationale Naturerbe (125.000 Hektar) umfasst bereits 27 Einzelgebiete, die jeweils über 1000 Hektar groß sind. Die Bewahrung von großflächigen, unzerschnittenen Räumen ist in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland ein besonderer Gewinn für den Naturschutz.

Die Flächenkulisse der dritten Tranche wird derzeit vom BfN und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben vorbereitet. Sie muss vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschlossen werden.

Es ist davon auszugehen, dass sich bei der dritten Tranche die bisherigen Flächenempfänger (Länder, DBU, Naturschutzverbände und -stiftungen) nicht mehr vergleichbar zu den ersten beiden Tranchen engagieren und alle Liegenschaften der dritten Tranche übernehmen können. Es ist daher eine Erweiterung der Bundeslösung geplant, die aus dem Haushalt des BMUB für Naturschutz finanziert wird .

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