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Stand: 18.06.2015

Nationales Naturerbe

Was bedeutet Nationales Naturerbe?

Das "Nationale Naturerbe" steht für die beispielhafte Initiative des Bundes, gesamtstaatlich repräsentative Naturschutzflächen im Eigentum des Bundes nicht zu privatisieren, sondern in Naturschutzhände zu geben, die die Flächen nach anspruchsvollen naturschutzfachlichen Vorgaben betreuen und entwickeln. Zu einem großen Teil sollen die Flächen wieder zu Wildnis werden.

Zum Nationalen Naturerbe gehören herausragende, charakteristische Landschaften, für die Deutschland auf nationaler, europäischer und globaler Ebene eine besondere Verantwortung besitzt. Dazu gehören Wälder, Heiden, Auen, Seen und Moore in den verschiedenen Landschaften Deutschlands, zum Beispiel den abwechslungsreichen Hügellandschaften im Norden und Süden, den reich strukturierten Mittelgebirgen und den Küsten der Nord- und Ostsee.

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes konnten sich aufgrund ihrer Historie zu wertvollen Lebensräumen wild lebender Tiere und Pflanzen entwickeln. Herausragendes Beispiel ist die ehemalige innerdeutsche Grenze, die über Jahrzehnte hinweg die Teilung Deutschlands und Europas symbolisierte. Aus ihr sind wertvolle und vielfältige Biotope hervorgegangen, die sich als sogenanntes "Grünes Band" am alten Grenzverlauf entlangziehen. Auch ehemalige militärische Sperrflächen und aufgelassene Bergbaugebiete sind Teil der deutschen Geschichte: einstmals unzugänglich, bilden sie heute große, oftmals unzerschnittene, vielfältige und von natürlicher Dynamik geprägte Lebensräume.

Um welche Flächen geht es?

Es geht vor allem um Flächen, die früher militärisch genutzt wurden, und die im Eigentum des Bundes sind. Bei den ersten zwei Tranchen des Nationalen Naturerbes in den vergangenen beiden Legislaturperioden waren das vor allem große Flächen im Osten – darunter auch das Grüne Band.

Neu sind 62 Flächen, die der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages am 17. Juni 2015 als dritte Tranche in das Nationale Naturerbe überführt hat. Diese 62 Naturflächen liegen erstmals schwerpunktmäßig im Westteil des Landes. Der Grund dafür ist die Bundeswehrreform, die militärisch genutzte Liegenschaften im ganzen Land hat frei werden lassen. Die 62 neuen Flächen umfassen 31.000 Hektar. Damit sind nun insgesamt 156.000 Hektar Bundesflächen für den Naturschutz gesichert.

Was ist das Besondere an den neuen Naturerbe-Flächen?

Die Strukturreform der Bundeswehr hat dazu geführt, dass nun auch viele Flächen im dicht besiedelten Westen Deutschlands zum Nationalen Naturerbe gehören. Sie werden in Zukunft eine herausragende Rolle für den Naturschutz, aber auch für die Naherholung spielen, da einige in der Nähe von Städten liegen. Beispiele sind "Schwanewede" bei Bremen, "Wersener Heide" bei Osnabrück, "Herzogsberge" bei Braunschweig, "Borkenberge und Lavesum" am nördlichen Ruhrgebietsrand, "Gießen" in unmittelbarer Nähe der Stadt oder auch "Reisberg" bei Heilbronn.

Von der Größe her herausragende Flächen der dritten Tranche sind die Lübtheener Heide in Mecklenburg-Vorpommern mit 6280 Hektar und der Stegskopf im Westerwald/Rheinland-Pfalz mit 1923 Hektar:

  • Der ehemalige Truppenübungsplatz Lübtheener Heide umfasst große Offenlandflächen mit Binnendünen und ausgedehnten Sandmagerrasen inmitten von Kiefernwäldern. Es handelt sich um das größte zusammenhängende Sandheide-/Sandtrockenrasengebiet auf Flugsand in Mecklenburg-Vorpommern. Die Lübtheener Heide ist Heimat für seltene Vogelarten wie Raufußkauz, Ziegenmelker, Schwarzkehlchen und Seeadler. Auch der Wolf nutzt die große unzerschnittene Fläche. Es ist geplant, die Lübtheener Heide der UNESCO als Kernzone des Biosphärenreservates "Flusslandschaft Elbe" zu benennen.
  • Der ehemalige Truppenübungsplatz am Stegskopf, der zweithöchsten Erhebung im Westerwald, besteht aus einem einzigartigen Mosaik von Lebensräumen. Hier wechseln sich Offenlandflächen, Feuchtlebensräume und naturnahe Wälder ab. Charakteristisch für den Stegskopf ist seine montan geprägte Pflanzenwelt mit Borstgrasrasen, Pfeifengraswiesen, Berg-Mähwiesen und Heiden. Bemerkenswerte Arten sind u. a. Trollblume, Wiesenpieper, Braunkehlchen, Schwarzstorch und Wildkatze.

Wie wurden die Flächen ausgewählt?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes wurden gemeinsam mit den Ländern nach folgenden Kategorien ausgewählt:

  • Grünes Band
  • Flächen in Nationalparken
  • Flächen in Kerngebieten der Naturschutzgroßprojekte des Bundes
  • Flächen in Kernzonen beziehungsweise Naturschutzgebieten (NSG) und FFH-Gebieten in Biosphärenreservaten
  • Ehemalige militärische Übungsflächen mit einer Größe von mehr als 1000 ha sowie Flächen zwischen 1000 und 100 ha mit mehr als 20 Prozent Natura 2000-Gebietsanteil oder NSG-Anteil
  • Bergbaufolgelandschaften mit einer Größe von mehr als 100 ha
  • Naturschutzgebiete größer 50 ha
  • Flächen in Natura 2000-Gebieten
  • Flächen des Biotopverbundes von bundes- und landesweiter Bedeutung
  • Flächen mit besonderer Bedeutung für den Artenschutz.

Diese Kategorienbildung und der Auswahlprozess wurden von den Naturschutzorganisationen ausdrücklich unterstützt.

Wer stellt die Flächen bereit?

Bezogen auf alle drei Tranchen des Nationalen Naturerbes ergibt sich folgende Aufteilung:

Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA)rund 125.500 Hektar
Bodenverwertungs- und -verwaltungsgesellschaft (BVVG)rund 28.000 Hektar
Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau- und Verwaltungsgesellschaft (LMBV)rund 2500 Hektar

Wer übernimmt die Flächen?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes werden von verschiedenen Naturschutzträgern betreut. Es beteiligen sich neben den Ländern und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) derzeit 32 Naturschutzorganisationen an der dauerhaften Pflege des Nationalen Naturerbes. Koordiniert werden die Verbände und Stiftungen durch den Deutschen Naturschutzring.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) hat vor allem die großen ehemaligen militärischen Übungsplätze von der BImA übernommen und ist bei der ersten und zweiten Tranche mit rund 60.000 Hektar der bedeutendste Träger der Naturerbeflächen. Hierzu hat die DBU eine eigenständige Gesellschaft gegründet (DBU Naturerbe GmbH). Die Flächen des Grünen Bandes wurden überwiegend von den Ländern übernommen. An Verbände und Stiftungen gingen hauptsächlich kleinere Liegenschaften, insbesondere ehemals volkseigene Flächen der BVVG.

Auch der Bund engagiert sich bei der Pflege und Entwicklung des Nationalen Naturerbes ("Bundeslösung"). Aus der ersten Tranche sind rund 9200 Hektar in der sogenannten Bundeslösung verblieben. Diese Flächen werden von Bundesförstern nach naturschutzfachlichen Maßgaben des Bundesamtes für Naturschutz betreut. Die Kosten trägt das Bundesumweltministerium.

Im Rahmen der dritten Tranche soll das Engagement des Bundes deutlich verstärkt werden. Voraussichtlich werden rund 18.000 Hektar zusätzlich in die Bundeslösung gehen. Hinzu kommt als Nachrückerfläche für die ersten beiden Tranchen "Streganz" in Brandenburg mit rund 4200 Hektar. Damit wird der Bund nach der DBU mit insgesamt rund 30.000 Hektar in der Bundeslösung zum zweitgrößten Flächenverwalter des Nationalen Naturerbes. Für die Betreuung sind im Haushalt des Bundesumweltministeriums jährlich vier Millionen Euro eingestellt.

Was passiert mit den Flächen nach der Übertragung?

Mit der Übertragung sind die neuen Eigentümer für die weitere Entwicklung der Flächen und deren Finanzierung verantwortlich. Hierzu schließt der Bund mit den Ländern und den neuen Flächeneigentümern vertragliche Vereinbarungen, um die Flächen dauerhaft für den Naturschutz zu sichern. Grundsätzliche Ziele für die Flächen des Nationalen Naturerbes sind:

  • natürliche Entwicklung aller Waldbereiche (Wildnis)
  • Pflege wertvoller geschützter oder gefährdeter Offenlandökosysteme
  • Erhalt und Entwicklung naturnaher Gewässer und Auen sowie von Mooren.

In Abstimmung mit den Ländern und dem Bundesamt für Naturschutz werden konkrete Ziele und Leitbilder für die Flächenentwicklung erarbeitet und zur Umsetzung notwendige Maßnahmen in Pflege- und Entwicklungsplänen konkretisiert. Damit ein langfristig hochwertiger Zustand der übertragenen Flächen gewährleistet ist, wird der Bund Querschnittsevaluierungen durchführen.

Wie trägt das Nationale Naturerbe zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei?

Das Nationale Naturerbe ist von unschätzbarem Wert für die Natur in Deutschland. Alle Waldflächen des Nationalen Naturerbes werden der natürlichen Entwicklung überlassen. Ausnahmen gibt es nur für wertvolle Hute-, Mittel- oder Niederwälder. Damit wird wesentlich zur Erreichung der Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt beigetragen. Danach soll sich auf zwei Prozent der Fläche Deutschlands die Natur wieder nach ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln können (Wildnis-Ziel). Bis zum Jahre 2020 soll der Wald zudem auf fünf Prozent der gesamten Waldflächen beziehungsweise auf zehn Prozent der Waldflächen in öffentlicher Hand einer natürlichen Entwicklung überlassen sein.

Bislang liegt der Wildnisanteil im Wald bei 1,9 Prozent. Wenn beim Nationalen Naturerbe der Waldumbau abgeschlossen ist und die Flächen sich selbst überlassen bleiben, werden wir mehr als drei Prozent erreichen.

Moore, Auen und Gewässer des Nationalen Naturerbes werden generell naturnah entwickelt. Nutzungen werden ausgeschlossen beziehungsweise naturverträglich gestaltet.

Die Flächen des Nationalen Naturerbes schließen Offenlandschaften von bundesweiter Bedeutung ein, unter denen etwa die Heideökosysteme eine herausragende Rolle spielen. Sie kommen vor allem auf den ehemaligen militärischen Liegenschaften vor. Durch den militärischen Betrieb wurde der Wald zurückgedrängt und charakteristischen Pflanzengesellschaften und einer großen Anzahl bedrohter Tierarten ein geeigneter Lebensraum geboten. Das gilt zum Beispiel für Vögel, die am Boden brüten oder Pflanzen, die in den Panzerspuren optimale Bedingungen vorfinden. Die Offenhaltung dieser einmaligen Landschaften trägt auch zum Erhalt wichtiger Lebensraumtypen des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000 bei. Sie stellt besondere Anforderungen an Pflege und Management dieser Flächen, die von den Naturschutzträgern zu meistern sind.

Was unterscheidet die Naturerbeflächen von Naturschutz- oder Natura-2000-Gebieten?

Für den Naturschutz sind die Naturerbeflächen des Bundes Premium-Schutzgebiete, vergleichbar mit den Nationalparken, für die die Länder zuständig sind. Wir haben im Nationalen Naturerbe einen hohen Anteil an Naturschutzgebieten, FFH-Gebieten oder Vogelschutzgebieten. Diese wollen wir optimal entwickeln. Dabei steht die Naturschutzpflege nicht im Spannungsfeld mit wirtschaftlichen Nutzungen, wie es sonst häufig der Fall ist. Das Besondere beim Naturerbe ist: es ist einzig und allein der Natur gewidmet.

Ist das Nationale Naturerbe für die Öffentlichkeit zugänglich?

Das Nationale Naturerbe soll für die Menschen erfahrbar sein. Die Naturbewusstseinsstudie hat 2013 ermittelt, dass 79 Prozent der Deutschen sich mehr Wildnis in den Wäldern wünschen. Ebenso viele sprechen sich für eine Form des Zugangs zur Wildnis aus.

Aufgrund möglicher Gefahren auf ehemaligen militärischen Liegenschaften ist dies nicht uneingeschränkt umzusetzen. Die Naturschutzträger sind so weit wie möglich bemüht, die Flächen für Besucher zu öffnen und zugleich sensible Naturbereiche beziehungsweise Rückzugsräume für empfindliche Arten durch Besucherlenkung vor Störungen zu bewahren. Zum Beispiel plant die DBU Naturerbe GmbH zukünftig sichere Bereiche auf allen DBU-Naturerbeflächen naturverträglich für Besucher erlebbar zu machen. Attraktive Beobachtungspunkte sollen möglichst durch anregende Naturerlebnispfade beziehungsweise Rundwege verbunden und durch geeignete Informationssysteme wie Tafeln und interaktive Angebote bereichert werden.

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