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Stand: 01.08.2010

Studie "Die Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität"

Die Natur liefert den Menschen eine Vielzahl von Gütern und Leistungen, die das Fundament menschlichen Wohlergehens darstellen. Intakte Böden, Nahrung, Trinkwasser, Brennstoffe und Arzneimittel, Schutz vor Überschwemmungen und Bodenerosion sowie Klimaregulation oder Kohlenstoffspeicherung sind "ökosystemare Dienstleistungen", die uns von der Natur kostenlos bereitgestellt werden. .

Viele Dienstleistungen der Natur sind bisher bei konventionellen ökonomischen Bewertungen entweder gar nicht berechnet oder als selbstverständlich angenommen worden. Diese Dienstleistungen der Ökosysteme und der Biodiversität besitzen jedoch einen hohen ökonomischen Wert.

Um den ökonomischen Wert der Leistungen der Natur besser einschätzen zu können, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Schädigung von Ökosystemen zu erfassen und damit die Kosten des Nicht-Handelns zu beziffern, initiierte Deutschland im Rahmen seiner G8-Präsidentschaft im Jahr 2007 gemeinsam mit der EU-Kommission die Studie "Die Ökonomie von Ökosystemen und der Biodiversität" (The Economics of Ecosystems and Biodiversity, TEEB). Die Studie wird unter der Schirmherrschaft des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) durchgeführt, Leiter der TEEB-Studie ist der indische Ökonom Pavan Sukhdev.

Erste Ergebnisse

Ein erster Zwischenbericht der Studie wurde auf der 9. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) im Mai 2008 in Bonn vorgelegt. Bereits zu diesem Zeitpunkt zeigt sich, dass der wirtschaftliche Wert der Leistungen der Ökosysteme für die menschliche Gesellschaft weitaus höher ist, als von Ökonomen und Naturwissenschaftlern bisher angenommen wurde.

So versorgen die rund 100.000 Schutzgebiete der Erde die Menschen mit Ökosystemdienstleistungen im Wert von 4.400 bis 5.200 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Dieser Wert übertrifft die Summe der Umsätze des weltweiten Automobilsektors, Stahlsektors und IT-Dienstleistungssektors. Die Investitionen, die notwendig sind, um die Leistungen der Natur eines "idealen" weltweiten Schutzgebietsnetzes (15 Prozent der terrestrischen Fläche und 30 Prozent der marinen Fläche) mit einem Wert von 5.000 Milliarden US-Dollar zu erhalten, betragen nach Expertenschätzungen jährlich etwa 45 Milliarden US-Dollar.

Zweite Phase

In der zweiten Phase der TEEB-Studie werden derzeit vier zielgruppenspezifische Einzelberichte erarbeitet und nacheinander veröffentlicht. Den Anfang machte der Bericht für politische Entscheidungsträger am 13. November 2009, im Juli 2010 wurde der Bericht für Unternehmen vorgestellt. Bis Herbst 2010 folgen der Bericht für öffentliche Verwaltungen und Empfehlungen für Verbraucher. Diese Produkte sollen den entsprechenden Gruppen helfen, Entscheidungen zum Schutz der Biodiversität in ihrem Verantwortungsbereich zu treffen. Außerdem werden jeweils eine Reihe kostenwirksamer Optionen zum Schutz der biologischen Vielfalt und der Ökosysteme vorgeschlagen.

Der TEEB-Abschlussbericht soll bei der 10. Vertragsstaatenkonferenz der CBD im Oktober 2010 in Japan vorgestellt werden.

TEEB-Sachstandsbericht zur Klimaproblematik

Am 2. September 2009 wurde in der Bundespressekonferenz in Berlin ein TEEB-Sachstandsbericht zur Klimaproblematik ("TEEB Climate Issues Update") vorgestellt. Dieser Bericht behandelte schwerpunktmäßig klimarelevante Ökonomieaspekte der Biodiversität und diente dazu, den Dialog insbesondere im Vorfeld der 15. Sitzung der Vertragsstaatenkonferenz des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen in Kopenhagen zu befördern.

TEEB-Bericht für politische Entscheidungsträger

Der TEEB-Bericht für politische Entscheidungsträger unterstreicht die dringende Notwendigkeit, die Kenntnis über und das Bewusstsein für die soziale und ökonomische Dimension des Verlustes an biologischer Vielfalt zu verbessern. So sollen Politikern Hilfen für gut informierte Entscheidungen zum Schutz der Natur und für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung an die Hand gegeben werden. Eine zentrale Aussage des Berichts ist, dass Investitionen in den Schutz und die Wiederherstellung von Ökosystemen kostengünstige Möglichkeiten zur Stärkung der Widerstandskraft gegenüber den Auswirkungen des Klimawandels oder von Naturkatastrophen bieten und zur Verbesserung der Ernährungssicherung, zur Armutsbekämpfung sowie wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Außerdem sei die Erhaltung von Ökosystemen fast immer kostengünstiger als Bemühungen, diese im Nachhinein wieder herzustellen. So kosteten beispielsweise das Anpflanzen und der Schutz von fast 12.000 ha Mangroven in Vietnam 1,1 Millionen US-Dollar, gleichzeitig wurden damit aber Kosten in Höhe von 7,3 Millionen US-Dollar an Instandhaltungskosten für Deiche eingespart.

Anhand zahlreicher anschaulicher Beispiele aus allen Teilen der Erde demonstriert TEEB, wie der Wert der Natur und ihrer Leistungen bei politischen Entscheidungen umfassend berücksichtigt werden kann. Politikerinnen und Politikern wird damit ein "Werkzeugkasten" zur Verfügung gestellt, den es nun gilt aufzugreifen, zu nutzen und an spezielle nationale Bedürfnisse anzupassen.

TEEB-Bericht für Unternehmen

Der TEEB-Bericht für Unternehmen stellt fest, dass der anhaltende Verlust der biologischen Vielfalt und ihrer Dienstleistungen auch die Besorgnis der Wirtschaft erregt, die zunehmend erkennt, dass sich hinter den natürlichen Ressourcen der Erde knallharte ökonomische Werte, Geschäftsmöglichkeiten und Gewinnchancen verbergen. Der Biodiversitätsverlust beläuft sich nach Schätzungen auf viele Billionen Dollar und beeinflusst damit auch zunehmend Märkte und Verbraucher. So wächst das Interesse von Seiten der Verbraucher an natur- bzw. biodiversitätsfreundlichen Produkten und Dienstleistungen. 60 % der Verbraucher aus Amerika und Europa und mehr als 90 % der Verbraucher aus Brasilien sind sich des Problems des Biodiversitätsverlusts bewusst. Mehr als 80 % der Verbraucher weltweit wollen zukünftig keine Produkte mehr von Unternehmen kaufen, die ökologische und soziale Aspekte in ihrer Geschäftspolitik vernachlässigen.

Der TEEB-Bericht kommt zu dem Schluss, dass Unternehmen aktuellen Marktanforderungen nur gerecht werden können, wenn sie ein nachhaltiges Biodiversitätsmanagement in ihre Unternehmensstrategie integrieren. TEEB schlägt Unternehmen dazu vor, sich Konzepte wie "No Net Loss" ("keine Nettoverluste") "Ecological Neutrality" ("ökologische Neutralität") und "Net Positive Impact" ("positive Nettoauswirkungen auf die Umwelt") zu eigen zu machen. Er fordert außerdem eine verbesserte Bilanzierung von Unternehmensauswirkungen - positive wie negative - auf die biologische Vielfalt, um Änderungen bei Unternehmensinvestitionen und Geschäftsbetrieb herbeizuführen. Dazu empfiehlt er, dass Fachverbände und Bilanzfachleute neue Instrumente wie z.B. gemeinsame Standards und Kennzahlen für Unternehmen entwickeln.

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