Internationaler Artenschutz

Fledermäuse

Die Fledermäuse sind eine besonders gefährdete Ordnung der Säugetiere. Zu lange schon bekannten Gefahren, wie dem Einsatz von Bioziden oder der Zerstörung von Quartieren und Lebensräumen, sind neue Gefahren und Risiken hinzugekommen: So die Tötung an Windenergie-Anlagen. Zahlreiche Fledermausarten legen zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren Wanderungen von Hunderten von Kilometern zurück und überqueren dabei Staatsgrenzen und benötigen auf ihren Wegen sichere Rast- und Nahrungsplätze.
Eine internationale Zusammenarbeit zum Fledermausschutz ist daher geboten. Vor diesem Hintergrund wurde "EUROBATS" geschaffen:
EUROBATS ist ein Abkommen zur Erhaltung der europäischen Fledermauspopulationen (Agreement on the Conservation of Populations of European Bats). Auch dieser völkerrechtlich verbindliche Vertrag steht unter der Schirmherrschaft der Bonner Konvention. Der Sitz des Sekretariats befindet sich deshalb auf dem UN-Campus in Bonn.

Zurzeit umfasst das Abkommen 35 Staaten, welche sich dazu verpflichtet haben, die 45 europäischen Fledermausarten zu schützen. Das Abkommen schließt Populationen mit ein, die zeitweilig Europa verlassen und Nordafrika oder Vorderasien erreichen. Daher können auch Staaten dieser Regionen seit 2010 Mitgliedstaaten werden.
Die EU ist keine EUROBATS-Vertragspartei – sämtliche europäischen Fledermausarten sind aber in Anhang IV der Fauna-Flora-Habitat Richtlinie (92/43 EG – kurz "FFH") erfasst und auch in den Anhängen I und II der FFH wird dem Fledermausschutz Rechnung getragen. Darüber hinaus beabsichtigt die Europäische Kommission zurzeit die Schaffung eines oder mehrerer Fledermaus "Action Plans".
Die wichtigsten Instrumente zum Schutz des Fledermausbestandes sind Regelungen zur Entnahme von Tieren, der Schutz von Quartieren, Jagd- und Wandergebieten und die Förderung von Forschung, Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit.

Ein besonderes akutes Problem für den Fledermausschutz stellt die Frage der Windenergienutzung im Wald dar. Deutschland engagiert sich hier zurzeit besonders bei Forschungsfragen, die Auswirkungen der Windenergienutzung auf Fledermäuse im Wald betreffen. Aber auch generell stehen Fledermauswanderwege beziehungsweise -Flugkorridore im Zentrum des gegenwärtigen Forschungsinteresses.

Für zwei Fledermausarten, für die Bechsteinfledermaus (Myotis bechsteinii) und für die Mopsfledermaus (Barbastella barbastellus), hat Deutschland eine besondere Verantwortung, weil ein hoher Anteil der Weltpopulation hier vorkommt. Sie sind daher im "Förderschwerpunkt Verantwortungsarten" des Bundesprogramms zur Erhaltung der biologischen Vielfalt enthalten und Projekte zu deren Schutz können entsprechend aus Bundesmitteln gefördert werden. Nähere Informationen auf der Webseite des Bundesamtes für Naturschutz: http://www.biologischevielfalt.de

Vom 20. bis 22. September 2010 fand in Prag die letzte Vertragsstaatenkonferenz von EUROBATS statt. Auf dieser Sitzung wurden unter anderem sieben neue Arten in den Anhang des Abkommens mit aufgenommen. Zudem wurde der neue Erhaltungs- und Managementplan für die nächsten vier Jahre (2011-2014) verabschiedet. Im September 2014 wird in Brüssel, auf Einladung Belgiens (präziser der flämischen, wallonischen und Brüsseler Gemeinschaft), die nächste Vertragsstaatenkonferenz stattfinden.

Unter dem Dach des Abkommens findet einmal jährlich in allen Staaten der Vertragsparteien die Europäische Fledermausnacht statt. Es wird von lokalen Natur- und Artenschutzverbänden organisiert und dient der Information über heimische Fledermauspopulationen und deren Lebensräume. Die Fledermausnacht gilt als besonders familien- und kinderfreundlich. Je nach Veranstalter werden Ausstellungen, Filmvorführungen und Vorträge angeboten, oft auch abendliche Exkursionen zu Fledermausquartieren und Jagdgebieten. Dabei können Fledermäuse nicht nur beobachtet, sondern mit Hilfe von so genannten Fledermausdetektoren auch akustisch wahrgenommen werden.

2011 riefen die Bonner Konvention und EUROBATS gemeinsam die Initiative "Year of the Bat" ins Leben. Sie erklärten das Jahr 2011 und 2012 zum Fledermausjahr. Die gemeinsame Kampagne hatte das Ziel der Sympathiewerbung für  Fledermäuse, um insbesondere Quartiere in Menschen-Nähe besser vor Zugriffen zu schützen.

Gerade zum Schutz von Quartieren hat sich das Bundesumweltministerium in den letzten Jahren besonders engagiert und den Erwerb und die Sicherung von Fledermausquartieren in einem der größten Quartiere Westdeutschlands, dem Mayener Grubenfeld in der Vulkaneifel, gefördert.
Geplant ist hier zudem die Einrichtung eines Informationszentrums, das dieses bedeutende Quartier und Fragen des Fledermausschutzes der Öffentlichkeit vermitteln soll.
Innerhalb Eurobats hat sich Deutschland besonders dafür eingesetzt, den Fledermausschutz auch über die Grenzen Europas hinaus voranzubringen - dies auch im Bewusstsein, dass zahlreiche europäische Fledermauspopulationen im Austausch mit Nordafrika oder Kleinasien stehen.

Zuletzt geändert: 06.12.2013

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