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Kleinwalschutzabkommen "ASCOBANS"

Auch in der deutschen Nord- und Ostsee schwimmen Wale: Der Schweinswal (Phocoena phocoena), der selbst ausgewachsen noch in eine Badewanne passen würde, ist an beiden deutschen Küsten zu finden: In der Nordsee häufiger und in der Ostsee, besonders der östlicheren Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern, eher selten. Auf der Insel Sylt bestehen gute Chancen, die Tiere im Frühsommer zu beobachten.

Die Schweinswalpopulationen der Nord- und Ostsee durchstreifen die nationalen Grenzen der Anliegerstaaten. Ihr Schutz ist daher ein gemeinsames Anliegen.

Das Kleinwalschutzabkommen "ASCOBANS" (= Agreement on the Conservation of Small Cetaceans of the Baltic, North East Atlantic, Irish and North Seas) wurde vor über 20 Jahren 1991 von 8 Staaten gezeichnet und umfasst nach Beitritt Frankreichs zehn Staaten. Ursprünglich diente es der Erhaltung der Kleinwale in Nord- und Ostsee. Durch eine am 3. Februar 2008 beschlossene Erweiterung bezieht das Abkommensgebiet nun auch die Irische See und Teile des Nordostatlantiks und den Golf von Biscaya mit ein.

Unter Kleinwale werden alle Zahnwale (Odontoceti) – also auch Delfine – mit Ausnahme des maximal 16 -18 Meter großen Pottwals verstanden. Letzterer fällt unter die Großwale, zu denen ansonsten sämtliche Bartenwale (Mysticeti) zählen. So auch der in der deutschen Nordsee vorkommende ca. 6 - 9,5 Meter große Zwergwal.

Die häufigsten Kleinwalarten im ASCOBANS-Abkommensgebiet sind: 

  • Schweinswal (Phocoena phocoena)
  • Großer Tümmler (Tursiops truncatus)
  • Gemeiner Delphin (Delphinus delphis)
  • Weißschnauzendelphin (Lagenorhynchus albirostris)
  • Weißseitendelphin (Lagenorhynchus acutus)
  • Blau-weißer Delphin (Stenella coeruleoalba)
  • Rundkopfdelphin / Risso’s Delphin (Grampus griseus)
  • Schwertwal (Orcinus orca)
  • Langflossen-Grindwal / Pilotwal (Globicephala melas)
  • nördlicher Entenwal (Hyperoodon ampullatus) und andere Schnabelwale (Ziphiidae). 

Durch die ASCOBANS-Zusammenarbeit sollen diese grenzübergreifend vor menschlichen Beeinträchtigungen geschützt werden. Seit wenigen Jahren gibt es unter dem Dach von ASCOBANS aber auch eine Arbeitsgruppe, die sich mit Großwalen im Abkommensgebiet befasst.

In den über 20 Jahren seines Bestehens hat ASCOBANS zahlreiche Projekte zum Kleinwalschutz initiiert oder daran mitgewirkt, z. B. Kleinwalzählungen vom Flugzeug aus in der Nordsee, die Erfassung der Ostsee-Schweinswale mit Unterwasser-Detektoren, sowie internationale Schutzpläne für Nord- und Ostsee und Forschungen zum Walschutz. Dennoch bestehen weiterhin gravierende Probleme, die auf der 7. Vertragsstaatenkonferenz von ASCOBANS als Arbeitsschwerpunkt der nächsten Jahre formuliert worden sind: Zentrales Thema ist weiterhin der unbeabsichtigte Beifang von Schweinswalen in der Fischerei oder Unterwasserlärm, der bei der Errichtung der Windkraftanlagen auf See auftritt und zum Tod vieler Wale und Delfine führt.

Vom 9. bis 11. Januar 2002 fand in Jastarnija (Polen) ein Workshop der Vertragstaaten statt, um einen Schutzplan zum Wideraufbau der Schweinswalpopulation in der östlichen Ostsee zu erarbeiten. Dieser wurde 2009 in überarbeiteter Fassung angenommen. Ziel des Plans ist es, eine Populationsgröße wiederherzustellen, welche die Biokapazität des Ökosystems Ostsee zu mindestens 80 Prozent ausfüllt. Zudem wurde auf der 6. Vertragsstaatenkonferenz 2009 der "North Sea Conservation Plan" abgeschlossen, welcher darauf abzielt, einen günstigen Erhaltungszustand der Schweinswale in der Nordsee wieder herzustellen. Beide Pläne deckten nicht das Gebiet vom Kattegat über die Beltsee bis in die westliche Ostsee ab. Jedoch wurde auf der 7. Vertragsstaatenkonferenz diese Lücke geschlossen. Damit ging die Umbenennung des Plans in WBBK-Plan ("Western Baltic, the Belt Sea and the Kattegat") einher. Die Umsetzung dieses Plans wird von der so genannten Jastarnia-Gruppe, einer Sachverständigengruppe, überwacht.

SAMBAH (Static Acoustic Monitoring of the Baltic Sea Harbour Porpoises)

SAMBAH ist ein internationals Projekt aller EU Länder rund um die Ostsee zum Schutz des Ostsee-Schweinswals. In diesem Projekt wird die Schweinswaldichte in den entsprechenden Untersuchungsgebieten berechnet. Dies geschieht mit Hilfe von sogenannten C-Pods.

Dies sind Geräte, welche die Klick-Laute der Schweinswale aufnehmen, registrieren beziehungsweise wahrnehmen können. Somit können Aussagen über die bevorzugten Lebensräume und Hotspots der Wale gemacht werden.

Deutschland engagiert sich besonders für den Schutz von Kleinwalen beim Ausbau der Windenergie auf hoher See: Hierzu laufen eine Reihe von Forschungsprojekten und ein Schallschutzkonzept für Wale wurde erarbeitet.

Auch für Deutschland ist die Senkung der Beifänge, insbesondere in der östlichen Ostsee, weiterhin die zentrale Herausforderung des Schweinswal-Artenschutzes. Die Bundesregierung prüft gegenwärtig, welche fischereilichen Beschränkungen für diese Tiere in der ausschließlichen Wirtschaftszone notwendig sind. Die EG-VO zur Vermeidung von Beifängen bei Kleinwalen erscheint dringend verbesserungsbedürftig; die Bundesregierung unterstützt eine Überarbeitung.

Zuletzt geändert: 06.12.2013