Internationaler Artenschutz

Wildereibekämpfung

Bekämpfung von Wilderei und illegalem Handel mit Wildtierprodukten

Die Wilderei und der illegale Handel mit Wildtierprodukten, wie Elfenbein und Nashornhorn, sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Vor allem Afrika und Asien erleben eine zunehmende Professionalisierung. Es ist ein lukratives Geschäft, das dem Handel mit Drogen oder Waffen nahekommt und verstärkt in der Hand der organisierten Kriminalität liegt. Allein 2014 fielen in Südafrika über 1200 Nashörner und afrikaweit mehr als 20.000 Elefanten der Wilderei zum Opfer. Insbesondere Zentralafrika sowie das südliche und östliche Afrika sind davon betroffen, angetrieben durch eine rasant gestiegene Nachfrage vor allem in Asien. Nicht nur die vielerorts bereits stark gefährdeten Arten sind davon bedroht, sondern zunehmend auch die Wirtschaftsgrundlage und die Sicherheit der betroffenen Bevölkerung.

Mit insgesamt drei Millionen Euro werden vom BMUB daher Projekte in Afrika und Asien gefördert, um dieser Entwicklung entgegenzutreten. Die Mittel wurden erstmals im Jahr 2015 bewilligt, um den Schutz Afrikanischer Elefanten und Nashörner zu verbessern. Damit werden auch Ziele des Koalitionsvertrags erfüllt, sich verstärkt für den Schutz der Wildtiere einzusetzen, um sie für die Menschen vor Ort und zukünftige Generationen zu erhalten.

Der Löwenanteil von 2,5 Millionen Euro wird in Partnerschaft mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) als Umsetzungspartner investiert. 500.000 Euro wurden dem afrikanischen Fonds zum Schutz des Afrikanischen Elefanten zur Verfügung gestellt.

So werden konkrete Maßnahmen entlang der gesamten illegalen Handelskette in den Ursprungs-, Transit- und Konsumländern entwickelt und umgesetzt. Dabei werden neue Akzente in Bereichen gesetzt, in denen eine besonders hohe Wirkung zu erwarten ist und die als Schwerpunkte unter dem Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) und bei internationalen Konferenzen definiert wurden: Hierzu zählen vor allem die Nachfragereduktion nach Nashornhorn und Elfenbein in asiatischen Zielländern (v. a. Vietnam, China), die Verbesserung des artenschutzrechtlichen Vollzugs und verstärkte Zusammenarbeit von asiatischen und afrikanischen Staaten, sowie die Unterstützung der Entwicklung und Umsetzung konkreter Strategien wie der Nationalen Elfenbein-Aktionspläne.

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Artenschutzspürhunde im Kampf gegen den illegalen Handel

Hunde können eine Millionen Mal besser riechen als der Mensch. Mit ihren rund 220 Millionen Riechzellen können sie organische und andere Substanzen bereits in kleinsten Konzentrationen erschnüffeln. Daher setzt man Spürhunde bereits seit langem im Kampf gegen den illegalen Drogenhandel ein, und nun auch verstärkt zum Aufspüren von illegalen Wildtierprodukten. In Deutschland nutzt zum Beispiel der Zoll Artenschutzspürhunde an einigen internationalen Flughäfen, wie etwa in Frankfurt am Main. Auch in Afrika und Asien werden sie an strategisch wichtigen Standorten zur Bekämpfung des illegalen Handels mit Elfenbein und Nashornhorn eingesetzt. Hierzu zählen zentrale Verkehrsknotenpunkte, wie etwa der Hafen von Mombasa in Kenia oder der Flughafen in Hong Kong.

Auch Malawi, seit einigen Jahren zunehmend ein Transitland für Elfenbein und andere illegale Wildtierprodukte, setzt nun mit Unterstützung aus Deutschland auf den Einsatz von Artenschutzspürhunden. Das BMUB unterstützt die malawische Polizei bei der Ausbildung von Hundestaffeln am internationalen Flughafen Kamuzu in Lilongwe und an strategischen Grenzübergängen mit den Nachbarländern und "Wilderei-Hotspots" Sambia und Tansania. So können Zöllner und Polizisten mitgeführte illegale Wildtierprodukte wie Elfenbein und Nashornhorn leichter in Gepäck, in Fahrzeugen, in Containern oder an Personen aufspüren.

Durch die verbesserten Kontrollen sollen Beschlagnahmungsraten erhöht und der Schmuggel von Wildtierprodukten erschwert werden. Zudem werden malawische Zoll- und Polizeibeamte sowie politische Entscheidungsträger für die Problematik des illegalen Wildtierhandels sensibilisiert. Das Projekt profitiert dabei vom engen Austausch mit anderen Ländern der Region, in denen bereits Spürhunde erfolgreich eingesetzt werden. Dadurch können die Ausbildung und der Einsatz der Spürhunde auf die örtlichen Bedürfnisse und Gegebenheiten ausgerichtet werden.

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Nachfrage nach Elfenbein und Nashornhorn senken

Dreh- und Angelpunkt beim Kampf gegen Wilderei ist die Reduktion der Nachfrage nach Elfenbein und Nashornhorn in Asien. Bei den Hauptkonsumenten in China handelt es sich vorwiegend um Geschäftsleute, die Elfenbein als Statussymbol und Investition betrachten und häufig als Geschäftspräsent nutzen. In Vietnam stehen hingegen hauptsächlich funktionale Aspekte wie die angeblich heilende und stimulierende Wirkung des Nashornhornpulvers im Vordergrund.

Gefördert werden daher eine Reihe von Maßnahmen, die gezielt diese Konsumentengruppen über die dramatischen Auswirkungen des Konsums aufklären und ihr Kaufverhalten nachhaltig verändern. Zielgruppen sind unter anderem chinesische Unternehmer und einflussreiche Meinungsführer, sowie Auslandschinesen in Afrika. Chinesische Firmen werden bei der Entwicklung und Verbreitung von Verhaltenskodizes (sogenannten "Codes of Conduct") und Null-Toleranz-Regeln ("Zero Tolerance") unterstützt, und chinesische Gemeinschaften in Afrika über die Auswirkungen des illegalen Wildtierhandels und die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen in Afrika und China aufgeklärt.

In Vietnam werden zusammen mit der nationalen CITES Behörde Informations- und Trainingsveranstaltungen für Medien und Journalisten organisiert, um die Berichterstattung über den illegalen Handel mit Wildtierprodukten auszuweiten und die Bevölkerung über die Unwirksamkeit von Nashornhornpulver als Krebsheilmittel zu informieren. Dazu konnte auch das vietnamesische Telekommunikationsunternehmen Viettel für den Kampf gegen den illegalen Handel mit Wildtierprodukten gewonnen werden. Als größter vietnamesischer Investor nutzt Viettel seine Präsenz in Tansania und Mosambik, um über die dramatischen Auswirkungen und die rechtlichen Konsequenzen des illegalen Handels zu unterrichten.

Zusätzlich werden über Marktmonitoring Informationen und Daten zu Konsumtrends im Internet erhoben. Seitdem offizielle eCommerce Plattformen in China stärker überwacht werden, hat sich der illegale Handel in soziale Netzwerke verlagert. Daher kooperiert das BMUB mit neuen Partnern und unterstützt beispielsweise die Zusammenarbeit mit Tencent, dem größten chinesischen Internetunternehmen und Betreiber des Chat-Dienstes "WeChat", den über 500 Millionen Menschen nutzen. "WeChat" hat sich im Laufe der letzten Jahre zu einer wichtigen Handelsplattform für illegale Wildtierprodukte entwickelt. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, entsprechende Angebote kontinuierlich zu löschen und seine Plattformen für die Aufklärung im Netz nutzen. Außerdem hilft es den Ermittlungsbehörden bei der Nachverfolgung des illegalen Handels mit Wildtierprodukten in sozialen Netzwerken.

Auch die Europäische Union will dazu beitragen, dass die Nachfrage nach Elfenbein sinkt und der legale Markt nicht dazu genutzt werden kann, den illegalen Handel mit Elfenbein zu verschleiern. Daher hat die EU-Kommission in Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedstaaten einen Leitfaden zum Elfenbeinhandel veröffentlicht, der den EU-Mitgliedstaaten unter anderem empfiehlt, die (Wieder-)-Ausfuhr aus der EU von sogenanntem "Vorkonventions-Rohelfenbein" bis auf Weiteres zu verbieten.

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Schutz von Elefanten und Nashörner im südlichen und östlichen Afrika

Die Elefanten- und Nashornpopulationen im südlichen und östlichen Afrika stehen seit einigen Jahren unter enormen Druck. Oft stehen zwischen ihnen und den Wilderern nur eine Handvoll unzureichend ausgerüsteter Ranger, die Schutzgebiete von der Größe der Schweiz überwachen sollen. Die Verbesserung dieses Schutzes ist für diese bereits vielerorts bedrohten Arten überlebenswichtig. Das BMUB unterstützt daher Schutzgebiete in Afrika bei ihrer Wildereiabwehr, unter anderem durch die Ausbildung spezialisierter und gut ausgestatteter Anti-Wilderei Einheiten und mit neuen Überwachungstechnologien.

In der grenzüberschreitenden Kilimandscharo Region in Kenia und Tansania werden zusammen mit den Parkbehörden Anti-Wilderei Patrouillen ausgebildet und gemeinsame Einsätze geplant. Die erhöhte Präsenz von Rangern und die länderübergreifende Zusammenarbeit erschwert die Wilderei zunehmend und hat zu einer Reihe von Festnahmen geführt. So wurde in der Projektregion am Kilimandscharo seit Beginn des Projekts kein Elefant wegen seines Elfenbeins gewildert.

In Südafrika sollen die Nashörner des Somkhanda Wildreservats in der Provinz KwaZulu Natal besser vor professionellen Wilderern, die häufig aus dem benachbarten Mosambik kommen, geschützt werden. Das Reservat und die lokale Bevölkerung leben vom Tourismus, und die Nashörner sind die Hauptattraktion des Schutzgebiets. Um den Bestand der Nashörner und ihre Bewegungen besser zu verfolgen, werden die Tiere mit einem Positionsbestimmungssystem (GPS) besendert. Zusätzlich sollen Überwachungsflüge in den Reservaten die Wilderer sowohl abschrecken als auch im Notfall direkt verfolgen können. Die südafrikanische Regierung bezeichnete diese neue Möglichkeit der Überwachung als einen signifikanten Beitrag im Kampf gegen Wilderei. Da es sich um ein grenznahes Schutzgebiet handelt, ist ein länderübergreifender Informationsaustausch zwischen Südafrika und Mosambik ein weiterer zentraler Erfolgsfaktor für einen erfolgreichen Nashornschutz.

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Schutz der Waldelefanten in Zentralafrika

Waldelefanten in Zentralafrika stehen besonders im Fadenkreuz der Wilderer. Über 65 Prozent der Population sind in den vergangenen zehn Jahren der Wilderei zum Opfer gefallen. Der dichte Dschungel und bewaffnete Konflikte in der Region erschweren ihren Schutz.

Das Bundesumweltministerium fördert daher den Schutz der Tiere in zwei der wichtigsten noch verbleibenden Verbreitungsgebiete in Zentralafrika: im Trinationalen Dja Odzala Minkebe (TRIDOM) Schutzgebiet, an der Grenze zwischen Kamerun, Republik Kongo und Gabun, sowie dem Trinationalen Park de la Sangha (TNS), einem Zusammenschluss dreier Nationalparks in der Grenzregion zwischen Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und der Republik Kongo.

Der Fokus liegt auf der Ausbildung und Professionalisierung der Ranger, die ihr Leben häufig unter kriegsähnlichen Zuständen für den Schutz der Tiere riskieren. Die Wildhüter werden in der Nutzung des Informationssystems SMART geschult, mit dem sich Patrouillendaten einfach und ohne großen Aufwand sammeln, auswerten und anwenden lassen. Mit Hilfe eines Smartphones und globaler Positionsbestimmungssysteme (GPS) können die Ranger auf ihren Patrouillen zum Beispiel systematisch festhalten, wo sie welche Spuren von Tieren und Wilderern gesehen haben. Mit der neuen Technologie kann die Schutzgebietsverwaltung neue Strategien in der Wildereiabwehr entwickeln und die von Wilderei besonders betroffenen Zonen kontinuierlich überwachen. Dieser informationsgeleitete Ansatz erlaubt es, die Rechtsdurchsetzung auf die identifizierten Wilderei-Brennpunkte zu fokussieren.

Um die Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung zu verbessern wird darüber hinaus ein Fonds für Ranger eingerichtet, der die Familien verletzter oder getöteter Wildhüter unterstützt. In den letzten zehn Jahren sind etwa 1000 Ranger in Afrika in der Ausübung ihrer Tätigkeit umgekommen, wobei ein großer Teil von Wilderern getötet wurde. Mit dem Rangerfonds wird sicherstellt, dass die Hinterbliebenen finanziell unterstützt werden und beispielsweise Kinder der getöteten Ranger auf eine weiterführende Schule gehen können.

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Zuletzt geändert: 13.07.2017