Kurzinfo Artenschutz

Was bedeutet Artenschutz?

In den letzten zwei Jahrzehnten lag die Bandbreite der geschätzten Zahl aller Tier- und Pflanzenarten zwischen 3,6 Millionen bis hin zu 112 Millionen geschätzten Arten weltweit.

Davon beschrieben sind "nur" etwas mehr als schätzungsweise zwei Millionen Arten. Genaue Werte dazu gibt es derzeit nicht, unter anderem weil manche Arten mehrfach beschrieben sind und wiederum andere mit einem einheitlichen Namen belegt wurden, obwohl es sich eigentlich um verschiedene Arten handelt.

Die Gesamtartenzahl geht mit der rapide steigenden menschlichen Bevölkerung dramatisch zurück: Jährlich sterben weltweit etwa tausendmal mehr Arten aus als es unter natürlichen Umständen der Fall wäre. Von den einheimischen Tierarten in Deutschland sind 35 Prozent, von den Pflanzenarten 26 Prozent bestandsgefährdet. Rund 34.000 Arten sind damit derzeit vom Aussterben bedroht. Artenschutz bedeutet, die Vielfalt an Pflanzen und Tieren zu bewahren und den Artenschwund zu stoppen. Aber nicht nur Pflanzen und Tiere, sondern auch ihre Lebensräume müssen geschützt werden. Dies alles erfordert konkrete Maßnahmen: internationale, nationale, regionale und lokale - vor allem aber auch "Artenschutz-gerechtes" Verhalten jedes Einzelnen.

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Aufgaben

Der Schutz vieler wild lebender Tier- und Pflanzenarten ist unbedingt notwendig, da viele Arten vor allem durch menschliche Aktivitäten – häufig in Folge mit der Wahrnehmung wirtschaftlicher Interessen – bedroht sind. So sind Produkte vieler wild lebender Arten weit verbreitet: Sie sind unter anderem in Lebensmitteln, in exotischen Lederwaren, in Musikinstrumenten und in Medizinprodukten zu finden. Auch die Fischereiwirtschaft in Nord- und Ostsee bedroht Arten wie beispielsweise den Schweinswal (Phocoena phocoena), da dieser häufig als Beifang in den Netzen verendet. Landwirtschaftliche Bewirtschaftung sollte ebenfalls in Einklang mit Arten-schutz gebracht werden. So hat nicht nur der Einsatz von Insektiziden direkten negativen Einfluss auf den Bestand verschiedener Arten, sondern auch das Mulchen oder Mähen von Feldrainen. Gerade Feldraine sind jedoch Rückzugsräume von Bodenbrütern und vielen Nagern. Den Zielen des Artenschutzes widerspricht eine naturverträgliche, nachhaltige Nutzung von Tier- und Pflanzenarten nicht. Es gilt die Nachhaltigkeit des Naturhaushalts zu sichern und den Artenschutz und wirtschaftliche Interessen in Einklang zu bringen. Das Bundesnaturschutzgesetz beinhaltet die zentralen Vorschriften für den Artenschutz in seinem fünften Kapitel. Besonders treffend fasst das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) die Aufgaben des Artenschutzes in § 37 Abs. 1 zusammen: Die Vorschriften […] dienen dem Schutz der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten. Der Artenschutz umfasst den Schutz der Tiere und Pflanzen wild lebender Arten und ihrer Lebensgemeinschaften vor Beeinträchtigungen durch den Menschen und die Gewährleistung ihrer sonstigen Lebensbedingungen, den Schutz der Lebensstätten und Biotope der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten sowie die Wiederansiedlung von Tieren und Pflanzen verdrängter wild lebender Arten in geeigneten Biotopen innerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets.

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Ziele

Bis zum Jahr 2010 sollte der Verlust der biologischen Vielfalt auf globaler, regionaler und nationaler Ebene entscheidend verringert werden. Dieses sogenannte 2010-Biodiversitätsziel beschlossen im Jahr 2002 Staats- und Regierungschefs auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Johannesburg. Ein Bericht der Vereinten Nationen vom Mai 2010, der "3. Global Biodiversity Outlook", kommt zum Ergebnis, dass dieses Ziel bisher nicht erreicht wurde: Die biologische Vielfalt geht nach wie vor in dramatischem Ausmaß zurück. Ziel muss nach Auffassung der Bundesregierung bleiben, diesen Trend zumindest zu verlangsamen oder sogar eine Trendwende herbeizuführen.

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Internationale Strategien

Für den Erhalt der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten wurden in der Vergangenheit bereits zahlreiche Bemühungen unternommen. Gesetzliche Regelungen zum Artenschutz gibt es auf allen Ebenen der Rechtsetzung. Zunächst sind eine Reihe von internationalen Artenschutzabkommen und die Gesetzgebung der Europäischen Union beziehungsweise Gemeinschaft zu nennen. Zu den bekanntesten und bedeutendsten Artenschutzübereinkommen zählen das Washingtoner Artenschutzübereinkommen und die Bonner Konvention zum Schutz wandernder, wildlebender Tierarten mit ihren Unterabkommen. Im EG-Recht sind die Vogelschutzrichtlinie, die FFH-Richtlinie und die EU-Artenschutzverordnung (PDF extern, 288 KB) zu nennen.

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Artenschutz in Deutschland

Der deutsche Artenschutz ist abgestuft. Während der allgemeine Artenschutz die schwächste Form des Schutzes darstellt, dafür aber alle Arten betrifft, sind besonders geschützte und streng geschützte Arten in einem abschließenden Katalog aufgezählt. In diesem Katalog sind Arten aufgenommen, die gefährdet oder sogar besonders stark gefährdet sind. Der Großteil der Einstufungen ergibt sich aus internationalen Abkommen. Diese Arten erfahren teilweise einen noch weitergehenden Schutz durch das BNatSchG.

Der Artenschutz in Deutschland wird mit verschiedenen Instrumenten umgesetzt: Zum einen ist das deutsche Artenschutzrecht durch Verbote geprägt, die bei Zuwiderhandlung Ordnungswidrigkeiten oder sogar Straftaten darstellen. Von den Verboten kann jedoch im Einzelfall eine Ausnahme erteilt werden. So ist es beispielsweise im Bereich des allgemeinen Artenschutzes verboten, wild lebende Tiere zu beunruhigen, zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Deren Lebensstätte ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören ist ebenfalls untersagt. Auch eine Entnahme von wild lebenden Pflanzen ist verboten.

Des Weiteren setzt der Artenschutz für die Errichtung und das Betreiben von Zoos oder Tiergehegen besondere Anforderungen. Auch für die Einfuhr und Ausfuhr bestimmter Arten sind Genehmigungen erforderlich. Ergänzt wird der Artenschutz durch die Einschränkungen, die für nichtheimische, ge-bietsfremde und invasive Arten (Arten, die außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets für die dortigen Arten ein erhebliches Gefährdungspotenzial darstellen) gelten. Die Vorschriften dienen insbesondere dem Schutz heimischer Arten, Ökosystemen und Biotopen. Die Ausbreitung invasiver Arten ist deshalb durch geeignete Maßnahmen seitens der zuständigen Behörde zu verhindern. Dabei beobachtet die zuständige Behörde einzelne Arten um festzustellen, ob eine Art invasiv ist oder nicht. Für das Ausbringen von gebietsfremden Arten in die freie Natur kann in Einzelfällen eine Ausnahmegenehmigung erteilt werden. Für einzelne Fallgruppen (z. B. der Anbau von Pflanzen in der Land- und Forstwirtschaft) ist eine Ausnahmegenehmigung jedoch entbehrlich.

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Besonderer Artenschutz

Im Bereich des besonderen Artenschutzes gehen die Verbote weiter. Sie werden gegenüber dem allgemeinen Artenschutz unter anderem noch um das Besitzverbot und das Vermarktungsverbot, das auch das zur Schau stellen dieser Tiere umfasst, ergänzt. Die Vermarktungsverbote werden darüber hinaus durch die EG-Verordnung über den Schutz von Exemplaren wildlebender Tier- und Pflanzenarten durch Überwachung des Handels festgelegt; sie haben Vorrang vor den bundesrechtlichen Bestimmungen. Auch der Besitz oder die Vermarktung der Tiere ist bereits verboten. Im Bereich der streng geschützten Arten genügt außerdem bereits eine erhebliche Störung bei der Fortpflanzung oder der Überwinterungszeit. Während Verstöße im Bereich des allgemeinen Artenschutzes zumeist Ordnungswidrigkeiten darstellen, sind Verstöße gegen den Schutz besonders geschützter oder streng geschützter Arten häufig bereits als Straftaten einzustufen, die Geldstrafen oder Freiheitsstrafen nach sich ziehen können.

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Zuletzt geändert: 23.03.2015