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Tier- und artenschutzgerechte Haltung von Wildtieren in Zoos

Viele Generationen von Zoobesuchern hatten sich lange Zeit keine Gedanken darüber gemacht, ob die Tiere, die Ziel ihres Besuches waren, auch tier- und artenschutzgerecht gehalten werden. Erst als im einsetzenden Zeitalter der Medien Ende der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts insbesondere Missstände aus Zoos im Mittelmeergebiet einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden, formierte sich allmählich eine Tierschutzbewegung, die sich für eine Verbesserung der Haltung von Wildtieren in Zoos einsetzt.

Als Reaktion darauf wurde eine Richtlinie erarbeitet, die einen Mindestrahmen an Anforderungen an die Haltung von Wildtieren in Zoos festlegt (RICHTLINIE 1999/22/EG DES RATES vom 29. März 1999 über die Haltung von Wildtieren in Zoos), die in der Kurzbezeichnung Zoorichtlinie genannt wird. Darin wird auch die Rolle der Zoos bei der Bewahrung der biologischen Vielfalt beschrieben. Die Richtlinie wird durch § 42 BNatschG bundesunmittelbar umgesetzt. Darin wird u. a. entsprechend der Richtlinie vorgegeben, wie die Tiere entsprechend ihren biologischen und Erhaltungsbedürfnissen art- und tiergerecht zu halten sind und welche Aufgaben Zoos (u. a. Bildungsauftrag für die Bevölkerung, Forschung, Nachzucht für die Erhaltung bedrohter Arten) erfüllen sollen. Die Pflege der Tiere soll auf der Grundlage eines dem Stand der guten veterinärmedizinischen Praxis entsprechenden schriftlichen Programms zur tiermedizinischen Vorbeugung und Behandlung sowie zur Ernährung erfolgen. Zu den Aufgaben, die Zoos in einer modernen Gesellschaft zu leisten haben, zählt insbesondere ihr Bildungsauftrag an die Bevölkerung. Vor dem Hintergrund des fortgeschrittenen Artenrückgangs auf allen Kontinenten können Zoos mit geeigneten Informationsständen bei den jeweils gezeigten Tierarten auf die Problematik des Arten- und Lebensraumschutzes in ihren Herkunftsgebieten aufmerksam machen und Empathie bei den Zoobesuchern wecken.

Auch wenn sich, bedingt durch die gesetzlichen Vorgaben, die Situation der Wildtiere in Zoos seit der Gründung der modernen Zoos positiv entwickelt hat, so wird dennoch in Deutschland und anderswo immer öfter die Frage bis in den parlamentarischen Raum hinein gestellt, ob es bei bestimmten Tierarten aufgrund ihrer speziellen Lebensweise und Raumansprüche wie beispielsweise bei Tigern, Delfinen oder Elefanten überhaupt möglich ist, diese artgerecht in Gefangenheit halten zu können.

Das sogenannte Säugetiergutachten (Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren), das für die Haltungsanforderungen für Tiere in Zoos Empfehlungen enthält und deswegen in der Praxis eine wichtige Rolle spielt, wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter Beteiligung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit überarbeitet und wird auch für die genannten Artengruppen Vorschläge zu Haltungsfragen künftig weiterentwickeln. Dieses Gutachten wurde am 7. Mai 2014 veröffentlicht.

Tiergehege

Der Bundesgesetzgeber hat es aus Artenschutzgründen auch für notwendig gehalten, Tiergehege, die nicht die Anforderungen eines Zoos erfüllen, einer Anzeigepflicht zu unterwerfen.

Dies sind insbesondere Anforderungen an die Haltung der Tiere entsprechend ihren jeweiligen biologischen und Erhaltungsbedürfnissen, an die Pflege der Tiere sowie an die Beachtung der Vorschriften des Tier- und Artenschutzes. Die Länder sind befugt, bestimmte Gehege von der Anzeigepflicht auszunehmen. Von dieser Möglichkeit haben die Länder in unterschiedlicher Weise Gebrauch gemacht.

Zuletzt geändert: 07.05.2014