Nationaler Artenschutz

Förderung regionaler Gehölze und Saatgut

Die Biologie kennt keine statischen Zustände. Evolutionäre Prozesse der Anpassung an den Lebensraum und sich ändernde Umweltbedingungen wirken unentwegt. Die Folge sind lokale Populationen der uns bekannten Arten, die hervorragender Weise an die regionalen Gegebenheiten angepasst sind und besser auf wandelnde Umweltbedingungen reagieren können, wie dies im Rahmen des Klimawandel erwartet wird.

Diese innerartliche Vielfalt zu erhalten, ist daher von Bedeutung für den Naturschutz. Entsprechend wurde dieses Ziel auch völkerrechtlich festgelegt. Die 193 Vertragsstaaten der Konvention der Biologischen Vielfalt (CBD) haben sich dem Erhalt der Biodiversität einschließlich der innerartlichen genetischen Vielfalt (Art. 2 Abschnitt 1, Art. 1, Art. 8) verpflichtet.

Durch die Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG) im Jahr 2009 wurde die Rechtgrundlage in diesem Bereich verbessert. Nach dem § 40 Abs. 4 BNatSchG sollen in der freien Natur nun vorzugsweise gebietseigene Herkünfte, also Pflanzen oder Saaten, die ihren genetischen Ursprung in der jeweiligen Region haben, bevorzugt verwendet werden. Ferner ist ab dem 1. März 2020 das Ausbringen von nicht-gebietseigenem Material nur noch mit Genehmigung möglich. Durch diese Regelung soll einer weiteren Verfälschung effektiv entgegengewirkt sowie Produktion und Verwendung gebietseigener Gehölzen und Saaten gefördert werden.

Im Sinne einer bundesweit einheitlichen Umsetzung der Regelungen, galt es vor allem die Vorkommensgebiete einheitlich festzulegen und Fragen der genauen Abgrenzung und Definition des Geltungsbereichs der freien Natur zu klären. Im Rahmen der "Arbeitsgruppe gebietseigene Gehölze" konnten die zuständigen Bundes- und Landesministerien (Umwelt, Landwirtschaft, Verkehr), Baumschul- und Naturschutzverbände und Vertreter der Wissenschaft sich auf entsprechende Empfehlungen einigen. Diese Ergebnisse wurden im Leitfaden zur Verwendung gebietseigener Gehölze des Bundesumweltministeriums (PDF extern, 1,3 MB) veröffentlicht. Dieses Konzept wurde wesentlich für die Verwendung und Produktion von Gehölzen entwickelt. Viele Prinzipien entsprechen auch denen der Verwendung von gebietseigenem, beziehungsweise Regiosaatgut.

Das Angebot an gebietseigenen Gehölzen und Saatgut wächst stetig an und kann dennoch kaum die steigende Nachfrage decken. Eine Reihe von Zertifizierungssystemen ist derzeit am Markt, um die geforderte Herkunft zu garantieren. Um diese sehr positive Entwicklung zu unterstützen, sollten bundesweit weitere geeignete Saatgut-Erntebestände und Sammelgebiete ausgewiesen werden.

Zuletzt geändert: 15.09.2014