Vogelschutz

Vogeljagd im Mittelmeerraum

Gefährdung des Vogelzugs

Eine besondere Gefährdung des Vogelzugs stellt die meist illegale Bejagung im Mittelmeerraum dar: 

  • In Frankreich und Zypern werden immer noch Vögel mit Leimruten gefangen – in Frankreich sogar mit Steinquetschfallen.
  • In Zypern, Ägypten, und kaum noch in Italien ist der Netzfang von Singvögeln ein Problem.
  • In Malta wird während der Zugzeiten illegal auf alles geschossen, was am Himmel fliegt. 

Vor diesem Hintergrund gibt es – von Deutschland unterstützte – Aktivitäten der Berner Konvention und der europäischen Kommission gegen diese Aktivitäten vorzugehen.

Einigkeit und gute Zusammenarbeit gab es zwischen Jagd- und Naturschutzvertretern auf der "Europäischen Konferenz über illegale Tötung, Fang und Handel von Wild-Vögeln", die in Larnaca (Zypern) vom 6. bis zum 8. Juli 2011 stattfand und auf der Folgekonferenz vom 29. bis zum 30. Mai 2013 in Tunis (Tunesien). Hier ging es um Fragen absichtlicher Tötungen von ziehenden Vögeln. Im Vordergrund stand die Wilderei von Vogelarten – darunter vor allem unselektive und aus Tierschutzsicht grausame und qualvolle Jagdmethoden wie der Fang mit Leimruten. Eingeladen hatte das Sekretariat der Berner Konvention zur Erhaltung der europäischen wildlebenden Pflanzen und Tiere und ihrer Lebensstätten, das unter dem Dach des Europarates (Straßburg) tätig ist. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Europäischen Kommission (Brüssel). Die Bonner Konvention (UNEP-CMS) war ebenfalls an der Folgekonferenz in Tunis beteiligt und hatte in deren Vorfeld einen Workshop zur Vergiftung von Vögeln vom 27. bis zum 28. Mai dort durchgeführt.

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Hintergrund: Berner Konvention und Europäische Vogelschutzrichtlinie

Die Idee für diese Veranstaltungen entstand bei der Sitzung des Ständigen Ausschusses der Berner Konvention Ende 2009 in Straßburg. Ein maltesischer Vertreter der Vogelschutzorganisation "Bird Life Europe" hatte dort einen Vortrag über die im Mittelmeerraum noch schwierige Lage des europäischen Vogelschutzes gehalten. Deutlich wurde, dass besonders in Malta und Zypern auch weiterhin zahlreiche Zugvögel illegal getötet werden.

Auch die Europäische Kommission in Brüssel war von Anfang mit Blick auf die Einhaltung der EU-Vogelschutzrichtlinie (vormals 79/409/EG – jetzt 2009/147/EG) interessiert. Diese verbietet die Bejagung von Zugvögeln während der Brut- und Aufzuchtszeiten, sowie während des Rückzugs zu den Nistplätzen. Nicht selektive oder grausame Jagdmethoden, die in Anhang IV aufgelistet sind, dürfen nicht zur Anwendung kommen.

Im Vorfeld der Larnaca-Konferenz hatte Bird Life Europe einen Bericht zur Lage des Vogelschutzes in Europa ausgearbeitet und vorgelegt ("Review of the illegal killing and trapping of birds in Europe").

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Die kritische Situation in Ägypten

Begünstigt durch die instabile Lage verbunden mit kurzfristigen Regierungswechseln in Ägypten, hat sich dort die Vogelfang-Problematik besonders zugespitzt: Im ägyptischen Mittelmeerraum sind entlang der Küsten drei bis fünf Meter hohe und für ziehende Vögel weitgehend nicht sichtbare, feinmaschige Netze aufgespannt – kilometerlang.

Ein quasi durchgängiges Netz auf einer Strecke von mindestens 700 Kilometern lässt Millionen von Zugvögeln keine Chance auf ein Durchkommen. Mit dabei sind zahllose Arten, die gefährdet sind und in Europa mit großem Aufwand geschützt werden. Die Wilderer schrecken –nach Augenzeugenberichten - auch vor brutalen Methoden nicht zurück, reißen Flug- und Schwanzfedern aus oder brechen den Vögeln Flügel und Beine, um sie daran zu hindern, wegzufliegen.

Hauptziel ist die Jagd von Wachteln, aber zahlreiche andere Arten werden mitgefangen und getötet.

Die genaue Zahl der Vogel-Opfer lässt sich derzeit nicht genau ermitteln – erste Schätzungen gehen von bis zu 140 Millionen gefangener und getöteter Vögel allein in Ägypten aus.

In einer Unterschriftenkampagne hat der NABU (Naturschutzbund Deutschland) daher bis Anfang Dezember 2013 etwa 100.000 Unterschriften gegen den "Vogel-Mord" in Ägypten gesammelt, um diese dem ägyptischen Botschafter zu überreichen.

Trotz der Tatsache, dass Ägypten bedeutende internationale Abkommen zum Natur- und Vogelschutz unterzeichnet hat, gestaltet sich die Umsetzung besonders wegen der in jüngster Zeit und auch gegenwärtig noch schwierigen Lage in Ägypten als problematisch.

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Die Ergebnisse des Workshops in Bonn

Am 29. November 2013 fand in Zusammenarbeit mit AEWA, dem auch Ägypten angehört, und mit finanzieller Unterstützung des Bundesumweltministeriums ein Workshop am UN-Sitz Bonn statt. Teilgenommen haben neben Vertretern Ägyptens, Libyens und europäischer Staaten auch Nicht-Regierungsorganisationen (NGO) sowie das Sekretariat der Bonner Konvention zum Schutz wandernder, wildlebender Tierarten (UNEP-CMS).

In einer von allen Beteiligten engagiert um Problemlösung bemühten Arbeitsatmosphäre gelang es dort, einen Aktionsplan als Strategie gegen den massenhaften und unselektiven Vogelfang in Ägypten zu entwickeln, auch für Libyen, wo in geringerem Umfang ähnliche Probleme auftreten.

In diesem Rahmen soll weiterhin eine nachhaltige Nutzung nicht bestandsgefährdeter Arten möglich sein, zugleich soll aber ein wirksamer Schutz durch selektivere Methoden und durch jahreszeitliche Beschränkung der Bejagung bzw. des Netzfangs erreicht werden. Hierzu wurden im Aktionsplan folgende Hauptziele formuliert: 

  1. Das Wissen über den Umfang, die sozio-ökonomischen Hintergründe und die Rechtsfragen des Vogelfangs sollen vertieft werden;
  2. Wirksame gesetzliche Regelungen und ihr Vollzug sind zu sichern und umzusetzen;
  3. Die Wissensbildung von Regierungen, NGO und lokalen Gemeinschaften gilt es zu fördern, um das Problem des Vogelfangs besser angehen zu können.
  4. Das Problembewusstsein soll national und international auf dieses Thema gelenkt werden und das Verhalten der Verursacher und der Öffentlichkeit gewandelt werden;
  5. Auf der Basis einer sozioökonomischen Studie soll geprüft werden, wie ggf. Einheimischen alternative Einnahmemöglichkeiten statt des Vogelfangs geboten werden können. 

Diese fünf Einzelziele wurden durch konkrete Maßnahmen unterlegt und priorisiert.

In einem Jahr soll ein Folgetreffen stattfinden, um den Stand der Umsetzung zu bewerten und ggf. weitere Maßnahmen zur Vollzugsförderung zu treffen.

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Zuletzt geändert: 15.09.2014