Nationales Naturerbe

Was ist das Nationale Naturerbe

Das Nationale Naturerbe ist eine herausragende Initiative des Bundes. Rund 156.000 Hektar wertvoller Naturflächen im Eigentum des Bundes wurden nicht privatisiert, sondern in die Hände des Naturschutzes gegeben. Hierzu zählen ehemals militärisch genutzte Gebiete, Flächen entlang der innerdeutschen Grenze ("Grünes Band"), Treuhandflächen aus dem DDR-Volksvermögen und stillgelegte DDR-Braunkohletagebaue. Viele Gebiete haben sich über Jahrzehnte hinweg trotz ihrer in Teilen sehr intensiven Nutzung zu einzigartigen Naturräumen entwickelt – als Refugien für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.

Kurzfilm & Broschüre

Die Naturerbe-Gebiete im Video

Peenetal

Diese Flusslandschaft mit Feuchtwiesen und Mooren entwickelte sich nach der letzten Eiszeit. Als einer der letzten naturnahen Flüsse ist die Peene heute unter anderem Rückzugsraum für Fischotter und Biber.


Die Moorlandschaft im Flusstal der Peene ist mit circa 45 Quadratkilometern (km²) eines der größten noch zusammenhängenden Durchströmungsmoore Mittel- und Westeuropas. Vielfältige Moore, Wälder, nährstoffarme Feuchtwiesen und Magerrasen sind Lebensraum vieler seltener Pflanzenarten. Hier fühlen sich Amphibien, Reptilien und Insekten wohl, darunter eine große Fülle an Schmetterlingen. Die Naturerbe-Flächen umfassen einen Teil der dortigen Naturschutzgebiete "Peenetal von Salem bis Jarmen" sowie „Peenetal von Jarmen bis Anklam“ und des Fauna-Flora-Habitat-Gebietes "Peenetal mit Zuflüssen, Kleingewässerlandschaft am Kummerower See".

Fläche
860 Hektar

Bundesland
Mecklenburg-Vorpommern

Kreisfreie Stadt / Landkreis
Mecklenburgische Seenplatte; Vorpommern-Greifswald

Grünes Band

Dort, wo der "Todesstreifen" Deutschland teilte, ist ein vielfältiger Lebensraum entstanden: Heute verbindet hier ein einzigartiges grünes Band mit seinen Busch- und Waldparadiesen, Wiesen und Heiden neun Bundesländer – ein Zuhause für viele seltenen Tiere und Pflanzen. mehr

Drover Heide

Wo bis 2004 noch ein Truppenübungsplatz war, befindet sich heute eine der letzten größeren Heidelandschaften. Im August und September präsentiert sich die Landschaft im violetten Blütenkleid.


Die Drover Heide wurde bis 2004 als Truppenübungsplatz genutzt und liegt im Übergangsbereich der Eifel zur weithin ackerbaulich genutzten Bördelandschaft der Kölner Bucht. Zwergstrauchheiden, Borstgrasrasen und Magergrünland bilden das Zentrum der Fläche und sind Lebensraum zahlreicher seltener Tier- und Pflanzenarten. Auf den zahlreichen ehemaligen Panzerpisten, die das Gelände durchziehen, sind mehr als 700 Kleingewässer mit wechselnder Wasserführung entstanden, in denen zum Beispiel Fadenenziane, Urzeitkrebse, Springfrösche und Kammmolche einen Lebensraum haben. Im Winter ist die Naturerbe-Fläche wichtiger Ruhe- und Nahrungsraum für zum Beispiel Kornweihe, Sumpfohreule und Raubwürger. Die stark mit Kampfmitteln belastete Drover Heide kann nur auf den geräumten und freigegebenen Wegen betreten werden. Die Lenkung der Freizeitnutzung dient auch dem Schutz bodenbewohnender Vogelarten und anderer störungsempfindlicher Arten.

Fläche
632 Hektar

Bundesland
Nordrhein-Westfalen

Kreisfreie Stadt / Landkreis
Düren

Westliche Hainleite

Großflächige naturnahe Buchenwälder wie hier sind heute nur noch selten zu finden. Sie sind Lebensraum vieler gefährdeter Tierarten wie Wildkatze, Baummarder und Mittelspecht.


Das Gebiet umfasst großflächige Buchenwälder, die der natürlichen Entwicklung überlassen sind. Sie sind Heimat einer Reihe seltener Tierarten, wie zum Beispiel der Wildkatze. In das Gebiet eingestreut sind Kalkfelsen, Kalkschutthalden und kleinere Wiesen mit bemerkenswerten Orchideenbeständen und einer artenreichen Schmetterlingsfauna.

Fläche
1188 Hektar

Bundesland
Thüringen

Kreisfreie Stadt / Landkreis
Nordhausen und Kyffhäuserkreis

Petersberg

Am östlichen Rheinufer erstreckt sich am Hang des Petersbergs ein mehr als 100 Jahre alter Buchenwald. Jedes Jahr taucht ihn der Herbst in ein buntes Farbenspiel.


Die Naturerbe-Fläche umfasst den bewaldeten Mittel- und Oberhang des Petersberges bei Bonn. Sie umgibt das weithin bekannte Hotelgelände, das in der Nachkriegszeit als Sitz der Alliierten Hohen Kommission diente und seit Mitte der fünfziger Jahre als Bundesgästehaus genutzt wird. Die Wälder bestehen überwiegend aus über hundertjährigen Buchen, die nun einer natürlichen Entwicklung überlassen werden. Die Naturerbe-Fläche ist Bestandteil des Fauna-Flora-Habitat-Gebietes "Siebengebirge" und des gleichnamigen Naturschutzgebietes.

Fläche
93 Hektar

Bundesland
Nordrhein-Westfalen

Kreisfreie Stadt / Landkreis
Rhein-Sieg-Kreis

Vorpommersche Boddenlandschaft

Die flachen Küstengewässer, die Wattflächen und Sandbänke wandeln sich ständig mit Tide, Wind und Strömung. Sie sind wichtiges Rast- und Nahrungsgebiet für tausende Zugvögel, die jedes Jahr wiederkehren.


Das Naturerbe umfasst Teilflächen der Ostseeküste mit Dünen, Windwatt- und Anlandungsflächen, die aufgrund der natürlichen Küstendynamik einem stetigen Wandel in Aufbau und Form unterliegen. Die Naturerbe-Flächen liegen im Nationalpark "Vorpommersche Boddenlandschaft", der sich in einem der bedeutendsten Zugkorridore für den Vogelzug nach Skandinavien und ins Baltikum befindet. Besonders die zeitweise trockenfallenden Wattflächen, Sandbänke und Spülsäume sind wichtige Rast- und Nahrungsgebiete für Zugvögel.

Fläche
circa 3185 Hektar

Bundesland
Mecklenburg-Vorpommern

Kreisfreie Stadt / Landkreis
Vorpommern-Rügen

Gülper See

Hier im größten zusammenhängenden Binnen-Feuchtgebiet Mitteleuropas leben seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten. Jedes Jahr nutzen zehntausende Gänse, Kraniche, Enten und Watvögel das Gebiet zur Rast auf ihren Vogelzügen.


Das Naturschutzgebiet "Gülper See" ist eines der ältesten Schutzgebiete Deutschlands. Es liegt im größten zusammenhängenden Binnenfeuchtgebiet Mitteleuropas, der Unteren Havelniederung, und ist europaweit für seine außerordentliche Bedeutung als Rast-, Nahrungs- und Brutgebiet für verschiedenste Wasser- und Watvögel bekannt. Besonders eindrucksvoll ist das Naturerbe-Gebiet in den Herbstmonaten, wenn sich dort tausende Kraniche und Gänse sammeln. Der See ist zudem ein bedeutsamer Lebensraum für gefährdete Fischarten.

Fläche
663 Hektar

Bundesland
Brandenburg

Kreisfreie Stadt / Landkreis
Havelland

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Flächen des Nationalen Naturerbes

Auf der klickbaren Infografik finden Sie Informationen zu den einzelnen Flächen des Nationalen Naturerbes.

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Tag des Nationalen Naturerbes

Auf der klickbaren Infografik finden Sie Informationen zu den bundesweiten Angeboten am Tag des Nationalen Naturerbes vom 9. bis 11. Juni 2017.

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Fragen und Antworten

Wo liegen die Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind im gesamten Bundesgebiet verteilt. Sie reichen von der wilden Küstenlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und der Dünenlandschaft der Insel Sylt über ausgedehnte Wälder und Moore, weite Heidelandschaften und vielgestaltige Auenwälder bis hin zu strukturreichen Kulturlandschaften aus Streuobstwiesen und Magerrasen in den deutschen Mittelgebirgen. Besonders viele Flächen des Nationalen Naturerbes liegen in den neuen Ländern. Aber auch in unmittelbarer Nachbarschaft von Großstädten wie Berlin, Köln, Hamburg, Nürnberg und München gibt es Flächen des Nationalen Naturerbes.

Was ist das Besondere an den Naturerbe-Flächen?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes wurden bis zur Wiedervereinigung – in Teilen sogar noch bis vor einigen Jahren – unterschiedlich genutzt. Als Manövergelände des Militärs, zur Gewinnung von Braunkohle oder als Wald, Acker und Grünlandflächen. Trotz der in Teilen sehr intensiven Nutzung entstanden hier wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Denn dort, wo das Militär übte, wurde beispielsweise weder gedüngt, noch wurden Pestizide verwendet. Ähnlich wie die ehemaligen Braunkohletagebaue haben viele Militärflächen enorme Ausdehnungen, es gibt hier weder Siedlungen noch werden die Gebiete von Straßen durchschnitten.

Damit bieten die Flächen des Nationalen Naturerbes optimale Bedingungen, dass sich die Natur auf großen Flächen ohne das Zutun des Menschen nach eigenen Gesetzmäßigkeiten entwickeln kann. Vor allem auf ehemaligen Militärflächen haben sich außerdem "historische" Offenlandschaften erhalten – wie beispielsweise artenreiche Sandmagerrasen und Heiden. Wie ein Zeitfenster erlauben sie einen Blick in die Landschaft vergangener Jahrhunderte. Diese gilt es, als Orte hoher Arten- und Lebensraumvielfalt, aber auch besonderer landschaftlicher Schönheit und Eigenart zu erhalten.

Wie ist die Initiative des Nationalen Naturerbes entstanden?

Viele wertvolle Naturschutzflächen in Deutschland befanden und befinden sich im Bundeseigentum. Dies ist unter anderem eine Folge der deutschen Wiedervereinigung. Der Bundesrepublik als Rechtsnachfolgerin der DDR fiel gleichsam über Nacht ein umfangreiches Flächeneigentum zu – nicht mehr genutzte Militärliegenschaften, Flächen an der ehemaligen innerdeutschen Grenze und aus dem DDR-Volksvermögen sowie ehemalige Braunkohletagbaue. Aber auch im Westteil Deutschlands wurden viele Manövergelände des Militärs nicht mehr benötigt.

Die Bundesregierung hat aufgrund gesetzlicher Vorschriften alle Flächen zu privatisieren, die nicht mehr für Bundesaufgaben benötigt werden. Infolgedessen wurden in den 1990er Jahren viele wertvolle Naturschutzflächen verkauft. Naturschutzorganisationen wandten sich gegen die Privatisierung und belegten mit wissenschaftlichen Studien den Wert der Flächen. 2005 wurde die Sicherung naturschutzfachlich wertvoller Bundesflächen unter dem Begriff "Nationales Naturerbe" erstmals in die Koalitionsvereinbarung der regierenden Parteien aufgenommen und in den nachfolgenden zwei Legislaturperioden fortgesetzt. Mit dem Nationalen Naturerbe bekennt sich der Bund zu seiner Mitverantwortung und Vorbildfunktion in Fragen des Naturschutzes.

Wie wurden die Flächen ausgewählt?

Dem Bund gehören weit mehr Flächen als die insgesamt 156.000 Hektar, die inzwischen als Nationales Naturerbe dem Naturschutz gewidmet sind. Daher war es wichtig, eine sinnvolle Auswahl zu treffen, um die aus Naturschutzsicht wertvollsten Bundesflächen langfristig zu schützen. Zu diesem Zweck hat das Bundesamt für Naturschutz gemeinsam mit den Ländern und den Naturschutzorganisationen einen Kriterienkatalog entwickelt. Es wurden Bundesflächen ausgewählt

  • im Bereich der ehemaligen innerdeutschen Grenze (Grünes Band),
  • in Nationalparken,
  • in Kerngebieten der Naturschutzgroßprojekte des Bundes,
  • in Kernzonen beziehungsweise Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten von Biosphärenreservaten,
  • ehemalige militärische Flächen mit einer Größe von mehr als 1000 Hektar Größe beziehungsweise kleineren Militärflächen mit mehr als 20 Prozent ausgewiesener Schutzgebiete (Naturschutzgebiete, Natura 2000-Gebiete),
  • in Bergbaufolgelandschaften mit einer Größe von mehr als 100 Hektar,
  • in Naturschutzgebieten größer 50 Hektar,
  • in Natura-2000-Gebieten (Fauna-Flora-Habitat-Gebiete, Europäische Vogelschutzgebiete),
  • in Gebieten, die bedeutsam für den bundes- und landesweiten Biotopverbund und/oder bedeutsam für den Artenschutz sind.

Bei der endgültigen Auswahl der Flächen wurden neben den Flächengebern – die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, die Treuhand-Nachfolgegesellschaft BVVG und die Bergbausanierungsgesellschaft LMBV – auch die Länder und die Naturschutzorganisationen mit einbezogen. Die ausgewählten Flächen im Gesamtumfang von rund 156.000 Hektar wurden und werden in drei Tranchen (1. Tranche: 100.000 Hektar, 2. Tranche: 25.000 Hektar, 3. Tranche: 31.000 Hektar) an die neuen Flächeneigentümer übertragen. Die entsprechenden Beschlüsse zur endgültigen Auswahl der Flächen fällte jeweils der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages.

Wer ist Eigentümer der Flächen des Nationalen Naturerbes?

Für die Flächen des Nationalen Naturerbes (rund 156.000 Hektar) verzichtet der Bund als bisheriger Eigentümer auf eine Privatisierung. Die Flächen werden stattdessen unentgeltlich, aber unter strengen Naturschutzauflagen an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (circa 70.000 Hektar), die Länder (circa 30.000 Hektar) oder von diesen benannte Naturschutzorganisationen (circa 26.000 Hektar) übertragen.

Etliche Naturerbe-Flächen verbleiben aber auch dauerhaft im Bundeseigentum (circa 30.000 Hektar) und werden von den Bundesforsten im Auftrag des Bundesumweltministeriums betreut. Die neuen Eigentümer der Flächen des Nationalen Naturerbes müssen – vertraglich verpflichtet – für alle Folgekosten aufkommen und zugleich den naturschutzfachlichen Wert der Flächen langfristig erhalten.

Wer bestimmt, was auf den Flächen passiert?

Ein Großteil der Naturerbe-Flächen wurde und wird an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Länder oder von diesen benannte Naturschutzorganisationen übertragen. Als neue Flächeneigentümer bestimmen sie die zukünftige Entwicklung der Flächen. Sie müssen dabei allerdings strenge Vorgaben des Bundes einhalten. Denn der Bund hat die (unentgeltliche) Übertragung der Flächen an konkrete Bedingungen geknüpft. So sollen beispielsweise nahezu alle Wälder des Nationalen Naturerbes nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt werden. Bestehende Pachtverträge dürfen nicht mehr verlängert werden oder sind unter den Maßgaben des Naturschutzes neu abzuschließen. Auch die Jagd muss sich an strengen Naturschutzstandards orientieren. Für jede Fläche muss der neue Eigentümer seine Naturschutzziele in Form eines Leitbildes mit dem Bundesamt für Naturschutz einvernehmlich abstimmen. Die geplanten Aktivitäten auf der Fläche müssen in einem Pflege- und Entwicklungsplan aufgelistet werden. So wird sichergestellt, dass die Flächen tatsächlich langfristig dem Naturschutz dienen.

Was sind die Naturschutzziele für die Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Flächen des Nationalen Naturerbes sollen für nachfolgende Generationen als Orte der biologischen Vielfalt erhalten werden. Hierzu müssen auf den Flächen strenge Naturschutzstandards eingehalten und umgesetzt werden. So ist festgeschrieben, dass in allen Wäldern des Nationalen Naturerbes keine forstliche Nutzung mehr stattfindet. Dort, wo die Wälder bereits naturnah sind, ruht sofort die Säge. In naturfernen Wäldern können in einem befristeten Übergangszeitraum noch naturschonende waldbauliche Maßnahmen zur Erhöhung der Naturnähe umgesetzt werden. Heidelandschaften, Magerrasen und andere Offenland-Ökosysteme sind langfristig durch eine gezielte Pflege zu erhalten. Moore, Gewässer und Auen werden sich selbst überlassen oder naturnäher gestaltet. Mittelfristig sollen alle größeren Flächen des Nationalen Naturerbes als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden – sofern sie nicht schon jetzt unter Schutz stehen.

Wie trägt das Nationale Naturerbe zur biologischen Vielfalt bei?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes weisen eine außergewöhnlich hohe Arten- und Lebensraumvielfalt auf. Aufgrund der früheren besonderen Nutzung als militärisches Übungsgebiet oder der Lage in Naturschutzgebieten sind viele Naturerbe-Flächen wichtige Refugien für seltene Tier- und Pflanzenarten. Mit ihrer teilweise enormen Ausdehnung sowie dem Fehlen von Siedlungen und Verkehrswegen bieten die Gebiete die Chance, Natur- und Artenschutz großräumig und ohne Konflikte mit konkurrierenden (wirtschaftlichen) Nutzungen umzusetzen. Die Flächen des Nationalen Naturerbes sind einzig der Natur gewidmet.

Alle Wälder im Nationalen Naturerbe sollen sich zukünftig so wenig vom Menschen beeinflusst wie möglich entwickeln. Wenn Bäume alt werden dürfen und nicht eingeschlagen werden, sind sie reichhaltiger Lebensraum für speziell angepasste Käfer, Flechten und Pilze. Die Bundesregierung strebt an, bis zum Jahr 2020 insgesamt 5 Prozent der deutschen Waldfläche beziehungsweise 10 Prozent des Waldes im Eigentum der öffentlichen Hand (Bund, Länder, Kommunen) dauerhaft aus der forstlichen Nutzung zu nehmen. Die Wälder des Nationalen Naturerbes sind hierfür ein wesentlicher Baustein. Große Naturschutzflächen bieten außerdem Lebensraum für Wildkatze, Luchs und Wolf. Mit der Sicherung eines beträchtlichen Teils bundeseigener (Wald-)Flächen für das Nationale Naturerbe hat der Bund dazu einen wesentlichen Beitrag geleistet.

Viele Magerrasen und Heideflächen weisen eine besonders hohe Artenvielfalt an Vögeln, Schmetterlingen und Insekten auf. Diese früher häufigen Lebensräume sind durch die Intensivierung der Landwirtschaft deutschlandweit stark gefährdet. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes sind sie dagegen noch oft zu finden. Da hier die Ziele des Naturschutzes Vorrang haben, können diese artenreichen Lebensräume durch eine naturnahe Nutzung langfristig erhalten werden.

Wird auf den Flächen noch Forstwirtschaft und Landwirtschaft betrieben?

In den Wäldern des Nationalen Naturerbes findet keine forstwirtschaftliche Nutzung mehr statt. In heute bereits naturnahen Naturerbe-Wäldern wird schon jetzt kein Baum mehr gefällt. In naturfernen Wäldern ist eine übergangsweise Holznutzung erlaubt – allerdings nur im Rahmen eines schrittweisen Waldumbaus, um die Wälder naturnäher zu gestalten. Dabei können beispielsweise für das Gebiet untypische Baumarten entfernt werden, um so dort natürlicherweise vorkommenden Bäumen mehr Raum zum Wachsen zu schaffen. Ist der Waldumbau abgeschlossen, wird auch in diesen Wäldern dauerhaft die Säge ruhen und die Natur sich selbst überlassen bleiben. Wenn also in den Wäldern des Nationalen Naturerbes noch Holz eingeschlagen wird, dient dies nicht der Erwirtschaftung eines Gewinns, sondern vor allem der Erhöhung der Naturnähe der Wälder.

Warum wird auf den Flächen des Nationalen Naturerbes noch Forstwirtschaft und Landwirtschaft betrieben?

In den Offenlandbereichen - also den nicht bewaldeten Flächen - des Nationalen Naturerbes ist eine naturnahe landwirtschaftliche Nutzung oft die Voraussetzung dafür, den Lebensraum überhaupt zu erhalten. Die meisten Offenlandflächen im Nationalen Naturerbe wie zum Beispiel Wiesen, Magerrasen und Heiden sollen langfristig erhalten bleiben. Sie müssen gemäht oder beweidet werden, sonst wachsen sie mit Gebüschen zu und entwickeln sich langsam zu Wald. Landwirtschaft auf den Naturerbeflächen unterscheidet sich jedoch deutlich von der üblichen landwirtschaftlichen Nutzung. Das vorrangige Ziel ist es, für möglichst vielfältige, artenreiche Lebensräume auf den Flächen zu sorgen. Darauf zielen alle Bewirtschaftungsmaßnahmen ab. Viele Naturerbe-Flächen werden auch extensiv beweidet, zum Beispiel mit Wasserbüffeln, Wildpferden, robusten Rinderrassen, Schafen und Ziegen.

Welche Kosten fallen für die Pflege und Betreuung der Flächen des Nationalen Naturerbes an?

Die Betreuung und Entwicklung der Flächen des Nationalen Naturerbes ist mit zum Teil hohen Kosten verbunden. Selbst die nicht mehr genutzten Wälder des Nationalen Naturerbes erfordern finanzielle Aufwendungen – beispielsweise für die Verkehrssicherung und die Besucherlenkung. Auch Steuern und Abgaben müssen bezahlt werden. Besonders hohe Kosten fallen für die Erhaltung der wertvollen Wiesen, Magerrasen und Heiden an. Die für die Erhaltung dieser Offenlandschaften erforderlichen extensiven Nutzungen (Mahd, Beweidung) müssen in der Regel bezuschusst werden.

Hinzu kommen Ausgaben für die Öffentlichkeitsarbeit und die Flächenverwaltung. Bei den im Nationalen Naturerbe übertragenen Militärflächen und den Gebieten an der ehemaligen innerdeutschen Grenze muss der Flächenempfänger außerdem noch das auf der Fläche zum Zeitpunkt der Flächenübertragung arbeitende Personal des Bundesforstes bis zum Renteneintritt finanzieren. Hierfür wird jeweils zwischen Flächenempfänger und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ein Dienstleistungsvertrag abgeschlossen. Auf ehemaligen Militärflächen sind häufig Kampfmittelreste und Altlasten zu finden. Die Flächenempfänger tragen hierfür einen großen Teil der Risiken und müssen gegebenenfalls Aufwendungen zur Beseitigung solcher Reste einrechnen.

Wer bezahlt die Naturschutzmaßnahmen auf den Flächen des Nationalen Naturerbes?

Die Empfänger der Flächen des Nationalen Naturerbes haben sich gegenüber dem Bund vertraglich verpflichtet, alle Folgekosten für Betreuung und Naturschutz selbst zu zahlen. Die Kosten für die Betreuung der Flächen und die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen liegen in der Regel deutlich über den eventuellen Einnahmen aus dem Verkauf von Holz aus dem Waldumbau bzw. den Pachterträgen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellt für die Betreuung ihrer Naturerbe-Flächen jährlich 5 Millionen Euro in den Haushalt ein. Für die vom Bundesumweltministerium betreuten Flächen des Nationalen Naturerbes sind im Bundeshaushalt pro Jahr 4 Millionen Euro eingeplant.

Wird auf den Flächen des Nationalen Naturerbes noch gejagt?

Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes kann auch weiterhin gejagt werden. In vielen Fällen ist dies erforderlich, um (Wild-)Schäden von den benachbarten Flächen abzuwenden oder das Aufkommen der für das Gebiet typischen Baumarten zu ermöglichen. Allerdings muss sich die Jagd den Naturschutzzielen klar unterordnen. Für jede größere Fläche des Nationalen Naturerbes wird vom Flächeneigentümer auch ein Konzept zum Wildtiermanagement entwickelt. Auf den Flächen des Nationalen Naturerbes wird ausschließlich mit bleifreier Munition gejagt.

Wie werden die Flächen des Nationalen Naturerbes für den Naturschutz gesichert?

Viele Flächen des Nationalen Naturerbes sind in großen Teilen bereits als Schutzgebiet ausgewiesen – als Nationalpark, Biosphärenreservat oder als Naturschutzgebiet. Darüber hinaus haben sich die Flächeneigentümer des Nationalen Naturerbes gegenüber dem Bund vertraglich zur Einhaltung strenger Naturschutzvorgaben verpflichtet. Bestandteil der Übertragungsvereinbarungen zu den Flächen des Nationalen Naturerbes ist ein umfassender Katalog von Auflagen und Vorgaben zur zukünftigen Betreuung der Flächen. Pachtverträge müssen so umgestaltet werden, dass zukünftig allein der Naturschutz im Vordergrund steht.

Die Bundesregierung hat – vertreten durch das Bundesamt für Naturschutz – jederzeit die Möglichkeit, die Einhaltung der Auflagen zu überprüfen. Viele Entscheidungen zur zukünftigen Entwicklung der jeweiligen Fläche müssen von den Flächeneigentümern auch mit dem Bundesumweltministerium beziehungweise dem Bundesamt für Naturschutz einvernehmlich abgestimmt werden. Naturschutzorganisationen sichern die Ziele für ihre Naturerbe-Flächen zudem über einen Grundbucheintrag ab.

Was unterscheidet das Nationale Naturerbe von anderen Schutzgebieten?

Das Nationale Naturerbe ist kein neuer Typ eines Naturschutzgebietes. Es ist vielmehr die Bezeichnung für eine Initiative des Bundes, auf die Privatisierung von für den Naturschutz bedeutsamen Flächen im Bundeseigentum zu verzichten und diese Gebiete in die Hände des Naturschutzes zu geben.

Viele der im Nationalen Naturerbe gesicherten Gebiete liegen allerdings zu großen Teilen in Schutzgebieten – beispielsweise in Nationalparken, Biosphärenreservaten, Natura-2000-Gebieten (europäisches Schutzgebiet) oder in Naturschutzgebieten. Flächen des Nationalen Naturerbes haben also in der Regel einen sehr hohen Naturschutzwert und sind unbedingt schützenswert. Dort, wo die Flächen des Nationalen Naturerbes bisher noch keinen Schutzstatus haben, soll dies nachgeholt werden. Ziel ist es, dass mittelfristig alle größeren Naturerbe-Flächen als Naturschutzgebiete ausgewiesen werden.

Ist das Nationale Naturerbe für die Öffentlichkeit zugänglich?

Alle Flächeneigentümer im Nationalen Naturerbe bemühen sich, die Flächen für Interessierte zu öffnen und zugleich sensible Bereiche vor Störungen zu bewahren. Hierzu werden Rundwege und Aussichtsplattformen auf vielen Naturerbe-Flächen errichtet. Größere Besucher-Einrichtungen sind derzeit auf den von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt betreuten Naturerbe-Flächen in Prora/Rügen (Besucherinformationszentrum mit Baumwipfelpfad) und in der Wahner Heide bei Köln (vier Besucher-Informationsstellen) zu finden.

Auf vielen Flächen des Nationalen Naturerbes bieten die Flächeneigentümer auch geführte Wanderungen und Exkursionen an. Andererseits dürfen viele Teilbereiche des Nationalen Naturerbes aufgrund der Gefahren aus der militärischen oder bergbaulichen Vornutzung aus Sicherheitsgründen nicht betreten werden. Auch zum Schutz seltener Arten kann es notwendig sein, ausgewählte Flächen für Besucher zu sperren – beispielsweise die Sandstrände der Naturerbe-Flächen an der Ostsee. Entsprechende Sperrschilder sind deshalb unbedingt zu beachten.

Wie werden die Flächen vor Ort betreut?

Die Betreuung der Flächen des Nationalen Naturerbes ist unterschiedlich organisiert. Auf den meisten ehemaligen Militärflächen und auf den Flächen an der früheren innerdeutschen Grenze ist weiterhin der Bundesforst tätig – im Auftrag der (neuen) Flächeneigentümer des Nationalen Naturerbes. Die Bundesförster sind in der Regel die örtlichen Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger. In Einzelfällen ist auch der Flächeneigentümer selbst der direkte Ansprechpartner. Dies gilt vor allem für Flächen, die an die Länder-Naturschutzstiftungen und an Naturschutzorganisationen übertragen wurden. Für ausgewählte Flächen des Nationalen Naturerbes haben örtliche Naturschutzgruppen auch Patenschaften übernommen – und setzten sich gemeinsam mit dem Flächeneigentümer für die Pflege der Fläche ein beziehungsweise bieten entsprechende Wanderungen und Exkursionen an. 

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Pressemitteilungen

Mit Vertragsunterzeichnung am 28. Oktober 2016 hat die gemeinnützige Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit Wirkung zum 1. Oktober 2017 weitere 23 Flächen des Nationalen Naturerbes mit rund 9000 Hektar vom Bund übernommen. Insgesamt ist sie damit als Treuhänderin verantwortlich für den Erhalt und die Entwicklung auf 70 vor allem ehemals militärisch genutzten Übungsplätzen mit rund 69.000 Hektar. mehr

Das Vorhaben zum Naturschutzgroßprojekt "Grünes Band Rodachtal – Lange Berge – Steinachtal" umfasst einen 127 Kilometer langen Abschnitt des Grünen Bandes an der ehemaligen innerdeutschen Grenze zwischen Bayern und Thüringen. Ziel ist es, dieses Gebiet in seiner Vielfalt zu erhalten und zugleich einen länderübergreifenden Biotopverbund zu verwirklichen. Der Bund fördert das Projekt mit rund 6,9 Millionen Euro. mehr

Kurz vor der Wiedervereinigung am 12. September 1990 sicherte der Ministerrat der DDR mit seinem Nationalparkprogramm 14 Großschutzgebiete. Unter ihnen waren die beiden Ostsee-Nationalparke Jasmund und Vorpommersche Boddenlandschaft sowie das Biosphärenreservat Südost-Rügen. Dank Bürgerinitiativen aus Mecklenburg-Vorpommern feiern diese Schutzgebiete ihr 25-jähriges Bestehen. mehr

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Weitere Informationen

zur Themenseite

Grünes Band

Hintergrund

externer Link zum DBU-Naturerbe

Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Informationen

externer Link zum BfN

Bundesamt für Naturschutz

Informationen

Zum Seitenanfang

www.bmub.bund.de/naturerbe

Zuletzt geändert: 24.05.2017