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Hintergrundinformationen zu Naturschutz und Gesundheit

Naturschutz und Gesundheit ist ein Thema, das im Zusammenhang mit Konzepten zur Gesundheitsvorsorge und -förderung in der Öffentlichkeit und Fachwelt zunehmend Beachtung findet. Nach dem Verständnis eines modernen Naturschutzes sind Natur und Landschaft auf Grund ihres eigenen Wertes, aber auch als Grundlage für das Leben und die Gesundheit des Menschen zu schützen. Dabei sind die komplexen Bezüge zwischen Natur(schutz) und Gesundheit zu berücksichtigen.

Naturschutz, Erholungsvorsorge und Gesundheit

Der Erholungswert von Natur und Landschaft im Hinblick auf die Förderung des psychischen Wohlbefindens ist seit langem bekannt. Untersuchungen zeigen, dass die Natur in der direkten Begegnung eine stabilisierende, entspannende und beruhigende Wirkung und somit einen therapeutischen Nutzen haben kann. Dies gilt ebenso für die Förderung der Kindergesundheit über Naturerlebnisse.

Natur und Landschaft bilden in vielen Fällen erst die Voraussetzung für gesundheitsfördernde Aktivitäten wie beispielsweise Spazierengehen, Nordic-Walking, Wandern, Rad fahren, Schwimmen oder Kanu fahren und stellen zudem eine attraktive Kulisse dar. Der Beitrag des Naturschutzes zur Erholungsvorsorge besteht darin, dass er Erholungsräume für Bewegung und natur- und landschaftsverträglichen Sport sowie Ruhe und Entspannung in der Natur sichert und entwickelt. Damit trägt er zum seelischen und körperlichen Wohlbefinden bei und leistet angesichts der zunehmenden Probleme von Stress, Übergewicht und Bewegungsmangel in unserer Gesellschaft einen wichtigen Beitrag zur Gesundheitsförderung und -prävention.

Insbesondere Großschutzgebiete (Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke), aber auch andere landschaftlich attraktive Räume garantieren in erheblichem Maße den Erholungswert von Natur und Landschaft. Um nicht nur im Urlaub, sondern auch im Alltag die gesundheitsfördernden Wirkungen von Natur und Landschaft erfahren zu können, sind geeignete Erholungsräume auch im siedlungsnahen Bereich zu erhalten und zu entwickeln.

Grundsätzlich gilt es, das Erholungsbedürfnis des Menschen mit dem Schutzbedürfnis der Natur in Einklang zu bringen.

Naturschutz und gesunde Ernährung

Der Schutz der natürlichen Ressourcen Boden, Wasser und Luft ist Voraussetzung dafür, dass qualitativ hochwertige und gesunde Lebensmittel produziert werden können. Eine nachhaltige Landbewirtschaftungsform, welche die natürlichen Ressourcen schont und dadurch auch die Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren fördert, ist der ökologische Landbau. 2008 wurden in Deutschland ca. 5,4 % der Anbaufläche nach den Prinzipien des Ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil der Anbaufläche des Ökologischen Landbaus auf 20 % zu erhöhen.

Im letzten Jahrzehnt sind in Deutschland auch zahlreiche Regionalinitiativen zum Vertrieb und zur Vermarktung nachhaltig und naturverträglich erzeugter regionaler Produkte entstanden. Dabei spielen Biosphärenreservate und Naturparke eine wichtige Rolle. Spezialitäten, die ganz markant für die einzelnen Regionen sind, wie z. B. der Oberlausitzer Biokarpfen, Lammfleisch aus der Rhön, Gurken aus dem Spreewald oder Biokäse aus der Uckermark beweisen, dass natürliche Produkte nicht nur gesund sind, sondern auch gut schmecken.

Naturschutz und Heil- und Arzneimittel

Die Natur beherbergt ein großes Potenzial an medizinisch wirksamen Rohstoffen, das erst in Ansätzen bekannt ist. Pflanzliche und tierische Naturstoffe und andere Stoffe aus der Natur (z. B. Moor, Lehm, Schlamm, Meersalz) sind aber auch schon heute eine Grundlage für viele Arznei- und Heilmittel sowie Heilverfahren und Kuranwendungen.

Etwa 50.000 Pflanzenarten werden weltweit in irgendeiner Form zu medizinischen Zwecken genutzt, 50 % aller zugelassenen Medikamente sind pflanzlichen Ursprungs. Besonders groß ist das Reservoir der tropischen Regenwälder. So wurden bisher zum Beispiel in 1.400 Tropenpflanzen potentielle Wirkstoffe gegen Krebserkrankungen entdeckt.

Der größte Teil des Bedarfs wird heute und sicher auch in Zukunft aus Wildsammlungen und nicht aus Anbau oder Kultur gedeckt. Etwa 15.000 Heilpflanzenarten sind laut Experten der Weltnaturschutzunion IUCN jedoch bereits gefährdet.Von den mehreren zehntausend genutzten Arten werden etwa 3.000 international gehandelt. Das sind jährlich mehr als 460.000 Tonnen an Heilpflanzen im geschätzten Wert von mehr als 1,2 Milliarden US-$. Deutschland trägt hier als weltweit viertgrößter Importeur und Exporteur auch global eine besondere Verantwortung.

Der unregulierte internationale Handel zählt neben dem Lebensraumverlust zu den größten Bedrohungen der Artenvielfalt. Pflanzen und Tiere, die Grundlage für Heil- und Arzneimittel sind oder künftig als solche genutzt werden könnten, können nur erhalten werden, wenn auch deren Lebensräume erhalten werden und ihre Nutzung zu medizinischen Zwecken nachhaltig erfolgt. Aus diesem Grunde hat das BMU die Erarbeitung eines „Internationalen Standards für die nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen“ (ISSC-MAP) durch das BfN, die IUCN und die Umweltstiftung WWF Deutschland unterstützt, der 2006 veröffentlicht wurde. Von besonderer Bedeutung ist seine geplante Umsetzung in Form eines Gütesiegels: Mit dem Label „FairWild“ sollen solche Produkte ausgezeichnet werden, die sowohl die Kriterien einer nachhaltigen Wildsammlung als auch eines fairen Handels erfüllen. Zertifizierungsrichtlinien sind derzeit in Arbeit. Damit wird dem Verbraucher eine Kaufentscheidung ermöglicht, die es bisher so nicht gab.

Naturschutz, Klimawandel und Gesundheit

Die Sicherung und Entwicklung von intakten Ökosystemen ist auch von großer Bedeutung im Hinblick auf den Klimawandel und seine Folgen für die menschliche Gesundheit. Infolge des Klimawandels werden extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Stürme, starke Niederschläge und Überschwemmungen weiter zunehmen. Diese können bei den Menschen zu ernsthaften Bedrohungen für die Gesundheit führen. Ein Beispiel hierfür ist die Hitzewelle im Sommer 2003. Sie führte in Deutschland zu etwa 7.000 zusätzlichen Todesfällen. Durch die Klimaerwärmung erhöht sich zudem das Risiko für pollenbedingte Allergien. Das hat zwei Gründe: Einmal dehnt sich die Blütezeit heimischer Pflanzen aus. Dadurch gibt es im Jahresverlauf auch fast keine pollenfreie Zeit mehr. Außerdem wird das Allergierisiko durch bestimmte Arten, die sich infolge des Klimawandels stark ausbreiten, erhöht. Ein viel diskutiertes Beispiel hierfür ist das Beifußblättrige Traubenkraut, auch Ambrosie genannt. Die Klimaerwärmung fördert die Ausbreitung dieser aus Nordamerika eingeschleppten Art, die in Deutschland nur nach langen, warmen Sommern zur vollen Reife kommt. Ihre Pollen lösen bei vielen Menschen starke Allergiesymptome aus, von Schnupfen bis hin zu Bindehautentzündung und Asthma. Die Beifuß-Ambrosie kann durch ihre massenhafte Ausbreitung andere Arten verdrängen. Sie wird daher zu den sogenannten invasiven Arten gezählt. Der Gesetzentwurf zur Novellierung des Bundesnaturschutzgesetzes sieht die Einführung einer Beobachtungspflicht für solche invasiven Arten vor. Ferner sollen Arten sofort aus der Natur entfernt werden, sobald sich ihre Invasivität herausstellt, damit sie sich nicht flächig ausbreiten können. Diese aus Naturschutzsicht gebotenen vorbeugenden Maßnahmen verringern auch das Risiko von gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch diese Pflanzen.

Aufbau eines Informationssystems zu Naturschutz und Gesundheit

Im Rahmen eines vom BMU/BfN geförderten Forschungsvorhabens entwickelt derzeit die AG Umwelt und Gesundheit der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld ein Konzept für ein internetgestütztes Informationssystem, welches die Bezüge von Natur(schutz) und Gesundheit(sschutz) verdeutlichen soll. In dem Infosystem soll das vorhandene Faktenwissen zielgruppenspezifisch für die breite Öffentlichkeit sowie für die Fachwelt aufbereitet werden. Es sollen auch gute Beispiele für das Zusammenwirken von Naturschutz und Gesundheitsschutz und schon vorhandene Allianzen vorgestellt werden. Auf der Basis dieses Konzeptes soll dann noch in diesem Jahr ein dauerhaftes Informationssystem zu Naturschutz und Gesundheit beim BfN eingerichtet werden.


Stand: 26.05.2009