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Naturschutz und Energie

Der Umbau unseres Energiesystems verändert Landschaften und beeinflusst die Natur. Die Energiewende muss naturverträglich gestaltet werden.

Die Weltgemeinschaft hat im Pariser Übereinkommen das rechtlich verbindliche Ziel vereinbart, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius gegenüber vorindustriellen Werten zu halten und Anstrengungen zu unternehmen, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad Celsius über dem industriellen Niveau zu begrenzen. Um dieses bedeutende Klimaschutzziel zu erreichen, sind weitreichende und langfristige gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen notwendig. Eine erfolgreiche Klimaschutzpolitik ist außerdem wichtig für den Erhalt der biologischen Vielfalt. Insbesondere gilt es, die Energiesysteme spätestens bis zur Mitte des Jahrhunderts nahezu vollständig von fossilen Rohstoffen zu entkoppeln. Hierzu sind sowohl eine deutliche Senkung der Energienachfrage als auch die Deckung des verbleibenden Energiebedarfs durch erneuerbare Energien erforderlich.

Der Strukturwandel im Energiebereich führt zu neuen Anforderungen an die Natur. Der Ausbau der erneuerbaren Energien sowie deren Verteilung und Speicherung führen zu veränderten und teilweise größeren Raumansprüchen als die bisherige Energieerzeugung und -versorgung in Deutschland, z. B. durch den Ausbau von Windenergie- und Photovoltaikanlagen sowie den Bau von Stromleitungen und Kabeltrassen zur notwendigen Anpassung der Netzkapazitäten. Dies beeinflusst heute und zukünftig nachhaltig das Erscheinungsbild der Landschaft, den Naturhaushalt und die biologische Vielfalt.

Besonders beim Biomasseanbau, der Windenergieerzeugung und dem Ausbau der Photovoltaikanlagen auf Freiflächen sind deren Auswirkungen inzwischen vielerorts sichtbar. So waren z. B. Mitte 2016 in Deutschland insgesamt rund 26.600 Windenergie-Anlagen an Land mit einer Gesamtleistung von rund 41.700 MW installiert. Darüber hinaus erfordert der dezentrale Ausbau der Erneuerbaren Energien entsprechende Netzkapazitäten, um sie von den Orten der erneuerbaren Energieerzeugung (verstärkt im Norden) zu den großen Verbrauchsstätten (im Süden und Westen) zu transportieren. Nach dem Energieleitungsausbaugesetz werden rund 1800 Leitungskilometern bis 2025 - das sogenannten Startnetz - gebaut. Hinzu kommen nach dem Bundesbedarfsplangesetz 3050 km an Optimierungs- und Verstärkungsmaßnahmen in Bestandstrassen und rund 2750 km an Neubautrassen.

Ein Höchstmaß an Effizienz, sowohl bei der Erzeugung, der Verteilung und Speicherung erneuerbarer Energie als auch beim Energieverbrauch, kann den Einfluss dieses Strukturwandels auf Natur und Landschaft abmildern und ist somit ein zentraler Baustein für eine naturverträgliche Energiewende. Mit jedem Kilowatt nicht erzeugter sowie eingesparter Energie werden Natur und Landschaft entlastet und die biologische Vielfalt geschützt.

Um die Energiewende naturverträglich auszugestalten, müssen die Auswirkungen der unterschiedlichen Technologien auf die Natur untersucht und verstanden werden. Dieses Wissen kann dazu beitragen, den naturverträglichen Umbau des Energiesystems zu unterstützen. Einige Beispiele: Aus Naturschutzsicht ist Bioenergie aus Rest- und Abfallstoffen gegenüber Bioenergie aus zu diesem Zweck angebauten Energiepflanzen wie Mais oder Raps vorzuziehen. Bei Windenergieanlagen müssen die jeweiligen Standorte sorgfältig ausgewählt werden, um Schlagopfer bei Vögeln und Fledermäusen zu vermeiden.

Sowohl die bewährten Instrumente des Naturschutzes wie z. B. der Arten- und Gebietsschutz und die Eingriffsregelung in den Genehmigungsverfahren, die raumordnerische Steuerung als auch die Mitwirkung bei den Anreizinstrumenten für den Umbau des Energiesystems wie z. B. das Erneuerbaren-Energien-Gesetz oder bei den Instrumenten zur Steigerung der Energieeffizienz tragen dazu bei, dass die Energiewende naturverträglich ausgestaltet wird.

Zuletzt geändert: 08.02.2017