Naturschutz und Bioenergie

Biomasse aus landwirtschaftlicher Erzeugung

Für die Produktion von nachwachsenden Rohstoffen für die energetische Nutzung wurde im Jahr 2016 in Deutschland eine Anbaufläche von gut 2,4 Millionen Hektar genutzt. Dies sind rund 20 Prozent der Ackerfläche. Die Anbaufläche für Energiepflanzen zur Biogasgewinnung betrug 1,45 Millionen Hektar (davon entfielen allein rund 1.000.000 Hektar auf den Maisanbau), während für Biokraftstoffe (überwiegend Raps) 960.000 Hektar beansprucht wurden.

Generell hat sich die biologische Vielfalt auf intensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen durch Nährstoff- und Pestizideinträge und Monokulturen deutlich verschlechtert. Darüber hinaus verschärft der Energiepflanzenanbau die Situation. Die stärksten Rückgänge im Bestand bei den Vögeln der Agrarlandschaft seit dem Jahr 1990 bis 2013 sind beim Kiebitz mit 80 Prozent, beim Braunkehlchen mit 63 Prozent und bei der Uferschnepfe mit 61 Prozent zu verzeichnen (BfN-Agrarreport (PDF extern, 3,9 MB)).

Die zunehmend intensive Erzeugung landwirtschaftlicher Produkte wird durch die Nachfrage nach Biomasse zur Energiegewinnung verstärkt. Die ökonomische Rentabilität von Anbaubiomasse hat wegen der begrenzten landwirtschaftlichen Nutzflächen auch die Umwandlung von biologisch wertvollem Grünland in Ackerfläche begünstigt. Dieses führt zusätzlich zu Verlusten von wichtigen Lebensräumen und Nahrungsangeboten. Aber auch die Anwohner sorgen sich um die Gewässer-, Luft,- und Bodenqualität und spüren das hohe Transportaufkommen im Umkreis der Biogasanlagen. Dem gegenüber zu stellen ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass Bioenergie aus Anbaubiomasse einen Beitrag zur Minderung der Treibhausgas (THG)-Emissionen gegenüber fossilen Energieträgern leisten kann. Andererseits entstehen Emissionen von Treibhausgasen im landwirtschaftlichen Erzeugungsprozess, durch Landnutzungsänderungen und in dem Aufbereitungsprozess (zum Beispiel bei der Konversion). Dies führt dazu, dass Bioenergie aus Anbaubiomasse kein THG-neutraler Energieträger ist. Auch kann angebaute Biomasse nur einen geringen Beitrag zur Deckung des Energiebedarfs leisten.

Bioenergie aus Anbaubiomasse kann unter Wahrung der Vorrangigkeit von Nahrungs- und Futtermittelproduktion nur in sehr begrenztem Maße zu einem nachhaltigen und weitgehend auf erneuerbaren Energien beruhenden Energiemix beitragen. Deshalb muss Bioenergie langfristig ausschließlich aus Rest- und Abfallstoffen gewonnen und dabei die Kaskadennutzungen (erst stoffliche Nutzung und dann energetische Nutzung) stärker berücksichtigt werden. Aus diesen Gründen setzt sich BMUB dafür ein, dass keine weitere Flächenausweitung für den Anbau von Biomasse für die Energieerzeugung erfolgt, wenn eine Anbaufläche von 2,5 Millionen Hektar mit Mais, Raps usw. in Deutschland belegt ist. Um diese Zielsetzung zu unterstützen, wurden zahlreiche Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben.

Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe

Die EU hat im Jahr 2009 die sog. Erneuerbare-Energien-Richtlinie (2009/28/EG) und die Kraftstoffqualitätsrichtlinie verabschiedet, die die Nachhaltigkeitsanforderungen für die Herstellung und Verwendung von Biokraftstoffen bestimmen. Danach gelten Biokraftstoffe nur dann als nachhaltig, wenn der Anbau der nachwachsenden Rohstoffe nicht auf schützenswerten Flächen wie Primärwäldern oder auf Gebieten mit hoher biologischer Vielfalt erfolgt. Darüber hinaus muss die Energie, die aus der Biomasse gewonnen wird, einen signifikanten Beitrag zur Treibhausgasminderung und damit zum Klimaschutz leisten. Sozialaspekte sind nicht verbindlich geregelt, werden jedoch beobachtet. Die Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien wird anhand von Nachweisen belegt und kontrolliert. In Deutschland ist die Richtlinie durch die Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung und die Biomasse-Strom-Nachhaltigkeitsverordnung umgesetzt worden.

Deutschland berichtet regelmäßig im Rahmen des sog. Fortschrittsberichts nach Artikel 22 der Richtlinie 2009/28/EG gegenüber der EU-Kommission in dem dortigen Kapitel 13 über die Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien. Dabei wird nicht nur über die verpflichtenden Kriterien berichtet sondern auch bewertet, ob die Verwendung von Biokraftstoffen oder der Einsatz flüssiger Biobrennstoffe in die Stromerzeugung sozial zu vertreten ist.

Feste Biomasse aus forstwirtschaftlicher Erzeugung

Die Hälfte der Holzernte in Deutschland wird gegenwärtig energetisch genutzt. Im Vergleich zu Wind, Fotovoltaik, Wasserkraft und Biomasse aus der Landwirtschaft stellt die feste Biomasse (insbesondere Holz) die wichtigste erneuerbare Energiequelle in Deutschland dar und wird derzeit vor allem zu Heizzwecken genutzt. Dies hat Auswirkungen auf die Natur. Sofern Holz aus dem Wald nicht angepasst entnommen wird, kann dies zu einer Gefährdung und einem Rückgang der biologischen Vielfalt führen und mindert zudem die Funktion des Waldes als CO2-Senke. Deshalb ist bei der energetischen Holzverwendung anzustreben, dass diese, wo möglich und sinnvoll, auf nicht weiter stofflich verwendbares Rest- und Altholz konzentriert ist oder am Ende einer Nutzungskaskade steht sowie nicht zu Lasten der Senkenfunktion der Wälder geht.

Die Bundesregierung hat in ihrem Erfahrungsbericht zum Erneuerbare Energien- Wärmegesetz (November 2015) (PDF extern, 4,4 MB) dargestellt, dass Holz der wichtigste erneuerbare Energieträger im Wärmemarkt ist. Diese Ressource muss möglichst effizient genutzt werden, etwa durch Wärme- oder kombinierte Kraft-Wärme-Erzeugung. Das BMUB setzt sich dafür ein, dass die Gewinnung und Nutzung von Energieholz auf ein naturverträgliches Maß begrenzt wird. Gerade im Wärmebereich kommt der Energieeffizienz durch Wärmedämmung und damit Senkung des Energiebedarfs eine zentrale Rolle für eine naturverträgliche Energiewende zu.

Zuletzt geändert: 04.08.2017