Naturschutz und Windenergie

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland erfolgte anfangs vor allem an den windgünstigen Küstenstandorten. Inzwischen werden auch weitere Standorte erschlossen. Dies führt zu neuen Herausforderungen in den küstenfernen Ländern. Die windreichen Standorte liegen dort weniger auf Ackerflächen, sondern vor allem in Hügellagen, die häufig bewaldet sind. Dies hat daher auch Auswirkungen auf die Natur und betrifft insbesondere Vögel und Fledermäuse, zum Beispiel durch Kollisionsrisiko, Meideverhalten und Lebensraumverlust (Brut- und Nahrungshabitate). Die Realisierung der Windenergieprojekte soll daher möglichst naturverträglich erfolgen.

Waldflächen bieten als komplexe Ökosysteme Lebensraum für verschiedene, - auch bedrohte- Arten, und dienen den Menschen als Erholungsräume. Daher sind die Auswirkungen von Windenergieanlagen im Wald oft deutlich komplexer als auf Ackerstandorten. Aus Naturschutzsicht sollten Waldflächen als Standort nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden. Nicht alle Wälder sind von gleicher naturschutzfachlicher Bedeutung. Naturnahe Laub- und Mischwälder sind naturschutzfachlich wesentlich bedeutsamer und schützenswerter als intensiv genutzte Nadelholzforsten.

Die Vermeidung von Konflikten zwischen dem Ausbau der Windenergie und dem Naturschutz erfordert, insbesondere in den entsprechenden Planungsprozessen gute, naturverträgliche Standorte zu identifizieren. Dies ist vor allem im Rahmen der Genehmigungsprozesse wichtig, sollte aber auch schon raumordnerisch mitgedacht werden. Um eine bessere Steuerung des Ausbaus der erneuerbaren Energien zu erreichen, setzt sich das BMUB dafür ein, dass für die Suche nach geeigneten naturverträglichen Standorten für erneuerbare und konventionelle Energien verstärkt die räumliche Steuerung mit den Instrumenten der Raumordnung genutzt wird. Dabei sollte bereits frühzeitig auf Flächen in Vorranggebieten für Natur und Landschaft, wie zum Beispiel Nationalparke, Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten, Naturschutzgebiete und Natura 2000-Gebiete verzichtet werden.

Windenergie auf See

Die rasche Entwicklung der Offshore-Windenergie in den letzten Jahren schlägt ein neues Kapitel der Meeresnutzung auf, welches sich auf das Ökosystem der Meere spürbar auswirken wird. Ende 2016 lieferten circa 950 Offshore-Windräder gut 10 Prozent des gesamten Windstroms. Die derzeit installierte Leistung von 4100 Megawatt (2016) soll bis zum Jahr 2020 auf 6500 Megawatt ausgebaut werden. Die Gründung der Windenergieanlagen erfolgt in der Regel auf in den Meeresboden gerammten Fundamenten. In der Bauphase ist das Rammen der Fundamente mit einer erheblichen Lärmbelastung für die Meeresumwelt und insbesondere Meeressäuger wie die heimischen Schweinswale verbunden.

Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit nimmt die Schallproblematik bei der Errichtung der Windenergieanlagen auf See sehr ernst und achtet darauf, dass die Vorgaben des europäischen und nationalen Naturschutzrechts eingehalten werden. Zum Schutz der Schweinswale vor Baulärm beim Ausbau der Windenergieanlagen auf See in der Nordsee wurden vom BMUB in einem Schallschutzkonzept (PDF extern, 1,2 MB) neue Anforderungen entwickelt. Durch geeignete Schallschutzmaßnahmen muss während der Bauzeit einerseits ein Grenzwert von 160 dB in 750 m Entfernung eingehalten werden. Ferner müssen die Bauarbeiten in kritischen Bereichen zeitlich so organisiert werden, dass den Schweinswalen immer ein ausreichend großer Rückzugsraum bleibt. Das Schallschutzkonzept trat im Dezember 2013 in Kraft (Pressemitteilung vom 2. Dezember 2013: Schallschutzkonzept für Schweinswale in der Nordsee tritt in Kraft).

Zuletzt geändert: 04.08.2017