Smart Cities

Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter

Der Begriff "Smart Cities" steht für die Entwicklung und Nutzung digitaler Technologien in fast allen städtischen Bereichen. Die Technologien entwickeln sich rasant weiter, Unternehmen und Menschen setzen sie weltweit immer häufiger und vielfältiger ein, und die Menschen erwarten auch, dass Städte und Gemeinden sich diese neuen Möglichkeiten zunutze machen.

In manchen Bereichen zeigen sich bereits räumliche Auswirkungen. Etwa durch den Online-Handel in weniger attraktiven Zentren und Stadtteilen. Bei anderen sind die Wirkungen noch offen. Führt Digitalisierung zu mehr Ressourcen-Effizienz? Werden wirklich neue, verträglichere Produktionsformen möglich? Wie sieht zukünftig der Arbeitsalltag aus und welche Kompetenzen brauchen wir?

Dialogplattform Smart Cities

Zur Auseinandersetzung mit diesen und anderen Fragen, zur Identifikation von Chancen und Risiken der Digitalisierung auf der städtischen Ebene hat das BMUB Mitte 2016 die Dialogplattform Smart Cities eingerichtet. Den Auftrag dazu erhielt das BMUB vom Staatssekretärsausschuss für nachhaltige Entwicklung. Die Dialogplattform wurde unter dem Dach des interministeriellen Arbeitskreises "Nachhaltige Stadtentwicklung in nationaler und internationaler Perspektive" (IMA Stadt) eingerichtet.

In der Dialogplattform diskutierten Vertretende der Städte, Kreise und Gemeinden, der kommunalen Spitzenverbände, verschiedener Bundesressorts, Städtebauministerien der Länder, Organisationen der Wissenschaft, Fach-, Wirtschafts- und Sozialverbände sowie die Zivilgesellschaft das Thema Smart Cities im Kontext der integrierten und nachhaltigen Stadtentwicklung.

Ausgehend von vier Querschnittsthemen (Big Data, lokale Wirtschaft, digitale Spaltung und Governance) wurden Chancen und Risiken der Digitalisierung bewertet und darauf aufbauend Szenarien und Leitplanken für die Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter erarbeitet. In die Diskussion wurden auch Erkenntnisse aus internationalen Vorreiter-Städten, wie zum Beispiel Amsterdam, Kopenhagen, Wien oder Barcelona einbezogen. Zur Reflexion trugen außerdem Berichte aus der asiatischen Smart Nation Singapur sowie aus Frankreich und Spanien bei.

Vor diesem Hintergrund und auf der Basis fachlicher Impulse aus dem BMUB/BBSR-Forschungscluster Smart Cities wurden erste Thesen und schließlich in intensiven Diskussionen und Abstimmungsrunden vier Leitlinien und zwölf Handlungsempfehlungen erarbeitet, wie die Digitalisierung in Städten, Kreisen und Gemeinden zukunftsfähig und im Sinne des Gemeinwohls gestaltet werden kann. Das Ergebnis ist die Smart City Charta. Sie wurde am 13. Juni 2017 beim Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik in Hamburg vorgestellt.

Smart City Charta

Mit der Smart City Charta fordert die Dialogplattform Smart Cities, die Digitalisierung nicht einfach geschehen zu lassen, sondern sie aktiv im Sinne der nachhaltigen und integrierten Stadtentwicklung zu gestalten. Die Dialogplattform ist überzeugt, dass Digitalisierung nicht automatisch zu besserem Verwaltungshandeln, zu einer besseren Infrastruktur – zum Beispiel einem nachhaltigeren, zugänglicheren und preisgünstigeren Stadtverkehr - oder höherer Energieeffizienz führt. Digitalisierung wird nicht von alleine die lokale Wirtschaft stärken, Innovation fördern, Bildung verbessern oder Inklusion erleichtern.

Um diese Belange der Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt auch im digitalen Zeitalter zu stärken, muss die Digitalisierung in den Städten nicht nur aktiv genutzt, sondern zielgerichtet gestaltet und gesteuert werden. Dazu beschreibt die Smart City Charta ein normatives Bild einer intelligenten, zukunftsorientierten Stadt. Die Smart City Charta knüpft damit nicht nur an die Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt, sondern auch an die New Urban Agenda (NUA) der Vereinten Nationen an, die als Ergebnis der Habitat III-Konferenz zu Wohnen und nachhaltiger Stadtentwicklung im Oktober 2016 weltweit Maßstäbe für die Stadtentwicklung der kommenden zwanzig Jahre setzt.

Die Smart City Charta soll helfen, die Diskussionen zur Zukunft der Städte im digitalen Zeitalter zu fundieren und in die Breite zu tragen.

Forschungscluster Smart Cities

BMUB und BBSR haben das Forschungscluster Smart Cities ins Leben gerufen, um die Digitalisierung auf ihren spezifischen Zusammenhang mit der Stadtentwicklung zu untersuchen.

Das Forschungscluster Smart Cities zielt darauf, die Auswirkungen der Digitalisierung der Gesellschaft auf die Stadtentwicklung zu verstehen, Methoden und Instrumente aus der Digitalisierungs- und Big-Data-Forschung für die Stadtentwicklung nutzbar zu machen, Handlungsfelder der Stadtentwicklungspolitik mit dem Wissen zur Digitalisierung neu zu denken und zusammen mit Praxispartnern aus Städten und Gemeinden sowie der Wirtschaft Empfehlungen zu erarbeiten, die den Städten auf ihren Wegen in Richtung digitaler Stadt der Zukunft helfen können.

Neben den Themen Urban Governance, Stadtökonomie, Big Data und Digitale Spaltung werden Fragen des Stadtverkehrs, des Onlinehandels, der E-Partizipation sowie neue Formen der Wissensgewinnung und -verarbeitung analysiert. Ergebnisse der Studien flossen auch in die Diskussionen der Dialogplattform Smart Cities ein.

Digitale Agenda der Bundesregierung

Mit der Digitalen Agenda 2014 bis 2017 hat die Bundesregierung die grundlegenden Leitplanken und kurzfristig umzusetzenden Schritte ihrer Digitalstrategie für Deutschland festgelegt. Ziel der Digitalen Agenda ist es, den digitalen Wandel so zu gestalten, dass neue Entwicklungen nicht behindert und möglichen Fehlentwicklungen entgegen gesteuert wird. Von besonderer Bedeutung sind der Datenschutz und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, der Schutz des geistigen Eigentums und der Privatsphäre, der Verbraucherschutz aber auch der Jugendmedienschutz sowie der Schutz von Computern und Daten.

Die Digitale Agenda wird durch viele Initiativen und Förderprogramme des Bundes unterstützt und umgesetzt. Das BMUB setzt sich dabei unter anderem dafür ein, mit Blick auf "Smart Cities" nicht nur technische Fragestellungen, sondern auch eine gesellschaftspolitische Debatte zu den Chancen und Risiken des digitalen Wandels für die Entwicklung der Städte und Gemeinden zu führen.

Zuletzt geändert: 08.06.2017