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Städtebaulicher Denkmalschutz

In vielen Städten Deutschlands sind nicht nur einzelne Gebäude erhaltenswert, sondern ganze Straßenzüge, Plätze, historische Stadtkerne oder Stadtquartiere. Aufgabe des Städtebaulichen Denkmalschutzes ist es, diese historischen Ensembles mit ihrem besonderen Charakter und in ihrer Gesamtheit zu erhalten.

Mit dem Programm Städtebaulicher Denkmalschutz wird die Sicherung, Erhaltung, Modernisierung und die zukunftsfähige Weiterentwicklung von Gebäuden, Ensembles und sonstigen baulichen Anlagen sowie die Erhaltung und Umgestaltung von Straßen und Plätzen mit geschichtlicher, künstlerischer und städtebaulicher Bedeutung in historischen Stadtkernen der neuen und seit 2009 auch der alten Länder gefördert. Dabei sollen die historischen Stadtkerne und -quartiere nicht zu Museen werden. Vielmehr sollen sie sich zu lebendigen Orten entwickeln, die für Wohnen, Arbeit, Kultur und Freizeit gleichermaßen attraktiv sind und sowohl Einwohner als auch Besucher anziehen.

Auch als Wirtschafts- und Standortfaktor sind baukulturell wertvolle Stadtkerne und -quartiere von großer Bedeutung: Historisch gewachsene Stadtkerne mit ihrem individuellen Erscheinungsbild ziehen Touristen an und werden von Unternehmen bei der Standortwahl bevorzugt. Darüber hinaus stärken Sanierungsmaßnahmen die örtliche mittelständische Wirtschaft, insbesondere das Handwerk.

Neuruppiner Erklärung

Am 28. Mai 1991 verabschiedete eine interdisziplinär besetzte Expertengruppe in der Fontanestadt Neuruppin einen Aufruf, der es zur nationalen Aufgabe erklärte, das Kulturgut der ostdeutschen Städte vor dem Verfall zu retten, schrittweise zu erneuern und parallel eine moderne Infrastruktur zu entwickeln. Diese Neuruppiner Erklärung bildete den Grundstein für das Programm Städtebaulicher Denkmalschutz und die dazugehörige Expertengruppe. Das zunächst für die neuen Bundesländer eingeführte Programm trug wesentlich dazu bei, die historischen Stadtkerne vor dem Verfall zu bewahren, in ihrer Gesamtheit zu erhalten und mit Funktionsvielfalt zu versehen. Anfangs stand die Sicherung der vorhandenen Bausubstanz im Fokus, aber auch nachhaltige Gebäudesanierungen, die Sanierung des öffentlichen Raums und die Revitalisierung spielten von Beginn an eine wichtige Rolle.

Bundesfinanzhilfen

Die Erfolge des Programms und der Bedarf in den historischen Stadt- und Ortskernen Westdeutschlands führten dazu, dass die Förderung 2009 auf ganz Deutschland ausgeweitet wurde. Von der Programmeinführung 1991 (neue Länder) bis einschließlich 2016 stellte der Bund Finanzhilfen in Höhe von rund 2,597 Milliarden Euro für Maßnahmen des Städtebaulichen Denkmalschutzes bereit, davon rund 2,328 Milliarden Euro für die neuen Länder und rund 0,29 Milliarden Euro für die alten Länder. Bis 2016 konnte der Bund mit diesen Mitteln 503 Städte, davon 238 in Ost- und 265 in Westdeutschland unterstützen. Im Jahr 2017 stellt der Bund weitere Bundesfinanzhilfen in Höhe von rund 103 Millionen Euro zur Förderung städtebaulicher Gesamtmaßnahmen im Städtebaulichen Denkmalschutz bereit.

Bundeskongress

Der Bundeskongress Städtebaulicher Denkmalschutz begleitet das gleichnamige Städtebauförderprogramm seit seiner Einführung in den neuen Ländern im Jahr 1991. Seitdem findet er jährlich mit unvermindert hohen Teilnehmerzahlen statt.

Am 30. und 31. August 2016 haben sich rund 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Rahmen des 24. Kongresses Städtebaulicher Denkmalschutz in Neuruppin zum Thema "Wachstum und Schrumpfung in der historischen Stadt" ausgetauscht und bei einem Festakt die Erfolge des Programms gewürdigt. Staatssekretär Gunther Adler sprach dazu allen Programmakteuren einen besonderen Dank aus. Rund 6,5 Milliarden Euro von Bund, Ländern und Kommunen, fachliches Know-how und großes Engagement unzähliger Akteure haben in den vergangenen 25 Jahren Programmumsetzung dazu beigetragen, zahlreiche historische Stadtkerne und -stadtbereiche in Deutschland zu erhalten, zu stärken und zu revitalisieren.

Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz

Bei der Umsetzung des Programms Städtebaulicher Denkmalschutz wird der Bund durch eine von ihm berufene Expertengruppe Städtebaulicher Denkmalschutz beraten, die regelmäßig in den Programmkommunen tagt und ein Vor-Ort-Monitoring durchführt. Zur Organisation des Wissenstransfers zwischen Bund, Ländern und Kommunen hat der Bund eine Bundestransferstelle Städtebaulicher Denkmalschutz eingerichtet. Sie soll helfen den Erfahrungsaustausch zu Themen des Programms und seiner Umsetzung zu vertiefen.

2. Europäischer Kongress "Die Europäische Stadt und ihr Erbe"

Mit dem zweiten Europäischen Kongress, der am 8. und 9. Dezember 2016 in Berlin stattfand, wurde der 2011 eingeleitete europäische Austausch zur integrierten Betrachtung von Stadtentwicklung und kulturellem Erbe fortgesetzt. Rund 600 Teilnehmer aus 25 Nationen waren der Einladung des BMUB gefolgt und diskutierten unter dem Schwerpunkt "Zeitschichten der europäischen Stadt" aktuelle Themen der Stadtentwicklung in Europa. Dazu gehörte der Umgang mit den gebauten Werten ebenso wie die unterschiedlichen europäischen Instrumente für Planung, Entwicklung, Finanzierung und Denkmalpflege; die Bedarfe von Bewohnern, Besuchern und Zuwanderern; Leitbilder und Konzepte sowie die politische Verortung.

Der Kongress war zugleich die deutsche Auftaktveranstaltung zum Leitthema "Die europäische Stadt" im Kontext des Europäischen Kulturerbejahres "Sharing Heritage" 2018. Hierzu haben das für das Europäische Jahr (ECHY) federführende Deutsche Nationalkomitee für Denkmalschutz (DNK) und das BMUB eine enge Kooperation vereinbart. Die Ergebnisse des Kongresses wurden in der Schlusserklärung: "Herausforderung und Auftrag: Behutsamer Umgang mit den Zeitschichten in der europäischen Stadt" festgehalten.

Zuletzt geändert: 10.01.2017