Demografischer Wandel: Lebensqualität in Stadt und Land fördern

In allen Regionen Deutschlands sollen Menschen gut und gerne leben und arbeiten können. Der demografische Wandel wird unsere Gesellschaft jedoch in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern. Die Menschen werden älter, die Bevölkerung nimmt ab und die Zusammensetzung der Gesellschaft wird vielfältiger. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf jeden Einzelnen – auf Junge wie Alte, Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. Sie betrifft viele wirtschaftlich schwächere und periphere Regionen, aber auch strukturschwache Städte. Einige wirtschaftlich starke Regionen und insbesondere die Zentren profitieren dagegen von Zuwanderung, auch aus dem Ausland. Sowohl wachsende als auch schrumpfende Regionen stehen dabei vor der Herausforderung, ihre sozialen und technischen Infrastrukturen sowie den Wohnungsmarkt an die Veränderungen der Bevölkerung anzupassen.

Ziel der Bundesregierung

Ziel der Bundesregierung ist es, den Menschen in allen Teilen des Landes auch in Zukunft gleichwertige Lebensbedingungen und faire Entwicklungschancen bieten zu können. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) engagiert sich dabei insbesondere darin, die Attraktivität von Städten, Gemeinden und Regionen im demografischen Wandel zu stärken und nachhaltig u gestalten – und zwar als Lebensraum, Wirtschaftsraum, Natur- und Kulturraum. Dabei kommt insbesondere auch der Förderung des sozialen Zusammenhalts und einer lebenswerten Umwelt eine große Bedeutung zu. Denn ein intaktes Umfeld - sozial wie ökologisch - wird mehr und mehr zu einem echten Standortfaktor für Wohnen und Wirtschaften.

Demografiestrategie der Bundesregierung

Um die Auswirkungen des demografischen Wandels aktiv und langfristig zu gestalten, hat die Bundesregierung entschieden, ihre Demografiestrategie aus dem Jahr 2012 in einem Dialog- und Arbeitsgruppenprozess unter der Überschrift "Für mehr Wohlstand und Lebensqualität aller Generationen" weiterzuentwickeln. Das Bundeskabinett hat die weiterentwickelte Demografiestrategie am 2. September 2015 beschlossen. Gefragt ist hierbei nicht nur die Bundesregierung, sondern eine Vielzahl von Gestaltungspartnern aus Bundesländern, Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die Koordinierung obliegt dem Staatssekretärsausschuss "Demografie" unter Federführung des Bundesinnenministeriums. Als zentrale Foren der Zusammenarbeit fand am 22. September 2015 der Strategiekongress Demografie statt und am 16. März 2017 ist der Demografiegipfel der Bundesregierung zum Thema „Zusammenarbeit stärken – Verantwortung übernehmen“ geplant.

In diesem Rahmen leitet das BMUB zusammen mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur sowie dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Arbeitsgruppe "Regionen im demografischen Wandel stärken - Lebensqualität in Stadt und Land fördern" mit Mitgliedern aus den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden. Ihre Aufgabe ist es, Handlungsansätze zur Sicherung der kommunalen Daseinsvorsorge und einer nachhaltigen Siedlungs- und Infrastruktur zu entwickeln. Weiterhin wirkt das BMUB in den vier Unterarbeitsgruppen (UAG) der AG D "Regionen im demografischen Wandel stärken" unter dem Dach der Demografiestrategie der Bundesregierung mit folgenden Schwerpunkten mit

  • UAG 1: "Experimentierklauseln/Erprobung von Standards",
  • UAG 2: "Innenentwicklung, Denkmalschutz, kulturelles Erbe",
  • UAG 3 "Bürgerschaftliches Engagement",
  • UAG 4: "Zuwanderung als Herausforderung und Chance mit besonderem demografischen Handlungsbedarf".

Handlungsfelder des BMUB

Das BMUB gestaltet wesentliche Handlungsfelder zur Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels:

Stadtentwicklungspolitik

Mit seiner Stadtentwicklungspolitik unterstützt das BMUB die Regionen bei der Sicherung und Verbesserung ihrer Attraktivität und Lebensqualität. Der Erhalt historischer Stadt- und Ortskerne, die Belebung von Innenstädten und (Groß-) Siedlungen, die Aufwertung sozialer Brennpunkte und die Stärkung kleiner Städte und Gemeinden als Ankerpunkte ländlicher Entwicklung sind wichtige Ziele der Programme der Städtebauförderung, die zur Bewältigung der Folgen des demografischen Wandels beitragen. Dabei können ganz verschiedene Strukturen – prosperierende wie strukturschwache Stadtteile, Stadtteile mit Bevölkerungsrückgang und starker Alterung, Stadtteile mit hohem Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund – in den Blick genommen werden. Die Innenstädte als Standort für Wirtschaft und Kultur sowie als Orte zum Wohnen, Arbeiten und Leben werden durch die Städtebauförderung gestärkt. Im Fokus stehen aber nicht nur die jeweilige Stadt und die jeweilige Gemeinde, sondern auch die Verflechtungen mit den Regionen. Strategien zur Reduzierung des Flächenverbrauchs und zur Verbesserung der Ressourceneffizienz von Infrastrukturvorhaben sowie die Erfordernisse der Klimaanpassung werden einbezogen, um eine nachhaltige Infrastrukturausrichtung zu ermöglichen. In dieser Legislaturperiode stellt der Bund jährlich 650 Millionen Euro als Bundesfinanzhilfen zur Städtebauförderung zur Verfügung, so viel wie nie zuvor. Dazu kommen 50 Millionen Euro im Rahmen des Bundesprogramms "Nationale Projekte des Städtebaus".

Altersgerecht Wohnen

Für das Wohlbefinden und die Lebensqualität besonders älterer Menschen ist es zudem von entscheidender Bedeutung, dass sie so lange wie möglich in ihrer vertrauten Wohnung bleiben und in ihrem vertrauten Umfeld am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Hierzu müssen unter anderem mehr Häuser und Wohnungen altersgerecht umgebaut und Straßen, Plätze und öffentliche Gebäude möglichst barrierefrei ausgestaltet werden. Ein barrierearmes Umfeld kommt allen Menschen zugute, auch Menschen mit Behinderungen oder Familien mit kleinen Kindern. Am 1. Oktober 2014 startete daher das neue Zuschussprogramm der KfW "Altersgerecht Umbauen". Dadurch können private Eigentümer und Mieter von Zuschüssen profitieren, die dem Abbau von Barrieren in Wohngebäuden dienen und zugleich die Einbruchsicherheit erhöhen sollen. Hierfür stellt der Bund insgesamt 54 Millionen Euro bis 2018 zur Verfügung. Damit wird das seit 5 Jahren erfolgreiche Kreditprogramm der KfW "Altersgerecht Umbauen" um eine Zuschussvariante ergänzt. Kombiniert werden können die Zuschüsse mit den Programmen zur energetischen Gebäudesanierung.

Auch bezahlbares Wohnen trägt zur Sicherheit im Alter bei. Daher hat das BMUB das "Bündnis für bezahlbares Bauen und Wohnen" ins Leben gerufen. Ziel ist es, gemeinsam mit Ländern, Kommunen und Verbänden angemessene und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die zum Neubau von Wohnungen in Ballungsräumen, zur Belebung des sozialen Wohnungsbaus und zur sozialen Sicherung des Wohnens durch bezahlbare Mieten beitragen.

Nachhaltigkeit

Zusätzliche Chancen können sich für Regionen im demografischen Wandel auch aus nachhaltigen Rahmenbedingungen ergeben. Das reiche und lebendige Naturerbe, über das Deutschland verfügt, kann die Attraktivität von Regionen auch für den Arbeitsmarkt erhöhen, Abwanderungstendenzen entgegenwirken und den Zuzug von Fachkräften und Familien unterstützen. Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke einschließlich konkreter Initiativen und Projekte vor Ort, wie etwa der regionalen Produktvermarktung oder einem nachhaltigen Tourismus, tragen zur regionalen Identifikation und Wertschöpfung bei. Auch im Siedlungsbereich kann eine naturnahe Gestaltung und Durchgrünung den Erlebnis- und Erholungswert erhöhen, die Luft- und Klimaverhältnisse verbessern und so zur Aufwertung des Standorts beitragen.

Klimaeffiziente Wohn- und Siedlungsstrukturen werden die Nachfrage nach Immobilien und Quartieren auch in künftigen Generationen begünstigen. Kommunen, die in den Klimaschutz investieren, senken ihre Energiekosten in öffentlichen Gebäuden und entlasten so langfristig ihre Haushalte.

Zu alledem leistet das BMUB vielfältige Beiträge, von der Kommunalrichtlinie unter der Nationalen Klimaschutzinitiative über das KfW-Programm "Energetische Stadtsanierung" und das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 bis hin zur Förderung des Natur- und Landschaftsschutzes.

Zuletzt geändert: 01.02.2017