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Stand: 01.01.2012

Zustand der Oberflächengewässer

Die Bewertung der Oberflächengewässer - dazu zählen Flüsse, Seen, Übergangs- und Küstengewässer – erfolgt auf Ebene der Wasserkörper. Ein Wasserkörper kann ein Fluss oder ein Flussabschnitt sein, ein See, ein Speicherbecken oder der Teil eines Kanals. In Deutschland gibt es insgesamt knapp 9.900 Oberflächenwasserkörper. Die Flüsse mit einem Einzugsgebiet über 10 km² haben eine Fließlänge von insgesamt beinahe 127.000 Kilometern, sie wurden in 9.070 Wasserkörper aufgeteilt. Daneben gibt es 710 Wasserkörper für Seen, fünf Wasserkörper für Übergangs- und 74 Wasserkörper für Küstengewässer. Wie ökologisch intakt ein Oberflächenwasserkörper ist, hängt in erster Linie von den biologischen Qualitätskomponenten ab. Die chemischen, physikalisch-chemischen und hydromorphologischen Komponenten müssen in einer Qualität  vorliegen, dass die Lebensgemeinschaften im Gewässer einen "guten Zustand" aufweisen können. Nur wenn auch die hydromorphologischen und die stofflichen Bedingungen günstig sind, können intakte Lebensgemeinschaften existieren. Darüber hinaus müssen Umweltqualitätsnormen für flussgebietsspezifische Schadstoffe eingehalten werden. Diese Normen entsprechen Konzentrationen eines bestimmten Schadstoffs im Wasser oder im Sediment, die nicht überschritten werden dürfen. Schon wenn lediglich eine Umweltqualitätsnorm überschritten ist, wird der "gute ökologische Zustand" verfehlt.

Die Einstufung des ökologischen Zustandes der Oberflächengewässer wird in §5 der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV) festgelegt und erfolgt anhand folgender Qualitätskomponenten:

  • Biologische Qualitätskomponenten (Fische, Makrozoobenthos, Gewässerflora)
  • Chemische Qualitätskomponenten (flussgebietsspezifische Schadstoffe) und physikalisch - chemische Qualitätskomponenten (zum Beispiel Temperatur, Sauerstoffgehalt, Nährstoffe)
  • Hydromorphologische Qualitätskomponenten (zum Beispiel Wasserhaushalt, Morphologie, Gezeiten)

Der "gute ökologische Zustand" ist erreicht, wenn

  • alle biologischen Qualitätskomponenten mindestens mit "gut" bewertet werden,
  • festgelegte Konzentrationen (Umweltqualitätsnormen) für flussgebietsspezifische Schadstoffe eingehalten werden,
  • die Werte für die allgemeinen Bedingungen in einem Bereich liegen, der die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gewährleistet.

Die eigenständige Einstufung des chemischen Zustandes der Oberflächenwasserkörper nach einheitlichen europäischen Umweltqualitätsnormen erfolgt nach §6 der OGewV. Die zu bewertenden Parameter (prioritäre Stoffe, bestimmte andere Schadstoffe und Nitrat) sind in Anlage 7 aufgeführt. Bei Einhaltung der Umweltqualitätsnormen (UQN) wird der Zustand des OWK als "gut", andernfalls als "nicht gut" eingestuft. Umweltziel für alle Gewässer, "natürliche" als auch "künstliche" und "erheblich veränderte" Gewässer, ist der "gute chemische Zustand". Die Kennzeichnung erfolgt nach §10 der OGewV i.V.m. Anlage 10 in blau für den "guten chemischen Zustand" und in rot für den "nicht guten chemischen Zustand".

Bei Einleitungen oder Einträgen prioritärer Stoffe muss die Einhaltung der UQN überwacht werden. Dies erfolgt anhand von Jahresdurchschnittswerten (JD-UQN). Für einige Schadstoffe mit hoher akuter Toxizität wurde zusätzlich eine zulässige Höchstkonzentration (ZHK-UQN) festgelegt, die der Maximalwert nicht überschreiten darf.

Der ökologische Zustand der Oberflächengewässer in Deutschland zeigt 2009 folgendes Bild:

In Deutschland gibt es rund 9.900 Oberflächenwasserkörper. 10% davon erreichen den "sehr guten" oder den "guten ökologischen Zustand/das gute ökologische Potenzial". Natürliche Oberflächengewässer werden nach dem den ökologischen Zustand, künstliche und erheblich veränderte Gewässer nach ihrem ökologischen Potenzial bewertet. Zur Vereinfachung werden nachfolgend beide Zustände zusammenfassend als ökologischer Zustand bezeichnet.

87% der Oberflächenwasserkörper verteilen sich auf die ökologischen Bewertungsklassen "mäßig" (30%), "unbefriedigend" (34%) und "schlecht" (23%). Ein kleiner Teil der Oberflächenwasserkörper (3%) wurde bislang noch nicht bewertet ("unklar"). 88% der Oberflächenwasserkörper erreichen den "guten chemischen Zustand". Diese Einstufung wird nicht mehr so positiv ausfallen, wenn die neue Richtlinie über Umweltqualitätsnormen (Richtlinie 2008/105/EG), die mit den OGewV umgesetzt worden ist, zur Bewertung des chemischen Zustands überall angewendet wird. Insgesamt erreichen bislang 9,5% der Oberflächenwasserkörper einen "guten Zustand". Wenn Fließgewässer in Deutschland den "guten ökologischen Zustand" nicht erreichen, liegt das meist an einer tiefgreifenden Veränderung der Hydromorphologie und an zu hohen Nährstoffbelastungen. Bei Seen, Übergangs- und Küstengewässern sind hauptsächlich die erhöhten Nährstoffeinträge für die Zielverfehlung verantwortlich.

Etwas anders stellt sich die Situation beim chemischen Zustand der Oberflächengewässer in Deutschland dar:

Im Gegensatz zum ökologischen Zustand ist der chemische Zustand für einen Großteil der OWK als "gut" einzustufen. So erreichen 88% der OWK der Fließgewässer den "guten chemischen Zustand". Bei den Seen sind es 92% und bei den Küstengewässern 98%. Eine Ausnahme stellen die Übergangsgewässer dar: von den fünf zu bewertenden Wasserkörpern erreichen zwei den "guten chemischen Zustand" (40%). Überschreitungen der UQN treten häufig durch Belastungen der Gewässer mit Polyzyklischen Aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Bioziden, Pestiziden sowie Schwermetallen (vor allem Cadmium und Quecksilber) auf. Auch zu hohe Gehalte von Flammschutzmitteln, Fluoranthen und DEHP (Weichmacher) führen zu Überschreitungen.

Abbildung: Ökologischer und chemischer Zustand der Oberflächengewässer in Deutschland. Datenquelle: Berichtsportal Wasserblick/BfG, Stand 22.03.2010

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