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Zustand der Oberflächengewässer

Die Bewertung der Oberflächengewässer – dazu zählen Flüsse, Seen, Übergangs- und Küstengewässer – erfolgt auf Ebene der Wasserkörper. Ein Wasserkörper kann ein Fluss oder ein Flussabschnitt sein, ein See, ein Speicherbecken oder der Teil eines Kanals. In Deutschland gibt es insgesamt knapp 9900 Oberflächenwasserkörper. Die Flüsse mit einem Einzugsgebiet über 10 Quadratkilometern haben eine Fließlänge von insgesamt beinahe 127.000 Kilometern, sie wurden in 9070 Wasserkörper aufgeteilt. Daneben gibt es 710 Wasserkörper für Seen, fünf Wasserkörper für Übergangs- und 74 Wasserkörper für Küstengewässer. Wie ökologisch intakt ein Oberflächenwasserkörper ist, hängt in erster Linie von den biologischen Qualitätskomponenten ab. Die chemischen, physikalisch-chemischen und hydromorphologischen Komponenten müssen in einer Qualität  vorliegen, dass die Lebensgemeinschaften im Gewässer einen "guten Zustand" aufweisen können. Nur wenn auch die hydromorphologischen und die stofflichen Bedingungen günstig sind, können intakte Lebensgemeinschaften existieren. Darüber hinaus müssen Umweltqualitätsnormen für flussgebietsspezifische Schadstoffe eingehalten werden. Diese Normen entsprechen Konzentrationen eines bestimmten Schadstoffs im Wasser oder im Sediment, die nicht überschritten werden dürfen. Schon wenn lediglich eine Umweltqualitätsnorm überschritten ist, wird der "gute ökologische Zustand" verfehlt.

Die Einstufung des ökologischen Zustandes der Oberflächengewässer wird in §5 der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV) festgelegt und erfolgt anhand folgender Qualitätskomponenten:

  • Biologische Qualitätskomponenten (Fische, Makrozoobenthos, Gewässerflora)
  • Chemische Qualitätskomponenten (flussgebietsspezifische Schadstoffe) und physikalisch – chemische Qualitätskomponenten (zum Beispiel Temperatur, Sauerstoffgehalt, Nährstoffe)
  • Hydromorphologische Qualitätskomponenten (zum Beispiel Wasserhaushalt, Morphologie, Gezeiten)

Der "gute ökologische Zustand" ist erreicht, wenn

  • alle biologischen Qualitätskomponenten mindestens mit "gut" bewertet werden,
  • festgelegte Konzentrationen (Umweltqualitätsnormen) für flussgebietsspezifische Schadstoffe eingehalten werden,
  • die Werte für die allgemeinen Bedingungen in einem Bereich liegen, der die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gewährleistet.

Die eigenständige Einstufung des chemischen Zustandes der Oberflächenwasserkörper nach einheitlichen europäischen Umweltqualitätsnormen erfolgt nach §6 der OGewV. Die zu bewertenden Parameter (prioritäre Stoffe, bestimmte andere Schadstoffe und Nitrat) sind in Anlage 7 aufgeführt. Bei Einhaltung der Umweltqualitätsnormen (UQN) wird der Zustand des OWK als "gut", andernfalls als "nicht gut" eingestuft. Umweltziel für alle Gewässer, "natürliche" als auch "künstliche" und "erheblich veränderte" Gewässer, ist der "gute chemische Zustand". Die Kennzeichnung erfolgt nach §10 der OGewV i.V.m. Anlage 10 in blau für den "guten chemischen Zustand" und in rot für den "nicht guten chemischen Zustand".

Bei Einleitungen oder Einträgen prioritärer Stoffe muss die Einhaltung der UQN überwacht werden. Dies erfolgt anhand von Jahresdurchschnittswerten (JD-UQN). Für einige Schadstoffe mit hoher akuter Toxizität wurde zusätzlich eine zulässige Höchstkonzentration (ZHK-UQN) festgelegt, die der Maximalwert nicht überschreiten darf.

Der ökologische Zustand der Oberflächengewässer in Deutschland zeigt 2015 folgendes Bild:

In Deutschland werden im aktualisierten Bewirtschaftungszyklus über 9800 Oberflächenwasserkörper bewirtschaftet. Die Bewertung dieser Wasserkörper zeigt, dass 8,2 Prozent das Bewirtschaftungsziel der Wasserrahmenrichtlinie erreichen und sich in einem "sehr guten" oder "guten ökologischen Zustand/Potenzial" befinden. 36,1 Prozent befinden sich in einem "mäßigen", 33,8 Prozent in einem "unbefriedigenden", und nur noch 19,2 Prozent in einem "schlechten ökologischen Zustand". Ein geringer Teil der Oberflächenwasserkörper (2,7 Prozent) konnte bislang noch nicht belastbar bewertet werden.

Wenn Fließgewässer in Deutschland den "guten ökologischen Zustand" nicht erreichen, liegt das meist an der unzureichenden Gewässerstruktur. Das bedeutet, dass naturnahe Lebensräume für die Tier- und Pflanzenwelt fehlen oder die Durchgängigkeit der Gewässer durch Querbauwerke unterbrochen ist. Ein weiterer Grund sind die hohen Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft und der Abwasserreinigung, die vor allem bei Seen, Übergangs- und Küstengewässern für die Zielverfehlung verantwortlich sind.

Eine Verbesserung des ökologischen Zustands im Vergleich zu den Ergebnissen aus dem Jahr 2009 ist vor allem an den Wasserkörpern mit der Bewertung "mäßig" erkennbar. Davon waren viele zuvor als "unbefriedigend" und "schlecht" eingestuft worden. Die insgesamt etwas schlechtere Einstufung der Gewässer in einem "sehr guten" oder "guten ökologischen Zustand" basiert unter anderem auf der Weiterentwicklung der Bewertungsverfahren oder auf neuen Informationen über die Belastungen.

Der chemische Zustand wird in ganz Deutschland als "nicht gut" eingestuft. Grund hierfür sind die flächendeckend auftretenden (ubiquitären) Schadstoffe (beispielsweise das Metall Quecksilber oder die bei der Verbrennung entstehenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe), die in allen Gewässern die Normen überschreiten. Ohne die Bewertung der ubiquitären Stoffe sind 84 Prozent der Oberflächengewässer in einem "guten" und 6 Prozent in einem "nicht guten chemischen Zustand". Aufgrund der neuen Regelungen zur Bewertung des chemischen Zustands ist eine Einstufung ohne die ubiquitären Stoffe nicht zwingend erforderlich. Aus diesem Grund wurden 10 Prozent der Gewässer nicht bewertet. Beim chemischen Zustand sind die Ergebnisse von 2009 und 2015 nicht miteinander vergleichbar, da mit den EG-Richtlinien über prioritäre Stoffe von 2008 und 2013 viele neue Qualitätsnormen hinzugekommen sind beziehungsweise Umweltqualitätsnormen deutlich verschärft wurden.

Von den knapp 1180 bewerteten Grundwasserkörpern in Deutschland erreichen 95,7 Prozent einen "guten mengenmäßigen Zustand". Die wenigen Wasserkörper, in denen der mengenmäßige Zustand "schlecht" ist, sind zumeist durch Bergbauaktivitäten belastet. Kontinuierliche Wasserentnahmen führen hier häufig zu einer weitreichenden Grundwasserabsenkung. 63,7 Prozent der Grundwasserkörper erreichen einen "guten chemischen Zustand", 36 Prozent der Grundwasserkörper sind in einem "schlechten Zustand" und nur wenige Grundwasserkörper wurden noch nicht bewertet (0,3 Prozent). Hauptursache für die Zielverfehlung ist Nitrat im Grundwasser. Von den als "schlecht" eingestuften Grundwasserkörpern verfehlen knapp 74 Prozent die Bewirtschaftungsziele wegen zu hoher Nitratkonzentrationen.

Zuletzt geändert: 06.01.2017