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Stand: 01.03.2013

Umgang mit wassergefährdenden Stoffen

Der Schutz der Gewässer ist für die Gesundheit der Bevölkerung, zum Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und als Voraussetzung für wirtschaftliche Entwicklung unverzichtbar. Dazu sind die Gewässer als Bestandteil des Naturhaushaltes und als Lebensraum für Tier und Pflanze zu sichern und so zu bewirtschaften, dass sie dem Wohl der Allgemeinheit und im Einklang mit ihm auch dem Nutzen einzelner dienen und vermeidbare Beeinträchtigungen ihrer ökologischen Funktionen unterbleiben.

Eines der wesentlichen Instrumente des Vorsorgeprinzips ist es, zu verhindern, dass wassergefährdende Stoffe aus Anlagen auslaufen und in den oberirdischen Gewässern und dem Grundwasser zu Verunreinigungen führen. Dabei geht es nicht nur um spektakuläre Schäden wie nach dem Brand bei der Firma Sandoz in Basel, Fischsterben oder Beeinträchtigungen der Trinkwasserversorgung, sondern auch um auf den ersten Blick nicht sichtbare Schädigungen von Wasserorganismen, wie Algen oder Kleinkrebsen.

Was sind wassergefährdende Stoffe?

Wassergefährdende Stoffe werden über ihre physikalischen, chemischen und human- und ökotoxikologischen Eigenschaften definiert und führen zu nachteiligen Veränderungen der Wasserbeschaffenheit. Zu ihnen zählt der überwiegende Teil der Stoffe, mit denen in Industrie und Gewerbe, aber auch im privaten Bereich umgegangen wird, also z.B. Öle, Kraftstoffe, Lösemittel, Säuren, Laugen oder Salze.

Als Maßstab für ihre Wassergefährdung werden sie nach dem Bewertungsschema der Verwaltungsvorschrift über die Einstufung wassergefährdender Stoffe in drei Wassergefährdungsklassen (WGK) eingestuft:

  • WGK 1: schwach wassergefährdend (z.B. Essigsäure, Natronlauge, Alkohol oder Jod)
  • WGK 2: wassergefährdend (z.B. Heizöl, Formaldehyd, Natriumhypochlorit)
  • WGK 3: stark wassergefährdend (z.B. Altöl, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Benzol)

Die Einstufung bildet die Grundlage für abgestufte Sicherheitsanforderungen an die Anlagen und muss vom Betreiber vorgenommen werden, sofern ein wassergefährdender Stoff noch nicht eingestuft ist. Eine Recherche, welcher Stoff schon eingestuft wurde, kann über die Verwaltungsvorschrift oder im Internet unter webrigoletto.uba.de erfolgen.

Rechtliche Grundlagen und Zuständigkeiten

Der Besorgnisgrundsatz und die grundlegenden Betreiberpflichten finden sich in den §§ 62 und 63 des Wasserhaushaltsgesetzes. Die konkrete technische Ausgestaltung und die entsprechenden Pflichten einschließlich auch erforderlicher Anzeige- und Eignungsfeststellungsverfahren sind in den Verordnungen über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen (VAwS) der Länder festgelegt.

Seit der Föderalismusreform von 2006 verfügt der Bund über die erweiterte Gesetzgebungskompetenz, die eine Bundesverordnung ermöglicht und bei stoff- und anlagenbezogen Regelungen abweichungsfest ist. Der Entwurf dieser Verordnung liegt seit Ende 2010 vor. Mit dem Erlass der Verordnung ist im 1. Quartal 2014 zu rechnen. Bis dahin gelten die Verordnungen der Länder und die Übergangsverordnung (PDF, extern, 33 KB) fort.

Vorschriften zu technischen Anlagen

Das Wasserhaushaltsgesetz (WHG) legt den bundesweiten Maßstab fest, dem die Anlagen (z.B. Öltanks, Tankstellen, Lager oder Destillieranlagen) genügen müssen. Nach dem sog. Besorgnisgrundsatz in § 62 Absatz 1 WHG müssen Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen so beschaffen sein und so errichtet, unterhalten, betrieben und stillgelegt werden, dass eine nachteilige Veränderung der Eigenschaften von Gewässern nicht zu besorgen ist. Dies ist dann gegeben, wenn Maßnahmen zur primären und sekundären Sicherheit getroffen worden sind und der Betreiber bestimmten Pflichten nachkommt und Überwachungsmaßnahmen vorsieht.

Die primäre Sicherheit gewährleistet, dass die Anlagen und Anlagenteile, in denen sich die wassergefährdenden Stoffe befinden, den mechanischen, chemischen und thermischen Beanspruchungen standhalten. Sie müssen also während der gesamten Betriebsdauer dicht sein und bleiben, so dass keine wassergefährdenden Stoffe auslaufen.

Die sekundäre Sicherheit ist eine zweite Sicherheitsbarriere, die beim Versagen des Behälters oder anderer Anlagenteile einen Schaden in der Umwelt verhindert. Dazu zählen insbesondere Auffangwannen oder andere Rückhalteeinrichtungen, die unabhängig von der primären Sicherheit sind und die die bei Leckagen austretenden wassergefährdenden Stoffe ohne weiteres menschliches Zutun sicher auffangen.

Überwachungsmaßnahmen dienen dazu, festzustellen, ob die Anlage noch dicht ist und die Sicherheitseinrichtungen noch funktionieren und sollen außerdem eine schnelle und zuverlässige Gefahrenerkennung und –beseitigung garantieren. Verantwortlich dafür ist zunächst der Betreiber selber, der aber vor Inbetriebnahme einer Anlage und regelmäßig wiederkehrend zusätzlich externe Sachverständige zu beauftragen hat, eine Anlagenprüfung durchzuführen.

Bei Errichtung und Betrieb der Anlagen sind immer die allgemein anerkannten Regeln der Technik zu beachten (§ 62 Abs 2 WHG). Unter den allgemein anerkannten Regeln der Technik (a.a.R.d.T.) sind insbesondere die in technischen Normen und Vorschriften festgeschriebenen Prinzipien und Lösungen zu verstehen, die in der Praxis erprobt und bewährt sind und bei der Mehrheit der auf diesem Gebiet tätigen Fachleute anerkannt sind. Als technische Regeln gelten insbesondere die verschiedenen Teile der Bauregelliste des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt). Dort sind Bauprodukte für ortsfest verwendete Anlagen zum Lagern, Abfüllen und Umschlagen wassergefährdender Stoffe aufgeführt, bei denen die Anforderungen des Gewässerschutzes mitberücksichtigt sind (Näheres unter www.dibt.de).

Zu den allgemein anerkannten Regeln der Technik zählen auch die für bestimmte Anlagen (z.B. Heizölverbraucheranlagen) und Bauweisen (z.B. Ausführung von Dichtflächen) veröffentlichten Technischen Regeln wassergefährdende Stoffe (TRwS) der Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. DWA (Näheres unter www.dwa.de).

Prüfung der Anlagen

Neben der Überwachung durch den Betreiber muss ein großer Teil der Anlagen vor Inbetriebnahme und regelmäßig wiederkehrend durch einen externen Sachverständigen geprüft werden. Diese Sachverständigen müssen einer anerkannten Sachverständigenorganisation angehören. Einen Überblick über die derzeit anerkannten Organisationen finden Sie unter www.lanuv.nrw.de Wird bei diesen Prüfungen ein Mangel an der Anlage festgestellt, ist dieser unverzüglich zu beseitigen.

Rohrfernleitungen

Rohrfernleitungen sind Leitungen, in denen wassergefährdenden Stoffe transportiert werden und die werküberschreitend über mehrere Grundstücke führen. Diese unterlagen früher auch dem Wasserhaushaltsgesetz, wurden jedoch zusammen mit anderen Rohrleitungen im Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung zusammengefasst (§§ 20 ff. in Verbindung mit Nr. 19.3 Anlage 1, UVPG). In der Rohrfernleitungsverordnung finden sich dann die speziellen technischen und organisatorischen Anforderungen an diese Rohrleitungen. Wesentliche Dokumente hierzu wurden vom Ausschuss für Rohrfernleitungen (AfR) erarbeitet. Diese finden sich im Internet unter: www.bam.de.

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