Energieverbrauchskennzeichnung

Ein wesentliches Instrument zur Umsetzung des Top Runner-Ansatzes ist die EU-weit verpflichtende Kennzeichnung von Produkten hinsichtlich des Energie- und Ressourcenverbrauchs in der Nutzungsphase. Eine solche Kennzeichnung ermöglicht es Verbrauchern, sich beim Einkauf über den Energie- und Ressourcenverbrauch von Produkten zu informieren, Produkte zu vergleichen und die Kaufentscheidung danach auszurichten. Hersteller erhalten ebenfalls einen Anreiz, ihre Produkte ständig zu verbessern. Dadurch wird insgesamt die Marktdurchdringung mit besonders effizienten Produkten gesteigert.

Der Ausgangspunkt für die Kennzeichnungspflicht in Europa war die Richtlinie 79/530/EWG1, welche Anforderungen an die Energieverbrauchskennzeichnung von Backöfen stellte. Die Richtlinie 92/75/EWG2 führte dann die heute bekannte "A-G Kennzeichnung" ein, insbesondere für Produkte der weißen Ware und für Raumklimageräte. Aufgrund der immer effizienter werdenden Geräte wurde eine Novellierung der Richtlinie notwendig. Im Jahr 2010 trat die Neufassung der "Richtlinie über die Angabe des Verbrauchs an Energie und anderen Ressourcen durch energieverbrauchsrelevante Produkte mittels einheitlicher Etiketten und Produktinformationen" in Kraft (2010/30/EU).

Der Anwendungsbereich des Kennzeichens ist seitdem nicht mehr auf Haushaltsgeräte, wie z. B. Kühlschränke und Waschmaschinen beschränkt, sondern offen für alle energieverbrauchsrelevanten Produkte. Eine wesentliche Neuerung war unter anderem die Einführung der Effizienzklassen A+ bis A+++. Die Kennzeichnung wird produktgruppenspezifisch durch delegierte Rechtsakte der Kommission umgesetzt. Am 28. September 2010 legte die europäische Kommission für die ersten vier Produktgruppen Vorschläge vor. Damit wurde erstmals ein Energieetikett für Fernsehgeräte eingeführt. Für Kühlgeräte, Geschirrspüler und Waschmaschinen wurde die bestehende Kennzeichnungsregelung modernisiert. In den Folgejahren wurden weitere Kennzeichnungen eingeführt bzw. an die technische Entwicklung angepasst, wie zum Beispiel für Zentralheizungen und Warmwasserbereiter, Wäschetrockner, Staubsauger, Klimageräte, Lampen und Backöfen.

Das Bundesumweltministerium setzt sich seit Beginn dafür ein, das Energieetikett mit einer anspruchsvollen Einteilung von Effizienzklassen für weitere Produktgruppen einzuführen. In Abhängigkeit der Funktionsweise eines Produkts sollten neben dem Energieverbrauch weitere, für Verbraucher wichtige Informationen auf dem Etikett ausgewiesen werden, wie zum Beispiel Angaben über den Wasserverbrauch, Treibhausgas- oder Lärmemissionen.

Der technische Fortschritt bei der Energieeffizienz führte dazu, dass viele Produktgruppen heute bereits die höchste Effizienzklasse von "A+++" erreicht haben. Seit der Überarbeitung der Richtlinie im Jahr 2010 hat sich unter anderem gezeigt, dass die Einführung der Energieeffizienzklasse A+ und höherer Klassen die Wirksamkeit des Energieetiketts hinsichtlich der Motivation der Verbraucher, effizientere Produkte zu kaufen, verringert hat. Vor diesem Hintergrund hat die EU-Kommission im Jahr 2015 vorgeschlagen, die Richtlinie aufzuheben und als Verordnung neu zu fassen. Am 1. August 2017 ist die neue EU-Energielabel-Verordnung in Kraft getreten. Die "Plusklassen" wurden abgeschafft und die Buchstaben A-G decken nun wieder alle zulässigen Energieeffizienzklassen ab. Delegierte Rechtsakte, die für jede einzelne Produktgruppe die Details zur Anforderung an das Energielabel regeln, bleiben solange weiter in Kraft, bis sie durch einen neuen delegierten Rechtsakt für die betreffende Produktgruppe aufgehoben werden. Zuerst werden die Verordnungen zu Waschmaschinen, Kühlschränken, Geschirrspüler, TV und Beleuchtung überarbeitet. Nach einer Umstellungszeit für die Hersteller von in der Regel 1 Jahr werden die neuen Energielabel mit der Skala A-G für die Verbraucherinnen und Verbraucher ab Anfang 2020 in den Geschäften sichtbar. Aus dem Inkrafttreten der Verordnung ergeben sich unmittelbare Änderungen. Eine Neuerung ist die Einrichtung einer Produktdatenbank, die über ein Online-Portal zugänglich ist und sämtliche gekennzeichneten Produkte enthalten wird. In der Werbung müssen Lieferanten und Händler nun noch deutlicher auf die Energieeffizienzklasse der Produkte hinweisen und das jeweilige Spektrum der Effizienzklassen nennen, innerhalb dessen Produkte auf dem Markt angeboten werden dürfen.


1 Richtlinie 79/531/EWG des Rates vom 14. Mai 1979 über die Anwendung der Richtlinie 79/530/EWG zur Unterrichtung über den Energieverbrauch von Haushaltsgeräten durch Etikettierung auf elektrische Backöfen

2 Richtlinie 92/75/EWG des Rates vom 22. September 1992 über die Angabe des Verbrauchs an Energie und anderen Ressourcen durch Haushaltsgeräte mittels einheitlicher Etiketten und Produktinformationen

Zuletzt geändert: 12.09.2017