Kurzinfo Produkte und Konsum

Produkte und Konsum – Worum geht es?

Der Konsum von Produkten beeinflusst immer stärker nicht nur die wirtschaftliche und soziale Situation der Menschen, sondern auch den Zustand der Umwelt. Von der Herstellung sowie dem Gebrauch von Produkten können starke Umweltbeeinträchtigungen ausgehen. So ist allein der Konsum der privaten Haushalte für mehr als ein Viertel aller direkten Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Die Produktion der Konsumgüter ist dabei noch nicht einmal einbezogen. Hier liegt folglich ein großes Potenzial zur Verringerung der Umweltbelastung. Es geht darum, dieses Potenzial zu erkennen und zu nutzen. So können zum Beispiel durch die Veränderung von Herstellungsprozessen, verändertes Produktdesign oder Verhaltensänderungen der Konsumentinnen und Konsumenten die Umwelteinflüsse verringert werden.

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Ziele

"Nachhaltigkeit ist ein Qualitätsmerkmal von Produkten" soll zur selbstverständlichen Leitidee für Verbraucherinnen und Verbraucher, aber ebenso für die Wirtschaft und die öffentliche Verwaltung in Deutschland werden. Es geht nicht darum, ob, sondern vielmehr, wie und was konsumiert wird. Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion sind daher eng miteinander verknüpft.

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Politik der Bundesregierung

Nationales Programm für nachhaltigen Konsum

Nationales Programm für nachhaltigen Konsum Zur Förderung des nachhaltigen Konsums hat die Bundesregierung am 24. Februar 2016 das vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit erarbeitete und gemeinsam mit dem Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft vorgelegte Nationale Programm für nachhaltigen Konsum beschlossen. Darin legt die Bundesregierung dar, wie nachhaltiger Konsums auf nationaler Ebene in unterschiedlichen Bereichen systematisch gestärkt und ausgebaut werden soll. Das Programm, das auch einen wichtigen Schritt für die Umsetzung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung und insbesondere dem globalen Nachhaltigkeitsziel 12 (SDG 12) darstellt, soll den nachhaltigen Konsum von der Nische zum Mainstream befördern und die Konsumkompetenz der Verbraucherinnen und Verbraucher steigern. Gleichzeitig soll die Teilhabe aller Bevölkerungsgruppen am nachhaltigen Konsum gewährleistet werden.

Das Programm adressiert die sechs Konsumbereiche, in denen sich das größte Potenzial für Entlastungen befindet, namentlich Mobilität, Ernährung, Wohnen und Haushalt, Büro und Arbeit, Bekleidung sowie Tourismus und Freizeit. Darüber hinaus werden auch übergreifende Handlungsfelder adressiert, unter anderem Bildung, Verbraucherinformationen, Forschung. Das Programm stellt auch eine Plattform dar, die die Beteiligung aller relevanten gesellschaftlichen Gruppen ermöglichen soll. Nur mit Beteiligung der gesellschaftlichen Gruppen kann eine Veränderung der Konsummuster in unserer Gesellschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit erreicht werden.

Zur Unterstützung der Umsetzung des Programms wurde das nationale Netzwerk Nachhaltiger Konsum sowie das Kompetenzzentrum Nachhaltiger Konsum mit einer Geschäftsstelle im Umweltbundesamt ins Leben gerufen.

Top Runner-Ansatz

Das Leitbild der Bundesregierung im produktbezogenen Umweltschutz ist das "Top Runner"-Prinzip, mit dem eine schnelle Durchdringung des Marktes mit der umweltverträglichsten beziehungsweise ressourcen- oder energieeffizientesten Technologie erreicht werden soll. Kernidee des in Japan entwickelten Top Runner-Ansatzes ist es, das beste am Markt befindliche Produkt zum Standard zu erheben, der von den anderen Produkten der Produktgruppe innerhalb einer bestimmten Frist erreicht werden muss. Produkte, die dies nicht erreichen, dürfen nach Ablauf der Frist nicht mehr auf den Markt gebracht werden.

Zur Umsetzung des Top Runner-Prinzips im EU-Binnenmarkt stehen heute folgende Instrumente zur Verfügung: 

  • Mindesteffizienzstandards (Ökodesign-Richtlinie)
  • Verpflichtende Energieverbrauchskennzeichnung
  • Freiwillige Umweltkennzeichnung von Vorreiterprodukten (EU-Umweltzeichen und der Blaue Engel)
  • Umweltkriterien für die öffentliche Beschaffung

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Mindesteffizienzstandards (Ökodesign-Richtlinie)

Die Ökodesign-Richtlinie bildet den europäischen Rechtsrahmen für die Festlegung von Anforderungen an die umweltgerechte Gestaltung energieverbrauchsrelevanter Produkte. Die Umsetzung der Ökodesign-Richtlinie führt dazu, dass besonders ineffiziente Geräte vom europäischen Markt ausgeschlossen werden. Im Vordergrund stehen bislang Anforderungen an die Energieeffizienz der Produkte. Ein Erfolg dieser Politik ist zum Beispiel die Reduktion des Stand-by-Verbrauchs für Haushalts- und Bürogeräte auf ein bis zwei Watt. Jedoch sollen zukünftig auch andere Umweltaspekte, wie zum Beispiel der Ressourcenverbrauch von Produkten, stärker berücksichtigt werden.

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Verpflichtende Energieverbrauchskennzeichnung

Die EU-weit verpflichtende Kennzeichnung von Produkten hinsichtlich des Energie- und Ressourcenverbrauchs in der Nutzungsphase (Energieetikett) ermöglicht es Verbraucherinnen und Verbrauchern, sich beim Kauf von Produkten über deren Energie- und Ressourcenverbrauch zu informieren, Produkte zu vergleichen und die Kaufentscheidung danach auszurichten. Hersteller erhalten ebenfalls einen Anreiz, ihre Produkte ständig zu verbessern. Dadurch wird insgesamt die Marktdurchdringung mit besonders effizienten Produkten gesteigert.

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Freiwillige Umweltkennzeichnung von Vorreiterprodukten (EU-Umweltzeichen und der Blaue Engel)

In Deutschland ist das bekannteste Umweltkennzeichen im Produktbereich der Blaue Engel. Er wird bereits seit fast 40 Jahren vergeben und bewertet mehr als 12.000 Produkte und Dienstleistungen in circa 120 Produktgruppen. Der Blaue Engel ist ein für Hersteller freiwilliges Zeichen. Er garantiert Verbraucherinnen und Verbrauchern ein besonders umweltfreundliches und funktionales Produkt. Seit der Reform des Blauen Engels in 2009 weist das Zeichen spezifischer auf den Schwerpunkt des Umweltschutzes in Hinblick auf das jeweilige Produkt hin. Den Blauen Engel gibt es derzeit in den Bereichen Klima-, Wasser-, Gesundheits- und Ressourcenschutz. Eine gezielte Suche nach Produkten ist online beim Blauen Engel möglich.

Das EU-Umweltzeichen ist das anerkannte Umweltzeichen der Europäischen Union. Das 1992 eingeführte freiwillige Zeichen hat sich zu einer Referenz für Verbraucherinnen und Verbraucher in ganz Europa entwickelt, die mit dem Kauf von umweltfreundlicheren Produkten und Dienstleistungen zu einer Verringerung der Umweltverschmutzung beitragen wollen.

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Umweltkriterien für die öffentliche Beschaffung

Ein weiteres wichtiges Instrument ist die sogenannte umweltfreundliche öffentliche Beschaffung: Wenn Bund, Länder oder Kommunen Einkäufe tätigen, sei es etwa für Schulen, Verwaltungsgebäude oder im Straßenbau, sollen sie mit gutem Beispiel vorangehen und innovative und umweltfreundliche Produkte bevorzugen. Indem die Nachfrage auch institutioneller Verbraucher erhöht wird, werden Märkte für umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen neu geschaffen oder ausgebaut.

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Verbraucherinformation

Verbraucherinnen und Verbraucher können durch bewusste Konsumentscheidungen negative Umweltwirkungen verringern und wertvolle Ressourcen schonen. Umweltkennzeichen wie der Blaue Engel, das EU-Umweltzeichen, das Bio-Siegel oder die Energieverbrauchskennzeichnung geben praktische Orientierungshilfen für die Auswahl von Produkten sowie Kaufentscheidungen. Darüber hinaus gibt es eine große Bandbreite weiterer Siegel mit Unterschieden in den Bereichen Umweltfreundlichkeit, Sozialverträglichkeit und Glaubwürdigkeit; das Internetportal "Siegelklarheit" bietet hier für einige Produktgruppen Orientierung. Eine weitere Herausforderung liegt darin, umweltbezogene Verbraucherinformationen auch im E-Commerce zu gewährleisten.

Nach Studien der Europäischen Kommission liegen die größten Potenziale zur Umweltentlastung in den Bereichen Lebensmittel, Verkehr und Bauen/Wohnen, hierbei vor allem im Bereich der Haushaltsgeräte. Nachhaltige Produkte sind vielfach schon vorhanden – es kommt darauf an, sie auch nachzufragen!

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Internationale Produktpolitik

Nachhaltiger Prozess: Von Rio nach Rio

Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro im Jahr 1992 gab es erste Diskussionen zum Thema nachhaltiger Konsum – in Johannesburg im Jahr 2002 wurde der sogenannte "Marrakesch-Prozess" gestartet. Vor allem die Industriestaaten wurden aufgefordert, nachhaltigen Konsum und nachhaltige Produktion zu fördern.

Auf dem Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung in Rio de Janeiro (Rio+20) im Jahr 2012 wurde der 10-Jahres-Rahmen für Programme für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster beschlossen. Dieser stellt den globalen Rahmen für Aktivitäten im Bereich der Konsum- und Produktionsweisen dar.

In der im September 2015 von den Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen beschlossenen "2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung" wurden die globalen Nachhaltigkeitsziele verabschiedet, in der die Umsetzung nachhaltiger Konsum- und Produktionsmuster in einem eigenen globalen Ziel (Ziel 12: Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen) sowie in weiteren Kapiteln verankert sind.

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Europäische Produktpolitik

Die Europäische Kommission hat zahlreiche Initiativen zur umweltbezogenen Produktpolitik auf den Weg gebracht. Hierzu zählt unter anderem die Mitteilung zur Integrierten Produktpolitik (IPP) vom Juni 2003, mit der ein Grundstein für die Berücksichtigung der Umweltwirkungen über den gesamten Lebensweg von Produkten gelegt wurde. Die europäische Rahmenrichtlinie zu Ökodesign sorgt dafür, dass auch bei der Produktgestaltung Umwelterfordernisse berücksichtigt werden. Daneben gibt es zahlreiche EU-Initiativen wie das EU-Umweltzeichen, Initiativen zur öffentlichen Beschaffung (Green Public Procurement) oder zum Umweltmanagementsystem EMAS.

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Zuletzt geändert: 17.08.2017