Top Runner-Ansatz

Der Top Runner-Ansatz ist ein produktbezogener umweltpolitischer Ansatz, der auf die Durchdringung des Marktes mit der umweltverträglichsten beziehungsweise ressourcen- und/oder energieeffizientesten Technologie innerhalb einer bestimmten Produktgruppe abzielt.

Das Top Runner-Modell wurde erstmals in Japan umgesetzt. Dort wird das beste am Markt befindliche Produkt zum Standard erhoben (zum Beispiel Wasserverbrauch einer 5-Kilogramm-Waschmaschine, Energieverbrauch eines Fernsehers), der von den anderen Produkten der Produktgruppe innerhalb einer bestimmten Frist (zum Beispiel 5 Jahre) erreicht werden muss. Produkte, die dies nicht erreichen, dürfen dann nicht mehr auf den Markt gebracht werden.

Der Top Runner-Ansatz soll den technischen Fortschritt in einem Markt (eines Landes oder einer Region) fördern und dabei die Verbreitung besonders umweltfreundlicher Produkte beschleunigen. Anbieter von außerhalb des Marktes werden zur Anpassung gezwungen und so auch internationale Wettbewerbsverzerrungen für inländische Anbieter vermieden. Dabei geht der Ansatz von einem grundlegenden Wandel von am Durchschnitt orientierten Standards zu hohen Standards aus. Die Entwicklung und Produktion bester Technologien soll Wettbewerbsvorteile schaffen.

Derzeit gibt es über fünfzig Länder, die Mindesteffizienzstandards eingeführt haben. Darüber hinaus stehen für die Ausgestaltung des Top Runner-Modells weitere Instrumente zur Verfügung, sodass es in der politischen Praxis zu unterschiedlichen Formen der Umsetzung kommt. In der EU besteht beispielsweise ein Instrumenten-Mix aus Mindesteffizienzstandards (Ökodesign-Richtlinie), verpflichtender Energieverbrauchskennzeichnung und freiwilligem Umweltzeichen. Ergänzend beeinflussen diese Instrumente auch Anforderungen an die öffentliche Beschaffung.

Die Bundesregierung setzt sich seit 2007 für den EU-Top Runner-Ansatz zur Steigerung der Energieeffizienz von Produkten ein (Meseberger Beschlüsse zu den Eckpunkten für ein Integriertes Energie- und Klimaprogramm). In den Beschlüssen des Bundeskabinetts zur Energiewende vom Juni 2011 stellt die ambitionierte Weiterentwicklung des Ansatzes den zentralen Eckpunkt zur Effizienzsteigerung im Produktbereich dar. Bundesumwelt- und Bundeswirtschaftsministerium haben daraufhin gemeinsam ein Konzeptpapier erstellt, das konkrete Vorschläge zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Top Runner-Ansatzes auf EU-Ebene beinhaltet (siehe weitere Informationen). Die zentralen Forderungen des Papiers sind:

  • Energieeffizienzstandards sind stärker als bisher an den effizientesten Produkten einer Gruppe auszurichten.
  • Die besten verfügbaren Techniken (Benchmarks) sind in Ihrer Verbindlichkeit zu stärken. Das heißt, in den Ökodesign-Durchführungsmaßnahmen soll der Effizienzwert des sparsamsten Produkts nicht nur angezeigt, sondern als Zielwert für den nächsten Mindesteffizienstandard ausgewiesen werden. Auf diese Weise bilden die Benchmarks grundsätzlich den Ausgangswert für den bei der Revision neu festzulegenden Standard.
  • Die Energieverbrauchskennzeichnung ist zügig zu implementieren und auf weitere Produktgruppen auszuweiten.
  • Die Vorschläge wurden am 31. Oktober 2011 an die zuständigen EU-Kommissare übermittelt. Die Vorschläge werden mittlerweile auch von anderen Mitgliedstaaten wie Frankreich, Dänemark, Schweden, Belgien und den Niederlanden unterstützt. Sie bilden die Grundlage für die Positionierung Deutschlands bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der EU-Rahmenrichtlinien zum Ökodesign und zur Energieverbrauchskennzeichnung.

Das Bundesumweltministerium setzt sich dafür ein, den Top Runner-Ansatz nicht nur auf die Steigerung der Energieeffizienz von Produkten beschränken, sondern mit dem Ansatz die Umweltwirkungen von Produkten insgesamt kontinuierlich zu reduzieren.

Zuletzt geändert: 17.01.2018