Ressourceneffizienz in der EU

Natürliche Ressourcen, besonders Mineralien, Erze, fossile Brennstoffe und Biomasse, sind die Grundlage unseres Lebens und Wirtschaftens und müssen daher – auch im Hinblick auf zukünftige Generationen – erhalten und geschützt werden. Die globale Nutzung natürlicher Ressourcen steigt jedoch weiter stark an. Deshalb ist eine möglichst effiziente und sparsame Nutzung von natürlichen Ressourcen essentiell. Wohlstand und Wirtschaftswachstum sollten nicht an eine weitere Steigerung des Ressourcenkonsums gebunden sein, sondern im Gegenteil mit einem geringeren Ressourcen- und Materialverbrauch einhergehen. Diese sogenannte "Entkopplung" ist unabdingbar, um eine nachhaltige Entwicklung zu erreichen und unsere hohe Lebensqualität langfristig zu erhalten.

Die EU-Kommission hat sich diesem Thema in den letzten Jahren verstärkt gewidmet. Ziel ist die Schaffung einer ressourceneffizienten und stärker kreislauforientierten Wirtschaft, um den Wert von Produkten, Stoffen und Ressourcen innerhalb der Wirtschaft so lange wie möglich zu erhalten, den Bedarf an neu abgebauten Rohstoffen zu verringern und möglichst wenig Abfall zu erzeugen. Damit wird eine nachhaltige, CO2-arme, ressourceneffiziente und wettbewerbsfähige Wirtschaft etabliert, die neue und dauerhafte Wettbewerbsvorteile für Europa bringen wird.

Ausgehend vom 6. EU-Umweltaktionsprogramm (6. EU-UAP) vom Juli 2002 und seiner Zielsetzung, Umweltbelastung und Wirtschaftswachstum von einander zu entkoppeln, hat die EU-Kommission das Thema Ressourceneffizienz zu einem wichtigen Bestandteil der europäischen Umwelt- und Wirtschaftspolitik gemacht. Als konsequente Fortsetzung dieser Politik wurden im 7. EU-UAP vom November 2013 neun prioritäre Ziele bis zum Jahr 2020 definiert und die notwendigen Schritte zu ihrer Erreichung festgelegt. Eines dieser Ziele ist der Übergang zu einer ressourceneffizienten, umweltschonenden, wettbewerbsfähigen und CO2-armen Wirtschaftsweise in der Union.

Aktuell wird die Politik der Europäischen Union zur Ressourceneffizienz im Rahmen des "Aktionsplan Kreislaufwirtschaft" umgesetzt.

Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft

Im Dezember 2015 stellte die Europäische Kommission ihren Aktionsplan "Den Kreislauf schließen – Ein Aktionsplan der EU für die Kreislaufwirtschaft" vor. Ziel des Aktionsplans ist es, durch ambitionierte Maßnahmen im gesamten Wirtschaftskreislauf, vor allem im Bereich der Produktion, des Konsums, der Abfallwirtschaft, der Wiederverwendung von Abwasser sowie der Märkte für Sekundärrohstoffe, synergetisch die Transformation in eine stärker kreislauforientierte Wirtschaft zu beschleunigen und damit einen wesentlichen Beitrag zu einer nachhaltigen, CO2-armen, ressourceneffizienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaft zu leisten. "Kreislaufwirtschaft" (Circular Economy) wird dabei auf europäischer breiter verstanden als im deutschen Sprachgebrauch und umfasst alle Stufen der Wertschöpfungskette. Dies betrifft die Produktionsprozesse, das Produktdesign, den Konsum, die Abfallwirtschaft sowie Innovation, Investitionen und andere horizontale Maßnahmen.

Im Anhang zum Aktionsplan stellt die Europäische Kommission zahlreiche geplante Maßnahmen dar, die zu Ressourceneffizienz und einem Schließen der Kreisläufe beitragen und zwischen 2015 bis 2019 umgesetzt werden sollen.

Enthalten sind beispielsweise folgende Maßnahmen: 

  • Entwicklung eines Marktes für Sekundärrohstoffe, insbesondere durch die Entwicklung von Qualitätsstandards, um das Vertrauen der Marktteilnehmer zu erhöhen;
  • Maßnahmen im Rahmen des Ökodesign-Arbeitsprogramms für den Zeitraum 2015 bis 2017 zur Förderung von Reparaturfähigkeit, Haltbarkeit und Recyclingfähigkeit von Produkten, zusätzlich zur Energieeffizienz;
  • Überarbeitung der Düngemittel-Verordnung um die Anerkennung von organischen und abfallbasierten Düngemitteln zu erleichtern und zur Unterstützung der Rolle der Bio-Nährstoffe;
  • Ressourcenschonendere Abfallbewirtschaftung, insbesondere durch die Überarbeitung der Legislativvorschlag für Abfälle und die Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Mitgliedstaaten zur besseren Anwendung des Abfallrechts der EU;
  • Maßnahmen zur Wiederverwendung von Wasser, inklusive eines Legislativvorschlags über Mindestanforderungen für die Wiederverwendung von Abwasser;
  • eine Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft, die unter anderem die Aspekte Recyclingfähigkeit, biologische Abbaubarkeit, das Vorhandensein gefährlicher Stoffe und die Umsetzung des Nachhaltigkeitsziels zur beträchtlichen Reduzierung der Kunststoffabfälle im Meer behandeln soll;
  • Maßnahmen zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung inklusive einer einheitlichen Messmethodik, sinnvollerer Datumsangaben und Instrumenten zur Erreichung des globalen Nachhaltigkeitsziels der Reduzierung von Lebensmittelverschwendung um die Hälfte bis 2030;
  • Austausch bewährter Praktiken für die Rückgewinnung von kritischen Rohstoffen aus Abfällen aus der mineralgewinnenden Industrie sowie aus Deponien;
  • Entwicklung eines freiwilligen branchenweiten Recycling-Protokolls für Bau- und Abbruchabfälle und von Schlüsselindikatoren für die Bewertung der Umweltleistung eines Gebäudes während seinem gesamten Lebenszyklus;
  • Entwicklung von Leitlinien und Verbreitung bewährter Praktiken für die Kaskadennutzung von Biomasse und biobasierte Materialien sowie Förderung von Innovationen in diesem Bereich im Rahmen von Horizont 2020;

Im Jahr 2017 soll ein Überwachungsrahmen (Monitoring Framework) entwickelt werden, um mithilfe von Schlüsselindikatoren die Fortschritte auf dem Weg zu einer ressourceneffizienten Kreislaufwirtschaft zu beobachten und zu überprüfen.

Der Aktionsplan Kreislaufwirtschaft hat seine Grundlage in bestehenden Strategien und Prozessen zur Nachhaltigkeit und zum nachhaltigen Ressourcenmanagement:

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Leitinitiative Ressourcenschonendes Europa

Die im Jahr 2010 entwickelte Europa2020-Strategie ist die zentrale Wachstumsstrategie der EU, um die Bedingungen für ein intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum zu schaffen. Die Initiative gibt einen langfristig angelegten Aktionsrahmen für Maßnahmen in vielen Politikbereichen vor und unterstützt strategische Programme in den Bereichen Klimaschutz, Energie, Verkehr, Industrie, Rohstoffe, Landwirtschaft, Fischerei, Biodiversität und regionale Entwicklung. Sie enthält sieben Leitinitiativen und fünf quantifizierte Kernziele. Die Leitinitiative "Ressourcenschonendes Europa" (Februar 2011) ist eine der sieben Leitinitiativen dieser Strategie. Ressourceneffizienz verfolgt das Ziel, das Wirtschaftswachstum möglichst weitgehend von der Nutzung natürlicher Ressourcen zu entkoppeln und den Übergang zu einer ressourceneffizienten, emissionsarmen Wirtschaft zu unterstützen. Der Begriff Ressourceneffizienz umfasst die schonende und effiziente Nutzung aller natürlichen Ressourcen im Wirtschaftskreislauf (insbesondere Rohstoffe, Energie, Wasser, Boden, Biodiversität). Unter das Themenspektrum der Ressourceneffizienz fallen damit wesentliche Schnittmengen der Umwelt- und Wirtschaftspolitik.

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Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa

Am 20. September 2011 legte die EU-Kommission einen Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa vor. Diese Roadmap dient der Umsetzung der EU-Leitinitiative "Ressourcenschonendes Europa". Der Fahrplan stellt einen Rahmen für die Gestaltung und Umsetzung von Maßnahmen zur Ressourceneffizienz dar und verfolgt das Ziel, die Wirtschaft der EU bis 2050 so zu gestalten, dass die ökologischen Grenzen des Planeten respektiert werden. Der Fahrplan legte dazu zahlreiche Möglichkeiten dar, wie die Ressourcenproduktivität gesteigert und das Wirtschaftswachstum von der Ressourcennutzung sowie den damit einhergehenden Umweltauswirkungen entkoppelt werden kann.

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Europäische Plattform für Ressourceneffizienz (EREP)

Auf Initiative des damaligen Umweltkommissars Janez Potočnik wurde im Juni 2012 die Europäische Plattform für Ressourceneffizienz (EREP) etabliert. Die Plattform unter Vorsitz des ehemaligen irischen Ministerpräsident John Bruton umfasste 34 Mitglieder aus EU-Kommissaren, Abgeordneten des Europäischen Parlaments, Unternehmern, nationalen Umweltministern sowie Vertretern von internationalen Organisationen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Umweltverbänden. Ihre Aufgabe war es aufzuzeigen, wie die durch den "Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa" festgelegten Ziele der EU-Kommission erreicht werden können.

Im Ergebnis erster Diskussionen definierte die EREP im "Manifesto for a Resource-Efficient Europe" ihre grundsätzlichen Ziele und stellte 2013 in einem Zwischenbericht "Action for a Resource-Efficient Europe" erste kurzfristige Handlungsempfehlungen für die EU, Mitgliedstaaten und Wirtschaft zusammen. Ein starker Fokus lag hier auf Instrumenten für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU), da dort ein großes Potential für Verbesserungen der Ressourceneffizienz gesehen wurde. So empfahl die EREP den Mitgliedstaaten beispielsweise, eine Unterstützung für KMU in Form von Beratung, Finanzierung oder Qualifizierung bereitzustellen.

Weitere Empfehlungen der EREP waren: 

  • eine Verständigung auf konkrete Ziele zur Ressourceneffizienz mit dazugehörigen Indikatoren, dabei Fortschritte zu messen und über diese zu berichten;
  • eine Verbesserung der Informationslage über Einfluss von Entscheidungen auf die Umwelt und natürliche Ressourcen; • den Abbau von umweltschädlichen Subventionen;
  • die Entwicklung einer Kreislaufwirtschaft und die Förderung von hochwertigem Recycling;
  • eine Verbesserung der Ressourceneffizienz in der gesamten Lieferkette;
  • die Weiterentwicklung eines Rahmens für eine kohärente, ressourceneffiziente Produktpolitik;
  • einen verstärkten Fokus auf Ressourceneffizienz bei der öffentlichen Beschaffung.

Im Ergebnisbericht "Towards a resource-efficient and circular economy" vom März 2014 sprach die EREP ihre abschließenden Empfehlungen aus. Eine zentrale Forderung dabei war, die Ressourcenproduktivität in der Europäischen Union bis 2030 um 30 Prozent gegenüber dem Niveau vor der Wirtschaftskrise zu steigern. Weiterhin wurden empfohlen: 

  • die Förderung neuer ressourceneffizienter Geschäftsmodelle wie Leasing, Sharing und Sanierung;
  • eine Ausweitung der Produzentenverantwortung die zu einem recyclinggerechten Produktdesign führen soll;
  • eine Sensibilisierung und Information der Verbraucher (Nutzen statt Besitzen, Produktstandards der Circular Economy, Grundsätze und Methoden zur Messung von Umweltauswirkungen von Produkten und Dienstleistungen)
  • sowie die Weiterentwicklung von Indikatoren.

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Mitteilungspaket "Hin zu einer Kreislaufwirtschaft"

Im Juli 2014 veröffentlichte die Europäische Kommission ein Paket von Mitteilungen unter der Überschrift "Hin zu einer Kreislaufwirtschaft: Ein Null-Abfallprogramm für Europa". Es bestand aus einer Dachmitteilung und drei weiteren ergänzenden Mitteilungen zu den Themen: 

  • Initiative für grüne Beschäftigung
  • Grüner Aktionsplan für KMU
  • Effizienter Ressourceneinsatz im Bausektor.

In der Dachmitteilung wurde das Ziel formuliert, Europa in eine Kreislaufwirtschaft zu überführen. Die Dachmitteilung legte einen starken Fokus auf den ökonomischen Vorteilen der Ressourceneffizienz und der Kreislaufwirtschaft und erläuterte, wie sich aus einem effizienteren Umgang mit Ressourcen neue Wachstums- und Beschäftigungsmöglichkeiten ergeben. Sie stellte für die verschiedenen Stufen der Wertschöpfungskette Potentiale für Ressourceneffizienz und Kreislaufführung dar und verknüpfte dies jeweils mit konkreten Maßnahmen. Der Grüne Aktionsplan für KMU greift Empfehlungen der EREP auf, KMU dabei zu unterstützen, nachhaltiger, ressourceneffizienter und damit wettbewerbsfähiger zu werden. Die Initiative für grüne Beschäftigung enthält Maßnahmen, um die Umstellung auf eine grüne, ressourceneffiziente Wirtschaft auch durch Beschäftigungs- und arbeitsmarktpolitische Strategien und den Erwerb von Qualifikationen zu befördern. Die Mitteilung zum effizienten Ressourceneinsatz im Gebäudesektor beschäftigte sich unter anderem mit der Reduzierung des Ressourcenverbrauchs in Gebäuden und der Entwicklung eines gemeinsamen europäischen Ansatzes, die Umwelteffizienz von Gebäuden zu beurteilen.

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Zuletzt geändert: 26.07.2017