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Modernisierung der EMAS-Verordnung in Kraft getreten

Fokus Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit

Am 18. September 2017 sind die Änderungen der Anhänge I bis III der EMAS-Verordnung von 2010 in Kraft getreten (Verordnung (EU) 2017/1505, ABl. L 222 S. 1). Die Änderungen erfolgten vor dem Hintergrund der Novelle der ISO 14001:2015. In einem weiteren Schritt sollen Anhang IV der EMAS-Verordnung betreffend Umweltberichterstattung und Kernindikatoren und das Nutzerhandbuch novelliert werden.

Anhang I

In Anhang I wird für die erstmalige Bestandsaufnahme und Bewertung der Umweltaspekte festgestellt, dass relevante externe Umweltbedingungen wie Klima, Luftqualität, Wasserqualität, Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen und die biologische Vielfalt mit betrachtet werden müssen. Daneben ist es ausdrücklich möglich, auch sonstige externe Umstände wie etwa kulturelle, soziale oder politische Aspekte oder interne relevante Umstände wie die strategische Ausrichtung, Kultur und Fähigkeiten mit zu betrachten. Weiterhin sind stets die interessierten Parteien mit ihren relevanten Erwartungen zu erfassen. Bei der Bewertung der Umweltaspekte von Tätigkeiten, Produkten und Dienstleistungen muss der Lebensweg mit berücksichtigt werden. Schließlich erfasst die Bewertung von indirekten Umweltaspekten nicht nur die Verringerung negativer Umweltauswirkungen, sondern bezieht einen möglichen Nutzen für die Umwelt mit ein.

Anhang II

In Anhang II (Anforderungen an das Umweltmanagementsystem) wird in Spalte A wiederum der Normtext der ISO 14001:2015 übernommen (Abschnitte 4 bis 10), um die Kompatibilität beider Systeme im Interesse der Nutzer zu wahren. Die Anforderungen der über ISO 14001 hinausgehenden Spalte B, insbesondere Rechtskonformität als Zertifizierungsvoraussetzung, Verbesserung der tatsächlichen Umweltleistung, Bestellung eines Managementbeauftragten, die erweiterte Mitarbeiterbeteiligung und die Pflicht zur externen Berichterstattung (mittels der Umwelterklärung) werden beibehalten.

Anhang III

Präzisierungen wurden in Anhang III vorgenommen, der die regelmäßige Umweltbetriebsprüfung betrifft. Künftig sind in stärkeren Maß Angaben zu den Maßnahmen und zu der Erreichung der gesetzten Ziele und zur Einhaltung freiwilliger und bindender Verpflichtungen vorgesehen. Das bedeutet gleichzeitig eine gestärkte interne Berichterstattung gegenüber der Leitung der Organisation.

Die Übergangsfristen zur Anpassung des Umweltmanagementsystems an die neue EMAS-Verordnung orientieren sich an denen der ISO 14001:2015, wonach bis zum 14. September 2018 umzustellen ist. Falls eine Begutachtung vor dem 14. März 2018 ansteht, kann der Termin in Abstimmung mit dem Umweltgutachter und der zuständigen Registrierungsstelle um sechs Monate verlängert werden. Eine Begutachtung nach dem 14. März 2018 findet nach den Bestimmungen der neuen Verordnung statt. Neu-Begutachtungen richten sich grundsätzlich nach der neuen Verordnung.

Ein Sonderfall kann bei kleinen und mittleren Unternehmen eintreten: Sind sie vor dem 18. September 2017 registriert worden und nehmen die Ausnahmeregelung des Artikel 7 der EMAS-Verordnung in Anspruch, steht eine Re-Validierung nur alle zwei Jahre an. Die längstens mögliche Alt-Registrierung kann in diesem Fällen bis zum 17. September 2019 Bestand haben. Zertifikate nach der ISO 14001:2004 verlieren nach den Regelungen der ISO 14001:2015 am 14. September 2018 ihre Gültigkeit.

Ausblick

Die für Anhang IV vorgesehenen weiteren Änderungen bezwecken in erster Linie eine an die Gegebenheiten der jeweiligen Organisation besser anzupassende Berichterstattung und die Möglichkeit der Nutzung der Umwelterklärung für andere Zwecke. In die Umwelterklärung können weitere Umweltinformationen aufgenommen werden, die über die Anforderungen von Anhang IV hinausgehen. Sie werden dann ebenfalls vom Umweltgutachter validiert und können auch anderweitig genutzt werden. Die Umwelterklärung selbst kann in andere Berichte integriert werden (zum Beispiel Nachhaltigkeitsbericht), muss aber eindeutig identifizierbar sein.

Bei allen Kernindikatoren gilt, dass die bisherige Zahl B künftig unter Berücksichtigung bestimmter Vorgaben (Repräsentativität, Nachvollziehbarkeit, Branchenüblichkeit, Vergleichbarkeit über mindestens 3 Jahre) frei gewählt werden kann. Die Kernindikatoren Biodiversität, Energie und Emissionen werden überarbeitet. Der bisherige Indikator für Biodiversität soll sich künftig zusammensetzen aus Gesamtflächenverbrauch, versiegelte Fläche, naturnaher Fläche vor Ort (on-site) aber auch abseits des Standortes (off-site). Bei den relevanten indirekten Umweltaspekten soll künftig ebenfalls mit Kernindikatoren oder geeigneten andere Indikatoren gearbeitet werden. Soweit eine Quantifizierung nicht möglich ist, soll qualitativ berichtet werden.

Nutzerhandbuch

Ergänzend zur Novelle der EMAS-Verordnung bereitet die EU-Kommission eine Anpassung des Nutzerhandbuches (ABl. EU vom 19. März 2013, L 76 S.1) (PDF extern, 2,3 MB) vor. Für Unternehmen mit mehreren oder vielen gleichartigen Standorten sollen bestimmte multi-site-Registrierungen möglich sein. Die multisite-Regelungen werden allerdings auf ausgewählte Branchen mit geringen Umweltauswirkungen beschränkt sein.


Stand: 18.09.2017