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Produktbezogene Klimaschutzstrategien:
Product Carbon Footprint verstehen, anwenden und nutzen

Um ambitionierte Klimaziele zu erreichen bedarf es erheblicher Änderungen bei der Entwicklung von Produkten und beim Konsum. Um die Klimaauswirkungen von Produkten zu kennen, benötigen Unternehmen verlässliche Informationen zu den Treibhausgasemissionen, die mit ihren Produkten über den gesamten Lebenszyklus hinweg verbunden sind. Nur mit diesen Informationen lassen sich die Klimawirkungen der Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Produkten wirksam minimieren. Zudem wollen auch immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher über die Klimawirkungen von Produkten und Dienstleistungen informiert werden.

Der sogenannte Product Carbon Footprint (PCF) liefert derartige Informationen:

"Der Product Carbon Footprint bezeichnet die Menge der Treibhausgasemissionen entlang des gesamten Lebenszyklus eines Produkts in einer definierten Anwendung und bezogen auf eine definierte Nutzeinheit."

In den letzten Jahren wurden verschiedene Initiativen zur Ermittlung der
CO2-Bilanz von Produkten ergriffen, um deren konkreten "CO2-Fußabdruck", (Product Carbon Footprint) abzubilden - leider mit zum Teil ganz unterschiedlichen Berechnungsverfahren.

Stand der internationalen Methodenharmonisierung und Standardisierung

Im Herbst 2011 wurde nach dreijähriger Erarbeitung und Erprobung vom Washingtoner World Resources Institute (WRI) und dem Schweizer World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) das "GHG Protocol: Product Life Cycle Accounting and Reporting Standard" veröffentlicht. Dieses Dokument gibt neben verbindlichen Anforderungen zur Berechnung und Kommunikation auch für die praktische Erarbeitung von PCF-Studien nützliche Anleitungen.

Neben dem GHG Protocol wurde auch auf Ebene der internationalen Normungsorganisationen an einer Standardisierung der Berechnung von Carbon Footprints gearbeitet. Vorläufiges Ergebnis dieses Prozesses ist die 2013 verabschiedete Technische Regel "Treibhausgase - Carbon Footprint von Produkten - Anforderungen an und Leitlinien für Quantifizierung und Kommunikation" (ISO/TS 14067:2013).Im Jahr 2016 wurden die Arbeiten an einer ISO-Norm für die PCF-Methodik wieder aufgenommen. Aspekte der Kommunikation des PCF sind hiervon ausgenommen, sie sollen im Rahmen einer eigenen Norm standardisiert werden (ISO 14026).

Nationale Aktivitäten

Vor dem Hintergrund noch fehlender international verbindlich anerkannter Methodenkonventionen hatten Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt bereits frühzeitig das Öko-Institut Freiburg beauftragt, Vorschläge für eine belastbare Methodik zu entwickeln. Die Ergebnisse sind in dem Ende 2009 veröffentlichten Memorandum zum Product Carbon Footprint festgehalten. Es enthält Grundsätze, die bei der Erstellung von Klimabilanzen für Produkte und deren Kommunikation beachtet werden sollen. Sie haben Empfehlungscharakter und geben Anwendern die Sicherheit, eine akzeptierte Methodik gewählt zu haben. Das Memorandum wurde darüber hinaus in die internationalen Prozesse zur Standardisierung des "Product Carbon Footprint" eingespeist.

Ein wichtiges Ergebnis ist, dass der Product Carbon Footprint für die Information von Herstellern ein hilfreiches Instrument ist, sich aber derzeit noch nicht für die Verbraucherkommunikation anbietet.

Auch sieht es das Bundesumweltministerium grundsätzlich als sinnvoll an, dass bei der Analyse der Produktlebenswege alle relevanten Umweltaspekte von Produkten – wie z.B. der der Flächenverbrauch, Schadstoffgehalte und -emissionen – erfasst werden.

Unternehmen wird für die Kommunikation der Umweltleistung ihrer Projekte daher die Nutzung des bewährten und bekannten Umweltzeichens Blauer Engel empfohlen. Seit einigen Jahren kennzeichnet der Blaue Engel auch besonders energiesparende und klimafreundliche Waren und Dienstleistungen, leicht erkennbar am Zusatz "schützt das Klima" im Logo.

Auf der Grundlage des Memorandums hat das damalige BMU gemeinsam mit dem Umweltbundesamt und dem Bundesverband der Deutschen Industrie im Jahr 2010 einen Leitfaden herausgegeben, um Unternehmen, die den Product Carbon Footprint ihrer Produkte ermitteln und nutzen wollen, ein zuverlässiges Instrument für die Ermittlung und Kommunikation des Product Carbon Footprint an die Hand zu geben. Der Leitfaden wurde Ende 2012 in überarbeiteter Fassung neu aufgelegt.

Zuletzt geändert: 13.06.2016