Sprungnavigation

Von hier aus koennen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

Inhaltsbereich

zur Sprungnavigation

Überblick zum Deutschen Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess)

Mit weniger mehr erreichen: Bundesregierung verabschiedet Deutsches Ressourceneffizienzprogramm

Das Bundeskabinett hat am 29. Februar 2012 das Deutsche Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) beschlossen. Damit hat die Bundesregierung als eines der ersten europäischen Länder ein umfassendes strategisches Konzept zur Steigerung der Ressourceneffizienz erarbeitet.

1. Gegenstand und Ziel des Programms

Ziel des Deutschen Ressourceneffizienzprogramms ist es, die Entnahme und Nutzung natürlicher Ressourcen nachhaltiger zu gestalten sowie die damit verbundenen Umweltbelastungen so weit wie möglich zu reduzieren. Damit wollen wir – auch in Verantwortung für die künftigen Generationen – eine Voraussetzung dafür schaffen, eine hohe Lebensqualität dauerhaft zu sichern.

Die Bundesregierung strebt eine möglichst weitgehende Entkopplung des Wirtschaftswachstums vom Ressourceneinsatz sowie die Senkung der damit verbundenen Umweltbelastungen, die Stärkung der Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft und dadurch die Förderung von stabiler Beschäftigung und sozialem Zusammenhalt an. Die Ressourceneffizienzpolitik soll dazu beitragen, unsere globale Verantwortung für die ökologischen und sozialen Folgen der Ressourcennutzung wahrzunehmen. Ziel muss dabei sein, die Inanspruchnahme von Rohstoffen zu reduzieren.

ProgRess befasst sich dabei mit Rohstoffen. Der Fokus wird auf abiotische, nichtenergetische Rohstoffe gelegt, ergänzt um die stoffliche Nutzung biotischer Rohstoffe. Die Nutzung von Rohstoffen steht zwar in Zusammenhang mit der Nutzung anderer natürlicher Ressourcen wie Wasser, Luft, Fläche und Boden sowie Biodiversität und Ökosystemen. Da diese Ressourcen jedoch bereits Gegenstand anderer Programme, Prozesse oder Regelwerke sind, werden sie in ProgRess nicht vertieft behandelt.

ProgRess gibt einen Überblick über zahlreiche vorhandene Aktivitäten und beschreibt Handlungsansätze und Maßnahmen zur Steigerung der Ressourceneffizienz. Dabei wird die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet: Es geht darum, eine nachhaltige Rohstoffversorgung zu sichern, Ressourceneffizienz in der Produktion zu steigern, Konsum ressourceneffizienter gestalten, eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft auszubauen sowie übergreifende Instrumente zu nutzen.

Zum Seitenanfang

2. Inhalte und Maßnahmen

ProgRess liegt ein Textentwurf des Umweltbundesamts zugrunde. Es gliedert sich in drei Teile zu programmatischen Grundaussagen, Handlungsansätzen entlang der lebenslangen Wertschöpfungskette und konkretisierenden Beispielen. Handlungsansätze und Beispiele sind jeweils mit Vorschlägen für Maßnahmen der Bundesregierung unterlegt. In einem Anhang zu ProgRess werden bestehende Aktivitäten der Bundesregierung, der Bundesländer sowie von Verbänden und Institutionen im Bereich der Ressourceneffizienz dargestellt.

Der erste Teil des Programms analysiert die Chancen und Potentiale der Ressourceneffizienz in Deutschland und global. Er beschreibt Leitideen und Ziele und stellt mögliche Indikatoren dar, mit denen der Fortschritt bei einer Steigerung der Ressourceneffizienz überprüft werden kann.

Geprägt ist das deutsche Ressourceneffizienzprogramm von insgesamt vier Leitideen:

Leitidee 1: Ökologische Notwendigkeiten mit ökonomischen Chancen, Innovationsorientierung und sozialer Verantwortung verbinden

Leitidee 2: Globale Verantwortung als zentrale Orientierung unserer nationalen Ressourcenpolitik sehen

Leitidee 3: Wirtschafts- und Produktionsweisen in Deutschland schrittweise von Primärrohstoffen unabhängiger machen, die Kreislaufwirtschaft weiterentwickeln und ausbauen

Leitidee 4: Nachhaltige Ressourcennutzung durch gesellschaftliche Orientierung auf qualitatives Wachstum langfristig sichern.

Im zweiten Teil des Programms werden konkrete Maßnahmen anhand einer Analyse der gesamten Wertschöpfungskette entwickelt. Dabei werden fünf Handlungsfeldern betrachtet:

  • nachhaltige Rohstoffversorgung sichern,
  • Ressourceneffizienz in der Produktion steigern,
  • Konsum ressourceneffizienter gestalten,
  • ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft ausbauen sowie
  • übergreifende Instrumente nutzen.

Insgesamt 20 Handlungsansätze werden identifiziert und mit Maßnahmen unterlegt. Das Programm setzt dabei insbesondere auf Marktanreize, auf Information, Beratung, Bildung, Forschung und Innovation sowie auf die Stärkung freiwilliger Maßnahmen und Initiativen in Wirtschaft und Gesellschaft. Beispiele für Maßnahmen sind der Ausbau der Effizienzberatung für kleine und mittlere Unternehmen, die Unterstützung von Umweltmanagementsystemen, die vermehrte Berücksichtigung von Ressourcenaspekten in Normungsprozessen, die verstärkte Ausrichtung der öffentlichen Beschaffung an der Nutzung ressourceneffizienter Produkte und Dienstleistungen, die Stärkung freiwilliger Produktkennzeichen und Zertifizierungssysteme, der Ausbau der Kreislaufwirtschaft sowie die Verstärkung von Technologie- und Wissenstransfer in Entwicklungs- und Schwellenländer.

Der dritte Teil stellt elf Beispiele von Stoffströmen, Lebensbereichen und Technologien näher dar, die für die aufgezeigten Handlungsansätze besonders relevant sind und diese anschaulich konkretisieren. Hier finden sich u.a. Abschnitte zu Massenmetallen, zu seltenen und strategischen Metallen, zu Zukunftstechnologien wie Photovoltaik und Elektromobilität, aber auch zu dem für die Rohstoffbilanz besonders bedeutsamen Sektor nachhaltiges Bauen und zum Stoffkreislauf von Kunststoffabfällen.

In einem Anhang zu ProgRess stellen sechs Ressorts der Bundesregierung, vierzehn Bundesländer sowie vierundzwanzig Verbände und Institutionen ihre Aktivitäten im Bereich der Ressourceneffizienz dar. 

Zum Seitenanfang

3. Verfahren

Das BMUB hat im ersten Halbjahr 2011 einen umfangreichen Konsultationsprozess mit Arbeitstreffen, Gesprächen und Veranstaltungen durchgeführt. ProgRess wurde mit Experten und Vertretern gesellschaftlicher Gruppen und Verbänden sowie den Ländern in neun Arbeitstreffen, auf zwei Konferenzen des "Netzwerks Ressourceneffizienz" und in zahlreichen Einzelgesprächen diskutiert; die breite Öffentlichkeit wurde durch eine Internetkonsultation einbezogen. In das Programm sind rund 100 schriftliche Stellungnahmen und Beiträge von Verbänden, zivilgesellschaftlichen Akteuren und der Wissenschaft eingeflossen.

Die Bundesregierung hat mit der Verabschiedung von ProgRess am 29.2.2012 beschlossen, künftig alle vier Jahre über die Entwicklung der Ressourceneffizienz in Deutschland zu berichten, die Fortschritte zu bewerten und das Ressourceneffizienzprogramm fortzuentwickeln. Der Deutsche Bundestag hat die Arbeit zu ProgRess am 8.3.2012 durch eine Entschließung unterstützt und seinerseits um Bericht alle vier Jahre gebeten.

Die Bundesregierung greift mit ProgRess auch europäische Impulse auf: Die EU-Kommission hat eine der sieben Leitinitiativen der "Europa 2020"- Strategie dem Ziel eines Ressourcenschonenden Europa gewidmet und dies im September 2011 mit einem konkreten Fahrplan unterlegt. Die Europäische Kommission unterstreicht darin ihre Aufforderung an die Mitgliedstaaten, nationale Ressourceneffizienzprogramme zu entwickeln. Deutschland ist mit ProgRess eines der ersten europäischen Länder, das ein umfassendes Ressourceneffizienzprogramm vorlegt.

Zum Seitenanfang

4. Ausblick

Das Programm für Ressourceneffizienz wird nicht das Ende, sondern den Anfang eines Prozesses in Politik, Wirtschaft und Bevölkerung darstellen. Die Umsetzung der im ProgRess angesprochenen Maßnahmen erfordert ein hohes Maß eigeninitiativer Aktivitäten zahlreicher gesellschaftlicher Akteure, eine enge Kooperation von Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und letztlich das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Das Programm soll für alle Akteure einen fundierten und langfristigen Orientierungsrahmen bieten. Seine Umsetzung wird zum Erhalt der ökologischen Lebensgrundlagen, zu wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und nachhaltiger Beschäftigung beitragen und die Perspektiven künftiger Generationen auf Wohlstand erhalten.

Zum Seitenanfang

Zuletzt geändert: 31.03.2015

Infografik
zur Infografik
#bmub30
Bild mit Kopf