Klimaschutz auf Reisen

Reisen ist wunderbar. Schon die Planung und die Vorfreude auf neue Landschaften, andere Kulturen und interessante Begegnungen ist etwas Großartiges. Wer schon bei der Anreise ans Klima denkt, kommt umweltfreundlicher ans Ziel und genießt doppelt.

Statement

„Der Tourismussektor bietet enorme Potenziale für Umwelt- und Klimaschutz. Zugleich ist Tourismus als funktionierender Wirtschaftsfaktor abhängig von einer intakten Natur und Umwelt. Unser Ziel muss somit sein, die Themen Naturverträglichkeit, Klimaschutz und Ressourcenschonung stärker im Tourismus zu verankern und zu fördern.“

Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Infografik

Noch viel Potenzial!

Die Deutschen wollen gerne nachhaltig reisen. Doch die Pläne werden oft nicht umgesetzt. Die Gründe dafür sind zumeist höhere Kosten und der Mangel an passenden Angeboten.

Petra Thomas im Gespräch

Petra Thomas im Gespräch

Petra Thomas ist seit 1. Mai 2014 Geschäftsführerin des forum anders reisen e. V. Zuvor war die studierte Kunsthistorikerin und Archäologin als Produktleiterin und Managerin für Corporate Social Responsibility (Unternehmerische Sozialverantwortung) bei dem Hamburger Veranstalter „a&e erlebnis:reisen“ tätig und hat sich parallel vier Jahre als Vorstandsvorsitzende des Dachverbandes für nachhaltigen Tourismus engagiert.

Warum betreibt Ihr das „forum anders reisen“?

Wir engagieren uns dafür, dass die Freude am Reisen nicht zu Lasten der Menschen und der Umwelt in den Urlaubsländern geht. Deshalb setzen wir uns für die weitere Verbesserung und Verbreitung eines nachhaltigen Reiseangebotes ein – auf dem deutschen Markt und darüber hinaus. Unsere mittlerweile 140 Mitglieder, überwiegend Reiseveranstalter, zeigen, dass dies auch wirtschaftlich machbar ist.

Und wie sehen Eure Kriterien aus?

Wir nutzen Ressourcen vor Ort sorgsam und gezielt, begegnen fremden Kulturen mit Respekt und arbeiten fair mit unseren Partnern zusammen. Das „forum anders reisen“ bringt sich aktiv in gesellschaftliche und politische Debatten ein. Auf Messen, Veranstaltungen und in den Medien ermutigen wir dazu, einen neuen, zukunftsfähigen Tourismus zu entdecken. Das interessiert immer mehr Menschen, denen es nicht nur um das Wohin geht, sondern auch um das Wie.

Was macht Dir an Deiner Arbeit Freude?

Ich kann aus innerer Überzeugung arbeiten. Reisen bilden seit meiner Kindheit einige meiner schönsten Erinnerungen. Mit Reisen kann man viele positive Effekte erzeugen: andere Kulturen und Lebensweisen entdecken und sich austauschen. Ideen, Gedanken, Entwicklungen anregen. Dies bitte stets beiderseitig gedacht – interkultureller Austausch ist keine Einbahnstraße.

Sind Fernreisen unverzichtbar, damit man den Horizont erweitert?

In die Ferne zu reisen ist sicherlich für jeden eine beeindruckende Erfahrung. Die Begegnung mit fremden Kulturen öffnet manchmal den Blick für die eigene Kultur zu Hause und schafft neue Denkansätze. Oft werden große Themen wie Toleranz, Weltfrieden und Entwicklungshilfe mit dem Reisen verknüpft, die auch sicherlich durch den interkulturellen Austausch begünstigt werden. Wenn man also in die Ferne reist, dann sollte man sich auch öffnen für die Kultur des Gastlandes und ebenso neugierig wie respektvoll auf Entdeckungsreise gehen. Und darauf achten, dass die Menschen vor Ort davon auch profitieren. Im Sinne des Klimaschutzes empfehlen wir die entstehenden Emissionen der Flüge durch ein Klimaschutzprojekt auszugleichen. Hier gibt es verschiedene Anbieter.

Wie planst Du Deine Urlaube?

Ich hab‘ durch meine langjährige Arbeit in dem Bereich sicherlich einen anderen Blick drauf. Da ich beruflich als Produktentwicklerin für Asien und Afrika viel gereist bin, bleibe ich privat gern in der Nähe. Persönliche Kontakte und Empfehlungen bilden meist die Grundlage für meine Reiseplanung. Und natürlich recherchiere ich zusätzlich übers Internet, suche mir atmosphärische Unterkünfte mit regionalem Flair aus, wähle meine Reiseroute und reise gern flexibel mit dem Zug.

 

 

Q&A

Fakten, Appelle & Beispiele sind gut – selbst handeln ist am besten.

Hier gibt es Tipps und Tricks, mit denen Klimaschutz im Alltag sehr gut machbar ist.

1. Klimafreundliches Reisen – was heißt das?

Beim Reisen gibt es viele Möglichkeiten für den Klima-, Umwelt- und Ressourcenschutz. Hier kommt es vor allem auf die An- und Abreise an. Dabei entstehen drei Viertel des gesamten Treibhausgas-Ausstoßes. Das Verkehrsmittel ist also entscheidend für die Klimabilanz der Reise. Aber auch die Art der Unterkunft spielt eine Rolle dabei, wie groß der ökologische Fußabdruck ausfällt. Wer umweltfreundlich reisen möchte, sollte also vor allem die Wahl des Transportmittels in den Mittelpunkt stellen und sich über nachhaltige touristische Angebote informieren.

2. Wie kann ich meinen Urlaub klimaverträglich planen?

Am klimaschonendsten erreichen Urlauberinnen und Urlauber ihr Reiseziel per Zug oder Reisebus – und natürlich mit dem Fahrrad oder sogar zu Fuß. Die Unterkunft ist mit etwa einem Fünftel der Gesamtemissionen der zweitgrößte Posten in der Klimabilanz einer Reise. Hier empfehlen Verbraucherschutzorganisationen, auf Gütesiegel für umweltfreundliche Hotels zu achten. Und was die Ausflugsmöglichkeiten am Urlaubsort angeht: Hier können schon bei der Buchung Regionen mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung bevorzugt und Unterkünfte gewählt werden, bei denen man sich (Elektro-)Fahrräder ausleihen kann.

3. Sind Reisen mit dem Flugzeug oder dem Auto per se umweltschädlich?

Aufgrund der großen Höhe, in der Flugzeuge ihre Abgase ausstoßen, ist die Treibhauswirkung im Vergleich zu bodennahen Emissionen drei- bis viermal so stark. Wer eine freiwillige Emissionsabgabe für seinen Flug bei einem zertifizierten Kompensationsanbieter (zum Beispiel atmosfair) bezahlt, unterstützt Projekte, die zur Verringerung des CO2-Ausstoßes beitragen. Grundsätzlich kann für Flugreisen jedoch die Richtschnur gelten: Fliegen Sie seltener, bleiben Sie länger vor Ort. Denn es ist immer noch am besten für die Umwelt, den eigenen CO2-Ausstoß aktiv zu verringern statt ihn zu kompensieren.
Auch das Autofahren lässt sich mit vielerlei Maßnahmen klimaverträglicher gestalten, etwa durch spritschonende Fahrweise, indem Hauptreisezeiten vermieden oder Mitfahrgelegenheiten genutzt werden. Der CO2-Ausstoß durch den Verkehr beträgt allein in Deutschland jährlich mehr als 150 Millionen Tonnen, der Autoverkehr trägt dazu mit etwa zwei Dritteln bei. Das Credo lautet: so oft wie nötig, so wenig wie möglich!

Meine Klima-Links zum klimafreundlichen Reisen

Der nächste Urlaub steht an – und diesmal soll die Erholung möglichst umweltfreundlich laufen? Unsere Links liefern Ihnen Tipps und Tricks, wie Sie dieses Ziel praktisch umsetzen können.

Auf der Webseite des Bundesumweltministeriums werden erfolgreiche Praxisbeispiele aus den Bereichen Klimaschutz und Tourismus vorgestellt:

Fotos und Videos

Wer gerne nachhaltiger reisen will oder über dieses Thema berichten möchte, der findet im Internet jede Menge Bild- und Videomaterial dazu. Zur Orientierung haben wir hier einige Links zusammengestellt.

Pressemitteilungen

  • Pressemitteilung vom 3.11.2014: „Deutsche wollen nachhaltig reisen“ www.bmub.bund.de/N51279/
  • Pressemitteilung vom 21.11.2014: „Grünes Wirtschaften wird Leitprinzip für die Zusammenarbeit im Alpenraum“ www.bmub.bund.de/N51335/
  • Pressemitteilung vom 2.9.2014: „UN-Gipfel der kleinen Inselstaaten: Gemeinsam für Klimaschutz und biologische Vielfalt“ www.bmub.bund.de/N51078/
  • Pressemitteilung vom 11.3.2014: „Deutsche Biosphärenreservate leisten wichtigen Beitrag zum Tourismus“ www.bmub.bund.de/N50683/