Klimaschutz bewegt

Das Klima können Sie auf Ihren alltäglichen Wegen schützen: beim Rad- oder Bus- und Bahnfahren oder beim Gehen ... Ob zur Arbeit, zur Schule, zum Einkauf oder zum Sport: Es gibt jede Menge klimafreundliche Wege voranzukommen, die fit halten und dabei unsere Umwelt lebenswerter machen.

Statement von Judith Holofernes

„Am liebsten gehe ich zu Fuß, auch weite Strecken – im Laufen kommen mir die besten Ideen. Quer durch Deutschland fahre ich am liebsten mit dem Zug, das hat den gleichen Effekt: Beim Aus-dem-Fenster-Gucken sind mir schon einige schöne Lieder eingefallen."

Judith Holofernes, Musikerin

Foto: Christoph Voy

Infografik

Klimafreundliche Mobilität hat Zukunft: Die Studie „Umweltbewusstsein in Deutschland 2014“ von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt zeigt, dass viele Bürgerinnen und Bürger gerne noch viel öfter auf Bus, Bahn oder Fahrrad umsteigen wollen.

Gespräch mit Martin Randelhoff

Martin Randelhoff, Jahrgang 1988, studiert Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund. Seit 2010 betreibt er den Blog „Zukunft Mobilität“ (www.zukunft-mobilitaet.net). Daneben berät er Unternehmen, Organisationen und Kommunen in den Bereichen Elektromobilität, nachhaltiger Verkehr, intermodales Verkehrsmittelwahlverhalten, Entwicklungen im ÖPNV und Trendentwicklungen der Mobilität.

Warum bloggst Du unter Zukunft Mobilität?

Die Zukunft der Mobilität, unserer Verkehrsnetze, Städte und ländlichen Räume ist von essenzieller Bedeutung für unser Land. Wir haben heute Strukturen und Lösungen, die in den vergangenen Jahrzehnten für die damaligen Probleme gesucht und geschaffen wurden. Es ist einfach wichtig, für die Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft ebenfalls die richtigen Antworten zu entwickeln. Und dies geht nur im Diskurs und mit entsprechendem Wissen bei allen Beteiligten. Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie komplex Verkehr ist. Ich persönlich sehe mich daher gerne als „Erklärbär des Verkehrs“.

Was macht Dir dabei Freude?

Die Komplexität des Themas Verkehr und die Diskussionen mit Fachleuten und interessierten Bürgerinnen und Bürgern sind in den allermeisten Fällen großartig! Außerdem befindet sich im Verkehrsbereich derzeit so viel im Umbruch, dass es in den kommenden Jahren definitiv nicht langweilig wird. Man muss nur die Diskussionen rund um Fernbussen oder Ride-Selling-Angebote wie „Uber“ betrachten: Da ist zur Zeit sehr viel in Bewegung.

Deine Vision vom Alltagsverkehr 2025?

Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann dies: Der Alltagsverkehr 2025 ist auf jeden Fall multi- und intermodal. Das bedeutet, dass verschiedene Verkehrsmittel je nach Zweck und Zeit kombiniert werden. Auch werden mehr Verkehrsmittel elektrifiziert sein. Insbesondere im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) werden wir häufiger in Elektrobussen und vielleicht auch in Wasserstoffbussen sitzen. IT-Systeme werden uns bei unserer Tagesplanung unterstützen und entsprechend des Wetters und unserer Termine einen idealen Reiseplan bauen und buchen. Bei Störungen und Verspätungen wird dieser natürlich in Echtzeit angepasst.
In Großstädten werden Fahrstreifen von Hauptverkehrsstraßen in Radwege umgebaut und Radwegenetze über das gesamte Stadtgebiet errichtet. Der Radverkehr wird innerstädtisch eine bedeutende Rolle spielen, das Umland über Radschnellwege angebunden werden. Der Pkw-Verkehr wird zurückgehen. In den Städten haben wir dynamische Parkgebühren, die je nach Nachfrage und Auslastung die Preise steuern. Eventuell haben wir bereits zentrale Tiefgaragen, in die Pkw autonom fahren. Wir könnten somit auf Parkplätze in Straßen verzichten, diese umgestalten und den Menschen wieder als Lebensraum zur Verfügung stellen. Insgesamt werden Städte vermutlich leiser, grüner und gesünder werden. Auf dem Land haben wir weiterhin einen flächendeckenden ÖPNV, der zudem bezahlbar ist. Viele Menschen fahren nicht mehr alleine mit dem eigenen Pkw in die Oberzentren, sondern gemeinsam oder mit dem Rad und dem ÖPNV zu Bahnstationen – und von dort aus mit dem Zug in die Stadt.

Q&A

Fakten, Appelle & Beispiele sind gut – selbst handeln ist am besten.

Hier gibt es Tipps und Tricks, wie gut Klimaschutz im Alltag seht gut machbar ist.

1. Wie finde ich praktische Alternativen zum Auto für Arbeit, Einkauf oder Freizeit?

Das Internet macht’s möglich: Es gibt mittlerweile jede Menge Apps und Webseiten, die Routen für Bus und Bahn, Radler/innen oder Fußgänger/innen schnell und gut berechnen. Dazu zählen die Online-Auftritte von Verkehrsverbänden ebenso wie die Suchmaschine des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs ADFC (Radroutenfinder) und Apps wie „Öffi“ und „DB Navigator“. Der Verband Fuss e. V. bietet die Möglichkeit, online an speziell auf den Fußverkehr ausgerichteten Stadtplänen mitzuarbeiten.
Eine nachhaltige Alternative zum eigenen Auto ist auch das Car-Sharing. Eine Liste von Anbietern finden Sie beispielsweise auf der Internetseite des Bundesverbands Car-Sharing www.carsharing.de. Moderne Ortungssysteme machen es möglich, dass Carsharing-Autos oder Leihfahrräder an einem beliebigen Ort im städtischen Raum stehen gelassen werden können – und vom nächsten Nutzer ganz leicht gefunden werden. Einige Anbieter wie moovel, ally oder ecopassenger bieten auch schon eine vernetzte Auskunft an: Eine App signalisiert dann, mit welcher Mischung aus Fußweg, ÖPNV, Mietauto, Leihfahrrad oder Bahn man zu einem konkreten Zeitpunkt am schnellsten von A nach B kommt.

2. Wie finde ich beim Autokauf heraus, welcher Pkw die geringsten Umweltschäden verursacht?

Autohäuser müssen in der Nähe eines jeden Fahrzeugs in Verkaufsräumen ein farbiges Label aufstellen, das die sogenannte „relative CO2-Effizienz“ beschreibt. Die Fahrzeuge werden mit diesem Label in Effizienzklassen eingeordnet, die Verbraucherinnen und Verbrauchern vergleichbar schon von anderen Produkten wie etwa Kühlschränken kennen. Informationen zum Pkw-Label können unter www.pkw-label.de abgerufen werden
Vor allem Hybridfahrzeuge weisen in Rankings gute Einstufungen auf. Elektroautos sind ebenfalls eine klimaschonende Alternative: Ihr Antrieb ist rund dreimal effizienter als der eines herkömmlichen Pkw und bei Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen – etwa aus Wind, Wasser oder Sonne – komplett unabhängig von Erdöl, Erdgas und Kohle. Für Transportwege bietet sich in letzter Zeit zunehmend auch eine komplett CO2-freie Variante an: Lastenräder. Welchen dieser Wege Sie auch immer nutzen: Es hilft dem Klima! 20 Prozent des in Deutschland ausgestoßenen Treibhausgases CO2 werden vom Verkehr freigesetzt. Und mehr als vier Fünftel davon werden von Autos, Lastwagen und Motorrädern verursacht.

3. Ich wohne auf dem Land, wie soll ich denn da mit dem dünn ausgebauten öffentlichen Verkehrsnetz vorankommen?

Es stimmt, dass die Intervalle von Bus- und Bahnverbindungen außerhalb der städtischen Ballungsräume oft ziemlich groß sind – und die Netze weitmaschig. Doch auch hier entstehen neue Alternativen zum Auto. Eine Umfrage des umweltorientierten Verkehrsclubs VCD zeigt auf, dass sich der Mobilitäts-Radius durch Elektrofahrräder auf 15 Kilometer erhöht hat – in dieser Distanz liegen auch im ländlichen Raum oft Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsorte oder Schulen. Und gerade auf dem Land bieten sich für den Weg zur Arbeit, zum Einkaufen oder für Arztbesuche Fahrgemeinschaften ins nächstgelegene Zentrum an. Heutzutage lassen sich diese auch leicht über onlinebasierte Mitnahmeangebote organisieren.
Das gilt auch für Schulwege: Vielleicht müssen Sie gar nicht immer Elterntaxi spielen! Kinder können schon ab dem Grundschulalter viele Wege selbstständig zurücklegen. Bei größeren Distanzen können Sie Fahrgemeinschaften mit anderen Eltern bilden oder mehrere Kinder gemeinsam mit Bus oder Bahn fahren lassen. Kinder in weiterführenden Schulen können viele Wege auch mit dem Fahrrad fahren. Das macht Spaß und trainiert die Eigenverantwortlichkeit. Zudem lassen sich – auch wenn man auf dem Land wohnt – verschiedene Verkehrsmittel anhand ihrer Stärken kombinieren. Für viel Pendler ist es zum Beispiel Zeit und Kosten sparend, mit dem Auto oder Rad zur nächsten Bahnstation zu fahren und von dort aus den Zug zur Arbeit zu nutzen.

Meine Klima-Links zur Mobilität

Klimaschutz, schön und gut, aber wo fange ich jetzt an, nachhaltig mobil zu handeln? Sie können sich schnell einen ersten Überblick verschaffen – wenn Sie sich kurz die Zeit nehmen und durch die Tipps und Tricks klicken, die wir hier gesammelt haben. 

Das Bundesumweltministerium unterstützt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative eine Reihe erfolgreicher Praxisbeispiele aus den Bereichen Klimaschutz und Mobilität: 

Videos

Wer sich gerne über praktische Fragen nachhaltiger Mobilität informieren möchte, der findet im Internet jede Menge Videomaterial dazu. Zur Orientierung haben wir hier einige Links zusammengestellt.

Pressemitteilungen

  • Pressemitteilung vom 19.5.2015: Autohersteller müssen Schadstoff-Ausstoß künftig unter realen Bedingungen messen lassen
    www.bmub.bund.de/N51879
  • Pressemitteilung vom 25.4.2015: BMUB startet bundesweiten Bürgerdialog zu Ressourcenschonung „Welche Zukunft haben Auto, Recycling und Konsum?“
    www.bmub.bund.de/N51811
  • Pressemitteilung vom 23.4.2015: Hendricks fordert zusätzliche Impulse zur Marktentwicklung der Elektromobilität
    www.bmub.bund.de/N51808
  • Pressemitteilung vom 13.4.2015: Schwarzelühr-Sutter: „Größere Reichweiten erleichtern Einstieg in die Elektromobilität
    www.bmub.bund.de/N51776