Klimaschutz heißt weniger Müll

Abfallvermeidung, -trennung und -recycling – das sind Themen, die auch unser Klima betreffen. Was jede und jeder Einzelne von uns rund um Abfallvermeidung und Recycling ganz einfach tun kann, steht hier.

Statement

„Beim Mülltrennen sind wir schon gut, aber in anderen Bereichen ist beim Klimaschutz noch ordentlich Luft nach oben …“

Johann König, Komiker

Foto: Boris Breuer

Infografik

Wir haben es in der Hand: Smartphones sind wahre Goldgruben fürs Recycling. Helfen Sie mit, diesen Schatz zu heben!

Antonia Kittel und Marlene Hofmann im Gespräch

Die Sozialwissenschaftlerin und Nachhaltigkeitsexpertin Antonia Kittel (im Bild links) und die freie Journalistin und Autorin Marlene Hofmann bloggen seit Anfang 2012 auf ihrem gemeinsamen Blog „Verrücktes Huhn" (verrueckteshuhn.wordpress.com) über Nachhaltigkeit im Alltag.

Warum ist das Thema Abfall fürs Klima so wichtig?

Bei der Produktion von vielen Kunststoffen, Kleidungstücken und Geräten fallen Unmengen von giftigen Abgasen,  Abfällen und Abwässern an. Leider wird viel zu viel Zeug produziert und gekauft, das eigentlich kein Mensch braucht. Und so landet es dann ganz schnell im Müll und schädigt das Klima gleich dreifach: Bei der Herstellung, beim Transport und dann noch bei der Entsorgung.

Warum ist Abfallvermeidung immer noch von Bedeutung – mittlerweile wird doch ein Großteil des Abfalls recycelt, oder?

In Deutschland könnte durchaus noch mehr wiederverwertet werden. Und auch im Alltag ist unser Bewusstsein für Recycling sehr gering. Wir wollen keine klimafreundlichen Mehrweg-Glasflaschen die Treppen hoch schleppen (oder noch einfacher: Leitungswasser trinken). Wir nehmen lieber eingeschweißte Äpfel aus dem Supermarkt mit, statt vom Bauern um die Ecke ein paar lose Äpfel im eigenen Korb. Nach Lust und Laune kaufen wir viel zu günstige Nahrungsmittel, um am Ende der Woche die Hälfte wegzuschmeißen, die wir im Kühlschrank vergessen haben. CDs, Handys und Batterien schmeißen wir lieber heimlich – wenn auch mit schlechtem Gewissen –  in den Hausmüll, als damit zum Recyclinghof zu fahren. Wir bloggen, um auf solche Dinge aufmerksam zu machen, Bewusstsein für derartige Verhaltensmuster zu schaffen. Und um uns mit anderen Bloggern über Lösungsvorschläge für die kleinen Hindernisse auf dem Weg zu einem nachhaltigeren Alltag auszutauschen.

Wie kriegt Ihr’s hin, in eurem Freundes- und Bekanntenkreis ein Thema wie Abfall anzusprechen?

Das ist nicht schwierig. Wir haben viele junge Familien im Bekanntenkreis. Wer Kinder hat, möchte eigentlich vermeiden, dass sie mit zu vielen Schadstoffen in Berührung kommen. Neue Sachen wählt man da ganz bewusst aus, kauft lieber weniger, dafür mit hoher Qualität und gerne auch Gebrauchtes. Bei gemeinsamen Besuchen auf Flohmärkten, im Secondhand-Shop oder beim Biobauern kommt man automatisch auf Themen wie Abfallvermeidung zu sprechen.

Eure Top-Tipps rund um Klimaschutz und Abfall?

Bewusster Konsum!

  • lose Produkte, plastikfreie oder plastikarme Dinge und solche mit wenig Verpackung kaufen,
  • weniger, dafür aber langlebige Produkte kaufen,
  • einen Wochenspeiseplan machen und nach Einkaufszettel einkaufen,
  • regionale Produkte kaufen –  denn bei Transport und Lagerung von Waren fällt unheimlich viel Verpackung an, die der Verbraucher in der Regel gar nicht sieht,
  • tauschen, schenken, leihen und reparieren – es muss nicht immer neu sein.

Q&A

Fakten, Appelle & Beispiele sind gut – selbst handeln ist am besten.

Hier gibt es Tipps und Tricks, mit denen Klimaschutz im Alltag sehr gut machbar ist. Die passenden Klima-Links dazu gibt es gleich im Anschluss daran!

1. Was hat Abfall mit Klimaschutz zu tun?

Der beste Abfall ist der, der gar nicht erst entsteht. Wenn wir es schaffen, die unübersehbare Menge an Einweg- oder kurzlebigen Produkten, Wegwerfartikeln und Verpackungen zu reduzieren, dann werden viele energieintensive Produktionsprozesse unnötig – und es werden weniger klimaschädliche Gase ausgestoßen. Abfälle, die nicht vermieden werden können, sind vorrangig zu recyceln. Denn in der Regel spart das nicht nur wertvolle Rohstoffe, sondern es wird im Vergleich zur Produktion aus Primärrohstoffen auch Energie eingespart.

Die lange Nutzung von Produkten schont gleichzeitig Ressourcen und ist gut für das Klima. Beispiel Smartphone: Die kleinen mobilen Computer stecken voller wertvoller Rohstoffe, die in aufwändigen und umweltschädlichen Prozessen in fernen Ländern abgebaut werden. Derzeit werden in Deutschland Handys im Durchschnitt nur zweieinhalb Jahre genutzt, bevor sie im Abfall oder in der Schublade landen.

Das bedeutet: Für neue Handys fallen dann unnötigerweise klimaschädliche Transportwege, viel Energieeinsatz beim Abbau der erforderlichen Ressourcen und bei der Herstellung an. So wird in Smartphones zum Beispiel Gold verarbeitet. Durch die Gewinnung und Veredelung von einem Kilo Gold werden klimaschädliche Gase ausgestoßen, die beinahe 18 Tonnen CO2 entsprechen. Zum Vergleich: Bei der energieintensiven Produktion von einem Kilo Stahl beträgt der Wert 1,6 Kilogramm. Noch ein Beispiel aus der Unterhaltungselektronik: Laptops werden in Deutschland durchschnittlich alle fünf bis sechs Jahre neu gekauft. Bereits während der ersten fünf Jahre fallen je Gerät rund 380 Kilogramm CO2 an, davon entfällt über die Hälfte auf die Herstellung.

2. Was für Alternativen gibt es zum „Kaufen und Wegwerfen“?

Der Trend zum gemeinschaftlichen Konsum, auf Englisch „Collaborative Consumption“, ist auch in Deutschland auf dem Vormarsch. Versuchen Sie doch einmal, anstelle neuer Produkte auf Tauschbörsen oder in Secondhand-Läden nach geeigneten gebrauchten Waren zu suchen. Dazu gibt es auch online sehr viele Möglichkeiten – für kleine Gegenstände wie DVDs ebenso wie für Autos.

Die Studie „Nutzen statt Besitzen“ der Heinrich-Böll-Stiftung und des NABU zeigt für drei ganz unterschiedliche Bereiche Wege auf, den Neukauf und damit das Entstehen von Abfall zu verhindern: für Kleidung, Werkzeug und Chemikalien. So wird etwa eine private Bohrmaschine während ihrer gesamten Lebenszeit nur 45 Stunden genutzt. Technisch wäre es aber ohne weiteres denkbar, das Gerät 300 Stunden in Betrieb zu nehmen. Durch die zahlreichen Vernetzungswege über das Internet ist es heute möglich, Nutzer miteinander in Kontakt zu bringen. Damit könnten im konkreten Fall sechs Bohrmaschinen eingespart werden.

Online-Tauschbörsen wie Kleiderkreisel.de helfen mit, bei der Textilherstellung zu sparen – der Sektor ist für immerhin sechs Prozent des gesamten Ressourcenverbrauchs in Deutschland verantwortlich.

Weitere aktuelle Beispiele für „gemeinschaftlichen Konsum“ umfassen Projekte zur Schulbuchausleihe ebenso wie den Tausch von Möbeln oder Einkaufsgenossenschaften für Lebensmittel.  Kein Wunder, dass die Entwicklung unter Schlagzeilen wie „Don’t own. Share“ („Besitze nicht. Teile“) auch in der Hitliste des US-amerikanischen „Time Magazine“ regelmäßig unter den Top-Trends auftaucht.

3. Vermeiden und verwerten –  aber wie?

Plastikabfall und die Anreicherung von verschiedenen Schadstoffen in den Abfällen stellen ein großes globales Problem dar, denn diese Abfälle sind in der natürlichen Umwelt sehr stabil. Werden sie nicht erfasst und gelangen in die Umwelt, verschmutzen sie dort über einen langen Zeitraum unsere Meere und Böden und gefährden Tiere.

Schon beim Einkauf können Sie darauf achten, Produkte zu wählen, die gut repariert und recycelt werden können. Bei der Auswahl helfen glaubwürdige Kennzeichen wie der Blaue Engel und das Europäische Umweltzeichen, die teilweise auch schon die Reparier- und Recyclingfähigkeit berücksichtigen. Viele Produkte sind auch bereits aus Recyclingmaterialien hergestellt, wie etwa Büropapiere, Toilettenpapier, Abfalltüten oder Taschentücher.

Man kann übrigens durchaus selbst kreativ Dinge wiederverwenden oder verwerten – „Upcycling“ heißt das Trendwort dazu. So werden etwa Paletten zu Sofas oder Kräutergärten, Marmeladengläser zu Lampen, Gürtel zu Buchregalen oder Kuchenformen zu Blumentöpfen. Noch einfacher funktioniert das so genannte „Direktrecycling“: Dabei werden beispielsweise aus größeren Bögen Altpapier kleine Briefumschläge  oder aus alten Magazinen werden Wanddekorationen gebastelt.

Der vom Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt jährlich ausgelobte Bundespreis Ecodesign hat im Bereich Re- und Upcycling einige Projekte ausgezeichnet. Das zeigt, dass recycelte Produkte nicht nur ökologisch sinnvoll sind, sondern auch ästhetisch höchste Ansprüche erfüllen können.

Vermeidung von Abfällen ist aber grundsätzlich besser als Recycling. Das gilt sogar für Papier, obwohl hier gute Recyclingmöglichkeiten bestehen. Papier mit dem Blauen Engel spart in der Produktion gegenüber Frischfaserpapier bis zu 60 Prozent Energie, bis zu 70 Prozent Wasser und verursacht weniger klimaschädliches CO2. Doch auch beim Papier gibt es natürliche Grenzen. Nach etwa sieben Aufbereitungsprozessen sind die Fasern zu kurz für eine Weiterverarbeitung. Und der Recyclingprozess selbst ist auch mit Umweltbelastungen verbunden. Die Vermeidung von überflüssigem Altpapier ist ganz einfach: zum Beispiel nicht alles ausdrucken und auf dem Briefkasten den Aufkleber „keine Werbung“ anbringen.

Einfach und effektiv können Sie Umwelt und Klima schützen, indem Sie möglichst verpackungsarm einkaufen und einen Rucksack oder eine langlebige Einkaufstasche von zuhause für Ihre Einkäufe mitnehmen. Geben Sie Ihren Kindern in die Schule Brotdosen mit und keine in Einwegtüten verpackten Lebensmittel. In zahlreichen Städten und Kommunen gibt es mittlerweile so genannte „Unverpackt“-Läden, in denen Sie Waren in mitgebrachte Verpackungen abfüllen können. Ein klares Zeichen setzen Sie, wenn Sie das Problem in den Geschäften ansprechen und überflüssige Verpackungen direkt vor Ort entfernen und abgeben. Beim Kauf von Getränken sind Mehrwegsysteme die bessere Wahl – Rücknahme und Reinigung verursachen immer noch weniger Umweltbelastungen als die Neuproduktion. Vor allem Einweg-Glasflaschen und Getränkedosen schneiden in einer Betrachtung der Umweltwirkungen schlechter ab als Mehrwegflaschen.

Lebensmittelabfälle von Obst und Gemüse können heimkompostiert und – wenn vorhanden – im eigenen Garten als Dünger eingesetzt werden. Das spart Transportwege bei der Stadtreinigung und damit CO2. Aber auch hier gilt, dass weniger mehr ist. Denn durchschnittlich wirft immer noch jeder Bundesbürger im Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel weg. Das bedeutet: Unnötige aufwändige Herstellungsprozesse in der Landwirtschaft und Transportwege, die für den Ausstoß vieler klimaschädlicher Gase verantwortlich sind. In unserem Schwerpunkt „Klimaschutz schmeckt“ beschreiben wir verschiedene Wege, wie Lebensmittelabfälle von vornherein vermieden werden können, und wie überschüssige Produkte umweltfreundlich weitergegeben oder entsorgt werden können.

Meine Klima-Links zu „Klimaschutz heißt weniger Abfall“

              www.umwelt-kompass.de/index.php?id=61
              www.umwelt-kompass.de/index.php?id=118
              www.umwelt-kompass.de/index.php?id=115
              www.umwelt-kompass.de/index.php?id=116

              www.zweitleben.de/
              www.andersdenken.at/upcycling-kreativitaetstraining/
              http://upcycling-diy.de/
              http://upcycleme.fashionforhome.de/

Das Bundesumweltministerium unterstützt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative eine Reihe erfolgreicher Praxisbeispiele rund um klimafreundliches Engagement:

Fotos und Videos

Wer sich gerne im Klimaschutz engagieren will oder über dieses Thema berichten möchte, der findet im Internet jede Menge Bild- und Videomaterial dazu. Zur Orientierung haben wir hier einige Links zusammengestellt:

  • Ein NDR-Fernsehbeitrag informiert über das Experiment einer jungen Amerikanerin, die „ohne Abfall“ leben will: www.youtube.com/watch?v=UpVXhWULHb0
  • Der Bayerische Rundfunk und die Lehrredaktion der HdM Stuttgart „redaktionzukunft“ beschreiben jeweils in Beiträgen das „Upcycling“:

              www.youtube.com/watch?v=ASfK9-RC2E4
              www.youtube.com/watch?v=TQn_3vVehzE

Pressemitteilungen

  • Pressemitteilung vom 23.10.2015: „Handel muss alte Elektrogeräte zurücknehmen“ www.bmub.bund.de/N52428/
  • Pressemitteilung vom 21.10.2015: „Recyclingquoten sollen deutlich erhöht werden“ www.bmub.bund.de/N52421/
  • Pressemitteilung vom 03.08.2015: „G7-Staaten erarbeiten Maßnahmen gegen Meeresabfall“ www.bmub.bund.de/N52160/
  • Pressemitteilung vom 03.07.2015: „Mehr Recycling, weniger illegaler Schrott-Entsorgung für Elektro-Altgeräte wird erleichtert“ www.bmub.bund.de/N52028/
  • Pressemitteilung vom 05.06.2015: „Online-Debatte: Wie können wir „ressourcenschonend“ leben? www.bmub.bund.de/N51936/
  • Pressemitteilung vom 13.03.2015: „Bundesumweltministerium fördert Recycling von Kühlgeräten“ www.bmub.bund.de/N51689/
  • Pressemitteilung vom 12.02.2015: „Mineralische Bauabfälle werden fast vollständig umweltverträglich verwertet“ www.bmub.bund.de/N51586/