Klimaschutz im Einkaufskorb

Wir Verbraucherinnen und Verbraucher haben großen Einfluss – denn wir entscheiden, was wir kaufen und bestimmen durch unsere Nachfrage das Angebot. Klimafreundliche Produkte und Dienstleistungen können wir jetzt schon erwerben und das Angebot wächst täglich weiter. Ein Einkauf macht doppelt Freude, wenn wir damit auch noch zum Klimaschutz beitragen und die Welt mit unserer Kaufentscheidung etwas besser und fairer machen. Infos zum Umweltzeichen „Blauer Engel“ und weitere Tipps und Tricks zum klimafreundlichen Kauf gibt’s hier.

Statement von Oliver Mommsen

„Wenn wir alle zusammen ein bisschen was an unseren Gewohnheiten verändern, hat das in der Summe, glaube ich, eine Riesenwirkung. Dazu gehört auch, beim Einkauf regionalen Produkten den Vorrang zu geben. Das tut nicht weh, aber es verändert etwas.“

Oliver Mommsen, Schauspieler

Foto: Johannes Zacher

Infografik

In manchen Bereichen achten Bürgerinnen und Bürger aus Deutschland beim Einkauf schon auf den Klimaschutz, etwa wenn es um Haushaltsgeräte geht. Anders sieht es aber bei Möbeln oder Kleidung aus ...

Martin Tillich im Gespräch

Martin Tillich ist Diplom-Soziologe und seit 2010 für die Redaktion von Utopia.de verantwortlich.

Warum betreibt Ihr Utopia?

Wir wollen den Menschen bewusst machen, dass ihr Konsum Folgen hat und dass es an der Zeit ist, umzudenken. Unser Planet kommt an seine Grenzen, und wir tragen entscheidend dazu bei, indem wir einfach immer das Neueste, Tollste und Billigste kaufen. Utopia will dazu motivieren, verantwortungsvoll zu konsumieren. Dazu zeigen wir viele Wege auf. Als Konsument hat man mehr Macht, als man glaubt. Bei uns heißt es: „Jeder Geldschein ist ein Wahlschein.“ Denn es ist ein entscheidender Unterschied, ob ich eine herkömmliche Schokolade kaufe und so Geld an ein Unternehmen zahle, das mit großer Wahrscheinlichkeit Arbeiter auf Kakaoplantagen ausbeutet. Oder ob ich eine Fairtrade-Schokolade kaufe und damit anständige Arbeitsbedingungen unterstütze.

Was macht Dir Spaß am Schreiben auf Utopia?

Für mich ist es wichtig, für eine sinnvolle Sache zu arbeiten. Ich kenne viele Leute, die ihre persönlichen Überzeugungen für ihren Arbeitsplatz zu Hause lassen. Uns wäre aber sehr geholfen, wenn mehr Menschen mit ihrer Arbeit Wege gehen, die ihren persönlichen Überzeugungen entsprechen oder zumindest nicht widersprechen. Inzwischen kenne ich einige Leute, die sich das getraut haben – mit Erfolg. Ein Bekannter von mir kam zum Beispiel ursprünglich aus der Werbewelt, hat dann Utopia mitgegründet und setzt sich nun für solidarische Landwirtschaft in München ein.

Tauscht Du oft Waren oder Dienstleistungen?

Ehrlich gesagt nicht, aber trotzdem verzichte ich oft auf einen Neukauf. Ich leihe mir Bücher von Freunden oder aus der Bibliothek und kaufe viele meiner Klamotten und Möbel gebraucht. Wir merken auch bei Utopia, dass Teilen, Tauschen, Leihen und der Gebrauchtkauf sich wieder als echte Konsumalternativen etablieren. Das ist eine gute Entwicklung, weg vom ewigen Wachstum. Aber man muss auch vor Akteuren warnen, die aus der „Sharing Economy“ wiederum nur persönlichen Profit schlagen wollen.

Welche drei Schritte sollte nach Deiner Ansicht jede und jeder sofort setzen, um Konsum klimafreundlicher zu machen?

  1. Weniger Fleisch und tierische Produkte essen. Weniger Milch, Käse, Eier und vor allem Fleisch sind nicht nur ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz, sondern sorgen auch für weniger Tierleid.
  2. Zu Ökostrom wechseln. Wer den unaufwendigen Wechsel einmal durchzieht, unterstützt Tag für Tag erneuerbare Energien anstatt in die Tasche der Atomlobby zu zahlen.
  3. Sich immer wieder die wichtigste Frage für nachhaltigen Konsum stellen: Brauche ich wirklich etwas Neues oder kann ich auch mit dem zufrieden sein, was ich habe? Denn am nachhaltigsten ist immer noch das Produkt, das gar nicht erst hergestellt wird.

Q&A

Fakten, Appelle & Beispiele sind gut – selbst handeln ist am besten.

Hier gibt es Tipps und Tricks, mit denen Klimaschutz im Alltag sehr gut machbar ist.

1. Was bedeutet „klimafreundlich Einkaufen“?

Vor allem eines: bewusster Einkaufen. Es gibt in praktisch jedem Produktsegment Möglichkeiten, klimafreundliche Varianten zu wählen. Das sind zum Beispiel regionale und saisonale Lebensmittel, energieeffiziente Elektrogeräte oder das Fahrrad und ein Abo für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Aber auch bei der Urlaubsplanung können Sie sich für klimafreundliche Produkte entscheiden.
Es geht beim klimafreundlichen Einkaufen zum einen darum, auf die Herstellungsbedingungen, die technische Qualität und die Lebenszykluskosten zu achten. Das ist nicht immer leicht. Glaubwürdige Produktsiegel können hier wertvolle Orientierung bieten. In den meisten Fällen ist es klimaschonender, wenn man Produkte repariert, leiht oder gebraucht kauft statt sie neu anzuschaffen.
Zum anderen geht es beim klimafreundlichen Einkaufen auch um die Verpackung. Der erste Schritt: Wer Plastiktüten vermeidet, schützt das Klima! Also lieber den eigenen Stoffbeutel immer parat haben.
Und nicht zuletzt ist auch entscheidend, auf welchen Wegen Sie zum gewünschten Produkt gelangen. Bevorzugen Sie möglichst kurze Wege – am besten per Fahrrad, zu Fuß oder mit Bus und Bahn. Das Auto ist meist nur für Großeinkäufe das Verkehrsmittel der Wahl, dafür eignen sich oft auch Lastenräder. Wenn Sie im Internet shoppen, lohnt es sich vorab genau zu überlegen, ob Sie das gewählte bestellte Produkt auch wirklich möchten – denn Retouren bedeuten unnötige Transportwege. Auch den Weg in den Urlaub können Sie klimafreundlich zurücklegen oder – falls dies nicht möglich ist – zumindest die Treibhausgas-Emissionen kompensieren.

2. Wie finde ich mich im Dschungel der Öko-Label zurecht?

Eine ideale Richtschnur bei der Suche klimafreundlicher Produkte ist das Umweltzeichen „Blauer Engel“ des Bundesumweltministeriums (BMUB). Das Label zeichnet die umweltfreundlichsten Produkte und Dienstleistungen aus. Den Blauen Engel gibt es mittlerweile für ganz unterschiedliche Produkte, von Recyclingpapier über Telefone bis hin zu Heizungsanlagen oder Haartrocknern. Für die Entwicklung der anspruchsvollen Kriterien ist das Umweltbundesamt (UBA) zuständig. In der „Jury Umweltzeichen“, dem unabhängigen Beschlussgremium des Blauen Engel, sind alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen vertreten.
Wenn Sie elektrische Produkte kaufen wollen, sollten Sie insbesondere auch auf das EU-Energielabel mit den Angaben zur Energieeffizienzklasse und zum Jahresenergieverbrauch achten. Von Bedeutung ist auch das Europäische Umweltzeichen (auch „Euro-Blume“ genannt), das europaweit für mehr als 2.000 Lizenzen in 35 Produktkategorien zum Einsatz kommt. Ausgezeichnet werden Erzeugnisse, die geringere Umweltauswirkungen als der Marktdurchschnitt haben.
Mit dem Verbraucherportal Siegelklarheit.de hat die Bundesregierung eine Initiative gestartet, mit der glaubwürdige und anspruchsvolle Zeichensysteme und Standards im Label-Dschungel besser sichtbar gemacht werden. Gestartet ist das Portal mit der Bewertung von Siegeln für Textilien. Verbraucher können sich so auf einen Blick darüber informieren, welche Zeichen von der Bundesregierung besonders empfohlen werden. Im Vergleich zu bestehenden Bewertungsportalen sind die Kriterien deutlich umfassender und strenger. Das Portal soll schrittweise um weitere, auch klimarelevante Sektoren, ergänzt werden.

3. Muss es immer gleich was „Neues“ sein?

Natürlich nicht. Warum nicht Dinge, die Sie selbst nicht mehr benötigen, gegen etwas eintauschen, das für Sie einen Wert hat? Tauschbörsen erfreuen sich in den letzten Jahren immer höherer Beliebtheit. Zu den populären Beispielen zählen etwa die „Swappen statt Shoppen“-Partys, bei denen Kleidung getauscht wird. Auch die „Sharing Economy“ ist im Vormarsch. Darunter versteht man all jene Aktivitäten, bei denen „Nutzen“ statt „Besitzen“ im Vordergrund steht. Werkzeuge werden verliehen, Autos gemeinsam genutzt, DVDs und Bücher weitergegeben oder Waschmaschinen von mehreren Haushalten geteilt.
Oft ist es auch möglich, Produkte zu reparieren oder gleich selbst herzustellen. Zahlreiche „Repair-Cafés“ und „Nähläden“ zeigen, dass das geht und Spaß machen kann. Es gibt aber auch Online-Plattformen, die Talente anbieten. Dort können Sie beispielsweise Ihre Fähigkeiten als Restauratorin zur Verfügung stellen und bekommen dafür ein gebrauchtes Tablet. So lernen Sie vielleicht interessante Menschen kennen und sparen Produktions-, Transport- und Verpackungskosten.

Meine Klima-Links zu „Klimaschutz im Einkaufskorb"

Das Bundesumweltministerium unterstützt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative eine Reihe erfolgreicher Praxisbeispiele rund um den klimafreundlichen Konsum:

Fotos und Videos

Wer gerne nachhaltiger kaufen will oder über dieses Thema berichten möchte, der findet im Internet jede Menge Bild- und Videomaterial dazu. Zur Orientierung haben wir hier einige Links zusammengestellt.

  • Auf der Webseite des Umweltzeichens „Blauer Engel“ finden Sie zahlreiche Informationen und Publikationen zum klimaschonenden und nachhaltigen Einkauf. Vier Kurzfilme geben Klimaschutz-Einkaufshilfen zu verschiedenen Haushaltsgeräten:
    www.blauer-engel.de und www.blauer-engel.de/de/news-infos/video
  • Auf Label-online.de steht ein Video zum Download für die journalistische Verwertung bereit. Darin wird eine App zur Bewertung von Gütesiegeln vorgestellt, die die Verbraucherinitiative e. V. gemeinsam mit mehreren Bundesministerien entwickelt hat:
    www.label-online.de/service/videotv/

Pressemitteilungen

  • Pressemitteilung vom 13.7.2015: Verbraucher Macht Nachhaltigkeit www.bmub.bund.de/N52047
  • Pressemitteilung vom 12.6.2015: Nachhaltige Entwicklung erfordert auch einen gesellschaftlichen Wandel www.bmub.bund.de/N51959
  • Pressemitteilung vom 25.4.2015: BMUB startet bundesweiten Bürgerdialog zur Ressourcenschonung. Welche Zukunft haben Auto, Recycling und Konsum? www.bmub.bund.de/N51811
  • Pressemitteilung vom 30.3.2015: Umweltbewusstsein 2014: Immer mehr Menschen sehen Umweltschutz nicht als Problem, sondern als Teil der Lösung. Hohe Nachfrage nach grünen Produkten, Angebot aber noch zu klein www.bmub.bund.de/N51742
  • Pressemitteilung vom 3.2.2015: Umweltverträglichen Produkten gehört die Zukunft. Bundespreis Ecodesign 2015 unter dem Motto „Weiterdenken" ausgeschrieben www.bmub.bund.de/N51559
  • Pressemitteilung vom 8.12.2014: Staatssekretär Adler: Haltbare Produkte sind zentral für Ressourcenschonung www.bmub.bund.de/N51416