Klimaschutz macht aktiv

Die Welt retten – das macht man am besten nicht allein! Es gibt für jede und jeden von uns so viele Möglichkeiten, etwas für den Klimaschutz zu tun. Warum nicht gleich gemeinsam handeln? Jede Menge Organisationen und Initiativen laden Engagierte dazu ein, sich zu beteiligen. Oder Sie gründen gleich selbst Ihr Repair-Café, starten eine Garteninitiative in der Stadt oder organisieren einen Mitfahr-Service zu Arbeit und Schule. Hier finden Sie eine bunte Palette von Anregungen, machen Sie mit!

Statement

„Wir brauchen aktiven Klimaschutz, der dort ansetzt, wo die Menschen leben und arbeiten.“ 

Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB)

Infografik

„Ein Drittel der Deutschen engagiert sich im Internet für wichtige Themen – durch Online-Petitionen, Kampagnen, Blogs und vieles mehr. Aber noch viel mehr Bürgerinnen und Bürger halten Umwelt- und Klimaschutz für Kernfragen für unsere Zukunft.“

Daniel Hires im Gespräch

Daniel Hires ist Spezialist für Nachhaltigkeits-Startups, die er bei der Gründung und in der Geschäftsentwicklung unterstützt. Der Buchautor und Blogger hat die Unkonferenz „SenseCamp" und die „Silent Climate Parade Berlin“ mitgegründet, und baut mit dem „SenseCube" einen Inkubator für Sozialunternehmer auf.

Warum engagierst Du Dich für den Klimaschutz?

Ich sage immer, der Klimawandel ist DIE Herausforderung unserer Generation. Alle anderen Krisen werden sich verschlimmern, wenn wir die durch den Klimawandel verursachten Probleme nicht lösen. Auch wenn es nicht so offensichtlich ist, wurde die Lage von vielen Flüchtlingen durch den Klimawandel verschärft. Die Dürre in Syrien zwischen 2007 und 2010 zwang 1,5 Millionen Bauern zur Landflucht und verschlimmerte die angespannte Situation in den Städten. Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe für die Flüchtlingskrise, aber wir dürfen nicht vergessen, dass der Klimawandel alle anderen Probleme verschlimmert.
Auf der anderen Seite ist die Hoffnung. Die Klimakatastrophe zu verhindern, das stellt eine enorme Chance dar, gesellschaftliche Strukturen neu zu ordnen, um gleichzeitig viele andere Probleme zu lösen. So ist es heute schon fast kein Problem mehr, offen die Frage zu stellen, wie wir mit endlichen Ressourcen unendliches Wachstum unterhalten wollen. Auch das Konzept von Sozialunternehmertum wird gesellschaftlich immer ernster genommen: Diese Organisationen sammeln keine Spenden, aber es geht ihnen auch nicht um bloße Profitmaximierung, sondern um den Sinn in ihrer Tätigkeit.

Kann der Einzelne heute überhaupt etwas bewegen?

Wer, wenn nicht wir? Wandel geht immer von Menschen aus, die Veränderung leben. Zum Glück sind wir auch noch eine soziale Spezies. Es gilt, nicht nur privat und im Stillen Verantwortung zu übernehmen, sondern auch darüber zu sprechen und von gesellschaftlichen Akteuren einzufordern, die Interessen der Bürger gewissenhaft zu vertreten und eine Führungsrolle beim Klimaschutz wahrzunehmen.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich mit anderen zusammenzuschließen und anzupacken: Eine Initiative gründen, sich ehrenamtlich engagieren oder selbst zum Sozialunternehmer werden. Meine Botschaft ist immer: „Alle Mann an Deck!" Wir brauchen viele Hände, die ihren Teil zu einer nachhaltigen Zukunft beitragen.

Wie bringt man Leute dazu, sich für Klimaschutz zu begeistern – ohne als Nervensäge oder Moralapostel dazustehen?

Eine nachhaltige Zukunft muss mit positiven Bildern assoziiert werden, nicht ständig mit Verzicht, wie es heute geschieht. Es geht doch darum, die Zukunft mitzugestalten! Bei der „Silent Climate Parade“ setzen wir diese Philosophie um und kommunizieren mit Freude und Spaß statt mit dem Zeigefinger. Positivbeispiele statt Verbote. Inspiration statt Einschränkung. Das funktioniert sehr gut, vor allem erreichen wir Zielgruppen, die nicht zu den „üblichen Verdächtigen" gehören.
Denn eines muss uns doch klar sein: Früher oder später muss das fossile Zeitalter sowieso enden, denn die Ressourcen sind endlich. Eine Zukunft mit erneuerbaren Energien ist tatsächlich alternativlos. Warum sollten wir diese Zukunft nicht so schnell wie möglich einleiten, zumal wir mit dem Verbrauch fossiler Energien irreversible Schäden anrichten?
Auf der positiven Seite steht aber auch der Traum von Straßen ohne lärmende Verbrennungsmotoren oder Lebensmitteln, die natürlicher und ohne Chemiekeulen auf dem Teller landen. Ich finde es wichtig, dass die Zukunft uns wieder zum Träumen von einer schöneren Welt einlädt.

Deine liebsten Tipps für Klimaengagement?

Ich lebe in der Stadt und besitze als Radfahrer kein Auto. Wenn es notwendig wird, dann gibt's ja genügend Carsharing-Optionen. Überhaupt macht der ursprüngliche Gedanke der Sharing Economy viel Sinn: Ich besitze kaum etwas, was mir wichtig ist und nicht in einen Koffer passt. Das ist mein generelles Prinzip: weniger Dinge und stattdessen gemeinsame Erinnerungen sammeln. Das macht mich wirklich glücklich.

Q&A

Fakten, Appelle & Beispiele sind gut – selbst handeln ist am besten.

Hier gibt es Tipps und Tricks, mit denen Klimaschutz im Alltag sehr gut machbar ist.

Wie kann ich mich für den Klimaschutz engagieren?

Radeln, regionale Produkte kaufen oder energiesparend heizen – jeder kleine klimafreundliche Schritt im Alltag ist ein Zeichen für Engagement. Wie beim Sport oder bei der Musik lassen sich auch beim Klimaschutz Dinge leichter in der Gruppe angehen: Wer andere für seine Ideen begeistert oder sich bereits bestehenden Vereinen oder Verbänden anschließt, der hat oft mehr Spaß, findet dabei neue Freunde und kann nachhaltig etwas verbessern. Dabei braucht es nicht immer viel Zeit und Energie, um Großes zu bewegen. Oft reicht es schon, zum Beispiel als Mutter, Vater oder Jugendliche/r in der Schule Projekte anzuregen, die sich mit dem Klimaschutz befassen. In unserer Linkliste finden Sie dazu eine Reihe von Hinweisen, beispielsweise auf den Bildungsservice des Bundesumweltministeriums oder in Wanderausstellungen verschiedener Träger.

Bei der Mobilität ist das flexible Kombinieren der Verkehrsmittel statt „immer Auto“ eine klimafreundliche Möglichkeit. Dabei hilft natürlich Car-Sharing, denn manchmal ist das Auto der bessere Packesel oder einfach bequemer. Und es hilft, wenn man sein Rad an der Bahn bequem und sicher abstellen oder bei Bedarf unkompliziert mitnehmen kann. Beim Auto gilt: Besser für Klima und Stadtluft sind Elektrofahrzeuge, vor allem wenn sie mit Ökostrom gespeist werden. Sie können aber auch Mitfahrzentralen nutzen oder selbst Fahrgemeinschaften gründen. Für das private Autoteilen gibt es inzwischen auch sehr gut funktionierende Online-Plattformen. In manchen dezentral gelegenen größeren Unternehmen gibt es an der Ausfahrt Mitnahmezonen. Dort können sich Personen, die zur Bahnstation oder in die nächstgelegene Stadt fahren wollen, einfach hinstellen – und werden von anderen Mitarbeiterinnen oder Mitarbeitern mitgenommen.

Als Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer können Sie in größeren Betrieben eine solche Mitfahrzone initiieren. Überhaupt steckt in der Verbesserung der Arbeitswege ein großes Potenzial. Moderne Arbeitgeber machen ein nachhaltiges Mobilitätsmanagement. Oder Sie regen in Ihrem Freundes-, Bekannten- oder Kollegenkreis einen Austausch über Fahrgemeinschaften zu Arbeit oder Schule an. Oft ist schon Mund-zu-Mund-Propaganda ausreichend, um klimaschonendes Verhalten anzustoßen. Erzählen Sie in Alltagsgesprächen darüber, wie Sie als Klimaschützerin und Klimaschützer aktiv werden – oder posten Sie dazu im Internet. Ganz ohne erhobenen Zeigefinger lässt sich so für zukunftsbewusstes Verhalten werben.

Das Bundesumweltministerium erarbeitet derzeit übrigens den Nationalen Klimaschutzplan 2050. Jede und jeder ist eingeladen, sich ab dem 24. November 2015 online an der Diskussion zu beteiligen. www.buergerdialog.klimaschutzplan2050.de.

Eine einfache Möglichkeit für gemeinsamen Klimaschutz im Alltag ist auch das Foodsharing. Auf der Plattform foodsharing gibt es drei Bereiche: geben, nehmen und teilen. Sie haben vor dem Urlaub den Kühlschrank voll oder nach der Party Essensreste über? Bei Foodsharing können Sie dieses Angebot einstellen und die Waren an Nachbarn abgeben. Auf der Online-Plattform können Sie aber auch selbst Lebensmittel in Ihrer Umgebung finden, die andere nicht mehr benötigen.

Und Foodsharing bringt Leute mit gleichen Kochwünschen zusammen: Wer gemeinsam mit anderen eine größere Portion Auflauf oder Pizza backen will, kann einen Teil der Zutaten beisteuern und das Ergebnis mit den anderen gemeinsam verspeisen. So sinkt das Risiko, dass Überbleibsel weggeworfen werden – und vielleicht lernt man auf diese Weise sogar nette Menschen in der Nachbarschaft kennen. Fürs Foodsharing braucht es natürlich nicht unbedingt das Internet. Man kann sich auch über Sportverein oder Schule vernetzen und Lebensmittel austauschen. Wenn Sie in einem größeren Unternehmen mit eigener Kantine arbeiten, können Sie anregen, dass Ihr Betrieb beim Projekt „GV-nachhaltig“ des Vegetarierbundes mitmacht. Dabei werden konkrete Möglichkeiten aufgezeigt, klimaschonend und kostengünstig zu kochen – auch für tausende Menschen pro Tag.

Wo finde ich Gleichgesinnte?

In Deutschland gibt es jede Menge Organisationen, Verbände und Vereine, die sich mit Klimaschutz auseinandersetzen. Spannende Projekte finden Sie beispielsweise bei der Nationalen Klimaschutzinitiative. Auch die Gewinnerkommunen des jährlichen Wettbewerbs „Kommunaler Klimaschutz“ des Bundesumweltministeriums bieten gute Beispiele zum Nachmachen. Dazu zählen die Stadt Siegen, die einen „Energieverein“ gegründet hat, die Stadt Mannheim mit ihrem Klimaschutz-Aktionsprogramm „FlurfunkE“ oder eine Kooperation des Landkreises Traunstein mit dem Berchtesgadener Land und dem Salzburger Seenland unter dem Motto „Was hat meine Kommune mit dem Klima zu tun?“, aber auch etwa die Transition-Town-Bewegung.
  
Viele Umwelt- und Klimaschutzorganisationen bieten lokale Arbeitsgruppen, in denen Sie Projekte erarbeiten, Diskussionen anregen und im Rahmen der Mitgliederwerbung auch andere für die Ziele begeistern können. Bildungseinrichtungen, wie die Bundeszentrale für politische Bildung oder auch politische Stiftungen, bieten Informationen und Kontaktdaten rund um Bürgerbeteiligung und engagierte Gruppen. Viele Kommunen stellen auf ihren Stadt-Webseiten alle Initiativen und Organisationen zusammen, die sich in ihrem lokalen Einzugsbereich für Anliegen rund um Umwelt und Klimaschutz einsetzen.

Es geht aber auch noch einfacher: Über Posts im Internet – bei Facebook, Twitter, Xing oder anderen Plattformen – kann man als engagierte Bürgerin und engagierter Bürger nachfragen, ob denn nicht aus dem Kreis der Nutzerinnen und Nutzer jemand Interesse hat, initiativ zu werden.

Wie kann ich sicher gehen, dass ich wirklich etwas bewege?

Es gibt eine ganze Reihe seriöser Informationsquellen darüber, welchen positiven Klimaeffekt bestimmte Aktionen und Verhaltensweisen haben. So zeigt der CO2-Rechner des Umweltbundesamts über die verschiedenen Lebensbereiche hinweg auf, wie Sie Ihren ökologischen Fußabdruck kleiner machen können. Forschungseinrichtungen, wie das Deutsche Wettermuseum oder das Klimahaus Bremerhaven, informieren ebenso online und vor Ort darüber, wie konkrete Maßnahmen sich auf die CO2-Bilanz auswirken.

Sie können sich aber auch – alleine oder in der Gruppe – darüber beraten lassen, welche Effekte Ihre Projekte erzielen. Lokale Büros von Energieagenturen, Klimaschutzstellen in Kommunen, Initiativen oder Forschungseinrichtungen stehen dafür zur Verfügung. Vielleicht ist ja auch gerade Ihr Projekt so interessant für ein Forschungsteam, dass es eine wissenschaftliche Begleitung anbietet – so finden die Forscherinnen und Forscher ein praktisches Betätigungsfeld, und Sie erhalten abgesicherte Informationen darüber, was Sie fürs Klima tun. Eine echte Win-win-Situation.

Wer sich für den Klimaschutz durch eine Spende engagiert, sollte die Webseite des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) besuchen. Es vergibt ein Gütesiegel für seriöse Spendenorganisationen. Unter den Trägern des DZI-Siegels finden sich auch zahlreiche Organisationen, die für den Klimaschutz arbeiten. Unternehmen wie clicks4charity bieten die Möglichkeit an, bei der Internetproduktsuche oder dem Online-Kauf spezielle Plattformen zu nutzen. Partnerunternehmen verpflichten sich, für Käufe oder Clicks über diesen Zugangsweg einen gewissen Betrag zu spenden.

Meine Klima-Links „Klimaschutz macht aktiv“

Das Bundesumweltministerium unterstützt im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative eine Reihe erfolgreicher Praxisbeispiele rund um klimafreundliches Engagement:

Fotos und Videos

Wer sich gerne im Klimaschutz engagieren will oder über dieses Thema berichten möchte, der findet im Internet jede Menge Bild- und Videomaterial dazu. Zur Orientierung haben wir hier einige Links zusammengestellt:

Pressemitteilungen

  • Pressemitteilung vom 2.10.2015: „Barbara Hendricks: Klimakonferenz in Hannover ist ein ermutigendes Signal für Paris“, www.bmub.bund.de/N52368/
  • Pressemitteilung vom 4.9.2015: „Junge Ideen für Nachhaltigkeit“, www.bmub.bund.de/N52266/
  • Pressemitteilung vom 25.8.2015: „7500 kommunale Klimaschutzprojekte www.bmub.bund.de/N52246/
  • Pressemitteilung vom 25.6.2015: „Hendricks startet Dialog zum Klimaschutzplan 2050“, www.bmub.bund.de/N51999/
  • Pressemitteilung vom 5.6.2015: „Online-Debatte: Wie können wir ‚ressourcenschonend‘ leben?”, www.bmub.bund.de/N51936/
  • Pressemitteilung vom 3.6.2015: „Internationaler Bürgerdialog sammelt Stimmen zum Klimawandel in 82 Ländern“, www.bmub.bund.de/N51922/
  • Pressemitteilung vom 15.4.2015: „Erster Tag der Städtebauförderung am 9. Mai, rund 570 Kommunen bieten Projekte zum Mitmachen an“, www.bmub.bund.de/N51780/