Klimaschutz schmeckt

Guten Appetit! Wer beim Essen und Trinken das Klima schützt, kann davon doppelt profitieren. Denn: Es geht bei verantwortungsvoll hergestellter, regional produzierter Ernährung nicht um Verzicht – sondern um den Genuss einer Vielfalt verschiedenster Lebensmittel. Und das verbunden mit der Chance, gleichzeitig etwas für unser aller Zukunft und die Lebensqualität im direkten Umfeld zu tun.

Statement von Valenthin Thurn

„Wir haben viele gute und schmackhafte Möglichkeiten, uns zu ernähren – und überraschend viele davon sind klimaschonend!“

Valentin Thurn, Journalist und Filmemacher

Infografik

Sie können bis zu 600 Kilogramm CO2 pro Jahr sparen, wenn Sie die Formel „saisonal – regional – bio“ berücksichtigen und möglichst wenige tierische Lebensmittel verwenden. Eine Tabelle mit der Klimabilanz weiterer Lebensmittel finden Sie auf www.bmub.bund.de/P437 (Anmerkung: Für Tomaten findet sich dort ein gemittelter Wert, die in unserer Infografik angeführten Zahlen sind Näherungswerte für spezielle Anbau- und Transportszenarien)

Interview Indra Jungblut

Indra Jungblut hat Soziologie und Kommunikations- und Medienwissenschaften studiert und
ist seit 2011 für die Redaktion der Informations- und Aktionsplattform Reset.org verantwortlich

Warum bloggst du unter reset.org?

Umwelt- und Klimaschutz haben in meinem Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt. Reset.org bietet mir genau die richtige Plattform, um mein Wissen und meine Überzeugungen weiterzugeben und gleichzeitig anderen Menschen Wege zu zeigen, selbst aktiv zu werden. Ich stehe hinter dem Ansatz von Reset.org: Nicht nur Fakten darstellen, sondern neue, innovative Lösungen und Ideen aufzeigen. Durch meine Arbeit stehe ich in Kontakt mit vielen neuen, spannenden Projekten. Und das macht Hoffnung! Zu sehen, dass sich überall auf der ganzen Welt viele Menschen Gedanken um unsere Zukunft machen und kreative Lösungen entwickeln, teile ich mit Freude mit unseren Lesern – und das motiviert auch mich selbst.

Was essen wir in 20 Jahren? Künstliches Fleisch? Oder drucken wir die Speisen aus?

Gute Frage. Ich sehe beides: Einerseits gibt es eine große Bewegung hin zu möglichst natürlichen Lebensmittel und Eigenanbau, anderseits wird viel geforscht zu neuen Herstellungsverfahren von Lebensmitteln. Wahrscheinlich wird die Lebensmittelproduktion einfach nur flexibler, mit mehr verschiedenen Anbaumethoden. Da sehe ich vor allem soziale Innovationen wie „Urban Gardening“ als Gemeinschaftsprojekt im Kommen, wie beispielsweise im Prinzessinnengarten in Kreuzberg, aber auch städtische Landwirtschaft mit Dachgärten, Aquaponic-Systemen und innovativen Gewächshäusern. Gerade ökologisch macht es Sinn, die Produktion der Lebensmittel den Verbrauchern wieder näher zu bringen und so die Transportwege zu minimieren und das Umland zu entlasten. An künstliches Fleisch und Lebensmittel aus dem Drucker glaube ich nicht – dafür kann sich bestimmt keine Mehrheit begeistern. So schlecht wäre es vielleicht nicht, schließlich ist der leider weltweit wachsende Fleischkonsum ein Klimakiller. Aber es würde auch schon viel helfen, wenn mehr Menschen weniger Fleisch essen.

Welches Lokal würdest du gerne selbst eröffnen?

Ein asiatisches Schnellrestaurant mit einer übersichtlichen Karte, in dem nur regionale und saisonale Biolebensmittel im Topf landen. Was nicht aus der Gegend ist, stammt aus fairem Handel. Fleisch gibt es nur als Beilage. Und die Preise sollten erschwinglich sein. Essen zum Mitnehmen würde ich auch anbieten, wahlweise in eigenen Gefäßen oder robusten Pfandbehältern, die wiederverwendet werden. Ich glaube, da ist alles drin: meine Begeisterung für asiatisches Essen, gute Lebensmittel und Klimaschutz durch wenig Fleisch und Müllvermeidung. Wenn ich genug vom Bloggen habe, sollte ich vielleicht wirklich ein Restaurant eröffnen.

Q&A

Fakten, Appelle & Beispiele sind gut – selbst handeln ist am besten.

Hier gibt es Tipps und Tricks, mit denen Klimaschutz im Alltag sehr gut machbar ist.

1. Macht die Nahrung wirklich einen Unterschied fürs Klima?

500 Kilogramm Lebensmittel konsumiert ein Mensch in Deutschland durchschnittlich im Jahr – und das ohne Getränke. Anbau von Pflanzen, Futterpflanzen, Düngemittel, Methan-Emissionen von Kühen, Tiere in Massentierhaltung et cetera verursachen pro Person mehr als zwei Tonnen Treibhausgase. Damit ist der private Nahrungskonsum in etwa so klimaschädlich wie der Verkehrssektor. Verbraucherinnen und Verbraucher können auch beim Einkauf von Lebensmitteln erheblich dazu beitragen, Ressourcen zu schonen und Umweltbelastungen zur verringern – und somit einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Eine Möglichkeit, sich klimafreundlich, umweltbewusst und gesünder zu ernähren, besteht darin, weniger Fleisch zu essen. Bei vegetarischer Ernährung sinkt der Ausstoß von Treibhausgasen auf etwa zwei Drittel. Verzichtet man noch dazu auf Milchprodukte, beträgt er weniger als die Hälfte.

2. Gibt es anerkannte Gütesiegel für klimafreundlich hergestellte und gehandelte Lebensmittel?

„Regional und saisonal“ – das sind Kernbegriffe bei der Suche nach klimaverträglichen Lebensmitteln. Für diese Kriterien gibt es Gütesiegel unterschiedlicher Qualität. Die von der Verbraucher Initiative e. V. getragene Plattform www.label-online.de informiert Sie mit übersichtlichen und verständlichen Informationen und Bewertungen über die Qualität von insgesamt rund 400 Labeln. Dabei sind nicht nur die direkt auf Lebensmittel bezogenen Zeichen und Standards relevant: Achten Sie auch beim Kauf anderer Produkte, wie etwa von stromverbrauchenden Küchengeräten, auf die Energie-Effizienzklassen und das Umweltzeichen Blauer Engel. 
Auch Bio-Herstellung kann ein Hinweis darauf sein, dass Produkte auf nachhaltige Weise und klimafreundlich produziert werden – allerdings sollte man darauf achten, dass die Lebensmittel nicht lange klimaschädliche Transportwege hinter sich haben. Die Kennzeichnung, beispielsweise mit dem EU-Biosiegel oder dem Deutschen Biosiegel, weist auf den ökologischen Anbau hin und kann die Kaufentscheidung unterstützen. Kennzeichen von Anbauverbänden wie „demeter“ oder „Bioland“ haben teilweise noch höhere Standards.

3. Wie kann ich Lebensmittelabfälle vermeiden?

Mehr als 80 Kilogramm Nahrungsmittel werden in Deutschland jährlich zu früh entsorgt – pro Person! Der wichtigste Rat lautet: Werfen Sie Nahrungsmittel nicht einfach weg, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist! Denn das bedeutet nicht, dass die Ware ungenießbar oder gar gesundheitsschädlich ist. Selbst wenn das Verbrauchsdatum überschritten ist, sollten Sie vor dem Wegwerfen durch Sehen, Riechen und Schmecken noch prüfen, ob die Lebensmittel tatsächlich nicht mehr verwendet werden können. Nur Fleisch oder Fisch sollten dann in jedem Fall entsorgt werden. Reste von Mahlzeiten können auch im Gefrierfach aufbewahrt werden, selbst Obst kann als Mus noch später konsumiert werden. Und aus Essensresten kann man mit ein wenig Kreativität leckere Gerichte zaubern. Im Internet finden Sie zahlreiche „Restekochbücher“.
Doch Klimaschutz setzt schon eine Stufe früher an: Kaufen Sie gezielt ein. Erstellen Sie einen Essens-Wochenplan und schreiben Sie vorab auf einen Einkaufszettel, was sie besorgen möchten und auch wirklich benötigen. Wenn Sie überflüssige Einkäufe vermeiden, tun Sie was fürs Klima. Schließlich tragen vor allem die Treibhausgase Methan aus der Tierhaltung und Lachgas aus der Nutzung der Böden wesentlich zur Erderwärmung bei. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gibt in der Aktion www.zugutfuerdietonne.de Tipps gegen Lebensmittelverschwendung und bietet eine hilfreiche App dazu an.

Meine Klima-Links zu „Klimaschutz schmeckt"

 

Praxistipps, erfolgreiche Beispiele

Es gibt jede Menge spannende Informationen rund um die Konsequenzen unserer Ernährung für Umwelt und Klima. Doch wo kann man selbst am besten ansetzen, um Genuss und Klimaschutz zu verbinden? Wir haben für Sie Tipps und Tricks zusammengestellt, die Ihnen beim Schritt in die Praxis helfen.

Fotos und Videos


Im Internet finden Sie jede Menge Bild- und Videomaterial rund um Ernährung und Klimaschutz. Zur Orientierung haben wir einige qualitativ hochwertige Links zusammengestellt.

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